Einblicke in die Arbeit des rasenden Reporters
Berliner BohèmeIn dem kleinen Büchlein mit dem Titel „Berliner Bohème“ versammeln sich kurze Geschichten und Anekdoten des bekannten Prager Journalisten, Reporters und Schriftstellers Egon Erwin Kisch, die sich allesamt ...
In dem kleinen Büchlein mit dem Titel „Berliner Bohème“ versammeln sich kurze Geschichten und Anekdoten des bekannten Prager Journalisten, Reporters und Schriftstellers Egon Erwin Kisch, die sich allesamt mit dem Berliner Leben beschäftigen. Man erkennt beim Lesen sofort, schon damals war Berlin eine spannende Stadt und etwas Besonderes. Egal ob man die Polizei begleitet, skurrile Museen, Cafés oder Theater besucht, bekommt man den Eindruck von Besonderheiten, Kultur, Kunst und Innovationen. Kisch schwört den Zeitgeist der Weimarer Republik herauf und zeigt ein Berlin der golden Twenties, das schon damals ein Schmelztiegel für Menschen aus aller Welt war, offen und innovativ, bevor es in eine dunkle Zeit abtauchen musste!
In zeitkritischer ironischer, spritziger und damals gebräuchlicher Ausdrucksweise, weckten seine Berichterstattungen bei mir Sehnsüchte nach ausgefeilten, ansprechenden und anspruchsvollen Zeitungsartikeln, nach denen man heutzutage lange suchen muss.
Ein sehr schönes Nachwort zu seiner beeindruckenden Lebens- und Berufsgeschichte hat am Ende die Herausgeberin Gabi Wuttke eingefügt, fand ich sehr informativ. Sehr gelungen auch die Aufmachung und Gestaltung des Buches mit dem schlichten grauen Karton und dem auffallend violetten Kontrast der Titelschrift und seitlichem Bindung.
Mein Fazit:
Immer was los in Berlin, damals vor hundert Jahren war der rasende Reporter Kisch auf der Suche nach Geschichten und Geschichte, mit kritischen Blicken verfolgte er das Geschehen. Eine schöne Zeitreise in eine Stadt, die schon immer energiegeladen, jung, provokant und arm war. Aber extravagant, eben unverkennbar Berlin ;).