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Veröffentlicht am 08.03.2026

Die Spur führt in die Vergangenheit

Solothurn ruft nach Vergeltung
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Dies ist bereits der siebente Teil der Reihe um Chefermittler Dominik Dornach, die in Solothurn und Umgebung spielt. Die Krimis von Christof Gasser sind extrem spannend und lesen sich oftmals wie ein Thriller.

Bei ...

Dies ist bereits der siebente Teil der Reihe um Chefermittler Dominik Dornach, die in Solothurn und Umgebung spielt. Die Krimis von Christof Gasser sind extrem spannend und lesen sich oftmals wie ein Thriller.

Bei den Solothurner Filmtagen wird der Filmemacher Toni Kurtis tot aufgefunden. Ausgerechnet Pia, Dominik Dornachs Tochter, hat gemeinsam mit Kurtis Assistentin Ella den Regisseur im Hotelzimmer gefunden. Seine umstrittene Dokumentation "Seelenrisse" über Zwangsehen, Frauenhandel und Femizide sollte bei der Veranstaltung mit dem "Prix de Soleure" ausgezeichnet werden. Kurtis wurde in Albanien geboren und wurde des Landes verwiesen, als er einigen einflussreichen Personen zu sehr auf die Füße trat. Seither lebt er in der Schweiz.
Die Befragung des Filmteams ist schwierig und bald ist klar, dass der Ermordete viele Feinde hatte. Dominik und sein Team beginnen zu ermitteln. Dabei erkennt er bald, dass die Lösung in der Vergangenheit zu suchen ist - und zwar auch in seiner eigenen als Ermittler. Doch nicht nur der damals schlecht aufgeklärte Fall macht Dornach Probleme, sondern auch gesundheitlich scheint er nicht ganz auf der Höhe zu sein...

Der Inhalt des bereits siebenten Solothurner Krimis von Christof Gasser passt perfekt zum heutigen Frauentag. Die Krimis des Autoren lassen sich mit keinen anderen vergleichen, sind sie doch immer brandaktuell und politisch brisant. Diesmal haben wir es mit dem Thema Frauenmorde zu tun.
Schlagzeilen betreffend Femizide und Ehrenmorde werden zunehmend mehr und verursachen mir Gänsehaut. Misogyne Männer sind in allen Schichten und Religionen zu finden.

Der Spannungsbogen ist von Beginn an hoch, die Handlung komplex und temporeich. Diese Eigenschaften schätze ich sehr an den Krimis des Autors. Gasser lässt uns diesmal nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Kosovo ermitteln. Internationale Verflechtungen und zahlreiche Wendungen geben dem brisanten Thema zusätzliche Dramatik.
Private Einblicke dürfen ebenfalls nicht fehlen, wobei aber die Ermittlungen immer im Vordergrund stehen. Spritzige Dialoge lockern die Krimihandlung auf.

Die im letzten Band neu eingesetzte Staatsanwältin wird krankheitsbedingt durch eine uns bekannte Figur ersetzt: Angela Casagrande
Gassers Frauenfiguren sind sehr stark und unabhängig. Casagrande und Jana Cranach von Europol sind bezeichnend dafür.
Pia empfand ich in diesem Band etwas zu unüberlegt und impulsiv, auch wenn dies zu ihren Charaktereigenschaften gehört. Als angehende Polizeischülerin hat sie zwar Dominiks Gespür geerbt und auch schon viel gelernt, aber ihre Alleingänge lassen mich immer wieder den Kopf schütteln.
Das Ende birgt eine Überraschung, ist aber nachvollziehbar. Einen kleinen Cliffhanger gibt es zusätzlich.

Das Cover zeigt diesmal den Gerechtigkeitsbrunnen in Solothurn und passt perfekt zur Handlung. Ist Recht immer Gerechtigkeit?
Am Ende findet sich wieder ein Glossar mit Schweizer Begriffen, die ich als Österreicherin allerdings nicht wirklich benötige.

Fazit:
Ein hochbrisanter Krimi mit einer spannenden und raffiniert konstruierten Story. Christof Gassers Themen sind wie immer brisant und hochaktuell.

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Der Kreis schließt sich

Die Zukunft am Horizont
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Mit dem fünften Band der Von-Bahlow-Saga halten wir den krönenden Abschluss einer großen Familiensaga in den Händen, deren Schauplatz Westsamoa ist. Gemeinsam mit Nicole von Zeit für neue Genres habe ich ...

Mit dem fünften Band der Von-Bahlow-Saga halten wir den krönenden Abschluss einer großen Familiensaga in den Händen, deren Schauplatz Westsamoa ist. Gemeinsam mit Nicole von Zeit für neue Genres habe ich das 542 Seiten starke Buch gelesen und mich von der Familie Von-Bahlow mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedet.
Da die Veröffentlichung, und somit die Abstände der Bücher aus der Reihe sehr groß sind, braucht man etwas, um wieder in die Geschichte hineinzufinden und die vielen Figuren wieder richtig einzuordnen. Ein Stammbaum ganz hinten im Buch ist dabei sehr hilfreich.

Wir sind diesmal nicht nur auf Westsamoa, sondern auch in den USA und in Deutschland unterwegs. Es sind die Fünfziger Jahre, die auf allen drei Schauplätzen komplett unterschiedlich erlebt werden. Während in Samoa die Zeit fast stehen geblieben ist, tobt in Los Angeles und San Francisco das Leben. Mimi möchte Sina-Jean unbedingt ins Filmgeschäft bringen, welches in Hollywood unzählige Weltstars hervorbringt. In Deutschland hingegen ist Nachkriegszeit und das Land in Ost- und Westdeutschland aufgeteilt. Ein Familienzweig der Von-Bahlows lebt in Potsdam. Das ehemalige Gut wurde von der LPG enteignet und wird nun als Kolchose bewirtschaftet. Hier lernen wir Frederike, genannt Rike kennen, die nach dem Tod ihres Mannes aus Westberlin zu ihrer Familie zurückkehrt. Bruder Konrad und seine Frau Clara bewirtschaften das Gut, auf dem auch noch Mutter Erna lebt. Das Nachkriegsleben in der DDR deprimiert die freiheitsliebende Frau jedoch sehr. Als ihr Briefe von Karl von Bahlow auf dem Dachboden in die Hände fallen, wird ihr Wunsch, die Verwandtschaft auf Samoa kennenzulernen übermächtig, denn in Ostdeutschland hält sie nichts mehr. Mit dem Erbe ihres Mannes macht sie sich auf nach Westsamoa.....
Neben Rike begleiten wir Serafina, die mit Blair Astor verheiratet ist. Nach den Flitterwochen stürzen sie jedoch von ihrer "Cloud Number 9", denn die Astors setzen alles daran, diese Ehe zu zerstören.
Auf Samoa ist Martha noch immer diejenige, die für die Unabhängigkeit kämpft. Eine starke Frau, die nicht aufgibt, aber genauso dickköpfig und oftmals uneinsichtig ist.

Die Familiensage ist sehr komplex und die Protagonisten sind mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen. Sie sind für mich fast wie Familienmitglieder und wirken authentisch. Die Figuren haben sich über all die Jahre weiterentwickelt und manche überraschen einem selbst nach vier Bänden noch mit einer unerwarteten Handlung. Die politischen Ereignisse auf Samoa spielen wieder eine Rolle, jedoch nehmen sie nicht so viel Platz ein, wie im Vorgängerband.
Die wechselnden Perspektiven, die aus der Sicht von Rike, Sefina, Martha und Paul erzählt werden, lassen die Geschehnisse noch viel intensiver wirken.
Alexandra Fischer greift auch viele Handlungsstränge aus den Vorgängerbänden auf, verwebt sie geschickt miteinander und führt vieles zu einem Abschluss, was lange Zeit offen geblieben war.
Am Ende schließt sich der Kreis - und dennoch empfand ich das Ende fast zu schön, um wahr zu sein, auch wenn es ein paar traurige Vorkommnisse gab.

Wie bereits die Vorgängerbände, ist auch der fünfte Band wunderschön gestaltet. Die Kapitelanfänge sind durch ganzseitige Bilder hervorgehoben. Auf der gegenüberliegenden Seite sind Ort, Land und das Jahr, sowie der Name des Protagonisten/der Protagonostin als Überschrift angegeben.

Alexandra Fischer hat auf Instagram bereits weitere Spin-offs angekündigt, die in den 1970iger Jahren spielen werden. Ich hoffe diese wird es auch als Print und nicht nur als eBook geben.

Fazit:
Ein würdiger Abschlussband dieser großartigen Familiensaga, die mich nach Westsamoa entführt hat und über Jahre unterhalten hat. Ich empfehle diese außergewöhnliche Saga, die uns ans Ende der Welt führt, sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Intensives Leseerlebnis

Der andere Arthur
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Letztes Jahr ist man um Liz Moores Roman "Der Gott des Waldes" nicht herumgekommen und auch bei mir landete er unter den besten Büchern 2025.
Nun wurde das Debüt der Autorin ebenfalls auf Deutsch übersetzt ...

Letztes Jahr ist man um Liz Moores Roman "Der Gott des Waldes" nicht herumgekommen und auch bei mir landete er unter den besten Büchern 2025.
Nun wurde das Debüt der Autorin ebenfalls auf Deutsch übersetzt und ich durfte den Roman als Rezensionsexemplar vom C.H. Beck Verlag lesen.

Ich habe sowohl "Long Bright River" als auch "Der Gott des Waldes" gelesen und beide Geschichten sind völlig verschieden. Mit "Der andere Arthur" haben wir erneut eine ganz andere Geschichte vor uns, die aber ebenso fesselt.
Der titelgebende Arthur ist ein ehemaliger Literaturprofessor, der sein Haus seit einem Jahrzehnt nicht mehr verlassen hat. Der Grund ist seine Fettleibigkeit. Selbst im Haus bewegt er sich nur mehr im Erdgeschoß und lässt sich von Lieferdiensten alles was er benötigt, zustellen.
Eines Tages erhält er einen Brief von Charlene Turner, mit der er eine rege Brieffreundschaft unterhält. Sie war einst Studentin an der Universität, wo er unterrichtet hat. In ihr erkannte er die eigene Einsamkeit wieder. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft und kleine Verliebtheit. Als Charlene die Uni nach einem Semester verlässt, geht auch Arthur nicht mehr zurück und verschanzt sich in seinem Elternhaus in Brooklyn. Er flüchtet sich in die Fresssucht und auch Charlene bekommt ihr Leben nicht auf die Reihe. Als er nun nach einiger Zeit wieder Post von Charlene bekommt, ist er überrascht. Sie bittet Arthur ihrem Sohn Kel zu helfen und ihn zu unterrichten. Charlene und Kel möchten Arthur besuchen, was ihn leicht in Panik versetzt, denn er hat in seinem Briefen nicht immer die Wahrheit erzählt. Aber auch Charlene hat sich so einige Unwahhrheiten erlaubt....
Als er die blutjunge Yolanda engagiert, die sein Haus für den Besuch auf Vordermann bringen soll, erkennt sie schnell, wie einsam Arthur ist. Ihr fröhliches und optimistisches Naturell holt Arthur nach und nach aus seinem Schneckenhaus. Aber auch Yolandas Leben ist nicht einfach und so helfen sie sich gegenseitig.

Hier wechselt die Perspektive zu Kel als zweiten Ich-Erzähler. Für den nur mittelmäßigen Schüler steht Baseball an erster Stelle. Er möchte unbedingt Profispieler werden und schämt sich seiner alkoholkranken Mutter, die das Leben nicht meistert. Es gelingt ihr nicht, sich so um ihren Sohn zu kümmern, wie sie es gerne möchte. Das Leben hat sie desillusioniert.
Als ein Schicksalsschlag Kel völlig aus der Bahn wirft, erkennt er sehr schnell, wer wirklich seine wahren Freunde sind. Die Unsicherheiten und Ängste, die den jungen Mann begleiten, spürt man durch jede Zeile.

Liz Moore beschreibt die Charaktere sehr einfühlsam und ohne zu urteilen. Obwohl es sich um gesellschaftliche Randfiguren handelt, kann man sich in alle von ihnen einfühlen. Man leidet mit ihnen mit und möchte sie oftmals nur schütteln. Vor allem Arthur möchte man aus seiner Lethargie herausreißen.
Alle Figuren in diesem Roman sind in ihrer tiefen Einsamkeit gefangen. Am ehesten öffnet sich Kel gegenüber anderen Menschen und mit Dee und Lindsey hat er auch zwei Freunde gefunden, die ihm beistehen.
Beide Erzählstränge bleiben bis zum Ende hin isoliert. Deshalb fand ich es etwas schade, dass Arthur und Kel bis zum Ende der Geschichte nicht aufeinander treffen. Eigentlich hätte ich mir durch den Klappentext dies erwartet. Trotzdem kann man sich ein sehr schlüssiges Bild von beiden Figuren machen und das leicht offene Ende lässt Spielraum für den Leser und seiner Fantasie.


Fazit:
Liz Moore hat einen Roman über Vereinsamung, verpasste Chancen, Isolation, Trauer und unerfüllte Hoffnungen geschrieben, der unter die Haut geht. Dabei urteilt sie nicht, sondern bringt uns die Figuren sehr nahe. Ein ruhiger, aber intensiver Roman, der trotz des melancholischen Inhaltes Hoffnung versprüht.

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Veröffentlicht am 23.01.2026

Toller Vampirthriller

Die Kolonie
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Ein Thriller-Untergenre, welches ich bisher noch nicht gelesen habe. Ich muss gestehen, dass es mein erster VAMPIR-Thriller war und er hat mich sehr gut unterhalten.

In der Kleinstadt Deadhart in Alaska ...

Ein Thriller-Untergenre, welches ich bisher noch nicht gelesen habe. Ich muss gestehen, dass es mein erster VAMPIR-Thriller war und er hat mich sehr gut unterhalten.

In der Kleinstadt Deadhart in Alaska wird ein Teenager tot aufgefunden. Alles erinnert an einem ähnlichen Fall vor 25 Jahren, als ein Teenager-Vampir ebenfalls einen Jungen getötet hat. Die Einwohner von Deadhart sind aufgebracht und möchten die Vampir-Kolonie vertreiben. Diese leben an der Seite der Menschen, verließen jedoch nach dem letzten Vorfall die Nachbarschaft. Seit einiger Zeit sind sie wieder in die ehemalige Bergbausiedlung zurückgekehrt. Nach dem neuerlichen Todesfall wünschen die Einwohner von Deadhart die völlige Ausrottung der Kolonie.
Vampirantrophologin und Detective Barbara Atkins wird daraufhin nach Deadhart geschickt, um den Fall genau zu untertsuchen. Sie lehnt die Keulung ohne stichhaltige Beweise ab und muss bald Anfeindungen der Einwohner spüren, die größtenteils für die Ausrottung sind. Dann wird ein weiterer Teenager ermordet.....

In C.J. Tudors Vampirthriller haben wir es nicht mit wunderschönen (glitzernden) und reichen Vampiren zu tun, sondern mit einer eher armseligen Kolonie, die laufend der Willkür der Menschen ausgesetzt sind. Sie werden ausgegrenzt und verfolgt. Der Rassismus ist allgegenwärtig.

Der Beginn ist etwas langsam und es werden einige Figuren erst eingeführt. Erzählt wird aus aus verschiedenen Perspektiven. Zusätzlich gibt es Rückblenden und einen weiteren Strang um ein gefangenes Mädchen, welches beim Lesen von Beginn an Fragen aufwirft.
Der Schreibstil ist fesselnd und bildhaft. Zahlreiche Wendungen lassen einem an der Geschichte dran bleiben und miträtseln. Man spürt die bedrohliche Stimmung im Dorf auf jeder Seite. Etwas Kritik gibt es an einigen Übersetzungsfehlern, die einem größeren Verlag eigentlich nicht passieren sollte.

Vampirantrophologin Barbara ist sympathisch, humorvoll und intelligent. Sie ist bereits über 50 und von kerniger Statur, eher unsportlich und hat keine angenehme Kindheit hinter sich. Mit dem Einsiedler und ehemaligen Debuty Jensen Tucker, der vor 25 Jahren an dem damaligen Fall gearbeitet hat, versteht sie sich gut. Die beiden ergänzen sich perfekt und akzeptieren einander. Tucker hat Kontakte zur Kolonie und glaubt diesmal nicht an einem Mörder aus dessen Reihen.
Auch die übrigen Charaktere, vor allem die Einwohner von Deadhart, sind sehr lebendig und facettenhaft beschrieben. Trotz der vielen Figuren kann man diese sehr gut zuordnen und hat sie lebhaft vor Augen. Die Autorin hat diese wirklich großartig ausgearbeitet.

Tudor zeigt perfekt auf, was Hetze und Selbstjustiz erzeugen können und lässt einem manchmal ganz schön gruseln. Die Beschreibungen der Jagd auf die Vampire ist grausam und wird nicht beschönigt. Dazu passt das düstere und kalte Setting, welche ich als sehr atmosphärisch erzählt empfand. Die winterliche Kulisse und die Abgeschiedenheit, die durch den Schneesturm noch verstärkt wurde, ließ mich bei den klirrenden Minustemperaturen hier in Österreich noch mehr frieren. Vielleicht sollte ich diese Art von Bücher doch eher im Sommer zur Abkühlung lesen ;)
Einzig das Ende war fast etwas zu schnell abgehandelt.


Fazit:
Ein etwas anderer Thriller, der in der gemeinsamem Leserunde viel Spaß gemacht hat. Besonders gemocht habe ich die tolle winterliche und düstere Atmosphäre, die dem Thriller noch das gewisse Etwas gibt. Es ist definitiv kein Vampirroman, sondern eine düstere Mörderjagd in einem abgelegenen Dorf in Alaska.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Deine Zeit läuft ab

Not Quite Dead Yet
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Um dieses Buch von Holly Jackson kreise ich schon einige Zeit. Als ich es bei meinem letzten Büchereibesuch gesehen habe, habe ich es dann mitgenommen.
Warum ich gezögert habe? Weil ich bisher ziemlich ...

Um dieses Buch von Holly Jackson kreise ich schon einige Zeit. Als ich es bei meinem letzten Büchereibesuch gesehen habe, habe ich es dann mitgenommen.
Warum ich gezögert habe? Weil ich bisher ziemlich einstimmig gehört habe, dass Holly Jackson zwar einen Erwachsenen Thriller schreiben wollte, sie jedoch den jugendlich Grundton beibehalten hat. Und dem kann ich absolut zustimmen, denn obwohl unsere Hauptprotagonistin Jet bereits 27 Jahre alt ist, verhält sie sich eher wie ein älterer Teenager. Da ich aber auch gerne Jugendthriller lese, wollte ich es wagen...

Jet lebt in Woodstock, Vermont, und ihre Familie gehört zu den Reichsten in der Stadt. Bisher hat die 27-jährige ihr Leben noch nicht wirklich im Griff und verschiebt vieles auf morgen. Ihr Buder Luke hingegen ist verheiratet und möchte sobald wie möglich die Firma übernehmen. Der Vater ist jedoch noch nicht so weit und vertröstet, sowohl Luke, als auch Jet, immer wieder von neuem.
In der Halloweennacht wird Jet von einem unbekannten Täter in ihrem Zuhause attackiert. Sie überlebt nur knapp, doch als sie im Krankenhaus aufwacht, haben die Ärzte keine gute Diagnose für sie. Jet hat nur mehr sieben Tage zu leben, denn durch einen inoperablen Knochensplitter im Gehirn wird sich bei ihr ein Aneurysma bilden. Jets Leben steht völlig auf dem Kopf und sie entschließt sich endlich einmal eine Sache durchzuziehen: Sie möchte ihren eigenen Mord aufklären und den Täter finden. Gemeinsam mit Billy, ihrem Freund aus Kindertagen, beginnt sie nachzuforschen...

Die Grundidee ist genial: ein Überfall, ein Opfer, welches nur mehr einige Tage zu leben hat und den Mordversuch an sich selbst aufklären möchte, ein verschwundener Exfreund, ein Bauunternehmen und viele Verdächtige. Eine tolle Idee!
Anfangs wurde ich jedoch nicht so ganz warm mit der 27-jährigen Jet. Man erkennt in ihr die verzogene Tochter aus reichem Haus, die sich nicht wirklich anstrengen muss. Doch bald entdeckte ich bei ihr nicht nur Trotz, sondern auch eine Trauer und Leere, die durch die Vergangenheit der Familie zu begründen ist. Mit der schlimmen Diagnose will sich Jet nicht abfinden und übernimmt erstmals Verantwortung. Sie erkennt, wie dumm es war, alles auf später zu verschieben. Außerdem erkennt sie viel zu spät, was wirklich wichtig ist. Dadurch hat sie bald meine Sympathie doch noch bekommen.

Für mich war es das erste Buch von Holly Jackson. Der sehr leichte Schreibstil lässt einem durch die Geschichte rauschen, die mir gut gefallen hat. Das Thema, welches die Autorin gewählt hat, ist außerdem reizvoll und einmal etwas ganz Neues. Obwohl ich die Handlung nicht wirklich als Thriller empfand, habe ich gerne in der Geschichte gelesen und wollte wissen, was hier wohl dahinterstecken mag. Einige Vorgänge waren für mich schnell ersichtlich, andere wiederum nicht. Die Autorin hat versucht viele Wendungen einzubauen, um die Leser auf falsche Fährten zu führen. Ganz gelungen ist ihr das - für mich als langjährige Thrillerleserin - nicht, aber für das jugendliche Zielpublikum, welches diesmal eigentlich gar nicht gemeint war, passt es gut. Gefallen hat mir auch das Kleinstadt-Setting und die herbstliche Atmosphäre in Vermont.

Trotz des eigentlichen traurigen Themas, kommt immer wieder der Humor durch. Besonders zum Ende hin zieht der Spannungsbogen rasant an. Auch die vielen Figuren, die mehr oder weniger präsent sind, werden sehr lebendig und facettenreich gezeichnet. Die kleine Liebesgeschichte fand eher im Hintergrund statt, was für mich die richtige Dosis war.
Kritik gibt es bezüglich doch einiger etwas unrealistischen Szenen, bei denen man ein Auge zudrücken muss. Trotzdem habe ich diese außergewöhnliche Geschichte gerne gelesen.

Fazit:
Holly Jackson hat es mit "Not quite dead yet" nicht geschafft vom Jugendthriller zum Erwachsenenthriller zu wechseln. Sowohl die Sprache, als auch die Hauptprotagonistin wirken zu jugendlich. Trotzdem las ich gerne in diesem Buch, das eine richtig tolle Grundidee hat. Außerdem möchte uns die Autorin sagen, dass wir unser Leben nicht auf später verschieben, sondern im Jetzt leben sollen. Da kann ich ihr nur zustimmen!

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