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Veröffentlicht am 09.03.2026

Wenn die Chefetage plötzlich ziemlich menschlich wirkt

Können Sie mich sehen?
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Ganz oben in den Chefetagen weht bekanntlich ein ziemlich eigener Wind. Da fliegen Begriffe wie agil, proaktiv und skalierbar durch die Luft, während irgendwo jemand versucht, mit möglichst gerader Krawatte ...

Ganz oben in den Chefetagen weht bekanntlich ein ziemlich eigener Wind. Da fliegen Begriffe wie agil, proaktiv und skalierbar durch die Luft, während irgendwo jemand versucht, mit möglichst gerader Krawatte nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten. Genau in diese Welt wirft Martin Suter einen Blick und macht daraus ein ziemlich unterhaltsames Gedankenspiel.

Können Sie mich sehen? ist kein klassischer Roman, sondern eher eine Sammlung pointierter Beobachtungen über die Welt der Manager. Diese kleine Parallelwelt, in der Meetings länger dauern als so mancher Kinofilm und in der ein falsches Wort schon reichen kann, um vom Olymp der Entscheidungsträger direkt in die Bedeutungslosigkeit zu purzeln. Während man liest, nickt man öfter mal grinsend vor sich hin, weil vieles erstaunlich vertraut wirkt.

Besonders charmant ist, wie Suter diese Businesssprache aufs Korn nimmt. Da wird analysiert, optimiert und transformiert, bis man sich irgendwann fragt, ob eigentlich noch jemand weiß, worum es ursprünglich ging. Gleichzeitig schwingt immer ein leiser Humor mit, der nie laut wird, aber genau deshalb so gut funktioniert.

Auch die Veränderungen in der Arbeitswelt spielen eine Rolle. Homeoffice, neue Dynamiken, mehr Frauen in Führungspositionen. Plötzlich wackeln alte Gewissheiten und manche der Herren in den oberen Etagen wirken ein bisschen wie Leute, die ihr Navigationsgerät verloren haben.

Beim Lesen hatte ich öfter dieses Gefühl von stillem Schmunzeln. Kein lautes Gelächter, eher dieses angenehme Grinsen, wenn jemand die Dinge auf den Punkt bringt. Suter beobachtet scharf, schreibt elegant und trifft mit vielen kleinen Szenen erstaunlich genau ins Schwarze.

Am Ende bleibt ein Buch, das man schnell durchliest, das aber trotzdem nachhallt. Weil es mit viel Witz zeigt, wie absurd manche Mechaniken der Arbeitswelt eigentlich sind. Und weil man sich beim Zuklappen denkt: Tja, so weit weg von der Realität ist das alles wahrscheinlich gar nicht.

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Vom Lagerfeuer zur Lifestyle Küche

Herdfeuer und Hochkultur. Eine andere Geschichte des Kochens
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Der Moment, wenn man merkt, dass die Geschichte der Menschheit im Grunde auch eine Geschichte von Töpfen, Feuerstellen und hungrigen Mägen ist. Genau da setzt Wolfgang Brenner an und macht aus einem scheinbar ...

Der Moment, wenn man merkt, dass die Geschichte der Menschheit im Grunde auch eine Geschichte von Töpfen, Feuerstellen und hungrigen Mägen ist. Genau da setzt Wolfgang Brenner an und macht aus einem scheinbar simplen Thema eine erstaunlich große Reise durch unsere Kultur.

Herdfeuer und Hochkultur liest sich wie ein kluger Streifzug durch die Menschheitsgeschichte, nur dass statt Königen und Schlachten plötzlich Suppe, Brot und Braten die Hauptrollen spielen. Brenner zeigt mit viel Charme, wie sehr Kochen unser Leben geprägt hat. Von den ersten Lagerfeuern bis zu heutigen Ernährungsdebatten wird schnell klar, dass Kochen nie nur satt machen sollte. Es ging immer auch um Gemeinschaft, Macht, Status und manchmal schlicht ums Überleben.

Besonders Spaß macht dabei der Ton des Buches. Das Ganze ist angenehm locker geschrieben und streut immer wieder kleine Aha Momente ein. Beim Lesen ertappt man sich ständig dabei, plötzlich über Dinge nachzudenken, die sonst komplett selbstverständlich wirken. Warum eigentlich Tischsitten entstanden sind. Weshalb bestimmte Gerichte Kultstatus bekommen haben. Oder warum Essen so oft politisch wird.

Natürlich ist das kein Kochbuch und auch keine trockene Wissenschaftsarbeit. Eher ein kluges Kulturgespräch über tausende Jahre hinweg. Manche Passagen könnten noch etwas tiefer gehen, da blitzt kurz der Wunsch auf, noch mehr Geschichten aus der Küche der Geschichte zu hören. Trotzdem bleibt das Ganze durchgehend unterhaltsam und überraschend.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Kochen viel mehr ist als nur das, was im Topf passiert. Es ist ein Stück Menschheitsgeschichte, das jeden Tag auf unseren Tellern landet. Und plötzlich wirkt selbst das nächste Abendessen ein kleines bisschen bedeutungsvoller.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Wenn Schatten brennen und das Meer ruft

Dream of Fire and Storm (Band 1) – Funkenflug
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Zwischen Feuer, Salzluft und dunklen Prophezeiungen entfaltet sich eine Geschichte, die sich leise ins Herz schleicht und dort lange nachglüht. Viroel, die begabte Kartenzeichnerin mit den brennenden Schatten, ...

Zwischen Feuer, Salzluft und dunklen Prophezeiungen entfaltet sich eine Geschichte, die sich leise ins Herz schleicht und dort lange nachglüht. Viroel, die begabte Kartenzeichnerin mit den brennenden Schatten, ist keine laute Heldin, sie zweifelt, sie fürchtet sich, und genau das macht sie so greifbar. Ihre Visionen vom Untergang des Kontinents liegen wie Asche auf jeder Seite, während der Tempel der Feuergöttin mit fanatischer Wucht nach ihr greift.

Besonders berührt hat mich die langsame, vorsichtige Annäherung zwischen Viroel und Aran. Kein überstürztes Knistern, sondern Blicke, Misstrauen, unausgesprochene Wahrheiten. Dieses Slowburn-Element trägt die Geschichte spürbar und verleiht der Reise eine intensive, emotionale Tiefe. Die Dynamik zwischen Flucht, Prophezeiung und wachsendem Vertrauen fühlt sich authentisch an und entwickelt eine Sogwirkung, die mich durch die Kapitel getragen hat.

Die Welt ist atmosphärisch dicht gezeichnet, Küsten, Tempel, Visionen aus Feuer und Sturm wirken wie mit flammender Tinte gemalt. Manchmal hätte ich mir noch mehr Tempo oder überraschende Wendungen gewünscht, da einige Passagen etwas vorhersehbar verlaufen. Dennoch bleibt ein kraftvoller Auftakt, der neugierig auf das große Finale der Dilogie macht und vor allem mit seiner gefühlvollen Intensität überzeugt.

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Veröffentlicht am 03.03.2026

Ein literarisches Osternest voller Zauber

Osterspaziergang. Die schönsten Gedichte und Geschichten
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Zwischen zarten Blüten, frischem Gras und dem leisen Versprechen des Neubeginns entfaltet dieses kleine Reclam-Bändchen seinen ganz eigenen Frühlingszauber. Die ausgewählten Gedichte und Geschichten fühlen ...

Zwischen zarten Blüten, frischem Gras und dem leisen Versprechen des Neubeginns entfaltet dieses kleine Reclam-Bändchen seinen ganz eigenen Frühlingszauber. Die ausgewählten Gedichte und Geschichten fühlen sich an wie ein literarischer Osterspaziergang durch unterschiedliche Stimmungen, mal still und nachdenklich mit Rilke, mal heiter und augenzwinkernd mit Heinz Erhardt, dann wieder warmherzig und erzählerisch wie bei Selma Lagerlöf.

Besonders berührt hat mich die Mischung aus Besinnlichkeit und Leichtigkeit. Manche Texte laden zum Innehalten ein, andere zaubern ein Lächeln ins Gesicht. Nicht jede Auswahl hat mich gleichermaßen abgeholt, doch gerade diese Vielfalt macht den Reiz aus wie ein bunt gefülltes Osternest, in dem man immer wieder etwas Neues entdeckt.

Die Illustrationen von Beatrix Potter verleihen dem Buch eine zeitlose, sanfte Atmosphäre. Peter Hase und seine Freunde bringen eine vertraute Geborgenheit mit, die wunderbar zu den Texten passt. Gemeinsam mit unseren Nichten und Neffen haben wir geblättert, gelesen und gestaunt ❤️ und genau in diesen Momenten wurde spürbar, wie Literatur Generationen verbinden kann.

Insgesamt ein liebevoll gestaltetes Geschenkband, das nicht nur zu Ostern Freude schenkt, sondern den Frühling im Herzen wachruft.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Zwischen Rache und Verlangen in den Highlands

Nightshade
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Nebelschleier über den schottischen Highlands, alte Mauern, die mehr Geheimnisse hüten als Bücherregale, Sorrowsong University hat mich vom ersten Moment an verschluckt. Zwischen dunklen Korridoren und ...

Nebelschleier über den schottischen Highlands, alte Mauern, die mehr Geheimnisse hüten als Bücherregale, Sorrowsong University hat mich vom ersten Moment an verschluckt. Zwischen dunklen Korridoren und kalten Blicken entfaltet sich eine Geschichte, die nach Rache schmeckt und nach verbotener Nähe brennt.

Ophelia trägt ihre Trauer wie eine zweite Haut. Ihr Schmerz ist greifbar, roh, beinahe schmerzhaft ehrlich. Ihr Plan, die Welt der Verantwortlichen zu zerstören, gibt ihr Halt bis Alex auftaucht. Verschlossen, unnahbar, gefährlich ruhig. Zwei verletzte Seelen, die sich misstrauen und doch unausweichlich zueinander gezogen werden. Dieses Grumpy x Grumpy-Knistern hat mich innerlich zerrissen.

Der Slow Burn ist intensiv, manchmal fast quälend langsam aber genau das macht die emotionale Wucht aus. Der anonyme Stalker sorgt für eine konstante, dunkle Spannung, auch wenn die Auflösung leicht vorhersehbar wirkt. Das Bonuskapitel zwischen Kapitel 18 und 19 hat mich besonders berührt, weil es die Gefühle noch einmal vertieft.

Nicht perfekt, aber unglaublich atmosphärisch, sinnlich und düster. Für mich starke 4 Sterne mit Gänsehautmomenten und Herzklopfen.

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