Eine tolle Handlung mit einer eher dürftigen Umsetzung
Before I Let GoBefore I Let Go von Kennedy Ryan ist eine emotionale Liebesgeschichte über Yasmen und Josiah, ein geschiedenes Paar, das trotz Trennung noch tief miteinander verbunden ist. Beide kämpfen mit Trauer, alten ...
Before I Let Go von Kennedy Ryan ist eine emotionale Liebesgeschichte über Yasmen und Josiah, ein geschiedenes Paar, das trotz Trennung noch tief miteinander verbunden ist. Beide kämpfen mit Trauer, alten Wunden und ihrer gemeinsamen Vergangenheit, während sie versuchen, gute Eltern für ihre Kinder zu sein. Zwischen Anziehung, Schmerz und Hoffnung müssen sie herausfinden, ob ein Neuanfang möglich ist.
Das Buch konnte mich nicht von Anfang an überzeugen, da die Erzählweise stellenweise zu ausschweifend war, besonders in Yasmens Kapiteln. Josiahs Perspektive hingegen war prägnanter und angenehmer zu lesen. Besonders gelungen fand ich die Darstellung der Kinder und ihre unterschiedlichen Reaktionen auf die Trennung der Eltern. Yasmen und Josiah wirkten im Umgang miteinander oft unbeholfen, obwohl sie eine lange gemeinsame Vergangenheit haben. Vor allem Yasmen hatte merkliche Schwierigkeiten mit der Kommunikation – nicht nur mit Josiah, sondern auch mit ihrer Tochter. Dennoch hat der Schreibstil überzeugt und mich neugierig darauf gemacht, wie sich die Geschichte entwickelt.
Mit der Zeit nahm die Handlung emotional an Fahrt auf, und die intensive Verbindung zwischen den beiden Hauptfiguren wurde spürbar. Ihre Nähe, die alten Wunden und die unterschwellige Anziehung erzeugten eine besondere Spannung. Besonders interessant war, wie unterschiedlich sie mit ihren Gefühlen umgingen: Yasmen stellte sich ihnen, während Josiah auf Distanz blieb. Die Rückblicke verdeutlichten, wie zerbrechlich ihre Ehe nach dem Verlust ihres Kindes wurde, und ließen ihre Trennung fast wie eine Kurzschlussreaktion erscheinen. Neben der Liebesgeschichte wurden auch Themen wie Trauer, Heilung und persönliche Weiterentwicklung thematisiert, was dem Buch eine besondere Tiefe verlieh. Auch die Darstellung Schwarzer Kultur fügte sich ganz natürlich in die Geschichte ein.
Obwohl das Buch in manchen Momenten mitreißend war, wirkte es insgesamt unausgewogen. Das Ende fühlte sich zu perfekt und harmonisch an, als ob plötzlich alles gelöst wäre. Besonders die vielen sexuellen Szenen empfand ich als unpassend, da sie eher als schnelle Problemlösung anstatt als echter emotionaler Fortschritt dargestellt wurden. Themen wie psychische Gesundheit und familiäre Beziehungen hätten mehr Aufmerksamkeit verdient. Zudem gab es einige fragwürdige Szenen, wie Josiahs abweisende Haltung gegenüber Deja oder das respektlose Verhalten von Yasmens Freundinnen. Trotz großem Potenzial konnte die Geschichte mich am Ende nicht ganz überzeugen, da sie sich in manchen Aspekten zu sehr in die falsche Richtung entwickelte.