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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.03.2026

Vom Russischkurs im Zug zum Reiseabenteuer um die Welt

Wer hat unsere Lok geklaut?
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Hans Braun erzählt in seinem Buch auf eine lebendige und teilweise fast unglaubliche Weise die Geschichte der Firma Lernidee. Am Anfang steht eine einfache, aber ungewöhnliche Idee: Reisen mit Lernen zu ...

Hans Braun erzählt in seinem Buch auf eine lebendige und teilweise fast unglaubliche Weise die Geschichte der Firma Lernidee. Am Anfang steht eine einfache, aber ungewöhnliche Idee: Reisen mit Lernen zu verbinden. Die ersten Angebote bestanden darin, mit dem Transsibirischen Express durch Russland zu fahren und dabei gleichzeitig Russisch zu lernen. Aus dieser scheinbar kleinen Idee entwickelte sich nach und nach ein ganzes Reiseunternehmen, das immer neue, kreative und manchmal auch sehr ungewöhnliche Reiseformen ausprobierte.



Besonders spannend ist, wie aus dieser anfänglichen Idee eine echte Marktlücke entstand. Immer wieder werden neue Reiseformen ausprobiert: Fahrradreisen, besondere Themenreisen oder andere ungewöhnliche Konzepte. Nicht alles funktioniert sofort. Manche Projekte klappen, andere scheitern. Genau diese Mischung aus Erfolgen, Rückschlägen und neuen Versuchen macht die Geschichte so lebendig. Man bekommt das Gefühl, mitten im echten Abenteuer des Reisens zu sein – mit all seinen Höhen, Tiefen und manchmal auch ziemlich verrückten Momenten.



Beim Lesen wirkt vieles so kurios, dass man sich manchmal fragt, ob das wirklich alles passiert ist. Gleichzeitig merkt man aber, dass die Geschichten aus dem echten Leben stammen. Die Entwicklung der Firma wird wie eine Reihe von Ereignissen erzählt, die zeigen, wie Ideen entstehen, wachsen und sich verändern können. Auch aktuelle Einflüsse wie politische Ereignisse oder die Corona-Zeit spielen eine Rolle und zeigen, wie stark äußere Umstände das Reisen beeinflussen können.



Besonders interessant sind die vielen kleinen Details und Anekdoten, die zwischendurch erzählt werden. Eine Szene bleibt zum Beispiel besonders im Gedächtnis: Am Flughafen in der Mongolei mussten plötzlich zehn Kilo Pferdefutter beziehungsweise Heu mitgebracht werden. Solche Momente wirken gleichzeitig absurd und authentisch und zeigen, wie unvorhersehbar Reisen manchmal sein können.



Insgesamt ist das Buch eine unterhaltsame, teilweise sehr kuriose und inspirierende Reise durch die Geschichte eines ungewöhnlichen Unternehmens. Auch wenn die Erzählung manchmal eher wie eine Abfolge von Ereignissen wirkt, macht gerade diese Mischung aus Realität, Abenteuer und ein wenig Wahnsinn des Reisens den besonderen Reiz der Geschichte aus.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Aluhut am Hindukusch – Eine irrwitzige Flucht zwischen Satire, Klischee und überraschender Nachdenklichkeit!

Goodbye Germania. Ein Neonazi flüchtet nach Afghanistan
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„Goodbye Germania. Ein Neonazi flüchtet nach Afghanistan“ von Mauris Blandit ist kein gewöhnlicher Roman – eher ein kurioses, teilweise völlig absurdes Road-Movie in Buchform, das mit Situationskomik, ...

„Goodbye Germania. Ein Neonazi flüchtet nach Afghanistan“ von Mauris Blandit ist kein gewöhnlicher Roman – eher ein kurioses, teilweise völlig absurdes Road-Movie in Buchform, das mit Situationskomik, überzeichneten Klischees und satirischen Seitenhieben nur so um sich wirft.



Im Mittelpunkt steht Kanu – der eigentlich Keanu heißt –, ein Neonazi mit Aluhut und einer sehr eigenen Weltsicht. Ausgerechnet er beschließt, Deutschland zu verlassen und in Richtung Hindukusch aufzubrechen, um diesen – zumindest in seiner Vorstellung – zu verteidigen. Schon diese Ausgangsidee zeigt, wohin die Reise geht: in eine Welt voller ironischer Übertreibungen und absurder Situationen.



Der Roman lebt stark von seinen Figuren. Besonders Sonja und Eva sind mir beim Lesen schnell sympathisch geworden. Sie bringen eine gewisse Bodenständigkeit und Menschlichkeit in das ansonsten ziemlich schräge Geschehen. Kanu selbst ist natürlich bewusst überzeichnet – eine Figur, die man nicht unbedingt ernst nehmen soll, sondern die als satirischer Spiegel funktioniert.



Was das Buch besonders macht, ist seine Mischung aus Humor und unterschwelliger Gesellschaftskritik. Viele Szenen sind einfach nur herrlich absurd und bringen einen wirklich zum Lachen. Gleichzeitig merkt man, dass hinter der Komik auch eine gewisse Einladung zum Nachdenken steckt. Manche Klischees werden bewusst überspitzt dargestellt, sodass man automatisch beginnt, gewisse Denkmuster oder politische Parolen zu hinterfragen.



Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir das Kapitel mit „Mutter Teresa nach Lesbos“, das auf eine ganz eigene Weise grotesk, kreativ und gleichzeitig überraschend pointiert ist. Solche Momente zeigen, dass der Autor keine Angst davor hat, Grenzen des Absurden auszutesten.



Insgesamt ist Goodbye Germania ein sehr temporeicher Reiseroman mit viel satirischem Biss. Nicht jede Pointe zündet gleich stark, und manches wirkt bewusst überdreht – aber genau das gehört zum Stil dieses Buches. Wer Satire mag, ein Faible für schräge Figuren hat und bereit ist, sich auf ungewöhnlichen Humor einzulassen, wird hier definitiv unterhalten.



Ein ungewöhnlicher, witziger Roman, der gleichzeitig zum Schmunzeln und zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Wenn Schönheit täuscht – Ein Blick ins Reich der dunklen Fae

Eramor - Reich der dunklen Fae
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Das Cover von Eramore – Im Reich der dunklen Fae von Anja Lehmann hat mich sofort angesprochen. Besonders die Schlange auf dem Cover wirkt geheimnisvoll und düster. Erst wenn man die Geschichte liest, ...

Das Cover von Eramore – Im Reich der dunklen Fae von Anja Lehmann hat mich sofort angesprochen. Besonders die Schlange auf dem Cover wirkt geheimnisvoll und düster. Erst wenn man die Geschichte liest, versteht man wirklich, warum dieses Motiv so gut gewählt ist – dann passt es plötzlich perfekt zur Handlung und zu bestimmten Figuren.

Die Geschichte führt in eine faszinierende, aber auch gefährliche Welt der Fae. Diese Welt wirkt nach außen wunderschön und magisch, doch je weiter man liest, desto deutlicher wird, dass hinter dem Glanz auch viel Dunkelheit, Grausamkeit und Machtspiele verborgen liegen. Gerade dieser Kontrast hat mir sehr gut gefallen.

Im Verlauf des Buches überschlagen sich immer wieder die Ereignisse. Intrigen, Spiele und überraschende Wendungen sorgen dafür, dass die Spannung hoch bleibt. Besonders gegen Ende wird es noch einmal dramatisch, als sich die Machtverhältnisse ändern und ein echter Cliffhanger zurückbleibt, der neugierig auf die Fortsetzung macht.

Allerdings gibt es auch sehr viele Figuren mit unterschiedlichen Namen und Hintergründen. Manchmal war es für mich etwas schwierig, den Überblick zu behalten. Auch bekommt man relativ viele Informationen über die Welt und ihre Regeln auf einmal. Hier hätte stellenweise vielleicht etwas weniger Input geholfen, um alles noch besser aufnehmen zu können.

Trotzdem hat mich die Geschichte gut unterhalten. Die düstere Fae-Welt, die vielen Geheimnisse und die spannenden Entwicklungen machen das Buch zu einer interessanten Fantasyreise. Wer Geschichten über magische Welten, Intrigen und Fae mag, wird an diesem Roman sicherlich seine Freude haben.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Deutschland zum Nachdenken bringen

Deutschland packt es an!
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Das Buch Deutschland packt es an hat mich sehr angesprochen, weil es viele Themen aufgreift, über die man im Alltag nachdenkt, ohne dass es dabei politisch oder belehrend wirkt. Es zeigt Probleme auf, ...

Das Buch Deutschland packt es an hat mich sehr angesprochen, weil es viele Themen aufgreift, über die man im Alltag nachdenkt, ohne dass es dabei politisch oder belehrend wirkt. Es zeigt Probleme auf, die wir alle kennen: Bürokratie, Bildung, Elternzeit, Steuern oder die Frage, wie viel Eigenverantwortung jeder übernehmen sollte. Besonders gut finde ich, dass es Missstände offen anspricht und Diskussionen anregt. Endlich spricht mal jemand Dinge aus, die oft nur gedacht werden.

Für mich ist das Buch ein Anstoß, selbst über Lösungen nachzudenken und die eigene Haltung zu hinterfragen. Man merkt, dass der Autor Wert auf klare Aussagen legen, ohne dabei zu belehren. Manche Themen wirken aber einseitig behandelt, und ich hätte mir manchmal mehr verschiedene Meinungen oder Gegenperspektiven gewünscht. Insgesamt regt es die Gesellschaft zur Reflexion an und fördert Gespräche, die sonst oft ausbleiben. Ein Buch, das man leicht lesen kann und trotzdem nachdenklich zurücklässt.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Realität oder Wahn? Ein literarisches Ränkespiel!

M VS F
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„M VS F“ von Dr. Johannes Ulbricht ist definitiv kein Buch, das man nebenbei liest. Wer hier einsteigt, sollte bereit sein, sich auf ein ungewöhnliches, stellenweise sehr skurriles Gedankenlabyrinth einzulassen.

Der ...

„M VS F“ von Dr. Johannes Ulbricht ist definitiv kein Buch, das man nebenbei liest. Wer hier einsteigt, sollte bereit sein, sich auf ein ungewöhnliches, stellenweise sehr skurriles Gedankenlabyrinth einzulassen.

Der Einstieg gelingt angenehm leicht — die Geschichte beginnt mit einer Autofahrt, die einen schnell ins Geschehen zieht. Wir lernen Venni und Karl kennen, zwei Autoren auf dem Weg zu einer Preisverleihung. Doch schnell wird klar: Unter der Oberfläche brodelt es gewaltig. Venni ist besessen vom Erfolg, psychisch angeschlagen und zunehmend schwer einzuschätzen. Spätestens als die Handlung dunklere Wendungen nimmt, kippt die anfängliche Klarheit in ein bewusst verwirrendes Spiel mit Perspektiven.

Was dieses Buch besonders macht, ist das permanente Schwanken zwischen möglichen Realitäten. Immer wieder hatte ich das Gefühl, eine Geschichte in der Geschichte zu lesen. Handlungsstränge verzweigen sich, Fantasyelemente mischen sich unter die Gegenwart, und als Leser ist man ständig damit beschäftigt, alles neu einzuordnen. Teilweise ist das wirklich herausfordernd — aber auch genau der Reiz des Buches.

Der Stil lädt dazu ein, die eigenen Gedanken „spazieren gehen zu lassen“. Man entwickelt Theorien, verwirft sie wieder und setzt die Puzzleteile neu zusammen. Das hat mir trotz (oder gerade wegen) der Verwirrung gut gefallen. Allerdings braucht man dafür Konzentration und die Bereitschaft, sich auf Unklarheiten einzulassen.

Das Ende empfand ich als stimmig, wenn auch ebenso speziell wie der Weg dorthin. Es fügt sich in die besondere Atmosphäre des Romans ein, ohne alles komplett glattzubügeln.

Fazit:
Ein ungewöhnlicher, psychologisch gefärbter Roman, der mit Realitätsebenen spielt und seine Leser bewusst herausfordert. Unterhaltsam — aber definitiv nicht für jeden Geschmack. Man muss sich wirklich auf dieses Buch einlassen wollen.

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