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Veröffentlicht am 11.06.2020

Eine Geschichte von Freiheit und neuen Grenzen

Riviera - Der Traum vom Meer
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"Du willst im Juni nach Italien? Im Sommer reist man nicht ans Mittelmeer...Die glühende Sommerhitze ist äußerst gefährlich. Schon durch und durch gesunden Menschen macht sie schwer zu schaffen, erst recht ...

"Du willst im Juni nach Italien? Im Sommer reist man nicht ans Mittelmeer...Die glühende Sommerhitze ist äußerst gefährlich. Schon durch und durch gesunden Menschen macht sie schwer zu schaffen, erst recht leicht erregbaren... Und das Wasser ist doch viel zu salzig. Es heißt, das fördert Schwellungen des Zahnfleisches." (Seite 58/59)


Die Geschichte beginnt in Frankfurt am Main im Jahr 1922. Das Buch ist der erste Teil einer Diologie. Hauptprotagonistin ist die junge Salome Sommer, die nach dem Tod der Mutter von der Großmutter erzogen wird und vom Vater weitesgehend unbeachtet von einer Vertrauten und vom Meer träumt. Die Untermieterin der Familie, Paola, teilt diese Sehnsucht. Sie ist es auch, die in klugen Schachzügen zuerst Salomes Vater von der Idee überzeugt, künftig Reisen an die italienische Riviera anzubieten und sich anschließend gleich selbst als seine neue Ehefrau ins Spiel bringt.

In Italien arbeitet Familie Sommer mit einem ortsansässigen Hotelier zusammen. Dessen Tochter Ornella wird für Salome zur besten Freundin, zur Schwester, zur Komplizin. Fortan lenken die beiden jungen Frauen geschickt ihre Väter im eigenen Interesse. Probleme und Sorgen entstehen auf gesellschaftlicher Ebene durch den aufkeimenden Faschismus, zuerst in Italien, später dann in Deutschland, und auf privater Ebene durch Ornellas erste Liebe, zu der auch Salome sich hingezogen fühlt.

Das Buch spielt zwischen 1922 und 1936 und ist in 6 Abschnitte eingeteilt. Es lässt sich leicht und flüssig lesen. Einerseits vermittelt die Autorin sehr gut die lebendige Kulisse von der italienischen Riviera und der Cote d'Azur; andererseits schafft sie es ebenso, den Schrecken des aufkommenden Faschismus deutlich vor Augen zu führen ebenso wie die Steine, die beiden Mädchen in den Weg gelegt werden. Sie beschreibt eindringlich die Freundschaft der beiden Mädchen, Erfolge und Mißerfolge des Reisebüros und die Gefühle der 1. Liebe, die beiden Mädchen leider mehr Schmerz als Hochgefühle beschert. Das Buch beginnt voller Leichtigkeit und Optimismus und endet mit der kalten Realität des Nazideutschland von 1936. Die Geschichte ist gekonnt aufgebaut und die Schauplätze stecken voller Sehnsucht. Doch leider wirken die Akteure blass und abweisend und taugen allesam nicht als Symphatieträger. Der Cliffhanger am Ende des Buches sorgt dafür, dass ich auch den 2. Teil lesen werde.

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Veröffentlicht am 19.05.2020

rührende Vater-Sohn-Geschichte

Pandatage
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“Ich glaube, was ich zu sagen versuche, ist Folgendes, Will: Wenn etwas Schreckliches, Unbegreifliches geschieht, dann braucht es manchmal etwas ebenso Unerwartetes, damit wir es begreifen können.” Mr. ...

“Ich glaube, was ich zu sagen versuche, ist Folgendes, Will: Wenn etwas Schreckliches, Unbegreifliches geschieht, dann braucht es manchmal etwas ebenso Unerwartetes, damit wir es begreifen können.” Mr. Colemann (Wills Lehrer) auf S.166

Danny ist der typische Verlierer. Alle wissen das: seine Firma, sein Vermieter, seine Schwiegereltern, eventuell sogar sein Sohn Will. Er hat keinen richtigen Abschluss, arbeitet als Hilfsarbeiter auf dem Bau, wohnt mit Will in einer schäbigen Wohnung und weiß manchmal nicht, wovon er das Essen und die Miete bezahlen soll. Vor einem Jahr hat er das Beste in seinem Leben bei einem Autounfall verloren – Liz, seine Frau. Seitdem versinkt er in Trauer und Problemen. Eins davon ist, dass Will seit dem Tod seiner Mutter nicht mehr spricht. Deshalb wird er in der Schule gemobbt aber sein Vater bekommt von all seinen Schwierigkeiten nichts mit, weil er dazu schlicht und einfach keine Kraft hat.

Zu Beginn des Buches mochte ich Danny nicht besonders, weil er so völlig ergeiz- und antriebslos war und sich seinem Schicksal ergeben zu haben schien. Und überhaupt, was ist das für eine blöde Idee, sich ausgerechnet ein schäbiges Pandakostüm zu kaufen um damit als Straßenkünstler tanzend sein Geld zu verdienen, wenn man nicht mal Tanzen kann? Will habe ich da schon eher ins Herz geschlossen. Der Junge hat mit seiner Mutter auch seine beste Freundin verloren (die ganze Seite 201 rührt mich zu Tränen!), will am liebsten unsichtbar sein und versucht dennoch mit der Situation klar zu kommen. Er schwankt zwischen kindlichem und sehr reifem Verhalten hin- und her.

Als Danny Zeuge des Mobbings gegen seinen Sohn wird, erwacht er endlich aus seiner Starre. Er beginnt zu kämpfen, sucht und findet Hilfe in der Tänzerin Krystal und auch sein Freund Ivan ist zur Stelle.
Die Vater-Sohn-Beziehung entsteht völlig neu und James Gould-Bourn erzählt davon so intensiv und kraftvoll, dass mich das sehr berührt hat. Das Buch lebt von wunderschönen Details wie den kleinen Freundschaftsbeweisen von Ivan oder Mo. Es ist keine Liebesgeschichte notwendig, um Gefühle in die Handlung zu bringen, Freundschaft und die Vater-Sohn-Beziehung bleiben im Zentrum. Die sehr eigenwilligen Protagonisten verschaffen der Geschichte immer wieder heitere Szenen und schlagfertige Dialoge.

Mir persönlich waren die vielen Glücksfälle zum Schluss hin too much und das Ende zu erzwungen. Dennoch geht die Geschichte wirklich zu Herzen und der flüssige Schreibstil lässt einen das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Sprache ist berührend und bildhaft, witzig, warmherzig und traurig. Ich würde das Buch eher als leichte Kost einordnen und könnte mir eine Verfilmung gut vorstellen, da man viele Situationen beim Lesen bildlich vor sich sieht.

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Veröffentlicht am 27.04.2020

Federleichte Wohlfühllektüre

Rendezvous in zehn Jahren
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Die eine große Geschichte ist es nicht, das muss ich leider einräumen. Aber vieles, was ein gutes Buch braucht, ist da: es versprühte gute Laune, brachte mich zum Schmunzeln, trieb aber auch ein paar Tränen ...

Die eine große Geschichte ist es nicht, das muss ich leider einräumen. Aber vieles, was ein gutes Buch braucht, ist da: es versprühte gute Laune, brachte mich zum Schmunzeln, trieb aber auch ein paar Tränen in meine Augen, war an den richtigen Stellen spannend, nahm mich mit an die Sehnsuchtsorte Meer und Berge und lässt mich nun beseelt und zufrieden zurück. Ich habe den Roman in einem Stück durchgelesen und empfehle es denen weiter, die ein paar kurzweilige Lesestunden für zwischendurch suchen.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Ich wünsche Erika einen Neuanfang

Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?
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Erika und Jan sind beide 65, seit über 40 Jahren verheiratet, haben einen erwachsenen Sohn. Ihre Beziehung ist respektvoll aber seit 8 Jahren ohne körperliche Nähe. Alles schon tausendmal gehört. Was die ...

Erika und Jan sind beide 65, seit über 40 Jahren verheiratet, haben einen erwachsenen Sohn. Ihre Beziehung ist respektvoll aber seit 8 Jahren ohne körperliche Nähe. Alles schon tausendmal gehört. Was die Geschichte von anderen abhebt, ist, dass sich in diesem Fall Erika nach Sex sehnt und Jan derjenige ist, der ihn verwehrt. Als er ihr in einem Urlaub dann gesteht, dass er bereits seit anderthalb Jahren ein Verhältnis zu einer deutlich jüngeren Frau hat, die beide kennen und die, laut Erika, deutlich unattraktiver ist als sie selbst, zieht das Erika den Boden unter den Füßen weg. Was nun kommt, haben viele von uns schon erlebt – Erika sitzt in einer Achterbahn der Gefühle, wütet, zweifelt, stalkt die Geliebte, kämpft um ihre Ehe. Schließlich begeben sich die Eheleute in Therapie. Aber macht das wirklich Sinn, die Beziehung ohne körperliche Liebe – denn Jan bleibt bei seiner Einstellung, dass er sich keine körperliche Liebe mehr mit seiner Frau mehr vorstellen kann und an der Beziehung zu seiner Geliebten festhalten will – fortzusetzen? Erika stellt sich viele Fragen und lässt die Leserin daran teilhaben. Ihre Gedanken springen hin und her und manchmal hat mich ihr selbstverletzendes Verhalten richtig geschmerzt. Ich hätte ihr am liebsten zugerufen: „Warum gehst Du nicht und suchst Dir einen Mann, der dich will?“ Immerhin kommen ihr diese Gedanken zwischendurch selbst, das lässt mich hoffen.
Das Büchlein, dessen Cover mich richtiggehend angezogen hat, liest man schnell durch, der Text ist fesselnd und ich habe mich oft in Erikas klugen Gedanken wiedergefunden. Was mir nicht so gut gefallen hat, waren die derbe Wortwahl bei Erikas Sexgedanken, damit habe ich mich unwohl gefühlt, was vielleicht mehr über mich als über Wencke Mühleisen aussagt. Die Autorin spricht Klartext, drastisch, konsequent und ehrlich. Manchmal auch witzig. Ich konnte ihren inneren Kampf fühlen und das macht den Roman zu einem, der berührt und manchmal auch weh tut.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Was genau macht ein gutes Leben aus?

Das gute Leben
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Eine Erbschaft bringt die Protagonistin Christina auf den Weg in die Vergangenheit. Sie wuchs bei ihrer Großmutter Anni auf. Anni stammt aus Siebenbürgen. Nach dem Krieg waren Deutsche in Rumänien nicht ...

Eine Erbschaft bringt die Protagonistin Christina auf den Weg in die Vergangenheit. Sie wuchs bei ihrer Großmutter Anni auf. Anni stammt aus Siebenbürgen. Nach dem Krieg waren Deutsche in Rumänien nicht mehr gern gesehen und als Anni feststellt, dass sie schwanger ist, flüchtet sie nach Deutschland. Sie arbeitet beim Quelle-Versand, wird alleinerziehende Mutter ihrer Tochter Helene, bleibt ansonsten allein und verschlossen. Auch ihre Tochter wird früh schwanger und Anni kümmert sich auch um die Enkelin. Nun ist Anni gestorben und Christina blickt einerseits auf das Leben der Großmutter zurück und denkt andererseits auch über sich selbst nach. Am Ende erkennt sie, was sie ihrer Großmutter alles zu verdanken hat.

Die Erzählung spannt einen Bogen von Rumänien nach Deutschland, wechselt zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart und behandelt Themen wie Abschied, Fremdsein, Zugehörigkeit, Herkunft, Entbehrungen. Es gibt immer wieder Perspektivwechsel und die Erzählstränge greifen immer wieder ineinander, das hat mir sehr gut gefallen. Sehr interessant fand ich auch die Beschreibungen des Quelle-Versandhauses!
Die abgehackte Sprache, die manchmal recht hart wirkte, ungeschliffen irgendwie, passte für mich sehr gut zur Geschichte

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