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Veröffentlicht am 21.03.2026

Anders und doch klar!

Sie wollen uns erzählen
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Dieser Roman nimmt seine Leser auf eine ganz besondere Weise in das Erleben neurodivergenter Menschen mit hinein.

Ozzy ist in der dritten Klasse und hat gerade mit seinen Eltern verschiedene Diagnosesitzungen ...

Dieser Roman nimmt seine Leser auf eine ganz besondere Weise in das Erleben neurodivergenter Menschen mit hinein.

Ozzy ist in der dritten Klasse und hat gerade mit seinen Eltern verschiedene Diagnosesitzungen und Gespräche hinter sich und ist nun „diagnostiziert“. Anders als seine Mutter, die ebenfalls ADHS hat, aber in ihrer Kindheit einfach als „etwas wild“ bezeichnet worden ist.

In diesem Ausschnitt ihres Lebens erleben beide allein und zusammen ihren „Supergau“. Der Vater kann gerade wegen einer Verletzung nicht zu Hause sein, durch Ozzy und seine Freunde ist das Schulkaninchen ausgebüxt und dann in den Rasenmäher geraten und die Großmutter ist aus dem Krankenhaus verschwunden.

Wie die beiden diese Situationen, die sich auch noch zuspitzen, mit ihrem besonderen Nervenkostüm managen ist in einer besonders feinfühligen Weise von der Autorin beschrieben worden.

Dadurch, dass sie die Lesenden sehr stark an den Gedanken der beiden teilhaben lässt, sind ihre Reaktionen und Gefühle sehr gut nachvollziehbar. Man kommt ihnen sehr nah, kann alles miterleben und fühlt einfach mit.

Wie die Autorin Neurodiversität hier beschreibt, ist nicht oberflächlich, klischeehaft oder verurteilend, sondern sehr menschlich, differenziert und hilft, zu verstehen.

Ein bemerkenswertes Buch über ein anderes Erleben!

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Es ist nie zu spät!

Eine Maus namens Merlin
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Helen Cartwright kehrt nach dem Tod ihres Mannes und später auch ihres Sohnes nach sechzig Jahren aus Australien zurück in ihren kleinen Heimatort in der Nähe von Oxford.

Dort hat sie sich ein kleines ...

Helen Cartwright kehrt nach dem Tod ihres Mannes und später auch ihres Sohnes nach sechzig Jahren aus Australien zurück in ihren kleinen Heimatort in der Nähe von Oxford.

Dort hat sie sich ein kleines Haus in der Nähe ihres einstigen Elternhauses gekauft und erwartet nichts mehr vom Leben. Eigentlich fühlt sie sich innerlich schon wie gestorben.

So nimmt sie auch keinen Kontakt mehr zu anderen Menschen auf und ihre Tage und Wochen fließen in einer Gleichmäßigkeit von Essen, Schlafen, Radio hören, Fernsehen schauen und einmal die Woche einkaufen dahin.

Doch eines Nachts holt sie sich den Sperrmüll ihrer Nachbarn ins Haus, weil dort dasselbe Spielzeug dabei lag, das sie ihrem Sohn einst schenkte. Der nostalgische Zauber ist bald verflogen, doch bei den Sachen war auch eine kleine, dreckige Kiste, die sie gar nicht anschauen mochte. In dieser befindet sich eine Maus.

Wie Helen sich nach und nach der Maus annähert, ja sie sogar als Haustier und Freund zu akzeptieren beginnt, erzählt der Autor herzerwärmend und nachvollziehbar. Durch die Maus muss Helen wieder raus in die Welt und Kontakt mit anderen Menschen aufnehmen.

So nimmt sie wieder teil am Leben, schließt Freundschaften und startet sogar eine Rettungsaktion für ihre Maus Merlin. Als sie krank wird und Merlin verschwunden scheint, sind diese (neuen) Menschen für sie da und kümmern sich um sie.

Der Autor zeigt mit diesem Buch, dass es im Leben nie zu spät ist, einen neuen Anfang zu machen, sich neu zu entdecken, Neues zu wagen, auf andere zuzugehen und das Leben zu genießen, ja, es zu feiern.

Ein absolut lebensbejahendes Buch!

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Veröffentlicht am 31.01.2026

LIefern - aber rackizacki!

Liefern
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Der Autor beschreibt in verschiedenen Settings Menschen auf fast der ganzen Welt, deren Arbeit das Liefern von Essen ist. Dabei nimmt er uns Lesende mit hinein in ihr Erleben, ihre Sorgen, Nöte und ihr ...

Der Autor beschreibt in verschiedenen Settings Menschen auf fast der ganzen Welt, deren Arbeit das Liefern von Essen ist. Dabei nimmt er uns Lesende mit hinein in ihr Erleben, ihre Sorgen, Nöte und ihr Privatleben.
Die einzelnen Geschichten und Schicksale werden vom Erzähler alle miteinander verbunden, indem meistens eine Person aus den Erzählungen davor wiederauftaucht. Dabei schreibt er immer konsequent aus der Sicht seiner Protagonisten heraus, meist auch in der Ich-Perspektive.
Fasziniert hat mich der verbindende Weitblick des Autors, denn mögen die Probleme für die Liefernden auch in jedem Land etwas anders gelagert sein, so wird doch überall von den Arbeitgebern und den Bestellenden vergessen, dass ein Mensch liefert und keine Maschine.
So entsteht die Ausbeutung der Kuriere und es entsteht ein Konkurrenzkampf unter ihnen, wer die nächste Lieferung bekommt, denn die Bezahlung ist immer zu knapp. Keiner kann sich einen Ausfall leisten. Hinzu kommen die Bewertungen im Internet, die immer gut sein müssen, um vom Chef nicht heruntergestuft zu werden.
„So gegenwärtig, so international, so politisch und leichtfüßig zugleich war lange kein deutscher Roman“ (Klappentext) und so einfühlsam die Lebensumstände einer „Berufsgruppe“ zeigend – da kann ich mich nur anschließen.

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Veröffentlicht am 12.11.2025

So wirklichkeitsnah - gruselig!

Freiheitsgeld
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Der Autor schafft es wieder ein hochaktuelles Thema gekonnt in einem Thriller anzugehen, so dass man sich vorstellen kann, dass es genauso kommen wird.

Jeder in Europa in diesem Sciencefiction-Roman bekommt ...

Der Autor schafft es wieder ein hochaktuelles Thema gekonnt in einem Thriller anzugehen, so dass man sich vorstellen kann, dass es genauso kommen wird.

Jeder in Europa in diesem Sciencefiction-Roman bekommt das sogenannte Freiheitsgeld und muss somit nicht mehr arbeiten gehen und kann tun, was immer er möchte - natürlich nichts Verbotenes. Wer dennoch arbeiten möchte, kann dies tun, zahlt aber hohe Steuern auf den Zuverdienst. Allerdings ist es auch nicht ganz einfach, arbeiten zu gehen, denn Roboter übernehmen sehr viele der anfallenden Arbeiten.

Was wirklich hinter all dem steckt, bekommt der Polizist Ahmad Müller erst heraus, als er es bei seinen Ermittllungen mit einigen seltsamen Todesfällen zu tun bekommt, ja sogar selbst angegriffen wird. Letztendlich muss er bei dem Spiel der Superreichen mitmachen, um nicht selbst Schaden zu nehmen.

Grundsicherung - Freiheitsgeld, die Begriffe sind austauschbar. Sind wir Menschen so leicht zufrieden zu stellen? Werden die Superreichen wirklich so herrschen? Oder tun sie es schon?

Das Buch hinterlässt einen mit Fragen und Zweifeln, denn manche Dinge, die in der Geschichte geschehen, sind auch gut für unsere Erde, aber sind sie so auch gerecht? Gibt es überhaupt eine Lösung der Probleme der Menschheit?

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Veröffentlicht am 12.11.2025

Leben und Feiern in Schweden

Jonna & Liv. Ein tierisches Mittsommerfest
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Ein Sommerurlaub mit Papa auf einem Hof für Tiere in Schweden – Jonna kann ihr Glück nicht fassen! Noch besser: Die Hofbesitzerin und ihre Tochter sind Tante und Cousine, die sie wegen der großen Entfernung ...

Ein Sommerurlaub mit Papa auf einem Hof für Tiere in Schweden – Jonna kann ihr Glück nicht fassen! Noch besser: Die Hofbesitzerin und ihre Tochter sind Tante und Cousine, die sie wegen der großen Entfernung nach Berlin ewig nicht gesehen hat. Doch es gibt leider nicht nur schöne Momente in diesem Sommer.

Jonna muss feststellen, dass ihre Cousine Liv alles andere als erfreut ist, sie auf dem Hof zu haben. Ständig hat sie etwas an ihr auszusetzen. Wie gut, dass Papa und ihre Tante voller Freundlichkeit für sie da sind und auch noch andere Kinder, die sie gerne bei ihren Unternehmungen dabeihaben.

Die Autorin beschreibt Jonnas Gefühlswelt im Laufe der Geschichte ganz „nebenbei“ und zeigt damit, welche Resilienz-Strategien dieses Mädchen schon beherrscht: Erscheint ihr alles düster, weil Liv sie wieder angeraunzt hat, macht sie sich darüber Gedanken, was alles Gutes und Schönes sie gerade erlebt; sie sammelt „Sommerglücksmomente“ für sich, aber auch um sie ihrer Mutter und ihrer Freundin Esma mitteilen zu können, mit denen sie weiter per Videochat Kontakt hält. Die Lesenden nehmen diese „Tipps“ praktisch nebenbei mit.

Da Jonna so einfühlsam mit sich selbst umgehen kann, gelingt ihr dies auch genauso bei den Tieren, die sich bereitwillig von ihr pflegen und leiten lassen, wie auch bei den Menschen um sie herum. Sie kann sich wunderbar zurücknehmen, aber auch ihre Gedanken und Gefühle an geeigneter Stelle äußern. Und so findet sie auch heraus, warum ihre Cousine eigentlich ihr gegenüber so abweisend und schroff ist, und kann ihr helfen.

Diese Geschichte mit Happy end wird sehr gut von den schwarz-weiß abgedruckten Zeichnungen der Illustratorin begleitet und aufgelockert. Über jedem Kapitel ist ein kleines passendes Bild abgedruckt. Alle paar Seiten taucht ein Bild im Text auf, mal größer, mal kleiner, aber immer kleiner als der Text und ihn darstellend. Die Emotionen sind an den menschlichen, verniedlichten Gesichtern gut abzulesen. Auch die Tierzeichnungen sind verniedlicht, aber nicht vermenschlicht dargestellt.

Eine Geschichte mit Wohlfühlfaktor!

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