Ein Blick in den Abgrund – und dann ist es auch schon vorbei
Satan's Affair“Satan’s Affair” von H.D. Carlton ist ein düsteres Prequel zur „Haunting Adeline“-Reihe, das mit seiner bizarren Mischung aus Horror, psychologischer Abgründigkeit und expliziten Inhalten aus dem typischen ...
“Satan’s Affair” von H.D. Carlton ist ein düsteres Prequel zur „Haunting Adeline“-Reihe, das mit seiner bizarren Mischung aus Horror, psychologischer Abgründigkeit und expliziten Inhalten aus dem typischen Dark-Romance-Schema heraussticht. Im Zentrum der Geschichte steht Sibby – eine psychisch labile Mörderin mit multiplen Persönlichkeiten, deren Innenleben und blutiger Rachefeldzug dem Leser auf schonungslos direkte Weise nahegebracht werden. Die Triggerwarnung am Anfang sollte keineswegs ignoriert werden, denn die Autorin greift tief in die Horrorkiste und spart nicht an verstörenden, aber auch faszinierend inszenierten Szenen.
Besonders gelungen ist der Blick in Sibby’s verstörte Psyche, die zwischen kindlicher Naivität, eiskalter Brutalität und einer gewissen Art von Humor hin- und herschwankt. Dieser Charakter hätte jedoch deutlich mehr Raum verdient – die 200 Seiten sind einfach zu wenig, um ihr wirklich gerecht zu werden. Das Buch kratzt häufig nur an der Oberfläche und lässt viele spannende Ansätze und Hintergründe unausgeschöpft. Gerade das offene Ende wirkt zwar stilistisch passend, doch es bleibt das Gefühl, dass hier Potenzial verschenkt wurde.
Ein Highlight ist die kurze Begegnung mit Zade – eine Figur, die sofort neugierig macht und Lust auf mehr erzeugt. Für Leser, die „Haunting Adeline“ noch vor sich haben, ist das ein cleverer kleiner Teaser, der Zades Rolle bereits vielversprechend einführt.
Trotz all der interessanten Elemente hinterlässt „Satan’s Affair“ ein eher unbefriedigtes Gefühl. Die Kombination aus Horror und Sexualität funktioniert zwar atmosphärisch sehr gut und hebt das Buch von anderen Genrevertretern ab, doch der hohe Preis von 18 € für ein relativ kurzes Lesevergnügen ist kritisch zu sehen.
Lobenswert ist jedoch die hochwertige äußere Gestaltung: Das Cover und insbesondere der Farbschnitt sind optisch sehr ansprechend und machen das Buch zu einem echten Hingucker im Regal.
Insgesamt ist „Satan’s Affair“ ein interessantes, aber inhaltlich zu kurz geratenes Werk, das mehr Tiefe und Ausarbeitung verdient hätte – besonders angesichts der spannenden Hauptfigur. Für Fans des Genres und der Autorin dennoch ein lohnenswerter Einstieg in die düstere Welt rund um Sibby und Zade.