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Veröffentlicht am 03.03.2026

✎ Tom Fletcher - Space Band

Space Band - Die schlechteste Band der Erde ... aber die beste Band des Universums
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Als ich „Space Band - Die schlechteste Band der Erde … aber die beste Band des Universums“ von Tom Fletcher entdeckte, war ich sofort neugierig. Meine Achtjährige steckt gerade total im Rockfieber. Ihr ...

Als ich „Space Band - Die schlechteste Band der Erde … aber die beste Band des Universums“ von Tom Fletcher entdeckte, war ich sofort neugierig. Meine Achtjährige steckt gerade total im Rockfieber. Ihr Vater hat ihr Gitarrenriffs und Songs vorgespielt, seitdem läuft hier nichts anderes mehr. Die Idee einer coolen Musik-Weltraum-Geschichte klang somit vielversprechend.

Der Einstieg hat meine Geduld allerdings auf die Probe gestellt. Die Figuren werden ausführlich eingeführt, jede noch so kleine Eigenheit bekommt Raum. Das kann man als liebevollen Aufbau verstehen, für mich wirkte es eher zäh. Die Handlung kommt nur langsam in Fahrt, bevor das eigentliche Abenteuer beginnt.

Musikalisch hatte ich keine große Vorstellung und doch war ich von den dargebotenen Songs zumeist enttäuscht. Die Texte waren langweilig und trafen überhaupt nicht meinen Humor.
Besonders störend empfand ich auch Georges ständigen Kommentar in Klammern - dieses wiederkehrende „(ich weiß!)“. Die Pointe nutzt sich schnell ab. Statt Nähe zu schaffen, hat es bei mir eher Augenrollen ausgelöst.

Nach rund hundert Seiten hebt die Geschichte endlich ab, im wahrsten Sinne des Wortes: Die drei Hauptfiguren werden ins All katapultiert. Ab da wird es visuell und fantasievoll, die Konkurrenz der intergalaktischen Bands nimmt Form an. Allerdings wird schon sehr früh offengelegt, wie der Wettbewerb funktioniert. Die einzelnen Runden werden detailliert erklärt, jede rivalisierende Gruppe erhält eine genaue Beschreibung. Dadurch fehlt der Überraschungsmoment. Natürlich ist klar, dass ein Kinderroman ab acht Jahren auf ein positives Ende zusteuert, doch ein wenig mehr Ungewissheit hätte der Spannung gutgetan. Dadurch hat die Dramaturgie unheimlich an Intensität verloren.

Erst ab etwa Seite 300 zieht das Tempo deutlich an. Die letzten Kapitel haben mich tatsächlich gepackt. Da spürt man die Energie, die ich mir schon zu Beginn gewünscht hätte. Bei insgesamt rund 330 Seiten kommt dieser Effekt allerdings spät.

Unübersehbar ist jedoch die positive Botschaft zum Ende hin, die besagt, dass Diversität kein Makel ist und auf der Erde alle willkommen sind. Sie kommt ohne erhobenen Zeigefinger daher.

Unterm Strich hat mich diese Science-Fiction-Geschichte für Kinder nicht erreicht. Die Idee, verschiedene Aliens auf galaktischer Bühne gegeneinander antreten zu lassen, bleibt großartig, doch die Umsetzung konnte meine Erwartungen nicht erfüllen. Ich werde das Buch dennoch in unsere Schulbibliothek geben. Vielleicht trifft es dort genau den Nerv der jungen Lesenden, die sich weniger an erzählerischen Längen stören und einfach Lust auf schräge Weltraumklänge haben.

Was zusätzlich irritiert, sind formale Fehler: Ein fehlerhaftes Inhaltsverzeichnis mit unpassenden Seitenzahlen und ein falsch geschriebener Name im Klappentext sowie auf der offiziellen Seite. Solche Patzer wirken lieblos und hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack - gerade bei einem Werk, das Kinder für Geschichten und Musik begeistern soll.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 02.03.2026

✎ Maja Ilisch - Die verborgenen Bilder

Die verborgenen Bilder
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Als ich den Klappentext zu „Die verborgenen Bilder“ von Maja Ilisch gelesen habe, war meine Erwartung klar: eine bewegende Geschichte, die jungen Lesenden die NS-Zeit auf besondere, vielleicht sogar behutsam ...

Als ich den Klappentext zu „Die verborgenen Bilder“ von Maja Ilisch gelesen habe, war meine Erwartung klar: eine bewegende Geschichte, die jungen Lesenden die NS-Zeit auf besondere, vielleicht sogar behutsam fantastische Weise näherbringt. Dass der Roman in den späten 1920er Jahren einsetzt, hat mich zwar stutzen lassen, aber genau das hat meine Neugier geweckt. Ich wollte wissen, wie dieses Setting später mit der angekündigten historischen Dimension verknüpft wird.

Der Einstieg ist ausführlich, beinahe ausufernd. Zunächst begleiten wir Frieke durch ihren Alltag, lernen ihre Familie und die Spannungen zu Hause sehr genau kennen. Diese intensive Fokussierung auf das familiäre Gefüge hat bei mir früh die Sorge ausgelöst, dass die angekündigte Zeitreise eher ein erzählerisches Beiwerk bleiben könnte. Genau dieses Gefühl hat sich im weiteren Verlauf bestätigt. Das fantastische Element, das laut Beschreibung eine tragende Rolle spielen sollte, bleibt deutlich hinter der Gegenwartshandlung zurück. Stattdessen dominiert die Gegenwart mit langen Passagen, die vieles erklären, ausdehnen und mehrfach absichern. Die historischen Abschnitte dagegen, die für mich das eigentliche Herzstück hätten sein können, bleiben vergleichsweise knapp und bleiben in ihrer Einordnung zurückhaltend.

Gerade beim Zeitreiseaspekt hätte ich mir mehr Konsequenz gewünscht. Die Regeln wirken nicht durchgängig klar definiert, Möglichkeiten verändern sich situativ, ohne dass ihre Logik ausreichend erklärt wird. Was einmal unmöglich scheint, funktioniert später doch. Diese Flexibilität mag erzählerisch praktisch sein, schwächt jedoch die innere Stringenz. Für ein Publikum ab etwa zehn Jahren halte ich das für eine verpasste Chance. Kinder in diesem Alter sind durchaus in der Lage, komplexe Zusammenhänge zu erfassen, wenn man sie ernst nimmt.

Auch die historische Ebene bleibt hinter ihrem Potenzial zurück. Die Gewichtung zwischen Gegenwart und Vergangenheit wirkt unausgewogen, zentrale Hintergründe werden eher angerissen als fundiert erläutert. Gerade bei einem Thema wie der Zeit vor dem Nationalsozialismus hätte ich mir mehr Kontext gewünscht, um Entwicklungen nachvollziehbar zu machen und Fragen nicht offen im Raum stehen zu lassen.

Hinzu kommt, dass mehrere inhaltliche Fäden nicht wirklich zusammengeführt werden. Ohne ins Detail zu gehen, weil es zentrale Wendungen vorwegnehmen würde, bleiben Fragen offen, die für das Gesamtverständnis relevant sind. Es entsteht der Eindruck, als seien bestimmte Aspekte gekürzt oder bewusst knappgehalten worden. Ob das eine redaktionelle Entscheidung war oder eine bewusste Schwerpunktsetzung von Maja Ilisch, lässt sich von außen nicht beurteilen - spürbar ist jedoch, dass erzählerisches Potenzial ungenutzt bleibt.

Auch die familiäre Entwicklung hätte für mich einen stärkeren emotionalen Bogen vertragen. Friekes Vater verliebt sich neu und sie muss diese Veränderung akzeptieren. Dieser Konflikt trägt viel Sprengkraft in sich, wird jedoch relativ nüchtern abgehandelt. Die Auseinandersetzung innerhalb der Familie bleibt oberflächlich, obwohl hier Raum für echte Reibung, für Unsicherheit, vielleicht sogar für Wachstum gewesen wäre.

Unterm Strich sehe ich „Die verborgenen Bilder“ als möglichen Einstieg in die Thematik für Kinder ab etwa zehn Jahren, die bislang wenig Berührungspunkte mit dieser Epoche hatten. Als erste Annäherung kann der Roman funktionieren, weil er Hemmschwellen abbaut und historische Ereignisse in eine persönliche Geschichte einbettet. Gleichzeitig bleiben viele Hintergründe unerklärt, Zusammenhänge werden vorausgesetzt, die aus Erwachsenensicht selbstverständlich erscheinen mögen, aus Kindersicht jedoch erklärungsbedürftig sind. Zurück bleibt bei mir weniger das Gefühl einer geschlossenen Erzählung als vielmehr eine Reihe offener Gedanken - und die Frage, wie viel stärker dieses Buch hätte sein können, wenn es seinen eigenen Anspruch konsequenter verfolgt hätte.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 27.02.2026

✎ Matt de la Peña - Under Water

Under Water
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Als ich zum ersten Mal „Under Water“ von Matt de la Peña in den Händen hielt, haben mich Klappentext und Cover in die Irre geführt. Ich rechnete mit einem harten Thriller für Erwachsene. Erst beim Lesen ...

Als ich zum ersten Mal „Under Water“ von Matt de la Peña in den Händen hielt, haben mich Klappentext und Cover in die Irre geführt. Ich rechnete mit einem harten Thriller für Erwachsene. Erst beim Lesen wurde deutlich, dass der Fokus auf dem 16-jährigen Shy liegt - auf seiner Verliebtheit, seinen familiären Konflikten und seiner persönlichen Entwicklung. Damit ist der Roman klar als Jugendthriller einzuordnen, geeignet für Lesende ab etwa 14 Jahren.

Sprachlich hat mich das Buch sofort überzeugt. Der Stil ist direkt, rhythmisch und entwickelt eine enorme Dynamik. Die Szenen wirken lebendig, fast wie Kamerafahrten. Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen. Umso deutlicher fiel für mich der Kontrast zur Handlung aus, die mit dieser erzählerischen Stärke nicht Schritt halten konnte.

Ausgangspunkt ist ein schweres Erdbeben vor der Küste Kaliforniens, das einen gewaltigen Tsunami auslöst und ein Schiff nahezu vollständig zerstört. Dieses Katastrophenszenario bildet die Bühne für Shys Überlebenskampf. Dass es nach einer solchen Verwüstung überhaupt Gerettete gibt, wirkt bereits konstruiert. Im weiteren Verlauf steigert sich dieser Eindruck: Shy wird mehrfach bewusstlos, prallt gegen Trümmer, kämpft sich dennoch immer wieder zurück ins Geschehen. Auf einem notdürftigen Floß trotzt er gemeinsam mit einer weiteren Figur meterhohen Wellen. Die permanente Eskalation der Gefahren nimmt der Geschichte an Glaubwürdigkeit. Die Inszenierung erinnert weniger an einen psychologisch dichten Thriller als an einen auf Effekt getrimmten Actionfilm.

Gerade dadurch gerät ein eigentlich spannender Aspekt ins Hintertreffen: die sogenannte Romero-Krankheit. Diese fiktive Erkrankung wird zunächst nur angedeutet und weckt Neugier, weil sie sich nicht außerhalb des Romans einordnen lässt. Die Informationshäppchen, die nach und nach preisgegeben werden, sind durchaus interessant. Doch zwischen Naturkatastrophe, Liebesgeschichte und gesellschaftlichen Konflikten verliert dieses Motiv an Gewicht. Statt als zentrales Element ausgearbeitet zu werden, bleibt es Beiwerk. Eine stärkere Fokussierung auf dieses Thema hätte dem Roman mehr inhaltliche Tiefe und Profil verliehen.

Bei der Recherche stieß ich darauf, dass im englischsprachigen Raum eine Fortsetzung existiert, die nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Das erklärt möglicherweise, warum manche Handlungsstränge offen oder nur angerissen wirken. Zudem findet sich auf der Website des dtv kein Hinweis mehr auf diesen Titel, dass er aus dem Programm verschwunden ist.

Trotz meiner deutlichen Kritik an der Konstruktion bleibt mein Eindruck vom erzählerischen Können des Autors positiv. Matt de la Peña versteht es, Tempo zu erzeugen und jugendliche Perspektiven authentisch darzustellen. Wer eine temporeiche, spektakuläre Überlebensgeschichte sucht, wird hier vermutlich gut unterhalten. Für mich überwog jedoch das Gefühl, dass visuelle Effekte über inhaltlicher Substanz standen.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 15.01.2026

✎ Ewald Arenz - Der große Sommer

Der große Sommer
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„Der große Sommer“ wäre für mich kein Buch gewesen, das ich in einer Buchhandlung spontan mitgenommen hätte und selbst nach dem Hinhören bleibt mir kaum etwas davon im Gedächtnis haften. Ewald Arenz kann ...

„Der große Sommer“ wäre für mich kein Buch gewesen, das ich in einer Buchhandlung spontan mitgenommen hätte und selbst nach dem Hinhören bleibt mir kaum etwas davon im Gedächtnis haften. Ewald Arenz kann schreiben, das lässt sich nicht bestreiten, aber sein Roman hebt sich kaum aus der Masse der Coming-of-Age-Geschichten heraus. Man begleitet Frieder durch seine Sommerferien, in denen er statt am Meer beim strengen Großvater büffeln muss und sich zwischen Nachprüfungen, ersten Verliebtheiten und dem Erwachsenwerden bewegt. Dennoch bleibt dieser Sommer für mich letztlich flach im Nachklang.

Die Sprache ist schlicht und gut zugänglich, die Erzählweise ruhig und nah am Alltag. Darin liegt durchaus eine Qualität. Die Figuren greifen sauber ineinander und stellenweise entsteht ein nostalgisches Gefühl für eine Jugend, die so heute kaum noch existiert.

Trotzdem hat mich das Buch nicht getragen. Motive wie Freundschaft, Nähe, Verlust, Zuneigung oder Anerkennung, die eigentlich nachhallen könnten, verlieren rasch an Gewicht. Alles bleibt sehr glatt, beinahe zu gefällig. Weder die Charaktere noch der Verlauf der Handlung überraschen oder fordern wirklich heraus.

Gleichzeitig gelingt es Arenz, familiäre Beziehungen und Freundschaften glaubwürdig zu zeichnen. In unscheinbaren Situationen blitzen Entwicklung und Reife auf, leise und unaufdringlich, ohne große dramatische Gesten.

Am Ende bleibt es für mich ein Roman, der handwerklich solide ist und durchaus berühren kann, dessen Wirkung jedoch schnell verblasst und keinen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 01.12.2025

✎ Yvonne Kuschel - Gelber Hund, grüne Katze

Gelber Hund, grüne Katze
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„Gelber Hund, grüne Katze“ von Yvonne Kuschel ist bei uns eher zufällig gelandet. Eine Freundin brachte es vorbei, es wanderte erst auf den Stapel ungelesener Bücher und wartete dort geduldig auf seinen ...

„Gelber Hund, grüne Katze“ von Yvonne Kuschel ist bei uns eher zufällig gelandet. Eine Freundin brachte es vorbei, es wanderte erst auf den Stapel ungelesener Bücher und wartete dort geduldig auf seinen Moment. Der kam, als meine 7-Jährige vom Cover fasziniert war und endlich die Geschichte hinter dem ungewöhnlichen Duo entschlüsseln wollte. Also Buch geschnappt, ab auf die Couch und lesen im Teammodus gestartet.

Als ich sie am Schluss fragte, wie ihr das Buch gefallen hat, konnte sie - genau wie ich - keine richtige Meinung dazu abgeben. Wir haben versucht, zu analysieren, um was es in und zwischen den Zeilen geht, doch so wirklich ist uns das nicht gelungen. Wir hatten verblüffend wenig Handfestes, um das Gelesene klar einzuordnen.

Was blieb, war vor allem ein Gefühl für den Hund. Zwischendurch tat er uns richtig leid, gegen Schluss war die Stimmung dann deutlich heller - und ja, wir haben uns ehrlich mit ihm mitgefreut, als sein Weg doch noch einen guten Dreh bekam. Die Katze hingegen blieb bis zum letzten Bild eine Figur, zu der wir keinen echten Zugang fanden. Diese Distanz lag weniger am Charakter selbst als daran, dass sie kaum emotionale Brücken baut. Sie ist präsent, aber nicht greifbar.

Inhaltlich steckt zwischen den Seiten eine spannende Botschaft, die gerade für Kinder wertvoll sein kann, auch wenn sie nicht laut ausgesprochen wird. Der Hund zeigt, dass Umwege oft Türen öffnen, die man auf der ursprünglichen Route nie entdeckt hätte. Gleichzeitig erzählte das Buch uns leise, dass Persönlichkeitsentwicklung kein abgeschlossenes Kapitel ist. Man trägt immer ungehobene Facetten in sich, die erst in neuen Momenten sichtbar werden. Ein Bilderbuch, das nicht belehrt, sondern wach macht für Wandel, Einsicht und Wachstum.

Die künstlerische Umsetzung mit Filztiften ist handwerklich interessant, aber bei uns nicht ins Herz gewandert. Die Illustrationen wirken oft wie Collagen, mit sichtbaren Kanten zwischen Bildelementen, einer eher groben Farbharmonie und bewusst einfacher Detailtiefe. Die Seiten bieten optisch wenig Such- oder Entdeckungsanlässe, arbeiten stark mit Reduktion und skizzenhafter Komposition.

Trotz aller Unschärfe sorgt „Gelber Hund, grüne Katze“ dafür, dass man ins Gespräch kommt. Nicht darüber, was man verstanden hat, sondern darüber, wie Geschichten jenseits klarer Antworten wirken können - auf Kinder wie auf Erwachsene. Genau dieser Effekt könnte das Buch relevant machen, auch wenn es bei uns kein klassischer Lieblingstitel wird.

©2025 Mademoiselle Cake