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Veröffentlicht am 04.03.2026

Die nackte Wahrheit

Strandgut
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„Wir haben es hier mit einer Sekte zu tun – einer Sekte, die für Nacktheit und Eskapismus steht. Das Gegenteil von Moral, die pure Sünde.“ (S. 55)
Als die Bürgermeisterin von Grayan-et-l’Hôspital auf ...

„Wir haben es hier mit einer Sekte zu tun – einer Sekte, die für Nacktheit und Eskapismus steht. Das Gegenteil von Moral, die pure Sünde.“ (S. 55)
Als die Bürgermeisterin von Grayan-et-l’Hôspital auf einer Pressekonferenz verkündet, dass sie den Pachtvertrag des Euronat, Europas größtem FKK-Camp kündigen will, laufen die Camper Sturm. Unterstützung erhält sie vom ehrgeizigen Staatssekretär Guy Martinez, der politisch hoch hinaus will. Umso schockierender ist es, als Guy am nächsten Morgen splitterfasernackt und tot am Strand aufgefunden wird.
Für Luc und sein Team stellt sich die Frage, wie und warum der moralische Hardliner dorthin gelangte und weshalb er nackt war. Wollte ihn der Mörder damit zusätzlich demütigen? War es ein Racheakt und Guy ein zufälliges Opfer, oder wurde er gezielt an den Strand gelockt?

Die Camper bilden eine eingeschworene Gemeinschaft. Viele von ihnen verbringen seit Jahrzehnten ihre Sommer im Euronat oder haben sich als Rentner dauerhaft an der Atlantikküste niedergelassen. Aus den einst einfachen Holzhütten sind im Laufe der Jahre komfortable Häuser und sogar luxuriöse Villen mit Whirlpool, Sauna und Weinkeller geworden. Der Platz ist stetig gewachsen, ohne dass sich bisher jemand öffentlich daran störte – schließlich profitieren die Einheimischen wirtschaftlich erheblich von den Sommergästen. Doch es gibt auch kritische Stimmen: überfüllte Straßen, gesperrten Strandabschnitte und der freizügige Lebensstil sorgen nicht bei allen für Begeisterung. Die Bürgermeisterin steht mit ihrer Haltung also keineswegs allein da.

In dieser aufgeheizten Atmosphäre ermitteln Luc und sein Team mit vollem Körpereinsatz. Den Hochsommer an den kilometerlangen, unberührten, feinsandigen Stränden der Côte d'Argent können sie jedoch kaum genießen. Luc fühlt sich unter den Nackten sichtlich unwohl, was Anouk und die neue Kollegin Rose Schillinger genüsslich kommentieren. Gleichzeitig begeht Yacine einen folgenschweren Fehler, der ihn seine Karriere kosten könnte. Und schnell wird klar, dass hinter dem Mord mehr steckt als nur ein politischer Streit um die Zukunft von Euronat.

Auch der 10. Fall von Luc Verlaine überzeugt wieder mit Spannung, Lokalkolorit und einer guten Portion Humor. Als Kind der DDR bin ich selber begeisterte Anhängerin der FKK-Kultur und freue mich jedes Jahr auf den Sommer an der Ostsee. Die Atlantikküste zwar deutlich weiter entfernt, doch nach dieser Lektüre wächst die Versuchung, Euronat eines Tages selbst einen Besuch abzustatten.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Mensch oder Tier?

Die Bestie von Dresden
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Im Mai 1883 gerät Dresden in Aufruhr: Ein neu im Zoo angekommener bengalischer Tiger entkommt, weil ein Pfleger die Käfigtür nicht ordnungsgemäß verschlossen hat. Ausgerechnet Kriminalrat Gustav Heller ...

Im Mai 1883 gerät Dresden in Aufruhr: Ein neu im Zoo angekommener bengalischer Tiger entkommt, weil ein Pfleger die Käfigtür nicht ordnungsgemäß verschlossen hat. Ausgerechnet Kriminalrat Gustav Heller und sein Assistent Schrumm sollen das Tier lebend wieder einfangen. Unterstützung erhalten sie vom berühmten Schriftsteller Karl May, den der Zoo als Experten für die Großwildjagd hinzuzieht. Doch statt des Tigers stoßen sie auf die verstümmelte Leiche eines jungen Mannes. Oberflächlich betrachtet, deuten die Spuren auf ein Tier als Täter hin. Aber dann wird eine weitere Leiche gefunden. Damit ist klar: „Etwas viel Gefährlicheres als ein wilder Tiger läuft in der Stadt herum.“ (S. 127) Jemand hat es offenbar auf wohlhabende Söhne und Töchter aus gutem Hause abgesehen.
Hellers Vorgesetzte sind schnell überzeugt, den Schuldigen gefunden zu haben: ein kürzlich entlassener Zuchthäusler wird verhaftet. Doch die Morde gehen weiter. Handelt seine Bande eigenständig weiter oder sitzt der Falsche hinter Gittern, wie Heller meint? Unerwartete Unterstützung erhält der Gefangene von einem bislang völlig unbekannten, sehr ehrgeizigen Anwalt sowie der freien Presse, die den Fall genüsslich ausschlachtet.

Diese Ermittlungen entwickeln sich zu Hellers bislang schwierigstem Fall. Er tritt auf der Stelle und fühlt sich von seinen Vorgesetzten ausgebremst. Mehr als einmal legt er sich mit ihnen an. „Was, wenn niemand wirklich die Wahrheit sucht? Wenn alles, was uns als Wahrheit verkauft wird, nur zum Erhalt der Macht und der alten Ordnung dient? (S. 173) Zusätzlich kommt ihm bei den Befragungen immer wieder ein mysteriöser Fremder zuvor, der unter wechselnden Namen und Berufsbezeichnungen das Vertrauen (oder die Angst?) der Verdächtigen ausnutzt. Woher kennt er Hellers nächste Schritte? Der wachsende Druck durch die Presse und den undurchsichtigen Anwalt verschärfen die Situation zusätzlich.

Auch privat gerät Hellers Leben aus dem Gleichgewicht. Die Einblicke in die Familien der Opfer lassen ihn erkennen, dass auch er kein besonders guter Vater gewesen ist. Sein Sohn Albert hat sich von der Familie losgesagt und widersetzt sich den Zukunftsplänen seines Vaters. Seine Tochter wird zunehmend schwächer – wie lange kann sie ihrer Krankheit noch trotzen?
Kriminalassistent Schrumm hält Heller zudem den Spiegel vor: Mit seiner schroffen Art stößt er viele Menschen vor den Kopf. Gleichzeitig überrascht Schrumm ihn mit klugen Überlegungen zu Täter und Motiv. „Manchmal kam es ihm sogar so vor, als sei Schrumm der bessere Kriminalpolizist.“ (S. 120) Dafür hat Schrumm im Privatleben ein delikates Problem, dass Heller nur allzu gern mit spitzen Bemerkungen kommentiert.

Obwohl die brutalen Morde einen verstörenden und bis zuletzt verwirrenden Hintergrund haben, leidet die Spannung stellenweise darunter, dass sich Heller häufiger mit seinen Vorgesetzten auseinandersetzt und in Grübeleien sowie private Konflikte abgleitet. Dennoch ist „Die Bestie von Dresden“ ein atmosphärisch dichter historischer Krimi mit viel Lokalkolorit und einem nicht immer sympathischen, aber überzeugendem Ermittler.

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Veröffentlicht am 01.12.2025

Der Anfang vom Ende

Der Tote an der Alster
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„Die Vergangenheit ließ sich nicht abschütteln, selbst wenn man es verzweifelt hoffte.“ (S. 34)
Hamburg 1906: Kommissar Hauke Sötje wird zu einem Mord im Hotel Vier Jahreszeiten gerufen. Der Stuttgarter ...

„Die Vergangenheit ließ sich nicht abschütteln, selbst wenn man es verzweifelt hoffte.“ (S. 34)
Hamburg 1906: Kommissar Hauke Sötje wird zu einem Mord im Hotel Vier Jahreszeiten gerufen. Der Stuttgarter Kaufmann Eugenius Oppenheimer wurde gefoltert, bevor man ihm die Kehle durchtrennte. Da seine persönlichen Dinge fehlen, geht man zunächst von Raubmord aus – bis Hauke dem Toten ins Gesicht sieht: Es ist sein alter Widersacher, Graf Werner von Lahn vom Militärischen Nachrichten- und Geheimdienst. Doch Polizeidirektor Roscher glaubt ihm nicht, zumal auch die extra aus Stuttgart herbeigeeilte Witwe den Mann zweifelsfrei als ihren Ehemann identifiziert.
Parallel dazu versucht jemand, Haukes Ruf zu ruinieren. Im Revier tauchen Flugblätter auf, die von seiner Zeit im Irrenhaus berichten. Zudem fühlt er sich beobachtet, in seiner Wohnung und in seiner Familie kommt es zu beunruhigenden Vorfällen. Bald wird Hauke klar, dass es die Täter auf ihn persönlich abgesehen haben.

„Der Tote an der Alster“ ist bereits der 6. Band der Reihe von Anja Marschall und gleichzeitig der Auftakt einer Dilogie, der mit einem gemeinen Cliffhanger endet – zum Glück soll die Fortsetzung schon in wenigen Monaten erscheinen. Außerdem schlägt die Autorin den Bogen zu ihrer Reihe „Hotel Vier Jahreszeiten“, was das Ganze doppelt spannend macht.

„Sie wissen nicht alles von mir, Herr Polizeidirektor.“ (S. 36)
Hauke steht kurz vor einer Beförderung, als ihn seine Vergangenheit einholt. Bevor er zur Polizei ging, war er Kapitän eines Schiffs, dessen Untergang er als Einziger überlebte. Man legte ihm damals den Freitod nahe, doch Hauke wollte herausfinden, wie es zu den Unglück kam. Dabei lernte er Graf Werner von Lahn kennen, der sich seitdem immer wieder in sein Leben einmischte. Als Haukes Frau Sophie von dessen Tod erfährt, hofft sie, dass nun endlich Ruhe einkehrt. Stattdessen holen Hauke seinen Erinnerungen und Ängsten, mit denen er seitdem kämpft, erneut ein. Er muss sich seinem Chef und seinen Kollegen öffnen, aber wie lange werden sie ihm noch glauben? Immer mehr Hinweise deuten auf ihn selbst als Täter hin. Hauke beginnt, an seinem Verstand zu zweifeln.

Anja Marschall schafft es meisterhaft, das Hamburg der damaligen Zeit lebendig werden zu lassen, Einblicke in das berühmte Luxushotel und die Polizeiarbeit zu geben. Der Fall entwickelt sich hochspannend, überzeugt mit überraschenden Wendungen, und es scheint aus, als würde Haukes Vergangenheit seine Gegenwart und Zukunft zerstören. Als sich sein(e) Gegenspieler schließlich auch noch an seine Familie wagen, geht es um Leben und Tod. Wie weit wird Hauke gehen, um die zu schützen, die er liebt?

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Weihnachten vegan genießen

Weihnachtlich vegan
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Ich bin, ähnlich wie Foodbloggerin und Kochbuchautorin Anja Sagon, mit der Tradition opulenter Weihnachtsessen aufgewachsen. Die ganze Familie kam zusammen, und meine Mama begann schon Tage vorher, Pute, ...

Ich bin, ähnlich wie Foodbloggerin und Kochbuchautorin Anja Sagon, mit der Tradition opulenter Weihnachtsessen aufgewachsen. Die ganze Familie kam zusammen, und meine Mama begann schon Tage vorher, Pute, Karpfen und Co. vorzubereiten. Als ich mit 14 beschloss, weder Fleisch noch Fisch zu essen, war das Entsetzen groß: Für mich blieben damals nur die Beilagen – ohne Soße versteht sich. Tofu oder eine auch nur annähernd so vielfältige Obst- und Gemüseauswahl wie heute gab in der DDR einfach nicht. Zum Glück hat sich das längst geändert und die Auswahl an fleischlosen Alternativen ist mittlerweile riesig.

Das Buch eröffnet mit einer kurzen Einführung zu den Herausforderungen einer veganen Weihnacht, gibt hilfreiche Tipps zur Stressvermeidung und listet alle wichtigen Zutaten und Küchenutensilien auf.

Der Rezeptteil beginnt mit 20 veganen Plätzchen- und Gebäckvarianten – hier findet wirklich jede*r etwas Passendes.
Anschließend folgen die Vorspeisen (uns haben besonders die Maronensuppe und der Wintersalat mit Tofu und Maronen begeistert) inkl. Aperitif-Vorschlägen, gefolgt von den Hauptspeisen, wie dem hervorragend schmeckenden das Kürbisrisotto mit Rucola, sowie verschiedenen Beilagen. Den Abschluss bilden festliche Desserts, etwa Schokomousse oder ein Mohn-Schichtdessert.
Abgerundet wird das Buch durch fünf Menüvorschläge, die aus den vorgestellten Rezepten zusammengestellt sind.

Wir haben uns in den letzten Wochen durch viele Gerichte gekocht und sind begeistert von der Vielfalt, der Alltagstauglichkeit und der meist unkomplizierten, nicht allzu zeitintensiven Zubereitung.
Mein einziger Kritikpunkt sind die Portionsangaben. Nahezu alle Rezepte ergaben für uns mehr Portionen, als angegeben waren. Sowohl Suppen als auch Salate, die als Vorspeise gedacht sind, waren so reichlich, dass sie problemlos eine Hauptmahlzeit ersetzt hätten – und theoretisch folgen ja noch zwei weitere Gänge. Für ein mehrgängiges Menü würde ich die Vorspeisen daher deutlich kleiner portionieren, wenn man das Dessert nicht verpassen möchte.

Fazit: Ein inspirierendes, vielfältiges und liebevoll gestaltetes Kochbuch, das zeigt, wie köstlich und unkompliziert eine vegane Weihnachtszeit sein kann. Kleine Anpassungen bei den Portionsgrößen vorausgesetzt, ist es eine wunderbare Begleitung für alle, die ihre Feiertage pflanzlich, genussvoll und stressfrei gestalten möchten.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Gossip, Glamour, Drama, Skandal!

The Academy
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„Seit der Veröffentlichung des Rankings bewegen wir uns in einer ganz anderen Sphäre. Wir haben das Gefühl, in einer Welt der unbegrenzten Möglichkeiten zu leben.“ (S. 42)
Seit Jahr(zehnt)en liegt die ...

„Seit der Veröffentlichung des Rankings bewegen wir uns in einer ganz anderen Sphäre. Wir haben das Gefühl, in einer Welt der unbegrenzten Möglichkeiten zu leben.“ (S. 42)
Seit Jahr(zehnt)en liegt die Tiffin Academy im landesweiten Internats-Ranking von Amerika Today im unteren Bereich der Top 50. Doch seit die Schule vor 3 Jahren, nach einer großzügigen Spende, den Sohn eines New Yorker Immobilienkönigs aufgenommen hat, geht es steil bergauf: Erst Platz 24, dann 19, und zu Beginn des neuen Schuljahres plötzlich Platz 2. Nicht nur die Schulleiterin Audre Robinson fragt sich, wie das passieren konnte. Schnell kommen Gerüchte auf: Hat der Immobilienmogul den Platz etwa erkauft, damit sein Sohn an einer der besten Schulen des Landes abschließen kann?
Doch das ist nicht Audres einziges Problem. Kurz vor Ende des letztes Schuljahres hat eine Schülerin das Leben genommen, Schüler und Lehrkräfte sind immer noch traumatisiert. Dazu kommt ein neue, auffallend junge Lehrerin, die kaum älter ist als ihre Schüler und unbedingt deren Freundin sein will. Und dann kursiert plötzlich eine App, in der Interna und Geheimnisse der Tiffin Academy veröffentlicht werden: Wer seinen Aufsatz mit ChatGPT geschrieben, wer Sex oder gar eine verbotene Affäre hat. Die Skandale nehmen kein Ende …

Elin Hilderbrand hat „The Academy“ gemeinsam mit ihrer Tochter Shelby Cunningham geschrieben, die dabei ihre eigenen Internatserfahrungen einfließen ließ – und das merkt man. Entstanden ist ein packender, atmosphärisch dichter Internatsroman voller Intrigen, Glanz und Abgründe.
Mich hat die Geschichte stark an meine eigene Studienzeit erinnert – in Leipzig es zwar deutlich unspektakulärer, aber mit ähnlichen Dynamiken: Fremde Menschen werden zusammengewürfelt, Grüppchen entstehen, eine natürliche Hackordnung zwischen Coolen, Sportlern, Strebern und Außenseitern bildet sich. Die Lehrer bekommen (zum Glück) nur die Hälfte davon mit, denn vieles wird intern geregelt.

Das Mutter-Tochter-Duo erzählt aus wechselnden Perspektiven – von der Schulleiterin, Lehrern, Angestellten und vor allem den Schülern. So entsteht ein vielschichtiges Bild der Tiffin Academy, hinter deren glänzender Fassade es brodelt. Eltern mit Geld schieben ihre Kinder ab, um sich nicht kümmern zu müssen; psychische und schulische Probleme werden vertuscht; Eifersucht und Konkurrenz prägen den Alltag.

Mein Fazit:
Ein mitreißender, emotionaler und hochspannender Roman über Macht, Moral und Geheimnisse hinter Internatsmauern. Ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung – und darauf, ob wir dann endlich erfahren, warum sich die Schülerin das Leben genommen hat.

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