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Veröffentlicht am 27.02.2026

Wie gut kennt man die eigenen Freund:innen wirklich?

Don't Believe Her
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Mit "Don’t Believe Her – Die Fremde unter deinem Dach" legt Nicola Sanders einen Psychothriller vor, der im Original unter dem Titel "Don’t Believe Her" erschien. Die deutsche Ausgabe ist bei HarperCollins ...

Mit "Don’t Believe Her – Die Fremde unter deinem Dach" legt Nicola Sanders einen Psychothriller vor, der im Original unter dem Titel "Don’t Believe Her" erschien. Die deutsche Ausgabe ist bei HarperCollins Hamburg erschienen, übersetzt von Wolfgang Thon, das Hörbuch wird von Marie Bierstedt gesprochen und ist bei Saga Egmonts rausgekommen.
Im Zentrum der Story steht Ellie, deren beste Freundin Carla als Teenager spurlos verschwindet. Zwölf Jahre später lebt Ellie ausgerechnet mit Carlas Bruder Nick und dessen Mutter in einem gemeinsamen Haus – und hat die Suche nach Carla nie ganz aufgegeben. Als diese plötzlich wieder auftaucht, kippt die mühsam stabilisierte Familienordnung. Doch ist es wirklich Carla? Und wem kann Ellie überhaupt noch trauen?

Meine Meinung

Der Stoff verspricht klassische Domestic Suspense: ein Familienanwesen, alte Geheimnisse, eine mögliche doppelte Identität, psychologische Manipulation. Ich habe mir das Hörbuch bewusst als „leichtere Thriller-Unterhaltung“ ausgesucht und genau das habe ich auch bekommen. Leider aber nicht viel mehr.

Das größte Problem für mich waren die Figuren. Ellie agiert über weite Strecken so irrational, impulsiv und naiv, dass ich Mühe hatte, emotional anzudocken. Ihre ständigen Zweifel, ihre Eifersucht, ihre Gedankenspiralen; all das hätte spannend sein können, wirkte auf mich aber zunehmend anstrengend. Wenn man als Hörerin wiederholt denkt: Ich würde in dieser Situation komplett anders handeln, entsteht leider Distanz statt des zu erwartenden Nervenkitzels.

Sprachlich bewegt sich der Roman stark im melodramatischen Bereich. Die Übersetzung liest sich flüssig, doch der Grundton bleibt sehr pathetisch. Das Hörbuch verstärkt diesen Eindruck. Marie Bierstedt ist ohne Frage eine erfahrene Sprecherin, aber ihre sehr intensive Intonation hat Ellies ohnehin schon aufgewühlte Innenwelt noch weiter zugespitzt. Gerade in der ersten Hälfte hat mich das eher aus der Geschichte rausfallen lassen als hineingezogen.

Im letzten Drittel zieht das Tempo deutlich an, die Wendungen überschlagen sich. Einige Twists funktionieren gut, andere empfand ich als überzogen oder konstruiert. Für das Finale braucht man eine gewisse Bereitschaft, Logiklücken großzügig zu übersehen. Mich hat das Buch am Ende leider nicht packen können.

Fazit
Ein Thriller mit spannendem Grundkonzept und solider Unterhaltung für zwischendurch. Wer überzeichnete Figuren, schnelle Twists und viel Drama mag, könnte hier gut abgeholt werden. Wer psychologische Tiefe und glaubwürdige Charaktere erwartet, wird möglicherweise enttäuscht. Vielen Dank an Netgalley.de und Saga Egmont für das Hörbuch-Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Idee top, Umsetzung für mich...

Mathilde und Marie
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Mit Mathilde und Marie (336 Seiten, erschienen am 15.01.2026 bei dtv Verlag) legt Torsten Woywod seinen ersten eigenen Roman vor. Er arbeitete als Buchhändler und im Online-Marketing. Das Buch wurde mir ...

Mit Mathilde und Marie (336 Seiten, erschienen am 15.01.2026 bei dtv Verlag) legt Torsten Woywod seinen ersten eigenen Roman vor. Er arbeitete als Buchhändler und im Online-Marketing. Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv Verlag und lovelybooks.de als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Danke dafür.

Zum Inhalt

Im Mittelpunkt steht das belgische Bücherdorf Redu, ein Ort der Entschleunigung: kaum Internet, viel Natur, eine enge Gemeinschaft. Die Französin Marie strandet dort eher zufällig und begegnet Jónína, einer Buchhändlerin, die Menschen zu lesen versteht. Nach und nach findet Marie nicht nur Anschluss an die Dorfgemeinschaft, sondern auch ein Stück weit zu sich selbst und schließlich auch zur titelgebenden Mathilde.

Meine Meinung

Was mir wirklich gut gefallen hat, war das Vorwort und die Motivation des Autors. Besonders dieser Satz ist mir hängen geblieben:
„In einer Zeit, in der wir uns immer häufiger mit der Frage konfrontiert sehen, ob die Welt allmählich aus den Fugen gerät … dürfen wir all das Gute nicht aus den Augen verlieren, das weiterhin existiert.“ (S. 9) Diese Haltung, also die Dankbarkeit gegenüber Buchhändler:innen und eine Liebeserklärung an das Lesen zieht sich spürbar durch den gesamten Roman. Alleine das hat mich auf jeden Fall schonmal sehr angesprochen.

Atmosphärisch ist Redu wunderschön gezeichnet. Wälder, Walnussbrot, Vögel, Pflanzen. Das Dorf wirkt fast magisch, wie ein Gegenentwurf zur schnellen, digitalen Welt. Und auch das Grundthema des Buches wird mit einigen traurig schönen Zitaten gut rübergebracht:
„Die Trauer ist für mich eine Sackgasse. Ein dunkler Schatten, der mir überallhin folgt. Sie hält sich an keine Regel, nur die Vehemenz ihres Auftretens variiert. Manchmal kommt sie langsam herangerollt wie ein Sommergewitter, das schon in der Ferne grollt und kracht. Wenn es dann da ist, lässt es keinen klaren Gedanken mehr zu. Ein anderes Mal erscheint sie plötzlich und mit voller Wucht. Wie ein Hexenschuss und dessen körperliches Echo.“ (S. 79)

Schwieriger wurde es für mich bei den zahlreichen Lebensweisheiten, die sich teilweise wie aneinandergereihte Kalendersprüche lesen:
„Ein erfülltes Leben lässt sich nicht am Reißbrett planen.“ (S. 60) oder „Vielleicht bedeutet dieses vermeintlich einfache Leben auf dem Land gar keinen Rückschritt, sondern eine leise Heimkehr zu mir selbst.“ (S. 260/261) Hier hatte ich oft das Gefühl, eher einen Ratgeber in Romanform zu lesen. Auch die Dialoge wirkten auf mich stellenweise konstruiert und sehr pathetisch, was es mir erschwert hat, emotional wirklich einzutauchen. Konflikte lösten sich zudem recht schnell auf, vieles blieb harmonisch und „zu glatt“.

Was ich wiederum mochte: die Grundidee eines Ortes, an dem Bücher Menschen zusammenbringen, und der Gedanke, dass Literatur Gemeinschaft stiften kann. Der abschließende Wunsch „auf ein Mehr an Miteinander“ (S. 332) ist zweifellos schön, nur hat mich der Weg dorthin erzählerisch leider nicht überzeugt.

Fazit
Mathilde und Marie ist eine sanfte, naturverbundene Liebeserklärung an Bücher und Gemeinschaft. Für Leser:innen, die entschleunigte Dorfgeschichten, viel Naturbeschreibung und lebensphilosophische Gedanken mögen, dürfte dieser Roman genau richtig sein. Wer jedoch kantigere Figuren, natürlichere Dialoge und mehr erzählerische Reibung sucht, wird sich – so wie ich – möglicherweise schwertun.

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Veröffentlicht am 23.12.2025

Atmosphärisch, aber überraschend spannungsarm

Ein stilles Mädchen
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"Ein stilles Mädchen" ist der zweite Band der Eddie-Feber-Reihe von Karin Fossum, erschienen bei Saga Egmont Buecher, aus dem Norwegischen übersetzt von Roland Hoffmann. Der Kriminalroman erzählt von der ...

"Ein stilles Mädchen" ist der zweite Band der Eddie-Feber-Reihe von Karin Fossum, erschienen bei Saga Egmont Buecher, aus dem Norwegischen übersetzt von Roland Hoffmann. Der Kriminalroman erzählt von der verschwundenen sechsjährigen Kandis und einem Ermittler, der immer tiefer in ein Geflecht aus Schmerz, Schuld und Schweigen gerät.

Ich bin ehrlich: Das Buch hat mich leider nicht so abgeholt, wie ich es mir gewünscht hätte. Die Ausgangslage ist beklemmend, fast schon klaustrophobisch: ein Kind, ein fremder Mann, eine Hütte im Wald. Doch trotz dieses starken Settings wollte sich bei mir kaum Spannung aufbauen.

Besonders irritiert hat mich, dass viele zentrale Fragen unbeantwortet bleiben. Warum bestimmte Figiuren so gehandelt haben wie sie gehandelt haben (sorry für die Ungenauigkeit aber will nicht spoilern :D), blieb für mich unklar: Depressionen? Schuld? Angst? Oder doch etwas anderes?

Zudem hatte ich das Gefühl, dass ein richtiger Showdown ausbleibt. Statt Zuspitzung folgt Offenheit. Das mag vielleicht literarisch gesehen durchaus legitim sein, mich hat es hier aber eher frustriert. Die psychologische Tiefe, für die Fossum oft gelobt wird, konnte ich nicht wirklich greifen. Die Figuren blieben für mich seltsam distanziert. Ob ich nochmal ein Buch von ihr lesen werden? Sag niemals nie, aber in der nächsten Zeit eher nicht.

Fazit
"Ein stilles Mädchen" ist ein sehr ruhiger, schmerzhafter Kriminalroman, der (scheinbar bewusst?) auf Spannung verzichtet. Für mich blieben zu viele Fragen offen, und der emotionale Zugriff fehlte. Empfehlen würde ich das Buch Leser:innen, die leise, offene Krimis mögen.

Danke jedenfalls an lovelybooks.de und Saga Egmont Buecher für das Rezensionsexemplar und die Leserunde.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Vom Nervenkitzel zur Ernüchterung

Der Nachbar
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"Der Nachbar" von Sebastian Fitzek (erschienen u.a. bei Argon Hörbuch) wird erneut von Simon Jäger gesprochen. Der Psychothriller folgt Strafverteidigerin Sarah Wolff, die an Monophobie leidet und nach ...

"Der Nachbar" von Sebastian Fitzek (erschienen u.a. bei Argon Hörbuch) wird erneut von Simon Jäger gesprochen. Der Psychothriller folgt Strafverteidigerin Sarah Wolff, die an Monophobie leidet und nach einem Umzug feststellt, dass sie nie wirklich allein war. Ein Setting, das beklemmend und intensiv sein könnte, aber für mich leider nicht funktioniert hat.

Eigentlich hätte ich auf mein Bauchgefühl hören sollen, denn ich war von Anfang an skeptisch. Der Klappentext klang für mich nach einer weiteren Variation des „der Feind lauert direkt neben dir“-Motivs. Aber die vielen begeisterten Stimmen haben mich dann doch neugierig gemacht. Und so hab ich mich dazu hinreißen lassen, einen weitere Fitzek in der Hörbuchvariante zu "lesen".
Und zunächst hat alles ganz gut angefangen. Der Einstieg? Überraschend stark. Die ersten Kapitel waren atmosphärisch dicht, und Jägers Stimme hat sofort eine Spannung erzeugt, die mich hoffen ließ, dass Fitzek mich nach den letzten eher schwachen Titeln wieder zurückgewinnt. Doch schon nach kurzer Zeit fühlte sich alles…seltsam leer an. Die Figuren wirkten auf mich erschreckend blass, und ich konnte zu keiner Person irgendeine echte Verbindung aufbauen. Nebencharaktere tauchten auf und verschwanden wieder, ohne dass sie spürbare Relevanz hatten. Mehrmals dachte ich: „Warum passiert das jetzt?“ und zwar nicht im positiven, überraschenden Thriller-Sinn, sondern im „Okay… wozu?“-Sinn. Motivationen blieben vage, Handlungsstränge wurden angerissen und wieder fallengelassen, und das Finale wirkte sehr konstruiert. Fitzek hat oft mit extremen Plots gearbeitet, das weiß man als langjährige Leserin. Aber hier war für mich kaum etwas nachvollziehbar. Die Twists fühlten sich eher wie ein Wettbewerb an: Wie viele Wendungen passen in 8 Stunden Hörzeit? Die Antwort scheint: zu viele.
Ein einziges echtes Highlight bleibt: Simon Jäger. Er schafft es wie immer, selbst einen wirren Plot mit Energie und Struktur zu füllen. Seine Interpretation rettet, was zu retten ist; aber auch er kann den erzählerischen Flickenteppich nicht kitten.

Fazit
Satz mit X, das war nix. Zu konstruiert, zu überladen, zu austauschbar und für mich der endgültige Moment, an dem ich merke, dass meine einstige große Fitzek-Liebe vielleicht einfach vorbei ist. Empfehlen kann ich dieses Buch niemandem, der Wert auf stimmige Figuren, nachvollziehbare Motive oder echte psychologische Spannung legt. Für Hardcore-Fitzek-Fans vielleicht noch interessant, für alle anderen eher nicht. Da gibt es wirklich spannendere Bücher. Danke an @netgalleyde und den @argonverlag für das Hörbuch-Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 07.12.2025

Viel Atmosphäre, wenig Tiefe: Ein Roman, der mich nicht erreicht hat

Lass uns noch bleiben
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"Lass uns noch bleiben" von Saskia Luka (erschienen bei Kein & Aber im November 2025) erzählt die Geschichte von Anna, deren Freundin/Partnerin sozusagen spurlos von heute auf Morgen unerwartet aus ihrem ...

"Lass uns noch bleiben" von Saskia Luka (erschienen bei Kein & Aber im November 2025) erzählt die Geschichte von Anna, deren Freundin/Partnerin sozusagen spurlos von heute auf Morgen unerwartet aus ihrem Leben verschwindet und deren Leben daraufhin ins Wanken gerät. Zwischen ihrem Pflanzenladen, alten Wunden und neuen Begegnungen findet sie sich in einer Suche wieder, die mehr über sie selbst offenlegt als über das Verschwinden der Freundin. Der Roman ist im Original auf Deutsch erschienen und wurde mir als Rezensionsexemplar von NetGalley.de (E-Book) und Vorablesen (Print) zur Verfügung gestellt.

Ich bin mit hohen Erwartungen gestartet, weil mich das Setting rund um den Pflanzenladen, das Cover (ja ich gebs zu :D) und die leise Melancholie sofort angesprochen haben. Einige Formulierungen hatten es auch wirklich in sich etwa: „Das Jahr hatte gerade begonnen und eine Farbe wie Milchglas.“ (S. 10) oder der poetische Gedanke: „Die Zeit zu vergessen, ist eine meiner liebsten guten Eigenschaften.“ (S. 18). Aber je weiter ich gelesen hab, desto mehr hab ich gemerkt, dass ich emotional nicht andocken konnte. Die Figuren wirkten auf mich blass, und viele Dialoge fühlten sich konstruiert an, als müsste etwas Bedeutungsvolles gesagt werden, ohne dass es sich organisch ergab. Auch beim Plot fehlte mir ein klarer Spannungsbogen: Die Suche nach der verschwundenen Freundin hätte so viel emotionale Wucht haben können, blieb aber für mich zu beiläufig, zu gleichförmig erzählt. Selbst schöne Beobachtungen wie Annas Gedanke: „Manchmal denke ich, ich bin so eine Pflanze. Ich versuche zu wachsen, aber am falschen Ort.“ (S. 73) konnten das nicht vollständig auffangen. Während ich einige poetische Stellen mochte, hatte ich oft den Eindruck, dass Wiederholungen und Unschärfen den Lesefluss bremsen. Manche Szenen wirkten austauschbar, einige Gefühle behauptet statt erlebt, und der Roman blieb hinter dem zurück, was er thematisch hätte erreichen können.

Fazit

"Lass uns noch bleiben" ist ein leiser, atmosphärischer Roman mit schönen Bildern, aber für mich konnte er sich erzählerisch nicht entfalten. Die Charaktere blieben zu blass, der Plot zu schwach, die Dialoge zu konstruiert. Empfehlen würde ich das Buch nur Leser:innen, die sehr stille, fragmentarische Prosa mögen und keinen klassischen Spannungsbogen erwarten. Für alle, die auf tief gehende Charakterstudien oder emotionale Wucht hoffen, ist es meiner Meinung nach weniger geeignet. Danke an NetGalley.de und Vorablesen für die Rezensionsexemplare.

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