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Veröffentlicht am 31.08.2017

Komplexer Roman, der mich fesseln konnte

Into the Water - Traue keinem. Auch nicht dir selbst.
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Zum Inhalt:
Die Kleinstadt Beckford in England ist seit Jahrhunderten der Schauplatz mysteriöser Todesfälle: Im Drowning Pool, einer äußerst tiefen Stelle am Fluss, sterben "unbequeme Frauen": Hexen, Ehebrecherinnen ...

Zum Inhalt:
Die Kleinstadt Beckford in England ist seit Jahrhunderten der Schauplatz mysteriöser Todesfälle: Im Drowning Pool, einer äußerst tiefen Stelle am Fluss, sterben "unbequeme Frauen": Hexen, Ehebrecherinnen und aufsässige Teenager. Die Fotografin Nel Abbott ist fasziniert von dem Ort und geradezu besessen, die Geschichten zu recherchieren und in einem Buch zu sammeln. Damit macht sie sich bei den Einwohnern aber keine Freunde. Der Unmut wächst, als plötzlich ein beliebtes junges Mädchen an genau dieser Stelle ins Wasser geht. Kurz darauf stirbt Nel selbst im Drowning Pool. Die Frage ist nun: War es Suizid, ein Unglück oder Mord?

Um Nels Tochter im Teenageralter soll sich nun ihre Tante Julia kümmern. Aber diese schleppt selbst schwere Lasten aus der Vergangenheit mit sich herum. Das Verhältnis beider Schwester war seit Längerem zerrüttet. Doch dann beginnt auch Jules, sich mit den Geschichten der toten Frauen zu beschäftigen.

Meine Meinung:
Der Aufbau des Romans ist komplex. Erzählt wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven. Gut gefallen hat mir, dass so verschiedenen Familien, ihre Vergangenheit und Verflechtungen beleuchtet wurden. Dabei wurden unterschiedliche Themen aufgegriffen, was die Handlung für mich interessant machte. Der Wechsel zwischen den verschiedenen Personen erfordert Aufmerksamkeit. Ich konnte der Handlung jedoch jederzeit gut folgen. Zudem kommt es durch diese Struktur zu einigen Wiederholungen, die ich aber nicht als langweilig oder störend empfand. Das lag sicherlich auch am Erzählstil, den ich sehr mochte.

Insgesamt hatte die Geschichte für mich keine Längen. Schnell hatte sie mich gepackt. Obwohl das Ganze nicht als klassischer Thriller bezeichnet wird, fand ich es sehr spannend.

Ich habe die gekürzte Lesung als Hörbuch erhalten, das mich überzeugen konnte. Die drei Sprecher haben die unterschiedlichen Perspektiven gekonnt vorgetragen, sodass sich die Wechsel gut nachvollziehen ließen.

Fazit:
Für mich ist "Into the water" ein unterhaltsamer Spannungsroman, den ich genossen habe. Es machte Spaß zu verfolgen, wie sich die unterschiedlichen Stränge allmählich zusammenfügten. Von mir gibt es eine klare Empfehlung!

Veröffentlicht am 03.03.2026

Die dunkle Seite der Liebe

The Exes
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Sie heißen Marc, Luca und George: die Ex-Freunde von Natalie. Nach ihnen hatte sie eigentlich den Männern gänzlich abgeschworen, aber dem Charme ihres Chefs James kann sie nicht widerstehen. Zuerst scheint ...

Sie heißen Marc, Luca und George: die Ex-Freunde von Natalie. Nach ihnen hatte sie eigentlich den Männern gänzlich abgeschworen, aber dem Charme ihres Chefs James kann sie nicht widerstehen. Zuerst scheint ihre Ehe glücklich zu verlaufen. Doch dann bahnt sich erneut ein Desaster an…

„The Exes“ ist der Debütroman von Leodora Darlington.

Der Spannungsroman besteht aus 58 kurzen Kapiteln. Die Handlung spielt auf mehreren Zeitebenen: Es gibt einen gegenwärtigen Strang („Jetzt“) im Präsens und diverse Rückblicke. Erzählt wird in der Ich-Perspektive von Natalie, einer unzuverlässigen Erzählerin.

Die Protagonistin ist keine klassische Heldinnenfigur, aber reizvoll angelegt. Man kommt ihre Gedanken und Gefühle einerseits recht nahe, spürt andererseits aber auch, dass sie Geheimnisse und Abgründe verbirgt, die sich nicht auf Anhieb erschließen. Auch die weiteren Charaktere wirken interessant und gleichzeitig etwas undurchsichtig, was zur Sogwirkung beiträgt.

In inhaltlicher Hinsicht geht es um die romantische Liebe und ihre Schattenseiten: verletzte Gefühle, Eifersucht, Rachegelüste und andere emotionale Ausnahmezustände. Psychologische Bewältigungsmechanismen werden beleuchtet. Dabei kratzt der Roman jedoch nicht an der Oberfläche, sondern geht in die Tiefe.

Auf den mehr als 450 Seiten ist die Geschichte kurzweilig und von einer subtilen Spannung geprägt, die fast durchweg spürbar ist. Mehrfach kann sie mit interessanten Wendungen überraschen.

Die Sprache des Romans ist stellenweise ein wenig vulgär, aber dennoch alles in allem angemessen und anschaulich. Die Dialoge machen einen authentischen Eindruck.

Der Titel der deutschen Ausgabe ist 1:1 aus dem englischsprachigen Original übernommen und passt zur Story. Auch das geheimnisvolle Covermotiv, das ein Auge zeigt, ist in Bezug auf Genre und Inhalt eine gute Wahl.

Mein Fazit:
Mit „The Exes“ hat Leodora Darlington einen unterhaltsamen, fesselnden und tiefgründigen Spannungsroman geschrieben. Eine empfehlenswerte Lektüre.

Veröffentlicht am 16.02.2026

Die Frauen von der „Esja“

Moosland
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Sommer 1949: Als eine von knapp 300 deutschen Frauen kommt Elsa mit dem Schiff „Esja“ nach Island. Sie folgen einem Aufruf der isländischen Regierung, für ein Jahr als Landarbeiterin oder Haushaltshilfe ...

Sommer 1949: Als eine von knapp 300 deutschen Frauen kommt Elsa mit dem Schiff „Esja“ nach Island. Sie folgen einem Aufruf der isländischen Regierung, für ein Jahr als Landarbeiterin oder Haushaltshilfe auf der Insel zu leben. Für Elsa ist der Anfang sehr schwer. Sie ist in Trauer und noch traumatisiert von den Erlebnissen während des Zweiten Weltkriegs. Zudem kommen die Sprachprobleme hinzu. Doch das ist nicht der einzige Grund für das Schweigen, das auf dem Gehöft vorherrscht…

„Moosland“ ist ein Roman von Katrin Zipse.

Erzählt wird im Präsens und aus der Perspektive von Elsa. Der Roman besteht dabei aus rund 50 kurzen Kapiteln.

Eine schnörkellose, fast nüchterne Sprache, gepaart mit einer einfachen Syntax: So lässt sich der ruhige, unaufgeregte Schreibstil beschreiben. Dennoch ist der Roman atmosphärisch dicht und überzeugt mit anschaulichen Naturbeschreibungen. Was ebenfalls ungewöhnlich ist: Aufgrund der Verständigungsprobleme sind Dialoge rar gesät.

Die Figuren sind mit psychologischer Tiefe angelegt. Sie wirken authentisch und zum Teil durchaus originell.

Wie aus dem interessanten und aufschlussreichen Nachwort zu erfahren ist, sind die Personen und der Handlungsort der Geschichte zwar fiktiv. Dennoch basiert der Roman auf einer wahren Begebenheit: den „Esja“-Frauen, die von Island angeworben wurden. Sehr gerne habe ich von diesem bisher wenig beleuchteten Aspekt der deutsch-isländischen Historie erfahren.

Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt ist das Geheimnis, über das die Familie eisern schweigt: das Verschwinden der Tochter. Die Sprachlosigkeit innerhalb der Familienmitglieder, aber auch die gegenüber der anfangs fremden Elsa ist fast greifbar.

Auf nur wenig mehr als 200 Seiten nimmt die Geschichte zwar nur langsam Fahrt auf. Sie hält allerdings immer wieder bewegende Momente bereit.

Das unspektakuläre, aber hübsche Covermotiv und der prägnante Titel passen hervorragend zu der Geschichte.

Mein Fazit:
Mit „Moosland“ hat Katrin Zipse einen bereichernden und zugleich berührenden Roman geschrieben. Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 21.01.2026

Ein Leitfaden für Eltern von Teenagern

Verstehen statt verlieren
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Ein Alltag ohne Smartphone, das ist für viele Teenager nicht mehr vorstellbar. Vor allem die sozialen Medien werden von ihnen rege genutzt. Doch für Kinder und Heranwachsende hält die digitale Welt etliche ...

Ein Alltag ohne Smartphone, das ist für viele Teenager nicht mehr vorstellbar. Vor allem die sozialen Medien werden von ihnen rege genutzt. Doch für Kinder und Heranwachsende hält die digitale Welt etliche Gefahren bereit. Was sollen besorgte Eltern tun?

„Verstehen statt verlieren - Erste Hilfe für die Smartphone-Pubertät“ ist ein Sachbuch von Leonie Lutz und Mareike Brede.

Das Buch setzt sich aus elf Kapiteln zusammen, die zum Teil untergliedert sind. Die Struktur ist nachvollziehbar und sinnvoll aufgebaut. Dank der Inhaltsübersicht und der farblichen Hervorhebungen von Begriffen, Namen und Textstellen lassen sich einzelne Aspekte schnell auffinden und nachlesen.

Der Text liest sich flüssig und wie aus einem Guss. Auch technische und biologische Erläuterungen sind leicht verständlich formuliert. Die gendersensible Sprache wirkt angemessen und modern.

Das Sachbuch schildert einerseits die Herausforderungen der Pubertät und andererseits die Allgegenwärtigkeit der digitalen Welt, die für diese Entwicklungsphase besondere Risiken birgt. Wie können Eltern ihre heranwachsenden Kinder vor Gewalt und anderen ungeeigneten Inhalten schützen? Wie können sie ihre Söhne und Töchter im Digitalen begleiten und wie für einen gesunden Umgang mit den sozialen Medien befähigen? Diesen Fragen geht das Buch nach. Dabei sind wissenschaftliche Arbeiten, neueste Studien und die Kenntnisse von Experten eingeflossen.

Auf den mehr als 200 Seiten werden einzelne Apps vorgestellt. Es geht aber auch ums Gaming, ums Streaming, um Fake News, um Internetbetrug, um Cybermobbing und einiges mehr. Zwar deckt das Buch damit eine umfassende Palette an Aspekten ab. Allerdings hätte ich mir an der einen und anderen Stelle etwas mehr inhaltliche Tiefe gewünscht.

Als besonders hilfreich habe ich die Anleitungen und Erklärungen dazu empfunden, mit welchen Einstellungen das Smartphone und die App sicherer für Jugendliche werden, welche weiteren technischen Möglichkeiten bestehen und worauf Elternteile achten sollten. Dem Versprechen, konkrete Tipps und praktische, konstruktive Lösungen zu liefern, wird das Buch gerecht.

Es gibt zudem immer wieder Empfehlungen zu weiterführenden Informationen: Webseiten, Accounts, Dokumentationen und Büchern. Darüber hinaus befinden sich im Anhang Listen mit nützlichen Apps und Anlaufstellen für den Bedarfsfall.

Mein Fazit:
In ihrem Sachbuch „Verstehen statt verlieren - Erste Hilfe für die Smartphone-Pubertät“ verdeutlichen Leonie Lutz und Mareike Brede, welche Rolle das Internet und digitale Welten für Jugendliche spielen. Die Autorinnen geben Eltern nützliche Anleitungen und Hinweise an die Hand, wie sie ihre Kinder in einer schwierigen Phase begleiten können, ohne den Zugang zu ihnen zu riskieren.

Veröffentlicht am 19.01.2026

Das perfekte Opfer?

Hazel sagt Nein
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Die Kleinstadt Riverburg im US-Bundesstaat Maine: Rund 500 Schülerinnen und Schüler besuchen die Riverburg Senior High School. Hazel Greenberg Blum (18) ist neuerdings eine von ihnen. Seitdem ihr Vater ...

Die Kleinstadt Riverburg im US-Bundesstaat Maine: Rund 500 Schülerinnen und Schüler besuchen die Riverburg Senior High School. Hazel Greenberg Blum (18) ist neuerdings eine von ihnen. Seitdem ihr Vater Gus (49), ein Amerikanistikprofessor, eine neue Stelle angenommen hat und ihre Familie umgezogen ist, soll sie dort ihr letztes Jahr vor dem College absolvieren. Sie ist ehrgeizig und sehr motiviert. Doch schon am ersten Schultag nach den Sommerferien wird sie ins Büro des Direktors Richard White (41), genannt Dick, gerufen. Seine Forderung, mit der er sie unvermittelt konfrontiert, schockt sie: Er hat sie für eine sexuelle Beziehung auserkoren. Hazel antwortet mit „Nein“ und löst damit eine Kette von Ereignissen aus…

„Hazel sagt Nein“ ist der Debütroman von Jessica Berger Gross.

Der Roman umfasst vier Teile mit insgesamt 46 kurzen Kapiteln. Erzählt wird aus wechselnder Perspektive aus der Sicht von Mutter Claire (47), von Vater Gus, von Bruder Wolf (11) und vor allem von Hazel. Die Handlung umspannt etwa ein Jahr und spielt vorwiegend an der Ostküste der USA.

Die Sprache ist ungekünstelt und wenig spektakulär, aber anschaulich. Die Dialoge wirken authentisch. Stilistisch ist der Text durchaus abwechslungsreich, denn es sind Zeitungsartikel, Mails und andere Nachrichten eingefügt. Die Übersetzung von Angela Koonen ist nur an wenigen Stellen etwas holprig.

Sexuelle Belästigung und Übergriffe sind das Hauptthema des Romans. Dabei zeigt die Geschichte einerseits, dass solcher Vorfälle weite Kreise ziehen können. Andererseits ermutigt sie eben dazu, sich gegen die Täter zu wehren. Allerdings hätte das Thema gründlicher ausgearbeitet werden können.

Nach einigen Kapiteln geht der rote Faden stattdessen immer wieder verloren, denn die Geschichte ist mit weiteren Themen und Nebensträngen überfrachtet. Das macht den Roman zwar facettenreich. Zugleich nimmt es aber dem Hauptthema die Intensität und führt dazu, dass sich die Geschichte so verzettelt, dass mehrere offene Enden zurückbleiben.

Nicht nur Hazel, sondern auch die übrigen drei Mitglieder werden mit vielen Details beschrieben und sind mit psychologischer Tiefe ausgestattet. Ihre Gedanken und ihr Verhalten sind nachvollziehbar und lebensnah.

Auf den fast 400 Seiten weist die Handlung keine nennenswerten Längen auf. Die Geschichte hält überraschende Entwicklungen parat. Sie bleibt durchweg kurzweilig und ist größtenteils glaubwürdig. Nur zum Ende hin erscheint manches ein wenig überzogen.

Der deutsche Titel ist wortgetreu aus dem Englischen („Hazel Says No“) übertragen. Er passt sehr gut zum Inhalt. Das Cover, das das Haus der Familie zeigt, wirkt für meinen Geschmack zu harmonisch.

Mein Fazit:
Mit „Hazel sagt Nein“ hat Jessica Berger Gross eine kurzweilige Geschichte geschrieben, die ein wichtiges Thema aufgreift und mich zugleich gut unterhalten hat. Dennoch schöpft der Roman leider nicht sein komplettes Potenzial aus.

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