Eine starke Frau
Die Hoffnung, die uns trägt„...Zwei Zimmer sind Luxus, dachte Amália. Es war das Ergebnis mehrfachen Wälzens, um die richtige Schlafposition zu finden. Vergeblich. Also grübelte sie auf der dünnen Matratze im Schlafraum über ihren ...
„...Zwei Zimmer sind Luxus, dachte Amália. Es war das Ergebnis mehrfachen Wälzens, um die richtige Schlafposition zu finden. Vergeblich. Also grübelte sie auf der dünnen Matratze im Schlafraum über ihren Tag und den Sinn des Lebens nach…“
Mit diesen Zeilen beginnt ein historischer Roman, der mich als Leser in die jüngere Geschichte Portugals führt. Wir schreiben das Jahr 1961, das für Amália eine heftige Wendung bringen sollte.
Der Schriftstil ist gut ausgearbeitet. Die Spannungen im Lande werden deutlich herausgearbeitet. Auch die Gründe dafür sind ein Thema der Geschichte.
Amálias Vater gehört zu den Männern, die jeden Morgen zum Hafen gehen, um nach Arbeit zu fragen. Amália selbst hilft Senhor Teotónio am Obststand. Die Mutter kümmert sich um Pedro, den kleine Bruder, dessen Husten in der feuchten Wohnung nicht aufhört. Als Amália an diesem Morgen erwacht, ist ihr Bruder Pedro tot.
„...Ihre Mutter saß auf einem Stuhl. Auf dem Tisch lag auf einem weißen Tischtuch ihr Bruder. Ein paar Nachbarinnen standen hinter ihr und beteten…“
Die Familie zerbricht. Der Vater verschwindet, die Mutter versinkt in ihre Trauer.
Amália bekommt einen Job in einem Café. Als sie die Wohnung verliert, weil die Mutter in eine Krankenhaus muss, erhält sie von den Besitzern des Cafés ein Zimmer. Im Café lernt Amálie Marcelo kennen. Wir befinden uns in der Zeit der Studentenunruhen in Portugal. Marcelo gehört zu den protestierenden Studenten. Amália hat sich bisher kaum mit Politik befasst. Sie hatte zu tun, ihr Leben in den Griff zu bekommen.
Häufig besucht Amália das Grab ihres Bruders. Sie erzählt ihm von ihren Leben und ringt dort um Entscheidungen. Dort erlebt sie auch, dass manche Dinge unausweichlich sind.
„..Doch dann bemerkte sie das Foto einer jungen, wunderschönen Frau in einem Metallrahmen, das in die Gruft gestellt wurde, und hörte das ergreifende Schluchzen eines Mannes. Geld half nicht gegen Sterben und Trauer. Und zum ersten Mal kam ihr der Gedanke, dass kein Geld der Welkt hätte Pedro retten können…“
Das Buch zeugt von ausführlicher Recherche der Autorin. Das zeigt sich nicht zuletzt, bei der Beschreibung der Verhaftung der Studenten und deren Leben nach der Freilassung. Sie werden zu Kanonenfutter in den Kolonialgebieten Portugals, wenn es ihnen nicht gelingt, rechtzeitig unterzutauchen. Amália bleibt verschont, weil sie ja – nur – Kellnerin ist.
Amália ist eine starke junge Frau. Sie nimmt all die Veränderungen in ihrem Leben als Chance. Selbst in schwierigen Zeiten steht sie fest an der Seite Marcelos.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen.