...ich sehe Schatten an der Wand - Jule Neigel
Das Gutshaus im NebelZuerst erscheint Charlotte ihre Situation ausweglos - keine Anstellung, keine Unterkunft und mittellos sind gerade nicht die besten Aussichten für eine junge Frau, um in eine unabhängige Zukunft zu blicken. ...
Zuerst erscheint Charlotte ihre Situation ausweglos - keine Anstellung, keine Unterkunft und mittellos sind gerade nicht die besten Aussichten für eine junge Frau, um in eine unabhängige Zukunft zu blicken. Doch Rettung naht und es verschlägt Charlotte als Gesellschafterin auf Gut Valarin. Was sich zunächst nach der Lösung all ihrer Probleme angefühlt hat, wir schon bald zu einem goldenen Käfig. Zu viele Verbote und Ungereimtheiten bestimmten ihren Tagesablauf. Nicht nur, dass sie die abgelegten Kleider der Tochter des Hauses auftragen soll, auch eine gewisse Ähnlichkeit mit ihr ist nicht abzustreiten. Dazu noch die mysteriösen Schatten und unheimlichen Geräusche...ob Charlotte wirklich am richtigen Ort ist ??
"Das Gutshaus im Nebel" von Katja Angenent nimmt die Leser;innen mit auf eine atmosphärisch düstere Reise in die Vergangenheit und lässt von Beginn an mysteriöse Nebel wallen, dämonische Schatten an den Wänden tanzen und vermeintliche Geister sprechen. Die plastische Schreibweise ermöglicht es, dass mit dem Betreten von Gut Valarin nicht nur die Geister der Vergangenheit lebendig werden, sondern auch das Gut mitsamt seinen Bewohner:innen.
Es ist, als würde mit dem Öffnen der großen schweren Eingangstür das Herrenhaus die Leseden regerlecht veerschlucken und sie mit Haut und Haaren in seine Geschichte hineinziehen. Wer schon einmal im Disnealand Paris zu Beuch war, wird "The House of the Phantom Manor" direkt vor sich sehen und auch genau diese grsulige Atmosphäre spüren.
Überall scheinen unsichtbare Augen das Geschehen zu verfolgen und selbst beim Lesen entsteht der Eindruck, dauerhauft unter Beobachtung zu stehen und sich diesen Blicken nicht entziehen zu können. Dabei fließt weder literweise Blut, noch ist Gemetzel auf den Buchseiten zu finden und genau darin liegt die Stärke des Romans. Es wird sehr viel über Emotionen und umheimliche Begebenheiten gesteuert, sodass die eiskalte Hand der Spannung immer nach den Leser:innen greift.
Es entsteht eine Mischung aus Kammerspiel, Mystery-Roman und Familensaga, in der Charlotte als weibliche Hauptfigur überzeugen kann. Bis zum Schluss bleibt die düstere Atmosphäre erhalten, jedoch hätte es ab und an ein kleines bisschen mehr Spannung gebraucht, um die Schatten an der Wand noch mehr tanzen zu lassen.
4 Sternchen für einen wirklich gelungenen Roman - der sich auch als Buchempfehlung für Halloween eignet