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Veröffentlicht am 26.02.2026

Ein großartiges und bezauberndes (Jugend-)buch mit überraschender Vielschichtigkeit.

24 Sekunden ab jetzt
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Das hier ist so viel mehr, als ein Buch über das erste Mal.
Mit 24 Sekunden ab jetzt hat Jason Reynolds ein wirklich besonderes Buch auf den Weg gebracht. Sogar als Erwachsene war ich gerührt, bewegt und ...

Das hier ist so viel mehr, als ein Buch über das erste Mal.
Mit 24 Sekunden ab jetzt hat Jason Reynolds ein wirklich besonderes Buch auf den Weg gebracht. Sogar als Erwachsene war ich gerührt, bewegt und habe große Emotionen durchlebt. Es ist geschrieben für eine junge Zielgruppe, die dieses Thema direkt angeht, ohne gewollt, auf Biegen und Brechen, jung anknüpfen zu wollen. Es ist zärtlich, es ist unheimlich sympathisch, es ist witzig und unfassbar vielschichtig. Wir haben hier nicht nur die Themen Sexualität, romantische Liebe, Zärtlichkeit; es geht auch um Übergänge, Zukunftspläne, Unsicherheit und Wachstumsschmerz. Jason Reynolds schreibt über Neurodiversität, Glücksspielsucht und zwischen den Zeilen auch über Einsamkeit, Trauer und Verlust. Kulturelle Vielfalt, Bildungs- und sozio-ökonomische Fragen werden angesprochen, genau so wie innerfamiliäre Themen, wie das Altern und Erkranken von Großeltern oder die Ungleichbehandlung und -förderung von Geschwistern.
Ich habe 24 Sekunden ab jetzt im Rahmen einer Vorablesen Rezension erhalten und war wirklich überrascht, weil ich anhand der Buchbeschreibung und Leseprobe einen so umfassenden Inhalt gar nicht erwartet habe. Einerseits würde ich jedem jungen Menschen wünschen, dass er diese Erfahrung auf eine Weise machen darf, wie sie hier beschrieben wird. Andererseits wünsche ich mir, dass möglichst viele Lehrkräfte dieses Buch in ihren Unterricht einbinden und Eltern mit ihren Kindern darüber sprechen. Es ist ein großartiges Buch, um nicht nur über Sexualität, sondern vor allem auch deren Verbindung mit Liebe und Zärtlichkeit zu sprechen, definitiv. Doch es bietet ebenso unzählige weitere Anknüpfungspunkte, um über sich selbst, das Leben, das Miteinander nachzudenken, in einer Gesellschaft, die ein paar mehr kluge, zartfühlige Köpfe gebrauchen könnte.
Es ist eine besondere, wirklich große Literatur, die einen auffängt, trägt und mitnimmt, ohne zu beschweren, ohne zu belehren, ohne zu nerven.
Hätte ich eine Tochter dieses Alters, würde ich ihr einen Partner wie Neon wünschen. Hätte ich einen Sohn in diesem Alter, wünschte ich ihm eine Aria an seiner Seite. Und vor allem würde ich mir für sie wünschen, dass sie sich selbst und einander so liebevoll und klug entdecken können.
Ein echter Volltreffer!

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Ein ganz außergewöhnliches, berührend poetisches Werk.

Zugwind
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Es ist nicht Lyrik, und doch...ein Roman gemalt mit Poesie. Es fehlt nicht viel, dass Iryna Fingerova Malerin wäre, nicht Schreiberin.
Mit Worten malt sie Gemälde auf die Seiten, ganze Bilderwelten zwischen ...

Es ist nicht Lyrik, und doch...ein Roman gemalt mit Poesie. Es fehlt nicht viel, dass Iryna Fingerova Malerin wäre, nicht Schreiberin.
Mit Worten malt sie Gemälde auf die Seiten, ganze Bilderwelten zwischen die Zeilen.
Zugwind ist ein außergewöhnliches Buch; und das in vielerlei Hinsicht.
Es gibt extrem viele sehr gute Bücher. Unter diesen noch eine ganze Menge außergewöhnliche. Und unter diesen außergewöhnlichen noch eine gute Handvoll mit ähnlichen Themen, wie Zugwind.
Doch eine Autorin wie Iryna Fingerova habe ich noch nie gelesen.
Es ist schwer zu worten, mit welcher Energie, welchem tiefsten Verständnis für menschliche Regungen und Erlebniswelten, mit welcher emotionalen Offenheit sie schreibt.
Ich möchte inhaltlich gar nicht so viel über das Buch sagen; ich bin zunehmend erstaunt, wie viel mittlerweile in Rezensionen vorweg genommen wird - explizit nicht Buchbesprechungen, bei denen man erwartbar etliches über die Handlung erfahren muss.
Ich will selbst lesen; mich interessieren Eindrücke, Stimmungen, was sich beim Lesen im Rezensenten geöffnet hat.
Diese Autorin hält uns einen Spiegel vor, lässt uns sehen, was wir verlernt haben, in uns zu erkennen. Und auch in anderen. Und sie zeigt uns, was wir verloren haben und wiederfinden können. Ich habe den Schmerz jeder Figur mitgefühlt, doch in jedem Schmerz liegen hier auch eine subtile Leichtigkeit, die der Schwere Gegengewicht hält und eine, mal leise, mal laut, flirrende Hoffnung und Zuversicht.
Es ist einfach eine wunderschöne, bewegende, tief berührende Leseerfahrung; eine Geschichte, mit deren Charakteren man verschmilzt, in ihr versinkt und an deren Ende man ein Stück bewusster und achtsamer wieder auftaucht. Und vielleicht ist sie gar nicht zu Ende, sondern wirkt in einem fort.
Es geht um Identität, um Heimat, um Neuordnung, um Verlust und Trauer, aber auch um einen unerschütterlichen Glauben an Lebensfreude und das, was im Kern Bestand hat. Das vielleicht verschüttet wird, übertost und auf den Kopf gestellt, das manchmal einer Neuverortung bedarf, am Ende aber nie verloren geht.
Dieses Buch lädt ein, zu verweilen und immer wieder einmal in eine innere Standortbestimmung zu gehen. Es zieht ein - und bleibt.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Ein inspirierendes Buch mit sehr viel warmherziger Menschlichkeit.

Gekommen, um zu bleiben
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Manchmal ist es fast schade, dass man schlafen, essen oder auch mal Pause machen muss.
Gekommen, um zu bleiben hat mich von Anfang an sehr berührt und gleich aufgesogen.

Madeleine Becker hat diesen warmen, ...

Manchmal ist es fast schade, dass man schlafen, essen oder auch mal Pause machen muss.
Gekommen, um zu bleiben hat mich von Anfang an sehr berührt und gleich aufgesogen.

Madeleine Becker hat diesen warmen, zutiefst menschlichen, sympathischen Schreibstil, der einfach ehrlich ist und sich auch nicht scheut, Verletzlichkeiten offen anzusprechen.
Das hat es mir so leicht gemacht, mich in das Buch zu versenken.

Wunderbar finde ich, dass es so einen nachhaltigen, ökologisch vertretbaren, Touch hat.
Das gute Gewissen wird quasi mitgeliefert.
Es kommt kartoniert ohne Folierung und auf nicht weiß gebleichtem Papier.
Das passt gut zum Buch und gut zur Autorin, denn die stellt ja die Frage, wie man Mensch- und Tierwohl auf nachhaltige Weise vereinen kann, was auch mir wichtig ist, vor allem in Hinblick auf ein möglichst natürliches Leben und einen kleineren Fußabdruck.
Es fühlt sich einfach gut an und schaut auch schön aus.

In den Klappen des Covers findet sich vorne eine bezaubernde Illustration des >Hauses im Wald<, eine Art Lageplan, und hinten eine ebensolche Vorstellung der >WG< des kleinen Bauernhofs - das ist eine wunderbare, einfach sehr, sehr schöne und vor allem auch hilfreiche Idee: ich habe beim Lesen immer wieder geblättert und geschaut, wer jetzt noch mal wer war - bei so vielen menschlichen und fellnasigen Bewohnern gar nicht gleich so einfach, auch, wenn man mit der Zeit gut reinkommt - oder wo ein Geschehen wohl gerade stattfindet.
Das hat meine Fantasie gefüttert und ich konnte mich richtig gut in den Hof und die Erzählungen einfühlen.
Ich saß auf der goldenen Sonnenbank, bin mit Kater Findus auf Erkundungstour gegangen, hab Schwafin Wilma Futtertrog-Kicker spielen hören und hab mich vom hohen Gras in den Wiesen kitzeln lassen.

Es gibt so viele schöne, aber auch schwierige Momente, die Lukas und Madeleine mit nahezu unerschütterlicher Zuversicht und einem ganz zauberhaften, subtilen, oft leisen, schönen Humor bewältigen.
Und auch mit ganz viel Offenheit; dem Mut, von Fehlern und eigenen Schwächen zu berichten. Das inspiriert.

Es ist eine Geschichte von Aufbruch und Ankommen, die Spaß macht, neugierig, etwas sehnsüchtig und wehmütig, Lust, selbst loszulegen und auch sich die entsprechenden Fragen zu stellen.

Und es ist ebenso eine Geschichte über allzu menschliches. Generationenkonflikte, Umbrüche, Brüche.
Ich würde fast so weit gehen, zu sagen, dass es inspirierend für Eltern sein kann. Generell für Familien, vielleicht die eigene Kommunikation und den Kurs einmal auf den Prüfstand zu stellen.
Denn hier ist ansatzweise gut zu sehen, was passiert, wenn man versäumt, mit dem Nachwuchs gemeinsam zu planen und Kurskorrekturen vorzunehmen. Sehr berührend, dass die Menschen, es sich oft selbst so schwer machen.

Für die Autorin und ihren Herzensmenschen jedenfalls, geht es gut aus und ich bin fast ein bisschen neidisch - auf jeden Fall aber sehr inspiriert und berührt.
Das Buch liest sich, als dürfte man bei einer lieben Freundin mal über den Zaun spicken und ein bisschen Leben mitleben.

Besonderes Highlight sind die vielen Farbfotos im Buch, die sehr hochwertig sind und einem dann die „echten“ Gesichter und Ansichten zu den Geschehnissen auf dem Hof mit auf den Weg geben, das hat nochmal ein kleines I-Tüpfelchen obenauf gesetzt.

Gekommen, um zu bleiben ist eine herzerwärmende, sehr nahbare Geschichte, die zeigt, wie wichtig es ist, dran zu bleiben, nicht aufzugeben, und seinen eigenen Träumen für ein gutes Leben zu folgen.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Berührend, wärmend, stärkend und Mut machend.

Dein Glück kommt von Herzen
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Dein Glück kommt von Herzen durfte ich als Freiexemplar lesen und habe mich sehr gefreut: mitten in einem Migräneschub kam dieses niedliche kleine Päckchen bei mir reingesegelt und mit der Vorfreude auf's ...

Dein Glück kommt von Herzen durfte ich als Freiexemplar lesen und habe mich sehr gefreut: mitten in einem Migräneschub kam dieses niedliche kleine Päckchen bei mir reingesegelt und mit der Vorfreude auf's Lesen war die erzwungene Wartezeit gleich viel leichter :)

Schon da zeigt sich, welche Kraft Bücher und kleine Dinge haben! Was denn auch das Buch uns auf sehr zartfühlige Weise mit gibt.

Das Büchlein ist noch hübscher, als ich es auf den Bildern online erkennen konnte. Der matte, leicht griffige, Karton mit den pastellig-aquarelligen Zeichnungen und die fein ziselierten Goldprägungen - eine Gestaltung mit viel Liebe, die man spürt.

Besonders schön finde ich auch die Zeichnung in der vorderen Umschlagklappe (die sich spitze als Lesezeichen eignet, ich lieb's!) - ein Plätzchen vor der Balkontür im Grünen, Holzboden, weiche Kissen; eine schöne Einladung, sich zum Lesen einen Herzens-Platz zu suchen. Ein geschickter kleiner Kniff ist das weiß gelassene Notizbuch mit Stift in dem Motiv - meine Fantasie hat die sofort mit den Farben und Mustern meines Lieblings-Schreibwerkzeugs ausgefüllt; raffiniert gemacht! Man kommt direkt in die Freude, in die Fantasie, die Aktivität.

Ich empfinde „Dein Glück kommt von Herzen“ als warmherzig geschrieben; eine freundliche, liebevolle Herangehensweise an tiefe Themen. Und so hat dieses scheinbar kleine Büchlein es denn auch in sich. Ich musste es erst einmal wieder weg legen, weil es mich unerwartet tief getroffen hat und ich das in dem Moment, als es mich gefunden hat, noch nicht tragen konnte. Umso dankbarer war ich daher für den Hinweis auf Hilde's und Mina's Erkenntnisse in der Geschichte, dass auch wir Natur sind und die Natur ihre Zyklen hat, wir also nicht dauerhaft das gleiche Tempo an den Tag legen können, ohne unsere Grenzen zu überschreiten, dass wir Pausen brauchen und uns Zeit nehmen müssen, unseren eigenen Rhythmus finden; was ich dann auch erst einmal, trotz der im Hinterkopf stehenden „Rezensionspflicht“ getan habe, damit es mir weiter gut gehen kann.

Schon auf der Hälfte des Buches hatte ich dann auch bereits ein halbes Notizbuch mit eigenen Impulsen und Ent-wicklungen gefüllt. Dieses Buch ist eine Einladung: sich mit sich selbst und der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und in Frieden zu bringen. Es ist ein Werkzeug, das viel Tiefe mitbringt, wenn man sich darauf einlassen mag.

Thematisch geht es um Ranja, eine Mutter, die, um weiter funktionieren zu können, sich gegen ihren Schmerz so hart gemacht hat, dass sie ihre Weichheit und Beweglichkeit verloren hat, einen großen Teil des Kontaktes zu sich selbst; und darüber auch ein halbes Leben lang ihre Tochter verpasst. Auch Schwester und Mutter.

Und Mina, eine Tochter, die, reflexhaft eine liebevolle Geste des Trostes gegenüber ihrer Mutter ausführend, dabei sofort aufschreckt und feststellt, dass sie schneller gehandelt hat, als sie darüber nachdenken konnte und erst hineinfühlen muss, dass sich das heute gut anfühlt. Früher aber nicht.

Sowie um Rike, Schwester und Tante, die auf ihre Weise eben so viel verloren hat, wie Ranja und Mina; die gemeinsam Abschied von ihrer Mutter und Großmutter Aruna nehmen und dabei das Ungesagte ihrer Familiengeschichte auflösen, während sie mannigfaltige emotionale Hürden und ein großes Geheimnis überwinden, um wieder zueinander zu finden. Es geht um Herkunft, Verbindung und gesunde Beziehungsführung, aber auch um Selbstfürsorge und Selbst-Entwicklung. Um Verantwortlichkeiten. Um Verbundenheit mit den eigenen Ahnen, der Natur, dem eigenen Körper und der Seele. Und es geht um das Brechen transgenerationaler Kreisläufe und Ent-Elterung.

Besonders wertvoll finde ich die Übung der Dankbarkeitspraxis, sich die „sicheren Häfen“ aufzuschreiben, die man auf seinem Weg schon anzusteuern geschafft hat. Das ist eine sehr effektive, wenig aufwendige Übung mit großer Wirkung, die einem schnell einen Fokuswechsel verschafft und entlastet.

Kathrin Sohst schreibt sehr warmherzig, zartfühlig und vor allem mit einer pointierten Beobachtungsgabe.

Mir hat sehr gut gefallen, dass im Text kontinuierlich der Fokus auf das gelenkt wird, was die Charaktere spüren. Das ist eine sehr einfache, aber effektive Technik, um sich immer wieder bewusst im Hier und Jetzt zu verankern und sein Körpergespür zu vertiefen. Besonders die beschriebene Verbindung zur Natur tut dabei spürbar gut.

Die „Innerlichkeit“ des Psychologischen Schreibens macht sehr gut Minas sukzessive Entwicklung sichtbar und motiviert dazu, mit zu gehen, selbst einmal eine Innenschau vorzunehmen, die Perspektive zu wechseln.

Als wichtigstes Tool, man kann es nicht oft genug sagen, empfinde ich die Erzählweise der Autorin, die stets das Sich-Raum-Geben in den Vordergrund stellt.
Das ist unheimlich wichtig und tragend.
Nur wenn dieser sichere Boden bereitet ist, Stabilisierungstechniken verinnerlicht sind, können wir diese tiefen Themen angehen und ziehen uns dabei nicht den Boden unter den Füßen weg.

Dein Glück kommt von Herzen ist dabei m.E. ein sehr guter Begleiter.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Berührender Cozy Crime mit tollem Spannungsaufbau.

Hunter B. Holmes - Mord in der besten Gesellschaft
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Wolf September liefert uns hier einen wunderbar wendigen und herzerwärmenden Feelgood Krimi mit exzellentem Plot, spannenden Twists und einer berührenden Love Story als Sahnehäubchen.

Ein bisschen Kitsch, ...

Wolf September liefert uns hier einen wunderbar wendigen und herzerwärmenden Feelgood Krimi mit exzellentem Plot, spannenden Twists und einer berührenden Love Story als Sahnehäubchen.

Ein bisschen Kitsch, ein bisschen Pomp, ganz viel Rätselraten und eine ordentliche Portion typisch englischer Adels-Snobismus, verpackt in viel Humor und starke Integrität: Die Charaktere sind intensiv gezeichnet mit einer sehr starken Leitfigur, die beeindruckt und Spaß macht. Es ist ein Buch, das sich selbst nicht über-ernst nimmt und dabei ganz entspannt abliefert.

Während sich spannende Beziehungen und Verwicklungen entfalten, menschliche Abgründe auftun, aber auch höchste Höhen, läuft man beständig auf dem Grat zwischen vermuten, ein klein wenig wissen und dem Überrascht-Werden. Das macht Spaß, bringt Spieltrieb und Freude rein und hält die Spannung. Wirklich schön, das macht das Buch so gut.

Man hält nach und nach alle Fäden in der Hand, die Hinweise sind geschickt gesetzt, und bekommt sie trotzdem nicht zusammengeflochten; sieht viele Bäume aber nicht den Wald. Mord in der besten Gesellschaft wird niemals langweilig.

Und schließlich ist es fast ein bisschen schade, dass es zu Ende ist.

Ein zartes Ende, mit dem man in Ruhe wieder ankommen und nach der Aufregung die Anspannung wieder gehen lassen kann. Schön eigentlich, noch einmal sanft an die Hand genommen zu werden und in den Ausklang zu gehen.

Überrascht und besonders bewegt hat mich die tiefe Menschlichkeit, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. In der härtesten Schale steckt die weichste Nuss; ein Mensch voll vielleicht tiefstem Schmerz und Empfindsamkeit. Selten gelingt es Autoren so, wie Wolf September, Menschen so zu nehmen wie sie sind; herausfordernde Seiten würdigend zu benennen, ohne die lichteren zu entwerten.

Einen Stern Abzug gibt es lediglich als Ansporn für und Ausdruck meines Wunsches nach einem noch sorgsameren Korrektorat. Sprache ist Kultur ist Ausdruck ist Seele ist Sein kann Magie wirken - in diesem Sinne habe ich mich mit merklich vielen Tippfehlern und ausbaufähiger Nutzung von Synonymen und Personalpronomen schwer getan.

Dafür ist jedoch die Bildhaftigkeit der Sprache zeitweilig fast schon poetisch und nistet sich mit weitem, warmem Gefühl in Kopf und Herz ein. Und so ist Mord in bester Gesellschaft ein Wohlfühlbuch mit geistigem Anspruch, das sich angenehm hervorhebt.

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