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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.03.2026

Potenzial nicht ausgeschöpft

Zwei in einem Bild
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Die Idee einer Liebesgeschichte in Verbindung mit Kunst, in diesem Fall in einem Bild, finde ich märchenhaft und ich hatte vor dem Lesen eine romantische Vorstellung über den Verlauf der Geschichte. Meine ...

Die Idee einer Liebesgeschichte in Verbindung mit Kunst, in diesem Fall in einem Bild, finde ich märchenhaft und ich hatte vor dem Lesen eine romantische Vorstellung über den Verlauf der Geschichte. Meine Erwartungen wurden nur teilweise erfüllt, der Beginn war bezaubernd, die Leseatmosphäre angenehm und ruhig, die Beschreibung bildhaft und schön, sodass man sich als Leser*in die Geschichte von Jean und Claire hineinträumen kann. Der Ort des Geschehens, das Museum, hat für mich generell eine gewisse Faszination und die Idee, dass jemand in einem Gemälde lebt und auch mit der realen Welt in Kontakt treten kann, finde ich spannend. Der Aufbau der Beziehung zwischen Jean und Claire war auch sehr spannend zu lesen, danach flacht die Geschichte inhaltlich und emotional leider etwas ab, wird vorhersehbar und bleibt oberflächlich, eine emotionale Tiefe kann ich nicht nachempfinden. Schade, die Geschichte hätte das Potenzial zu einer dramatischen und emotionalen Geschichte, aber das Potenzial wurde hier, vor allem in der zweiten Hälfte, leider nicht ausgeschöpft.

Veröffentlicht am 24.02.2026

Wohin wird Erikas Reise sie führen?

Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?
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Der Roman fällt aufgrund des ästhetischen, farbenfrohen Covers und des einprägsamen Titels auf, sodass mein Interesse geweckt und meine Erwartungen hoch waren. Was ist in welchem Alter üblich? Diese Frage ...

Der Roman fällt aufgrund des ästhetischen, farbenfrohen Covers und des einprägsamen Titels auf, sodass mein Interesse geweckt und meine Erwartungen hoch waren. Was ist in welchem Alter üblich? Diese Frage ist schon verbunden mit einer Einschränkung, aber sollten wir uns nicht von den gängigen Konventionen und Normen loslösen und so leben dürfen, wie wir wollen, egal in welchem Alter? Diese Thematik beschäftigt auch Erika, nachdem sie bei einem gemeinsamen Urlaubsessen mit ihrem Mann, der ihr mitteilt, dass er schon seit längerer Zeit ein Verhältnis mit einer jüngeren Frau hat. Zuerst fällt Erika, die gleich wie ihr Mann, 65 Jahre alt ist, in Schockstarre, dann beginnt sie zu reflektieren. Erika wollte immer mehr körperliche Nähe zu ihrem Mann Jan und wurde von ihm zurückgewiesen und jetzt ist genau er derjenige, der sich wieder jung fühlt und für Marie, die 15 Jahre jünger ist als sie, bemüht und alles gibt. Als Leser*in kann man Erikas Gefühlschaos sehr gut nachvollziehen. Sie ist verletzt, wütend, traurig, zutiefst enttäuscht und auch verzweifelt, sodass sie überlegt, trotzdem bei ihrem Mann zu bleiben und sich mit weniger zufrieden zu geben, obwohl sie mehr möchte. Die Autorin erzählt aus der Ich-Perspektive aus der Sichtweise von Erike, somit erhält man auch in Erikas Gefühlswelt einen intimeren Einblick, während Jan weiterhin verschlossen und wortkarg wirkt. In einer Beziehung gibt es immer jemanden, der mehr liebt und der mehr will, aber derjenige, der weniger will, hat mehr Macht. Unmöglich finde ich Jans Anforderung an Erika, indem er ihr im Zuge der Paartherapie mitteilt, er hoffe, dass sie akzeptieren wird, dass er weiterhin mit Marie zusammen ist. Dadurch spielt er mit Erikas Gefühlen, hält sie weiterhin in seiner Nähe und bindet sie emotional an sich, obwohl es für sie enorm verletzend ist. Auch eine Affäre, die Erika vor langer Zeit hatte, wird wieder aufgewärmt und mit der aktuellen Situation verglichen. Jans verletzte Gefühle über die er nie gesprochen hat, sind wohl nie geheilt, auch nicht seine Eifersucht und die negative Einstellung zur körperlichen Liebe Erika gegenüber. Vielleicht hätte eine Paartherapie zum damaligen Zeitpunkt ihnen helfen können, ihrer Beziehung noch eine Chance zu geben, aber jetzt ist es dafür schon zu spät.
„Man kann auf viele Arten ein gutes Leben haben“ – diese Erkenntnis hat Erika am Ende des Romanes, allerdings bleibt noch recht vage, wie genau sie sich dies in ihrem Leben vorstellt und wohin ihre Reise sie führen wird. Dieser fehlende Ausblick hat mir ein wenig gefehlt, sodass das Ende zu offen gehalten bleibt. Auf alle Fälle lädt die Autorin zum eigenen Reflektieren und Nachdenken ein und das Buch hallt auch noch nach dem Lesen nach, wenn auch nicht ganz so intensiv, wie ich es mir gewünscht hätte.

Veröffentlicht am 23.02.2026

Solidarität unter Frauen

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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Der Roman startet kraftvoll und mit anschaulichen Beschreibungen, sodass man sich als Leser*in sehr gut in die vier Hauptcharaktere Linn und Matze sowie Eva und Felix hineinversetzen kann. Gemeinsam befinden ...

Der Roman startet kraftvoll und mit anschaulichen Beschreibungen, sodass man sich als Leser*in sehr gut in die vier Hauptcharaktere Linn und Matze sowie Eva und Felix hineinversetzen kann. Gemeinsam befinden sich die vier Erwachsenen sowie die zwei Kinder von Eva und Felix auf Urlaub abseits der Saison in einem Ferienhaus, wo sich mit der Zeit ein immer intensiver werdender Austausch über Weiblichkeit und das Muttersein entwickelt.
Schön zu beobachten ist, dass die Aktivitäten zu Beginn fast komplett den Kindern angepasst waren, die Gespräche belanglos und an der Oberfläche blieben, aber mit der Zeit entsteht vor allem zwischen den beiden Frauen eine emotionale Nähe und Verbundenheit und die Gespräche werden ehrlicher, authentischer. Eva und Linn zeigen sich von ihren verletzenden Seiten, während Eva unerwünscht zum dritten Mal schwanger ist, kann Linn trotz intensiver Kinderwunschbehandlung keine Kinder bekommen. Zentrale Themen wie die weibliche Selbstbestimmung und die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen über Mutterschaft bekommen Platz und Raum und werden ausführlich von mehreren Seiten betrachtet. Die Männer hingegen bringen ihre Zusammengehörigkeit mit gemeinsamen Aktivitäten, wie Angeln oder Ausflügen zum Ausdruck. Die Sprache ist bildhaft, beobachtend und durch die wechselnden Perspektiven sowie durch die räumliche Abgeschiedenheit ist es gelungen tiefgreifende Betrachtungsweisen zu ermöglichen. Dies hat mir sehr gut gefallen und es regt zum Nachdenken an, auch noch im Nachhinein. Es wird nicht moralisiert oder verurteilt, sondern alle Gefühlslagen werden zugelassen und sind in Ordnung, das finde ich gut. Was mir weniger gut gefallen hat, dass die Situationen an manchen Stellen ins symbolische, surreale abdriften. Die Situation mit dem Freilassen des Kanarienvogels und den Wahrheit- oder Pflichtspielen war noch nachvollziehbar, aber als dann plötzlich ein Nashorn ins Spiel kam und die Situation am Ende komplett eskalierte, war es mir zu unwirklich. Hier hätte ich mir einen emotionalen, tiefgreifenderen Abschluss gepasst, der das Thema um die Selbstbestimmung von Frauen besser würdigt.

Veröffentlicht am 01.02.2026

verpasste Chancen

Tage des Lichts
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Der Roman ist detailliert beschreibend, teilweise in poetischer Sprache, aus der Sicht von Ivy über eine lange Zeitspanne ihres Lebens geschildert. Er ist meistens still, hat aber einige Schlüsselmomente, ...

Der Roman ist detailliert beschreibend, teilweise in poetischer Sprache, aus der Sicht von Ivy über eine lange Zeitspanne ihres Lebens geschildert. Er ist meistens still, hat aber einige Schlüsselmomente, die lauter werden und die exemplarisch hervorgehoben werden, beginnend mit der jungen etwa 19jährigen Ilvy bis zur alten Frau. Zwischendurch werden gesamte Lebensabschnitte übersprungen, dies finde ich ungewohnt. Das zentrale Thema und die Bedeutung des Lichtes kommt immer wieder vor und wird von mehreren Blickpunkten aus betrachtet, vor allem in religiöser Hinsicht, aber auch künstlerisch, esoterisch und aus persönlichen Erlebnissen heraus, teilwiese negativ behaftet, teilweise positiv. Generell spielen Spiritualität und Religiosität eine besondere Rolle, aber auch kreative, künstlerische Aspekte. Traurig finde ich, wie sich Ivys Leben im Laufe der Zeit verändert hat. Zu Beginn ist Ivy eine junge, lebensfrohe, naive Persönlichkeit, die noch viele Träume und Vorstellungen vom Leben hat, doch schon bald ist sie verheiratet, überfordert, gestresst und hat ihr Selbstbewusstsein verloren. Sie wirkt depressiv und passiv und hat aufgehört, nach etwas zu streben, sieht sich selbst sogar als talentlos an. Immer wieder treten kurze Freudenmomente und Verliebtheit in ihr Leben, aber dies darf und kann sie nicht ausleben, sondern verkümmert immer mehr. Nach vielen verpassten Chancen, aufgegebenen Hoffnungen und Träumen, sucht Ivy nach einem neuen Licht in ihrem Leben und findet dies auch wieder für einen kurzen Moment in der Religion. Insgesamt war der Roman für mich monoton, blass und deprimierend zu lesen. Ich hätte mir auch mehr Höhepunkte in Ivys Leben gewünscht und intensivere Gefühle von Ivy und ihrem Umfeld. Leider hat sie auch erst sehr spät mit einer Reflexion ihrer Situation begonnen, aber was wäre, wenn… stand immer im Raum.

Veröffentlicht am 15.01.2026

religiöse Zwangsgemeinschaften

Die gehorsame Tochter
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Der Thriller beginnt verhältnismäßig ruhig und erzählend für das Genre, berichtet über die junge Abigail, dien in den USA in einer streng religiösen Glaubensgemeinschaft aufwächst. Ihr Charakter ist schwer ...

Der Thriller beginnt verhältnismäßig ruhig und erzählend für das Genre, berichtet über die junge Abigail, dien in den USA in einer streng religiösen Glaubensgemeinschaft aufwächst. Ihr Charakter ist schwer greifbar, sie wirkt für mich distanziert und ich kann mich nicht gut in sie hineinversetzen. Nach einem Brand bleibt Abigail als einzige Überlebende zurück, da stellt sich die Frage: Hatte sie einfach nur Glück? Oder steckt doch mehr dahinter? Auch wer der Mann war, der kurz zuvor noch gesehen wurde, steht im Zentrum des Interesses. Das Thema Religion und religiöse Sekten nimmt einen großen und bedeutenden Raum ein, darauf muss man sich als Leser*in einstellen. Es wird nicht neutral betrachtet, sondern es kommen auch alle gängigen Klischees und Vorurteile vor. Man spürt auch Abigails strenge Erziehung, ihre Isolation und ihre eingeschränkte Sichtweise auf die Welt. Mit der Zeit bemerkt man bei ihr aber die ersten Veränderungen, die sich positiv auf ihren Charakter auswirken. Indem sie von den vorgegebenen Zwängen befreit wurde, kann sie nun selbst kritisch hinterfragen beginnen. Der Erzählstil ist teilweise ausufernd, weicht vom Wesentlichen ab und wechselt in den Zeitebenen vor dem Brand und danach hin und her. Die Geschichte regt auch im Nachhinein noch zum weiteren Nachdenken über strenge Religionsgemeinschaften und Sekten und deren Mitglieder an.