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Veröffentlicht am 09.03.2026

Wohlfühlkrimi

Mord à la Lavande
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Der Krimiautor Maxim Marchal genießt den Abend in einem kleinen Bistro, beobachtet die vorbeischlendernden Menschen und sucht nach Inspirationen für seine Charaktere. Doch dann stört etwas seine Entspannung. ...

Der Krimiautor Maxim Marchal genießt den Abend in einem kleinen Bistro, beobachtet die vorbeischlendernden Menschen und sucht nach Inspirationen für seine Charaktere. Doch dann stört etwas seine Entspannung. Ein Mensch wird überfahren. Maxims kriminalistischer Instinkt ist geweckt, er geht, entgegen der Meinung der Polizei, nicht von einem Unfall aus. Seine Nachforschungen ergeben, dass es sich bei dem Toten um einen Journalisten handelt. Mit Hilfe seiner Bekannten Sabrina, die als Journalistin arbeitet, und Ginette vom Tourismusbüro versucht Maxim die letzten Schritte des Toten zurückzuverfolgen. Dafür muss er sich bei den Lavendelbauern umhören. Die drei Hobbydetektive kommen dabei alten Geheimnissen auf die Spur, die sich bis in die Gegenwart auswirken. Dier Fall bietet Maxim viel Stoff für sein neues Buch, welches er im Kopf schon mitschreibt.
Das Buch verbindet einen spannenden Fall mit idyllischen Landschaftsbeschreibungen und interessanten Details zum Lavendel- und Lavandinanbau sowie der Herstellung der verschiedenen Produkte. Gleichzeitig kommen auch die kulinarischen Genüsse der Gegend nicht zu kurz. Maxim ist dahingehend ein Genießer.
Die Charaktere sind authentisch beschrieben. Maxim ist eine angenehme Person, analysiert erst die weiteren Schritte und handelt überlegt. Auch die beiden Frauen mag ich sehr. Sabrina ist eine engagierte Journalistin, die von Berufs wegen schon an dem Fall interessiert ist und Ginette ist eine immer fröhliche, quirlige Frau, die viele regionale Informationen beisteuern kann und gut vernetzt ist. Hilfreich für den Stand der Ermittlungen ist auch Sabrinas Mann, der bei der Polizei arbeitet.
Der Schreibstil ist ruhig und detailreich. Die Handlung entwickelt sich eher gemächlich, was gut zur Stimmung eines Provence-Krimis passt. Die Sprache ist zugänglich und bildhaft, ohne übermäßig komplex zu sein. Spannung entsteht weniger durch rasante Action als durch schrittweise Enthüllungen und gute Beobachtungen.
Die Handlung ist ein gelungenes Zusammenspiel von Atmosphäre, Figuren und regionalem Ambiente. Auch das Cover passt gut zum Thema.
Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich hoffe auf mehr Fälle mit dem Ermittlertrio.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.02.2026

Dolce Vita und ein Mord

Mira Belgusto und die tote Winzerin
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Mira Belgusto ist Reisejournalistin und gerade in Italien unterwegs. Dort lernt sie den charmanten Ex-TV-Moderator Claudio Bertani kennen. Als sie einen kleinen Hund an der Straße sehen, folgen sie ihm ...

Mira Belgusto ist Reisejournalistin und gerade in Italien unterwegs. Dort lernt sie den charmanten Ex-TV-Moderator Claudio Bertani kennen. Als sie einen kleinen Hund an der Straße sehen, folgen sie ihm zu seinem Zuhause und finden sein totes Frauchen. Es ist eine Winzerin aus reicher Familie, die das größte Weingut der Gegend besitzt. Nach Aussagen der Nachbarin Serafina war die Tote eine schwierige und nicht gerade beliebte Person. Aber wer bringt sie gleich um? Nun hat Mira einen Hund und einen Mann an ihrer Seite und alle wollen herausfinden, was passiert ist.
Neben der Suche nach dem Mörder geht es hauptsächlich um kulinarische Genüsse der Gegend, um die schöne Landschaft und Miras eigentliche Arbeit als Reisejournalistin, die immer auf der Suche nach Neuem ist und Insidertipps von Claudio gerne annimmt.
Mira ist eine erfrischend authentische Zufalls-Ermittlerin. Sie wirkt menschlich und glaubwürdig und hat ein starkes Gespür für die Menschen und deren Geheimnisse. Besonders auffällig ist, dass sie sich nicht nur auf die Fakten konzentriert, sondern auch die zwischenmenschliche Dynamik und die Geschichte der beteiligten Personen in den Mittelpunkt stellt.
Auch Claudio Bertani ist mir sehr sympathisch. Er ist für Mira ein guter Freund geworden, mit dem sie nicht nur ermitteln, sondern auch die Genüsse des Lebens teilen kann.
Die Handlung ist geschickt aufgebaut und hält den Leser mit einem angenehmen Spannungsbogen bei der Stange. Dabei ist der Krimi eher in der Kategorie „Wohlfühlkrimi“ anzusiedeln – es geht weniger um atemlose Action als vielmehr um die Entwicklung des Falls und die Interaktionen zwischen den Charakteren. Die Ermittlungen schreiten durch Mira auf eine sehr natürliche Art und Weise voran und führen zu einem befriedigenden Finale. Die Auflösung des Falls ist sowohl überraschend als auch glaubwürdig.
Der Schreibstil ist durchweg flüssig und angenehm zu lesen. Die Autorin versteht es, klare, stimmige Dialoge zu schaffen, die die Charaktere authentisch wirken lassen, ohne dabei in langatmige Beschreibungen oder übermäßige Details abzudriften. Das Tempo ist ausgewogen, ohne zu hetzen, was perfekt zur Atmosphäre der Geschichte passt.
Die Kapitel sind mit den Namen überschrieben, aus deren Perspektive erzählt wird. Natürlich hat auch Dulcinetta ihre eigenen kurzen Kapitel bekommen. Die Kleine ist total süß und nach dem Tod des Frauchens verängstigt und verwirrt, findet aber bald ein liebevolles Zuhause.
Das Cover gefällt mir sehr gut, lässt nichts von Mord und Totschlag erahnen, eher vom Dolce Vita.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 09.02.2026

Herrlich amüsant und etwas makaber

Betreutes Morden
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Die (eventuell siebenfache) Serienmörderin Carol Quinn ist im Ruhestand. Nach 35 Jahren im Gefängnis freut sie sich darauf, in ihr eigenes kleines Reich eines Luxus-Seniorenheimes zu ziehen. Sie hat das ...

Die (eventuell siebenfache) Serienmörderin Carol Quinn ist im Ruhestand. Nach 35 Jahren im Gefängnis freut sie sich darauf, in ihr eigenes kleines Reich eines Luxus-Seniorenheimes zu ziehen. Sie hat das Gemeinschaftsgefühl unter Mördern vermisst und will nun neue Freunde finden, was ihr zu Beginn auch gut gelingt. Doch dann fällt ein Bewohner vom Dach, direkt an Carols Balkon vorbei, in die Tiefe. Außerdem hat Geoffrey, ein ehemaliger Polizist, Carols Vergangenheit herausgefunden und posaunt sie herum. Seitdem machen die Bewohner der Einrichtung einen Bogen um Carol.
Geoffrey ist von Carols Schuld überzeugt und sucht nun, zusammen mit Catherine, einer ehemaligen Gerichtsmedizinerin, und Margaret, einer ehemaligen Innenministerin, nach Beweisen.
Während die drei sich auf ihre Arbeit konzentrieren, ist Carol ebenfalls nicht untätig und ermittelt auf eigene Faust. Als ehemalige Mörderin kann sie sich gut in die Rolle des Opfers und des Täters hineinversetzen.
Die Geschichte ist herrlich skurril, makaber und höchst amüsant. Die Senioreneinrichtung ist mit allerlei Schnickschnack ausgestattet, den die älteren Menschen teilweise nicht mehr nutzen können. Trotzdem gibt es noch allerhand Aktivitäten, denen sie nachgehen und die sie oft an ihre körperlichen Grenzen bringen.
Die Charaktere sind mit ihren Stärken und Schwächen authentisch und menschlich beschrieben. Manchmal kam Melancholie auf, wenn die Senioren auf ihre Vergangenheit zurückblicken und darüber nachdenken, was aus ihnen geworden ist. Sie werden auf ihr Alter reduziert und oft nicht ernst genommen.
Die vier Hauptpersonen sind sehr unterschiedlich und halten am Ende trotzdem zusammen. Durch ihre früheren Beziehungen decken sie einige Geheimnisse auf, die sie schließlich zur Lösung des Falls führen. Die Auflösung ist sehr gut konstruiert und wird à la Poirot in großer Runde präsentiert.
Das Cover ist sehr schön und lädt direkt zum Lesen ein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.01.2026

Blutiger Wein

Winzerblut
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Eine Studentenparty endet für einen Weinbau-Studenten tödlich. Alles deutet auf einen Unfall hin, weshalb Kriminalhauptkommissar Achill den Fall zu den Akten legen will. Doch seine Kollegin Verena Bertling ...

Eine Studentenparty endet für einen Weinbau-Studenten tödlich. Alles deutet auf einen Unfall hin, weshalb Kriminalhauptkommissar Achill den Fall zu den Akten legen will. Doch seine Kollegin Verena Bertling glaubt, dass mehr hinter dem Unfall steckt, denn es gibt eine mysteriöse Blutspur, die in Verbindung mit dem Tod des Studenten steht. Aber auch Achill gibt nicht ganz auf und weiht seinen Freund André Sartorius in den Fall ein, der mit privaten Ermittlungen bei einem Winzer beginnt. Durch seine Ausbildung zum Kultur- und Weinbotschafter kennt er sich in der Winzerszene aus und lernt noch dazu. Gleichzeitig gibt auch Verena Bertling nicht auf und geht eigenständig Hinweisen nach. Da die Abstimmung zwischen den Ermittelnden eher mäßig ist, ist jeder auf einem anderen Stand, was am Ende gefährlich wird.
Der Fall entwickelt sich langsam und ich hatte einige Schwierigkeiten, mich einzulesen. Doch dann hat mich das Buch gefesselt. Gegen Ende wurden die Kapitel immer kürzer und die Handlung rasanter bis hin zu einem überraschenden Ende.
Die Perspektive wechselt zwischen der Gegenwart und verschiedenen Jahren der Vergangenheit, wobei nicht immer klar war, aus wesen Sicht geschrieben wurde. Durch die datierten Kapitelüberschriften war den einzelnen Handlungen aber gut zu folgen. Das Personenregister zu Beginn war sehr hilfreich.
Das Buch enthält auch viele Information über die Önologie und andere Details im Zusammenhang mit der Winzerei, was ich sehr interessant fand. Der Autor kennt sich in der Branche sehr gut aus und versteht es, seinen Lesern das Wissen anschaulich zu vermitteln. Nach dem Vollernter habe ich sogar gegoogelt und mir ein Video angeschaut.
Die Charaktere sind authentisch beschrieben und die Ermittler waren mir sehr sympathisch. Aber auch Sartorius‘ Mitbewohnerin Irina mit ihrem frechen Mundwerk fand ich amüsant.
Es ist der 5. Fall für Kommissar Achill und Stadtführer Sartorius, für mich war es der erste und ich denke, dass man die Teile auch unabhängig voneinander lesen kann.
Das Cover gefällt mir auch sehr und es passt zur Handlung.

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Veröffentlicht am 26.12.2025

Nichts für schwache Nerven

Der Blutmacher
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„Der Blutmacher“ ist der 3. Teil der Tara-Kronberg-Reihe.
In diesem Fall meldet sich das Cybercrime-Dezernat bei Tara, da es auf die Homepage „Was ist ein Mensch wert?“ aufmerksam geworden ist. Dahinter ...

„Der Blutmacher“ ist der 3. Teil der Tara-Kronberg-Reihe.
In diesem Fall meldet sich das Cybercrime-Dezernat bei Tara, da es auf die Homepage „Was ist ein Mensch wert?“ aufmerksam geworden ist. Dahinter steckt eine E-Mail-Adresse, die letztendlich zu einem Video führt, in dem ein Mensch vor laufender Kamera grausam ermordet wird. Mit dessen Blut entsteht ein Bild, welches mit einem Countdown zur Versteigerung angeboten wird. Nun beginnt das Dezernat 47 mit Hochdruck zu ermitteln. Als weitere Videos erscheinen, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Das BKA wird eingeschaltet und Tara kaltgestellt, da sie plötzlich persönlich involviert ist. Doch so einfach gibt sie natürlich nicht auf. Sie geht eigenen Spuren nach, schaut genau hin und entdeckt Details, die den anderen Ermittlern entgangen sind. Auch jetzt kann sie sich wieder auf ihren Kollegen Gabriel Schneider verlassen, der ihr interne Informationen zukommen lässt und sie auch aktiv unterstützt. Es gibt immer neue Verdächtige, und bald weiß man nicht mehr, wer wirklich in den Fall involviert ist, wer manipuliert wurde und wer unschuldig ist. Es ist ein großes Rätselraten für die Ermittler und die Leser.
Auch dieses Buch ist wieder der absolute Knaller, aber nichts für schwache Nerven. Es ist brutal, grausam, blutig. Die Kapitel sind kurz und enden meist mit einem Cliffhanger, sodass man ‚gezwungen‘ wird weiterzulesen. Die Handlung ist rasant und mitreißend. Die Perspektiven wechseln hauptsächlich zwischen Tara und Gabriel, später kommt dann noch Oliver Brandt vom BKA dazu. Dieser erweist sich nicht, wie befürchtet, als überheblicher Besserwisser. Obwohl er große Erfolge in seiner Arbeit verbuchen kann, arbeitet er mit dem Dezernat 47 gut zusammen und erkennt dessen Ermittlungen an.
Auch die anderen Charaktere sind wieder authentisch beschrieben. Tara und Gabriel kennt man ja schon. Gabriel hat noch private Probleme, weil er in einem Sorgerechtsstreit um seine Tochter steckt und sie wegen der Ermittlungen wieder einmal enttäuschen muss. Er und Tara sind ein sehr gutes Team und ich mag sie beide.
Das Cover passt optisch zu den Vorgängern und mit dem dunkelroten Hintergrund und dem Pinsel auch zum Inhalt.
Für mich war es wieder ein großartiges und spannendes Lesevergnügen.

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