Blutige Rache
Schwüre, die wir brechenDie Leiche eines Mannes wird in einem Boot gefunden, den Ermittlern Jon Nordh und Svea Karhuu bietet sich ein grausiges Bild, dem Toten wurde der Kopf entfernt und durch den eines Krokodils ersetz. Makaber. ...
Die Leiche eines Mannes wird in einem Boot gefunden, den Ermittlern Jon Nordh und Svea Karhuu bietet sich ein grausiges Bild, dem Toten wurde der Kopf entfernt und durch den eines Krokodils ersetz. Makaber. Als kurz darauf eine zweite Leiche mit Tierkopf gefunden wird, steht für Nordh fest, dass sie es mit einem Serienmörder zu tun haben, eine Bezeichnung, die seine Chefin gar nicht gerne hört.
"Schwüre die wir brechen" ist der zweite Band der Reihe rund um den Malmöer Ermittler Nordh und seine strafversetzte Kollegin Karhuu. Bei Beiden handelt es sich um Figuren, die ihr Päckchen zu tragen haben. Nordh ist seit kurzem Witwer, alleinerziehender Vater und muss sich auch noch mit der Tatsache auseinandersetzten, dass seine Frau ihn mit seinem Partner und bestem Freund betrogen hat. Karhuu hadert immer noch mit ihrer Versetzung, der damit verbundenen Trennung von ihrem Freund und den Ereignissen während ihres Undercovereinsatzes, dessen Ausgang der Grund für die Versetzung gewesen ist.
An sich mag ich Ermittlerfiguren mit komplizierter Ausgangslage und so war ich auch hier erstmal sehr angetan, leider haben sich meine Sympathien gerade bei Nordh im Verlauf des Buches immer mehr verschoben. Natürlich gestehe ich ihm seine Trauer, seine Wut und auch seine Hilflosigkeit im Bezug auf den Umgang mit seinen Kindern zu, aber mir wurde das leider irgendwann alles zu viel Selbstmitleid, er hat mir die Zerrissenheit zwischen Familie und Beruf einfach zu sehr zelebriert und auch wenn er eben noch gejammert hat, dass er wieder zu wenig Zeit mit den Kindern hatte, überlässt er sie in der nächsten Sekunde, ohne zu zögern der kranken Schwiegermutter, um alkoholisiert auf Rächertour in bester Rambomanier zu gehen. Karhuu ist da nur bedingt besser, auch sie wird zerfressen von Selbstvorwürfen und verfällt ins Extreme als ihre Vergangenheit sie einholt. Insgesamt hatte ich stellenweise den Eindruck eher einen amerikanischen Thriller zu lesen, als einen skandinavischen. Bitte nicht falsch verstehen, ich mag so was durchaus, in Verbindung mit den äußerst perfiden Morden war mir das aber manchmal etwas viel.
Der Stil der Autoren liest sich richtig gut, direkt im Prolog hatten sie mich. Umso verwirrter war ich, dass es dann so gar keinen Hinweis mehr auf die dort beschriebenen Ereignisse gegeben hat. Die Handlung, rund um den Fund der übel zugerichteten Leichen wird lediglich unterbrochen von Rückblenden, in denen der Leser den jungen Peter kennenlernt, der in Chile in einer deutschen Gemeinschaft lebt, die nach aussen hin religiöse Werte vermittelt, in der hinter verschlossenen Türen aber Gewalt und Missbrauch an der Tagesordnung sind. Natürlich liegt anhand von Peters Werdegang nahe, dass er in irgendeiner Art und Weise in die Morde involviert sein muss, die Einzelheiten bleiben aber lange, lange im Dunkeln. Erst nach über der Hälfte des Buches bekommt man dann endlich ein paar Erklärungen und kann so wichtige Verbindungen herstellen, die Person des Täters und auch sein Motiv bleibt aber bis kurz vor Schluss unklar. Einzig der Aspekt der ägyptischen Mythologie ist mega interessant und spannend. Mich konnte die finale Aufklärung in Teilen leider gar nicht überzeugen, da konnte auch der Showdown mit Knalleffekt nicht viel dran ändern.