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Veröffentlicht am 03.03.2026

Eine starke Frau

Die Hoffnung, die uns trägt
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„...Zwei Zimmer sind Luxus, dachte Amália. Es war das Ergebnis mehrfachen Wälzens, um die richtige Schlafposition zu finden. Vergeblich. Also grübelte sie auf der dünnen Matratze im Schlafraum über ihren ...

„...Zwei Zimmer sind Luxus, dachte Amália. Es war das Ergebnis mehrfachen Wälzens, um die richtige Schlafposition zu finden. Vergeblich. Also grübelte sie auf der dünnen Matratze im Schlafraum über ihren Tag und den Sinn des Lebens nach…“

Mit diesen Zeilen beginnt ein historischer Roman, der mich als Leser in die jüngere Geschichte Portugals führt. Wir schreiben das Jahr 1961, das für Amália eine heftige Wendung bringen sollte.
Der Schriftstil ist gut ausgearbeitet. Die Spannungen im Lande werden deutlich herausgearbeitet. Auch die Gründe dafür sind ein Thema der Geschichte.
Amálias Vater gehört zu den Männern, die jeden Morgen zum Hafen gehen, um nach Arbeit zu fragen. Amália selbst hilft Senhor Teotónio am Obststand. Die Mutter kümmert sich um Pedro, den kleine Bruder, dessen Husten in der feuchten Wohnung nicht aufhört. Als Amália an diesem Morgen erwacht, ist ihr Bruder Pedro tot.

„...Ihre Mutter saß auf einem Stuhl. Auf dem Tisch lag auf einem weißen Tischtuch ihr Bruder. Ein paar Nachbarinnen standen hinter ihr und beteten…“

Die Familie zerbricht. Der Vater verschwindet, die Mutter versinkt in ihre Trauer.
Amália bekommt einen Job in einem Café. Als sie die Wohnung verliert, weil die Mutter in eine Krankenhaus muss, erhält sie von den Besitzern des Cafés ein Zimmer. Im Café lernt Amálie Marcelo kennen. Wir befinden uns in der Zeit der Studentenunruhen in Portugal. Marcelo gehört zu den protestierenden Studenten. Amália hat sich bisher kaum mit Politik befasst. Sie hatte zu tun, ihr Leben in den Griff zu bekommen.
Häufig besucht Amália das Grab ihres Bruders. Sie erzählt ihm von ihren Leben und ringt dort um Entscheidungen. Dort erlebt sie auch, dass manche Dinge unausweichlich sind.

„..Doch dann bemerkte sie das Foto einer jungen, wunderschönen Frau in einem Metallrahmen, das in die Gruft gestellt wurde, und hörte das ergreifende Schluchzen eines Mannes. Geld half nicht gegen Sterben und Trauer. Und zum ersten Mal kam ihr der Gedanke, dass kein Geld der Welkt hätte Pedro retten können…“

Das Buch zeugt von ausführlicher Recherche der Autorin. Das zeigt sich nicht zuletzt, bei der Beschreibung der Verhaftung der Studenten und deren Leben nach der Freilassung. Sie werden zu Kanonenfutter in den Kolonialgebieten Portugals, wenn es ihnen nicht gelingt, rechtzeitig unterzutauchen. Amália bleibt verschont, weil sie ja – nur – Kellnerin ist.
Amália ist eine starke junge Frau. Sie nimmt all die Veränderungen in ihrem Leben als Chance. Selbst in schwierigen Zeiten steht sie fest an der Seite Marcelos.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Sehr aktuell und lesenswert

Unter Null Grad – Countdown im Eis
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„...Wenn das Wetter gut ist, könnte ich vielleicht hoch in den Norden in eine Hütte…“

Yutu hat Ferien. Er möchte allein auf Robbenjagd gehen. Doch seine Großmutter ist dagegen. Sie hat Angst, auch noch ...

„...Wenn das Wetter gut ist, könnte ich vielleicht hoch in den Norden in eine Hütte…“

Yutu hat Ferien. Er möchte allein auf Robbenjagd gehen. Doch seine Großmutter ist dagegen. Sie hat Angst, auch noch den Enkelsohn zu verlieren.
Die Autorin hat einen spannenden Jugendroman geschrieben. Der Schriftstil ist gut ausgearbeitet. Die Schönheit der eisigen Landschaft, aber auch die Gefahren der Arktis sind in jeder Zeile spürbar.
Yutu träumt davon, nach der Schule die Heimat zu verlassen und zu studieren. Er ahnt, dass ihr Leben keine Zukunft hat. Der Robbenfang nimmt ab und die Karibus kommen kaum noch.

„...Petur sagt, in unserer Bucht ist es zu warm. Der Klimawandel ist schuld, dass sie immer weiter nach Norden ziehen…“

Bees Vater ist Geologe. Er hat ein Gespür für die Lage von Erdölfelder und wird deshalb rund um die Welt geschickt. Jetzt soll er Felder in der Arktis finden. Deshalb ist die Familie erneut umgezogen. Bee vermisst es, Freundinnen zu haben. In der neuen Schule wird sie gemobbt. Ihr Vater ist gegen die Förderung im ewigen Eis.

„...Aber diese Gegend ist eine der letzten unberührten Naturlandschaften auf dem Planeten, das können wir einfach nicht tun...“

Seine Meinung bleibt nicht ohne Folgen. Die Ölfirmen sehen das anders.
Heimlich fährt Yutu mit dem Schneemobil nach Norden. Bei der Suche nach den Robben gelangt er mit dem Bein in ein Eisloch. Er schafft es, zu ein r unbewohnten Hütte zu kommen.
Bee fliegt mit ihrem Vater gen Norden. Dort eskaliert die Lage. Bee fliegt mit dem Flugzeug und strandet im Eis. Sie trifft auf Yutu.
Nun beginnt für beide eine gefährliche und spannende Reise durch Eis und Schnee.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Ermittlungen statt Urlaub

Alpenmord und Almgedudel
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„...Ich gratuliere uns. Wir haben einen Mord aufzuklären. Gemeinsam, als Team. Das wird der spannendste Urlaub, den wir je hatten…“

Eigentlich wollte Familie Brunner aus Wien nur einen geruhsamen Urlaub ...

„...Ich gratuliere uns. Wir haben einen Mord aufzuklären. Gemeinsam, als Team. Das wird der spannendste Urlaub, den wir je hatten…“

Eigentlich wollte Familie Brunner aus Wien nur einen geruhsamen Urlaub in Tirol verbringen. Der Vater, Franz Brunner, ist Arzt und braucht genauso Erholung wie seine Frau Brigitte, die Gymnasiallehrerin ist. Der 18jährige Sohn Felix wollte sich in den Bergen auf seine Sportprüfung für das Studium vorbereiten. Die 16jährige Rebecca ist vielseitig interessiert und weiß über so manches Bescheid. Dann aber finden sie in der Tiefenbachklamm einen Toten. Chefinspektorin Stammer geht von einem Unfall aus. Die Beobachtungen von Franz wischt sie vom Tisch.
Der Autor hat einen spannenden, humorvollen und abwechslungsreichen Krimi geschrieben. Der Schriftstil ist leicht und locker.
Immer wieder kommt zum Ausdruck, dass Wiener in Tirol misstrauisch beäugt werden.

„...“Geschichtlich betrachtet“, doziert Rebecca, „Haben sich die Tiroler immer unabhängig gefühlt. Wollten sich von Napoleon gar nix sagen lassen und von den Habsburgern im fernen Wien auch nicht alles.“…“

Die Familie geht bei ihren Ermittlungen erstaunlich logisch vor. Gespräche mit der Pensionswirtin in Renthegg führen jeweils zu neuen Verdächtigen. Natürlich ist zuerst die Familie im Fokus. Doch auch die anderen Pensionsgäste bleiben nicht ungeschoren. Nebenbei lerne ich so einiges von der Umgebung kennen und erhalte einen Einblick in die Tiroler Küche. Auch die Herstellung von Zirbelschnaps wird erläutert.
Professor Hochstätter, einer der Gäste in der Pension, erklärt Rebecca auf deren Nachfrage den Wert von Smaragden. Er hofft, in der Klamm einen zu finden.

„...Wenn der Stein makellos und ohne Einschlüsse ist, wird er teuer. Auch wenn sie tiefgrün sind, sind sie besonders begehrt...“

Das Buch überzeugt durch immer neue Wendungen. Nach und nach gehen der Familie die möglichen Verdächtigen aus. Dann aber wird es haarig.
Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Das liegt an den sympathischen Protagonisten, aber auch an der schönen Einbindung von Land und Leuten.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Mutige Frauen

Die Engel von Berlin
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„...Ich erzähle sie dir. Vielleicht weißt du dann auch wieder, wie stark du bist, wie stark jede Frau ist. Und das wir immer versuchen sollten, die Welt ein wenig besser zu machen…“

Die Geschichte beginnt ...

„...Ich erzähle sie dir. Vielleicht weißt du dann auch wieder, wie stark du bist, wie stark jede Frau ist. Und das wir immer versuchen sollten, die Welt ein wenig besser zu machen…“

Die Geschichte beginnt 2022, wo Martha ihre Tochter Laura aus einem Tief herausholen will. Deshalb erzählt sie ihr die Geschichte ihrer Großmutter.
Der Schriftstil ist gut ausgearbeitet. Das bedeutet auch, dass die zwischenmenschlichen und die gesellschaftlichen Probleme auf den Punkt gebracht werden. Das Buch zeugt von einer umfangreichen Recherche.
Im Jahre 1931 treffen sich Annegret und Martha in einem Lager der Pfadfinder in Berlin. Zwischen den beiden jungen Frauen entwickelt sich eine schöne Freundschaft. Martha ist aus London angereist. Als begeisterte Fotografin nimmt sie viele Bilder von Berlin auf . Dazu gehören auch die Eindrücke von den aufkommenden Nationalsozialismus. Erste Diskussionen zwischen den jungen Frauen kommen schnell auf den Punkt.

„...Wir Pfadfinderinnen lehren die Kinder seit Jahrzehnten Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft….“

Unter den Kindern ist Fanny. Das jüdische Mädchen hat vor kurzem erst ihre Mutter verloren. Sie fühlt sich in der Gemeinschaft wohl.
Martha muss zurück nach London. Die Freundinnen bleiben brieflich verbunden. Nach der Reichspogromnacht setzt sich Martha dafür ein, dass jüdische Kinder nach Großbritannien kommen können. Sie bringt Fanny bei ihrer verheirateten Schwester unter.
Währenddessen ist Annegret in Berlin hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu ihrem Mann und dessen politischer Einstellung. Bei ihren Arbeitskolleginnen nimmt sie kein Blatt vor den Mund.

„...Überhaupt sollten sich Frauen mehr für Politik interessieren. Denn wir sind nachher die Leidtragenden…“

Annegrets Einsatz hat Folgen. 1945 kehrt Martha nach Berlin zurück. Was wird sie vorfinden?
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin setzt damit all denen ein Denkmal, die ähnlich gehandelt haben.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Eine leise Geschichte

Mathilde und Marie
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„...Es ist so: Im Großen und Ganzen ähnelt unser aller Leben einem Puzzle mit unbekannten Motiv, wobei die Anzahl der Teile von Mensch zu Mensch variiert…“

Die Studentin Marie hat Paris verlassen. Sie ...

„...Es ist so: Im Großen und Ganzen ähnelt unser aller Leben einem Puzzle mit unbekannten Motiv, wobei die Anzahl der Teile von Mensch zu Mensch variiert…“

Die Studentin Marie hat Paris verlassen. Sie braucht eine Auszeit und Ruhe. Im Zug trifft sie die Isländerin Jónina. Obige Worte stammen von ihr.
Der Autor hat einen berührenden Gegenwartsroman geschrieben. Der Schriftstil ist fein ausgearbeitet. Im Mittelpunkt stehen das Leben in und mit der Natur und die Macht der Bücher.
Marie hat noch kein Ziel. Jónina ahnt, was der jungen Frau gut tut. Sie bietet ihr an, sie in ihr Dorf zu begleiten.

„...Manchmal lohnt es sich, einem Impuls zu folgen. Du musst nur tief in dich hineinhorchen, liebe Marie….“

Der kleine belgische Ort, in dem die 60jährige Jólina lebt, ist ein Bücherdorf. Es gibt mehr als eine handvoll Bücherläden. Einer gehört Jólina. Dafür gibt es aber keinen Supermarkt. Auch das Internet steht nur an einer Stelle für eine Stunde zu Verfügung.

„...Hier im Dorf wird die Zeit als Freund und nicht als Gegner empfunden. Bei uns im Dorf geht es nicht darum, möglichst viele Dinge in immer kürzerer Zeit zu erledigen…“

Marie ringt kurz mit sich, dann bleibt sie. Während ihr alle freundlich begegnen, fällt ihr eine Frau auf, die jeden Kontakt vermeidet. Es ist Mathilde.
Mathilde schreibt Tagebuch. Darin wird deutlich, wie sich ihre Einstellung zu Marie ändert. Anfangs wollte sie, dass diese so schnell wie möglich wieder verschwindet. Dann aber erkennt sie, dass die junge Frau dem Ort gut tut. Beide kommen sich näher. Es ist ihre Vergangenheit, die sie verbindet.
Sehr anschaulich wird die Umgebung beschrieben.

„...Der Morgentau lag schwer auf den Gräsern und Farnen der Weide und hielt alles Grün ab einer gewissen Länge in der Horizontalen. Gleichzeitig brachen die winzigen durchsichtigen Kügelchen das frühe Licht des Tages….“

Nach und nach erfahre ich die Schicksale der wichtigsten Protagonisten. Dadurch wird deutlich, warum sie so sind, wie sie sind. Außerdem erlebe ich, wie sich das Dorf ändert. Es wird lebendiger, ohne seine Besonderheiten aufzugeben.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es stellt das Zwischenmenschliche in den Mittelpunkt und erzählt eine leise Geschichte.

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