Ergreifende Thematik, die zum Nachdenken anregt
Das schönste aller LebenDas schönste aller Leben hat 240 Seiten. Es ist Betty Boras Debütroman.
Schönheit als Privileg und Last, in der Gesellschaft oft Fluch und Glück zugleich. Kurz nach dem Sturz der Diktatur flieht Vios Familie ...
Das schönste aller Leben hat 240 Seiten. Es ist Betty Boras Debütroman.
Schönheit als Privileg und Last, in der Gesellschaft oft Fluch und Glück zugleich. Kurz nach dem Sturz der Diktatur flieht Vios Familie aus Rumänien nach Deutschland. Sie gehört zu den Banater Schwaben, einer deutschsprachigen Minderheit in Rumänien, die Deutschland im 18 Jahrhundert verlassen haben. Und jetzt kehren sie wieder zurück. Angekommen, wollen sie bloß nicht auffallen, passen sich, so gut es geht, an. Trotz aller Widerstände findet auch Vio ihren Platz in der Gesellschaft. Jahre vergehen. Vio ist jetzt erwachsen, hat ein Kind bekommen. Als ihre Tochter 2 Jahre alt ist, passiert ein Unfall. Die Tochter trägt sichtbare Narben im Gesicht davon. Vio macht sich selbst Vorwürfe und zerbricht fast daran. Sie bekommt Unterstützung von ihrem Mann, leider empfindet sie es nicht so.
Im 18. Jahrhundert muss Theresia einen hohen Preis dafür zahlen, um als begehrenswert zu gelten. Sie gerät ins Visier der Keuschheitskommission, wird entrechtet und verschleppt. Sie arbeitet in einem Arbeitslager unter schwersten Bedingungen.
Zwei Frauen zwischen den Jahrhunderten, ein Band aus Schmerz und Schönheit, das sie verbindet. Vio als Mutter trägt das Trauma ihrer Tochter mit sich. Ein entstelltes Kind, wie wird ihre Zukunft wohl aussehen? So kommt wieder Vios Problem zum Vorschein, nicht das ästhetische Problem, sondern ihr Migrationshintergrund ist ihr Trauma. Sie versucht, es zu verarbeiten. Wenn du anders bist, fällst du auf, wirst von deinem Umfeld nicht so akzeptiert, wie die anderen. Jede Person als Individuum zu behandeln in der jeweiligen Gesellschaft und im jeweiligen Land und auch in der neuen Heimat. Eine Frage an jeden von uns, was macht uns aus, was macht uns schön, ohne das wir dabei beginnen, zu zweifeln?
Es wird in drei Erzählsträngen dargestellt, Vio als Kind, dann als Mutter und Theresias Leben. Ein Roman, der Horizonte erweitert und gleichzeitig fesselt. Der Schreibstil ist leicht, flüssig, ruhig und regt zum Nachdenken an. Das Thema ist sehr emotional und tiefgründig. Der Schwerpunkt liegt auf der Frau als Person in Banat und dann in Deutschland. Ihr Leben mit Migrationshintergrund, die Familie, Nächstenliebe, Schuldgefühle, Verzweiflung, alltägliche Probleme und sich jeden Tag aufs Neue beweisen, sich wiederfinden, nicht nur Funktionieren, sondern auch Leben lernen. Alles Themen, die die Autorin auf eine interessante Art und Weise verknüpft. Ich habe das Buch gerne gelesen und wurde immer wieder dazu angeregt, über das Gelesene zu reflektieren. Ich vergebe 4 Sterne und eine Weiterempfehlung.