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Veröffentlicht am 21.03.2026

Kein gewöhnlicher Sommerthriller!

Ultramarin
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Kein Wohlfühlbuch! Auch wenn das Cover mit Steilküste an ultramarin blauem Wasser einen verführerischen Sommer verspricht. Alles nur Machtmissbrauch, Manipulation, auch starkes queeres Begehren zwischen ...

Kein Wohlfühlbuch! Auch wenn das Cover mit Steilküste an ultramarin blauem Wasser einen verführerischen Sommer verspricht. Alles nur Machtmissbrauch, Manipulation, auch starkes queeres Begehren zwischen den zwei Hauptfiguren Lou und Raf - auf zwei Erzählebenen erzählt aus der Ich-Perspektive des ängstlichen, unterwürfigen, liebenden Lou! Dunkle Abgründe, bereits im Prolog angekündigt, entwickeln sich allmählich während heißen Sommertagen im alten Ferienhaus zwischen dänischen Dünen. Die ambivalente, teils intime, teils destruktive Beziehung zwischen dem unsicheren, stillen, queeren Lou und dem charismatischen, bisexuellen, launischen Raf wird noch dynamischer und unausgewogener durch die Anwesenheit einer dritten Person im Plot: Nora. Während in den Rückblenden besonders die gemeinsame Schulzeit nebst Sommerurlauben auch mit Jacob und Rafs Schwester Sophie beleuchtet wird, konzentriert sich die toxische Dreieckskonstellation mit Nora innerhalb von sieben Wochentagen auf das flirrende, scheinbar leichte Urlaubsambiente, gespickt mit zahlreichen zwischenmenschlichen Disharmonien – sprachlich überzeugend zum Ausdruck gebracht. Neben der selbstsicheren, taktisch klug agierenden Nora wirkt Lou noch hilfloser, verwirrter und naiver, total verblendet.
Insgesamt eine gelungene, sehr prägnante Charakterzeichnung der Akteure und exzellente Atmosphäre-Beschreibungen.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Ein Lesevergnügen!

Moorland. Die Zwillinge
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Das Namenlose Moor, oft in Nebel oder Dunkelheit gehüllt, bildet hier den Rahmen für spannende, gefährliche Begegnungen von alten wie neuen Anwohnern. Die Historie des ehemaligen Torfabbaus, mühsamer Trockenlegung ...

Das Namenlose Moor, oft in Nebel oder Dunkelheit gehüllt, bildet hier den Rahmen für spannende, gefährliche Begegnungen von alten wie neuen Anwohnern. Die Historie des ehemaligen Torfabbaus, mühsamer Trockenlegung und dazu gehörenden verfallenden Hütten wird angerissen. Ein verlassenes Moorbad als Lost Place ist hier mehr als ein beliebter, einsamer Jugendtreff. In diese gefährliche, unwegsame Landschaft mit all ihrer Schönheit und Eigenheit kehrt nach 15 unruhigen Jahren die Hauptfigur Kommissarin Malia Gold zurück in ihr Heimatdorf Moorbach, mit ihrer nahen Arbeitsstelle in Riedberg mit derzeitigem krankem Chef. Damalige heftige Familienangelegenheiten bleiben bisher im Hintergrund, denn die Ermittlungen in ihrem ersten Fall verlaufen rasant: Die 18-jährigen, eineiigen Zwillinge Nike und Jana Martens kehren von einem ihrer Ausflüge ins Moor nicht zurück. Nicht nur deren Umtriebe in den sozialen Medien produzieren aufrüttelndes Kopfkino beim Lesen. Ermittlungen in einem Unfall mit Fahrerflucht, einem Selbstmord und bei weiteren Toten werden schließlich schlüssig aufgeklärt. Ein überaus fesselnder Plot mit authentischen Darstellern.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Ein eindrucksvoller Debütroman.

Kala
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Das sommerliche Cover mit Gras bewachsener Hügellandschaft gibt einen friedlichen Eindruck wider, mit unscharf festgehaltenen Personen im Zentrum – wie eine verträumte Erinnerung. Die Gegenwart im Sommer ...

Das sommerliche Cover mit Gras bewachsener Hügellandschaft gibt einen friedlichen Eindruck wider, mit unscharf festgehaltenen Personen im Zentrum – wie eine verträumte Erinnerung. Die Gegenwart im Sommer 2018 in der Kleinstadt Kinlough an der Westküste Irlands lässt drei Jugendfreunde aus 2003 wieder zufällig zusammenkommen anlässlich einer anstehenden Hochzeit bzw. wegen eines musikalischen Revival-Pubauftritts. Schockierende Ereignisse rund um die immer noch unzertrennliche Clique entfalten sich sprachlich spannend verpackt. Die verschiedenen Charaktere der Protagonisten kommen brillant beschrieben zur Geltung. Die rasanten Twists und fesselnden Turns lassen in der Gegenwart Schuldgefühle, Albträume, aber auch erneute Zärtlichkeit aufkommen. An vier Tagen im Sommer 2018 werden kriminelle und ethisch verwerfliche Geschehnisse aus 2003 aufgeklärt, nostalgisch verbrämt mit erster Liebe zwischen Joe und Kala, mit ersten Bandauftritten mit 15 Jahren, gemeinsamen Mutproben mit dem Fahrrad etc. Immer noch geben sie sich untereinander Sicherheit, machen sich gegenseitig Mut, kämpfen gemeinsam für mehr Aufklärung. Unter Offenlegung ihrer emotionalen, auch gescheiterten Wahrheiten erhält der Roman viel Tiefe. Aus ihren Perspektiven berichten Helen, Joe und Mush, teilweise in der Ich-Form. Auch die Jugendsprache wirkt authentisch in teils tiefsinnigen Dialogen. Die Figurenzeichnung mit vielfältigem Innenleben macht nicht nur die Hauptpersonen sehr lebendig. Der Kontrast zwischen Gut und Böse verleiht dem Roman eine unglaubliche Intensität.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Erzählen wird zur Kunst!

Die Enthusiasten
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Schon das farbenprächtige Cover, sehr dynamisch mit explosiver Farbgebung, ist ansprechend.
Die nordenglische, verschlafene Kleinstadt Coxwold in der Nähe von York und das elterliche Hexenhäuschen bei ...

Schon das farbenprächtige Cover, sehr dynamisch mit explosiver Farbgebung, ist ansprechend.
Die nordenglische, verschlafene Kleinstadt Coxwold in der Nähe von York und das elterliche Hexenhäuschen bei Frankfurt am Main bilden die besondere Szenerie für die munteren, fantasievollen Erzählungen von Vincent Bär, dem 26-jährigen Ich-Erzähler. Die gemeinsame Familienvergangenheit rund um Kindheit, Jugend, besessener Berufstätigkeit auch der Geschwister mit lesebesessenen Eltern wird alternierend eingestreut in gesamt elf Büchern bzw. Kapiteln. Vince stellt dabei seine liebenswürdige, skurrile Familie als Enthusiasten verschiedener Couleur vor. Er selbst als schillernde Hauptfigur ist besessener Laurence-Sterne-Fan, der bekannt als Mr. Shandy die kuriose bis humorvolle Verfolgung des angeblichen zehnten Bandes von Tristram Shandy auf sich nimmt. Dieser sensationelle Fund führt jedoch final zu tiefgehenden Gedankengängen über menschengemachte Kunst contra künstliche Intelligenz.
Eine vermeintliche Postkarte aus Santo Stefano von ihrer Mutter oder das tagelange Bücher-vergraben des Vaters im Schwimmbadgrab im Garten sorgen zwischendurch für zusätzlichen Wirbel.
Im 10. Buch führen weitere bildlich voluminös beschriebene Eskapaden zu langsam sich steigernder Dramatik in der stetig erweiterten Konferenzschaltung über Vince’ Handy. Vaters abzuarbeitende Liste von 50 Sätzen mit den allermeisten Wiederholungen aus ihm bekannten Büchern wirkt dabei noch zahm, machen die Dialoge miteinander jedoch spritziger, humorvoller. Mit Nebenfiguren wie der rätselhaften Thailänderin Natcha, Fat Wayne mit Quences, dem Hund, oder Morton Minelli erhält der Roman mehr Bodenhaftung, aber auch noch mehr charakterliche Vielfalt. Der Schreibstil ist voller Humor und Kreativität, weltumspannende Klassiker inhaltlich mit einbeziehend. Aber mit dem Abschieben des Vaters ins Altersheim wird auch Gesellschaftskritik geübt.
Insgesamt ein Lesegenuss!

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Eine Hommage an die verlorene Kunst des Briefeschreibens

Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand
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Die Autorin Baek Seungyeon, die - wie sie selbst sagt - an die Kraft der Herzlichkeit glaubt, beschreibt in ihrem ruhigen, sanften Roman die Macht und große Kraft des geschriebenen Wortes in einer zunehmend ...

Die Autorin Baek Seungyeon, die - wie sie selbst sagt - an die Kraft der Herzlichkeit glaubt, beschreibt in ihrem ruhigen, sanften Roman die Macht und große Kraft des geschriebenen Wortes in einer zunehmend anonymen, menschlich isolierten Welt ohne mitmenschliche Verbundenheit. Über vier Jahreszeiten in Seoul arbeitet die junge Hauptfigur Hyoyeong aushilfsweise im Briefladen eines befreundeten Ex-Studenten. Sie schafft es trotz ihrer Wut auf Familie und beruflicher Enttäuschung als Regisseurin, wieder zu emotionalem Konsens und realistischer Berufseinschätzung als Drehbuchautorin zu finden.
Tatsächlich gibt es dort einen solchen Penpal Shop mit Service Angeboten wie im Buch beschrieben. Sogar den Wal (spermwhale) als Briefbeschwerer und Ink Wood Frangrance gibt es dort zu kaufen. Überzeugend ist der Autorin gelungen, das Briefe schreiben zur zeitgenössischen Kultur zu machen, hier hauptsächlich um Hoffnung, Mitgefühl, Träume, Trauerbewältigung und Sinnsuche ihrer sieben ausgewählten Kund*innen auszudrücken. Deren verschiedene Charaktere und jeweilige Lebensverhältnisse, aber auch der ältere Briefladen in Yeonhui als sicherer Zufluchtsort zwischen alten Wohnblocks werden einfühlsam in wohlwollendem Schreibstil beschrieben. Als berührend sanft werden die Magie und die heilsame Wirkung anonym geschriebener und gelesener Worte des Trostes, der Sehnsüchte oder der Erinnerung empfunden. Vielleicht mag man sich als Schreibender tatsächlich leichter öffnen, wenn Absender und Adressat in scheinbarer Anonymität miteinander leben.

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