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Veröffentlicht am 22.03.2026

Alles hängt von der Geografie ab, nicht von der Geschichte (S. 123)

Alma
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Der Roman „Alma“ von Federica Manzon ist kein leicht und locker zu lesendes Buch für entspannte Stunden. Die Geschichte Almas basiert auf der politischen Entwicklung Jugoslawiens, beginnend als Tito regierte, ...

Der Roman „Alma“ von Federica Manzon ist kein leicht und locker zu lesendes Buch für entspannte Stunden. Die Geschichte Almas basiert auf der politischen Entwicklung Jugoslawiens, beginnend als Tito regierte, den darauf folgenden Zerfall des kommunistischen Staates und die grausamen Geschehnisse während des Balkankrieges.

Das sommerlich bunte Cover täuschte mich ebenso wie der Klappentext, der assoziierte, dass es um Triest geht, eine an und für sich historisch sehr interessante Stadt mit italienischem Flair und österreich-ungarischem Background. Ich erwartete mir von Almas Rückkehr in ihre alte Heimatstadt mehr fröhliche Erinnerungen und einen Schuss Romantik durch ein Wiedersehen mit der Jugendliebe.

Der Roman entpuppte sich letztlich nicht nur thematisch als ziemlich düster und bedrückend, sondern auch der Erzählstil der Autorin erwies sich als zwar literarisch anspruchsvoll, doch gleichermaßen herausfordernd für den Lesefluss. So detailliert die Beschreibungen sind, ist es dennoch schwierig, der Handlung chronologisch und geografisch zu folgen. Die abrupten Zeitsprünge und vage Ortsbezeichnungen empfand ich verwirrend. Immer wieder fragte ich mich, wie alt die Protagonistin in dieser Szene gerade ist bzw. wo sie sich genau befand. Ich hätte eine Landkarte sehr geschätzt bzw. ein Nachwort mit einer mehr oder weniger kurzen Zusammenfassung der Geschichte Jugoslawiens.

Was den politischen Aspekt anbelangt, so rate ich, soferne man mit Jugoslawiens Geschichte nicht vertraut ist, sich vor Lesebeginn zu informieren. Ohne Basiskenntnisse verliert man sich geografisch ebenso wie was den Kriegsablauf und die ethnischen Hintergründe anbelangt.

Die Lebensgeschichte von Alma ist eng mit den historischen Ereignissen verknüpft. Triest liegt nahe der jugoslawischen Grenze. Ihr Vater stammt auch „von drüben“, ihre Mutter hingegen aus gutbürgerlichem Triester Milieu, die Großeltern leben noch wie zu Zeiten der Monarchie. Almas Kindheit und Jugend ist geprägt von einem Vater, einem Anhänger Titos, der auch nach dessen Tod immer wieder für Wochen in den Osten reist, und einer chaotischen Mutter, die sich mehr den „Irren“ in Triest widmet als dem Haushalt und der eigenen Tochter. Zuneigung der Eltern Alma gegenüber ist wenig zu verspüren. Das verstärkt sich, als ihr Vater Vili, den Sohn eines Freundes aus Serbien, ins Haus bringt, dem er mehr Zeit widmet als ihr. Trotzdem entwickelt sich aus anfänglicher Abneigung im Laufe der Zeit eine Jugendliebe. Doch Almas Beziehungen wirken immer oberflächlich, distanziert. Das Fehlen tiefer Gefühle bewirkte, dass ich zu den Protagonisten keinen Zugang fand, nie mit ihnen warm wurde. Nichtsdestotrotz spürt man die Problematik von Menschen, die entwurzelt sind, die fern der Heimat leben, sich fremd fühlen.

Was meine Leseempfehlung anbelangt, so muss ich zugeben, dass rein subjektiv dies kein Buch war, das meinen Geschmack traf. Objektiv gesehen ist es wirklich lesenswert, weil es nicht nur die schon ziemlich in Vergessenheit geratenen Geschehnisse während des Balkankriegs wieder in Erinnerung ruft, sondern auch anhand Almas Leben das damalige Gesellschaftbild widerspiegelt.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Was geschah von zwanzig Jahren wirklich?

Einsames Watt
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„Einsames Watt“ von Jan F. Wielpütz, der nach dem Ableben von Nina Ohlandt im Jahr 2020 die Reihe mit Kommissar John Benthien als Ermittler fortführt, ist der nunmehr zwölfte Fall. Das Buch erschien 2026. ...

„Einsames Watt“ von Jan F. Wielpütz, der nach dem Ableben von Nina Ohlandt im Jahr 2020 die Reihe mit Kommissar John Benthien als Ermittler fortführt, ist der nunmehr zwölfte Fall. Das Buch erschien 2026. Für mich war es das erste Buch dieser Reihe. Als Quereinsteiger kommt man zwar problemlos in den eigentlichen Fall hinein, verspürt aber gewisse Lücken, was die Vorgeschichte bzw. die Beziehungen der Protagonisten anbelangt.

Das Cover stimmt auf den Schauplatz ein, auf die Nordsee mit ihren Inseln. Das Lokalkolorit, Landschaft, Stimmung, Meer und Wetter auf Amrum wird anschaulich geschildert. Der Schreibstil ist flüssig, teils zu detailreich, was stellenweise zu Längen führt und die Spannung bremst. Die Kapitel sind jeweils mit dem Namen desjenigen übertitelt, aus dessen Sicht erzählt wird, denn John Benthien und Lilly Velasco ermitteln meist getrennt. Der Mordfall erweist sich als komplex, denn er weist Parallelen zu einem zwanzig Jahre zurückliegenden Frauenmord auf, im Zuge dessen seinerzeit Kommissar Litmanen spurlos verschwand. Zu dem Cold Case gibt es Rückblenden. Diese Zeit-, Perspektiven- bzw. Ortswechsel gestalten die Handlung zwar abwechslungsreich, doch verlieren sich zeitweise die einzelnen Fäden. Denn es stehen nicht nur die Frauenmorde und das rätselhafte Verschwinden von Johns ehemaligen Kollegen im Fokus, sondern über ausgiebige Passagen auch die Suche im Watt nach antiken Fundstücken. Weitere Nebenhandlungen erschienen mir ebenfalls entbehrlich.

Stoff zum Miträtseln ist von Anfang an reichlich vorhanden, gibt es doch etliche Personen, die sich eigenartig benehmen, die offenbar etwas verheimlichen, sich in irgendeiner Weise verdächtig machen. Doch das Ermittlerteam kommt nur langsam voran. Je mehr sie in der Vergangenheit und im Privatleben der Verdächtigen herumstöbern, desto komplizierter werden die Zusammenhänge und Mordmotive. Die Suche nach dem oder den Tätern bringt John und Lilly in so manche prekäre Situation, wo man um sie bangt. So richtig spannend wird der Roman jedoch erst im letzten Drittel, je näher John und Lilly Lösung und Täter kommen. Da überraschen unerwartete Wendungen, es überschlagen sich die Ereignisse. Bis letztlich entscheidende Hinweise zur Lösung aller drei Fälle führen.

Das Ermittlerteam, primär bestehend aus John und Lilly, Tommy und Juri, ist sehr sympathisch, wirkt authentisch und lebendig. Es sind Charaktere mit Ecken und Kanten und sie zeigen Gefühle, Ängste und Zweifel. Der Beziehungsstatus ist komplex und sicher besser verständlich, wenn man den roten Faden stets verfolgt hat. Ich konnte als Newcomer Lillys Gefühlschaos zwischen Ex-Freund John und Ehemann Juri nicht ganz nachvollziehen. Im Großen und Ganzen fand ich, dass das Privatleben der Protagonisten etwas zu ausführlich thematisiert wurde bzw. zu viele Familienmitglieder mit einbezogen wurden.

Der Krimi ist zwar kein Pageturner, aber die Zusammenhänge zwischen dem aktuellen Mord und den Geschehen in der Vergangenheit sind interessant verwoben und das Ermittlerteam hat sich in mein Herz geschlichen. Ich wüsste nun gerne, wie alles begann – mit John und Lilly … Abgesehen davon, dass ein fieser Cliffhanger neugierig auf den Folgeband macht.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Zugriff auf geheime Daten

Projekt Bodysnatch
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„Projekt Bodysnatch“ von J.H. Willem ist ein spannender Kurzkrimi; der zweite Fall für Adam Starck & Partner.

Der Schreibstil liest sich flüssig. Die Kapitel sind kurz gehalten, ohne Zeit- oder Ortsangaben. ...

„Projekt Bodysnatch“ von J.H. Willem ist ein spannender Kurzkrimi; der zweite Fall für Adam Starck & Partner.

Der Schreibstil liest sich flüssig. Die Kapitel sind kurz gehalten, ohne Zeit- oder Ortsangaben. Das Buch erschien 2022. Das Büchlein umfasst nur rund 135 Seiten, entpuppte sich aber trotz der Kürze als ausgezeichnet konzipierter Krimi mit zahlreichen Spannungsmomenten. Die Handlungsorte, das Umfeld und die Charaktere sind gut vorstellbar beschrieben. Es ist nicht notwendig, Band eins zu kennen, im Vorwort gibt es eine Zusammenfassung, was bisher geschah.

Die Handlung spielt in der Gegenwart und schließt nahtlos an den ersten Band an. Kaum sind die neuen Büroräume der Detektei eröffnet, stecken Adam und Lizzie mitten in einem rätselhaften Fall. Ein junger IT-Profi ist aus seiner Wohnung, von der aus er gearbeitet hatte, ist verschwunden. Seine Arbeit wird wie von Geisterhand nach wie vor erledigt, persönlich ist er aber nie in der Wohnung anzutreffen. Als Systemadministrator hatte er Zugriff auf heikle Daten. Wer steckt dahinter? Adam und Lizzie erkennen bald, dass sie es mit skrupellosen und gefährlichen Gegnern zu tun haben.

Man befindet sich ab der ersten Seite mitten in der Geschichte. In einem Kurzkrimi gibt es nicht genug Raum für mehrere ineinander verschlungene Handlungsstränge und langwierige Verfolgung in die Irre führender Spuren. Trotzdem hält sich die Spannung durchgehend auf gutem Niveau. Dazu tragen auch die Perspektivenwechsel zur gegnerischen Seite und eine gute Portion Action bei. Adam und Lizzie haben einige gefahrvolle Situationen zu meistern, bis es in einem dramatischen Showdown gelingt, die Bande auszuschalten und der Polizei zu überlassen.

Das Duo Adam und Lizzie wirkt sympathisch, gut aufeinander eingespielt und pfiffig. Trotz seiner Erfahrung und seines Alters agiert Adam allerdings nicht immer bedacht genug, um zu verhindern, dass sie in prekäre Situationen geraten.

„Projekt Bodysnatch“ hat mir gut gefallen. Aufgrund seiner Kürze eignet sich der Krimi ideal für zwischendurch, man kann das Buch locker in einem Rutsch auslesen. Es hat mir spannende Lesestunden bereitet und große Lust auf weitere Fälle der beiden gemacht.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Ein Killer zum Verlieben

Tote Killer küssen besser
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„Tote Killer küssen besser“ von Brita Rose-Billert verfügt über eine packende Handlung mit reichlich Action.

Das Cover sticht ins Auge, verspricht bereits Spektakuläres, auch der Klappentext macht neugierig. ...

„Tote Killer küssen besser“ von Brita Rose-Billert verfügt über eine packende Handlung mit reichlich Action.

Das Cover sticht ins Auge, verspricht bereits Spektakuläres, auch der Klappentext macht neugierig. Das 2021 erschienene Buch liest sich wirklich flott und leicht, einerseits aufgrund des Großdrucks, andererseits infolge des einfachen, kaum detailliert beschreibenden, dialogreichen Schreibstils.

Die Krankenschwester Rita Hurtig verhilft dem Patienten Martin Brenner, der mit Schussverletzung eingeliefert wurde, aus dem Krankenhaus vor seinen Verfolgern zu fliehen und gerät dadurch mitten in eine komplexe, verdeckte Polizeiaktion.

Die Handlung entwickelt sich tempo- und actionreich, die Hintergründe sind lange nicht durchschaubar, die Funktion des Helden ist lange unklar. Wer oder was ist er tatsächlich? Ein Polizist mit Sonderauftrag oder doch ein gefährlicher Killer? Obwohl sich Rita stets die Frage nach dem wahren Charakter von Martin stellt, verliert sie mehr und mehr ihr Herz an ihn. Die Spannung steigert sich von Kapitel zu Kapitel. Dazu tragen auch die Perspektivenwechsel zwischen den gegnerischen Parteien maßgeblich bei. Wer ist Freund, wer Feind? Man will das Buch kaum aus der Hand legen, fiebert mit, ob die gewagten Aktionen gelingen können, ob die Protagonisten den gefährlichen Situationen heil entkommen können. Nach all den aufregenden Szenen empfand ich den romantischen Ausklang als wohltuend.

Die Figuren kann man sich rein äußerlich und anhand von einigen markanten Wesenszügen gut vorstellen, charakterliche Tiefe bietet der Roman jedoch nicht.

Mich hat der Thriller gut unterhalten, hat mir spannende Lesestunden beschert. Eine leichte Lektüre für zwischendurch – so wie für mich: in Öffis und Wartezimmern. Nicht anspruchsvoll, aber spannend.

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Der Kur-Casanova ist tot!

Tödliches Gspusi
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„Tödliches Gspusi – Mord zwischen Tratsch und Torte“ von Angela Szivatz entführt die Leserschaft in eines der schönsten Landschaftsgebiete Österreichs – ins Salzkammergut, gewürzt mit einem rätselhaften ...

„Tödliches Gspusi – Mord zwischen Tratsch und Torte“ von Angela Szivatz entführt die Leserschaft in eines der schönsten Landschaftsgebiete Österreichs – ins Salzkammergut, gewürzt mit einem rätselhaften Todesfall.

Das Cover hat mich sofort angesprochen, Freundinnen bei Kaffee und Kuchen, vor der malerischen Wolfgangsee-Kulisse, ebenso der Klappentext. Das 2025 erschienene Buch liest sich wirklich flott und leicht, vermittelt einen traumhaften, Reisesehnsucht entfachenden Eindruck des Salzkammerguts, mit zahlreichen Tipps für Ausflüge und Sehenswürdigkeiten. Mich als Österreicherin haben vor allem die unzähligen typisch österreichischen Ausdrücke beglückt. Glossar ist natürlich vorhanden.

Chefinspektorin Hilda Mooslechner soll sich eigentlich bei einer Kur erholen, doch dann wird ein Kurgast tot in seinem Zimmer aufgefunden. Da sie offiziell nicht ermitteln darf, macht sie es inkognito und heimlich. Sie freundet sich mit drei Kurteilnehmerinnen an, die – wie sie nach und nach herausfindet – den Toten gekannt hatten. Die vier Protagonistinnen fand ich sehr sympathisch, die Kuratmosphäre sehr anschaulich getroffen. Die Aktionen und Nachforschungen von Hilda verlaufen nachvollziehbar, allerdings relativ unspektakulär, wodurch sich auch so gut wie keine fesselnden Spannungsmomente ergeben. Die Lösung überrascht, ist aber schlüssig, gefiel mir auch.

Chefinspektorin Hilda Mooslechner steht im Mittelpunkt, somit ihre Überlegungen, Zweifel, Gedanken und Emotionen. Für sie stand in ihrem bisherigen Leben primär die Arbeit im Vordergrund, für die Pflege sozialer Kontakte fehlte ihr Zeit und Gelegenheit. Im Zuge des Kuraufenthalts öffnet sie sich Freundschaften und einer neuen Liebe. Die Charaktere der drei anderen Frauen sind ebenfalls in ihrer Verschiedenartigkeit gut vorstellbar gezeichnet. Alle wirken authentisch und lebendig.

Mich hat der Krimi gut unterhalten, mit seiner Wohlfühl-Atmosphäre, den sympathischen Figuren und dem Hauch von Romantik. Ich genoss insbesondere das Lokalkolorit, das voller Erinnerungen für mich war, an einen wunderbaren Salzkammerguturlaub. Doch ich erwarte mir auch bei einem Cosy-Krimi ein wenig Action, einige Szenen, wo es ein bisschen prickelt. Das fehlte mir. Mir war der Krimi spannungsmäßig zu ruhig. Daher gibt es von mir nur 4 Punkte.

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