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Veröffentlicht am 05.03.2026

Der Wolf

Das Signal
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Die Innenarchitektin Viola Decker erfüllt sich gemeinsam mit ihrem Mann Adam den Traum vom eigenen Haus auf dem Land. Das abgelegene Anwesen hat allerdings seine Tücken – besonders der stark renovierungsbedürftige ...

Die Innenarchitektin Viola Decker erfüllt sich gemeinsam mit ihrem Mann Adam den Traum vom eigenen Haus auf dem Land. Das abgelegene Anwesen hat allerdings seine Tücken – besonders der stark renovierungsbedürftige Weinkeller. Als dieser trotz aller Sicherheitsmaßnahmen einstürzt, entkommt Viola nur knapp mit dem Leben. Der Unfall hat jedoch schwerwiegende Folgen: Sie verliert ein Bein.
Nach ihrer Rückkehr aus dem Krankenhaus organisiert ihr fürsorglicher Ehemann eine Pflegekraft, die sich rund um die Uhr um sie kümmern soll. Otilia heißt die Frau, die von nun an an Violas Seite steht. Doch schon bald beschleicht Viola ein ungutes Gefühl. Statt ihr zu helfen, scheint Otilia sie eher zu behindern. Gleichzeitig beginnt Adam, sich immer mehr von ihr zu distanzieren. Auch ihre Freundin Marit verhält sich zunehmend merkwürdig.
Bildet sich Viola das alles nur ein oder braut sich in dem abgelegenen Haus etwas zusammen, das weit gefährlicher ist, als sie ahnt?

Mit großer Vorfreude habe ich mich auf den neuen Thriller von Ursula Poznanski „gestürzt“. Zu Beginn wurde meine Begeisterung allerdings kurz gebremst. Die Autorin beschreibt Violas Verletzungen und ihr verändertes Erscheinungsbild sehr ausführlich. Für meinen Geschmack fast etwas zu detailliert. Auch Violas Verhalten gegenüber ihrem Mann wirkte auf mich zunächst etwas widersprüchlich. Wenn ihre Zweifel ihm gegenüber schon so früh vorhanden sind, stellt sich unweigerlich die Frage, warum die beiden überhaupt noch zusammen sind.
Doch dieser Eindruck verliert schnell an Gewicht, denn schon bald entfaltet sich ein Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Wie so oft gelingt es Poznanski, einen hohen Spannungsbogen aufzubauen und ihn über die gesamte Handlung hinweg aufrechtzuerhalten. Mit Viola hat sie eine starke und zugleich faszinierende Protagonistin geschaffen. Eine Figur, um die man zwar manchmal zittert, die aber zugleich eine enorme innere Stärke ausstrahlt. Manchmal hat man fast mehr Sorge um die Menschen in ihrer Umgebung als um sie selbst.

Besonders interessant fand ich auch die Figur der Otilia. Sie gehört zu meinen Lieblingscharakteren der Geschichte, denn hinter ihrer ruhigen Fassade verbirgt sich ein Geheimnis, das der Handlung eine zusätzliche, sehr reizvolle Spannungsebene verleiht.

Fazit:
Ein packender Thriller, der nur kleine Schwächen aufweist, dafür aber mit einer hochspannenden Handlung überzeugt und thematisch wieder einmal absolut den Nerv der Zeit trifft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.03.2026

Der Wolf, der bellt

Das Signal
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Die Innenarchitektin Viola Decker erfüllt sich gemeinsam mit ihrem Mann Adam den Traum vom eigenen Haus auf dem Land. Das abgelegene Anwesen hat allerdings seine Tücken – besonders der stark renovierungsbedürftige ...

Die Innenarchitektin Viola Decker erfüllt sich gemeinsam mit ihrem Mann Adam den Traum vom eigenen Haus auf dem Land. Das abgelegene Anwesen hat allerdings seine Tücken – besonders der stark renovierungsbedürftige Weinkeller. Als dieser trotz aller Sicherheitsmaßnahmen einstürzt, entkommt Viola nur knapp mit dem Leben. Der Unfall hat jedoch schwerwiegende Folgen: Sie verliert ein Bein.
Nach ihrer Rückkehr aus dem Krankenhaus organisiert ihr fürsorglicher Ehemann eine Pflegekraft, die sich rund um die Uhr um sie kümmern soll. Otilia heißt die Frau, die von nun an an Violas Seite steht. Doch schon bald beschleicht Viola ein ungutes Gefühl. Statt ihr zu helfen, scheint Otilia sie eher zu behindern. Gleichzeitig beginnt Adam, sich immer mehr von ihr zu distanzieren. Auch ihre Freundin Marit verhält sich zunehmend merkwürdig.
Bildet sich Viola das alles nur ein oder braut sich in dem abgelegenen Haus etwas zusammen, das weit gefährlicher ist, als sie ahnt?

Mit großer Vorfreude habe ich mich auf den neuen Thriller von Ursula Poznanski „gestürzt“. Zu Beginn wurde meine Begeisterung allerdings kurz gebremst. Die Autorin beschreibt Violas Verletzungen und ihr verändertes Erscheinungsbild sehr ausführlich. Für meinen Geschmack fast etwas zu detailliert. Auch Violas Verhalten gegenüber ihrem Mann wirkte auf mich zunächst etwas widersprüchlich. Wenn ihre Zweifel ihm gegenüber schon so früh vorhanden sind, stellt sich unweigerlich die Frage, warum die beiden überhaupt noch zusammen sind.
Doch dieser Eindruck verliert schnell an Gewicht, denn schon bald entfaltet sich ein Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Wie so oft gelingt es Poznanski, einen hohen Spannungsbogen aufzubauen und ihn über die gesamte Handlung hinweg aufrechtzuerhalten. Mit Viola hat sie eine starke und zugleich faszinierende Protagonistin geschaffen. Eine Figur, um die man zwar manchmal zittert, die aber zugleich eine enorme innere Stärke ausstrahlt. Manchmal hat man fast mehr Sorge um die Menschen in ihrer Umgebung als um sie selbst.

Besonders interessant fand ich auch die Figur der Otilia. Sie gehört zu meinen Lieblingscharakteren der Geschichte, denn hinter ihrer ruhigen Fassade verbirgt sich ein Geheimnis, das der Handlung eine zusätzliche, sehr reizvolle Spannungsebene verleiht.

Die Hörbuchfassung von Das Signal wird maßgeblich von der eindrucksvollen Lesung durch Tessa Mittelstaedt getragen. Mit viel Gespür für Atmosphäre und Figuren verleiht sie den einzelnen Charakteren eigene stimmliche Nuancen, sodass sie beim Hören sofort erkennbar und lebendig wirken. Dabei bleibt es nicht beim bloßen Vorlesen: Mittelstaedt gestaltet den Text, trägt den Spannungsbogen hörbar mit und lässt durch ihre Interpretation Szenen, Orte und Stimmungen vor dem inneren Auge entstehen. Besonders im letzten Drittel steigert sich diese Wirkung noch einmal deutlich. Handlung und Interpretation greifen hier so perfekt ineinander, dass eine enorme Sogwirkung entsteht. Die Spannung steigt dabei so sehr, dass stilles Sitzen kaum noch möglich ist.

Fazit:
Ein packender Thriller, der nur kleine Schwächen aufweist, dafür aber mit einer hochspannenden Handlung überzeugt und thematisch wieder einmal absolut den Nerv der Zeit trifft.

  • Einzelne Kategorien
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2026

Ein blauer Aquamarin

Heimliche Zeilen
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Christopher Flinders ist noch jung und steht vor einer Entscheidung, die alles bestimmen könnte: einen sicheren, respektablen Beruf ergreifen oder den riskanten Weg des Schriftstellers wählen. Als er dem ...

Christopher Flinders ist noch jung und steht vor einer Entscheidung, die alles bestimmen könnte: einen sicheren, respektablen Beruf ergreifen oder den riskanten Weg des Schriftstellers wählen. Als er dem berühmten Lektor Owen Goddard begegnet, scheint sich eine Tür zu öffnen. Owen glaubt an Christophers Exposé, ermutigt ihn, die Geschichte zu Ende zu schreiben, und verspricht, sich für eine Veröffentlichung einzusetzen. Mehr noch: Er nimmt Christopher unter seine Fittiche, führt ihn in sein privates Umfeld ein, stellt ihn seiner Frau Clare und seinem Freundeskreis vor. Christopher geht bald bei den Goddards ein und aus – bis ein Ereignis alles verändert und das fragile Gleichgewicht zerbricht.

Aus dem Englischen wurde das Buch von Wibke Kuhn übersetzt.

Clare Chambers gelingt es von der ersten Seite an, eine Atmosphäre entstehen zu lassen, in der man sich augenblicklich wohlfühlt. Sofort ist man mitten im Geschehen und hat den Eindruck, den Ort und seine Menschen schon seit längerer Zeit zu kennen.
Besonders eindrucksvoll ist die Genauigkeit, mit der die Autorin ihre Figuren erschafft. Die Charaktere wirken durchweg authentisch, fast greifbar. Kleidung, Gesten und Eigenarten fügen sich zu klaren Bildern vor dem inneren Auge. Manche Figuren schließt man schnell ins Herz, anderen begegnet man mit einer gewissen Zurückhaltung. Diese Nähe und gleichzeitige Distanz entsteht ganz nebenbei, ohne jemals gezwungen zu wirken.

Auch der Aufbau der Geschichte ist klug gewählt. Wenn Christopher in einem Brief einen Blick zurück in die Vergangenheit gewährt, verschieben sich Perspektiven, Zusammenhänge werden sichtbar, und das, was zuvor nur undeutlich zu erahnen war, bekommt Konturen. Clare Chambers versteht es, Emotionen zu lenken, ohne sie mit Erklärungen zu überfrachten. Man fiebert mit, leidet mit, liebt mit, manchmal leise, aber immer intensiv.
Der Schreibstil der Autorin ist insgesamt sehr einnehmend und ruhig spannungsvoll. Man fühlt sich wohl beim Lesen und bleibt dennoch aufmerksam, getragen von der Frage, wie es weitergehen wird. Unerwartete Wendungen halten die Spannung hoch, auch wenn sich die Handlung gegen Ende des zweiten Teils kurzzeitig etwas dehnt. Doch die Geschichte findet rasch wieder zu ihrem Rhythmus zurück und mündet in ein stimmiges, gelungenes Ende.

Fazit:
Clare Chambers schenkt uns Zeit mit interessanten, authentischen Charakteren, die man nur sehr ungern am Ende der letzten Seite zurücklässt.

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Veröffentlicht am 16.04.2026

Erzähl mir eine Geschichte

Sie wollen uns erzählen
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In dem neuen Roman von Birgit Birnbacher geht es um einen Jungen, der nur alles richtig machen will und um eine Welt, die ihm dabei ständig entgleitet.
Oz ist neun Jahre alt und lebt mit seiner Mutter ...

In dem neuen Roman von Birgit Birnbacher geht es um einen Jungen, der nur alles richtig machen will und um eine Welt, die ihm dabei ständig entgleitet.
Oz ist neun Jahre alt und lebt mit seiner Mutter Ann in Österreich. Beide bewegen sich durch den Alltag mit einer ADHS-Symptomatik, die nicht nur Unruhe, sondern auch eine ganz eigene Wahrnehmung ihres Alltages mit sich bringt. Dass Oz trotz aller Zuschreibungen und Widerstände den Übertritt aufs Gymnasium schafft, ist ein kleiner Triumph. Einer, der kaum Zeit bekommt, gefeiert zu werden. Denn am letzten Schultag passiert ein Unglück. Oz handelt. Überlegt. Mutig.
Nur eben nicht so, wie man es von einem Kind erwartet.
Während er mit einem Schulbrief in der Tasche in die Ferien startet, gerät Anns Leben gleichzeitig aus dem Takt. Eine wichtige Studie wartet auf ihre Auswertung, ihr Sohn soll ins Feriencamp und dann verschwindet auch noch die Großmutter Zäzilia aus dem Krankenhaus. So begleitet Oz zunächst seine Mutter also ins Innergebirg um die Zillyoma zu suchen bevor das Feriencamp beginnt. Auf der Fahrüberlegt sich der Junge, wenn jetzt etwas wirklich Großes passieren würde, etwas, das alle Erwachsenen vor den Fernseher zwingt, wäre es dann nicht verständlich, Dinge zu vergessen? Einen Brief? Ein Unglück? Die Wahrheit? Und es beginnt zu regnen…

Birgit Birnbachers Protagonist:innen setzen sich in „Sie wollen uns erzählen“ mit dem Anderssein auseinander. Einem Anderssein, das in dieser Geschichte einen Namen trägt: ADHS. Dabei spannt der Roman einen interessanten Bogen zwischen Generationen. Während bei Ann als Kind noch kein diagnostischer Rahmen existierte und man schlicht versuchte, mit ihrer Wesensart umzugehen, begegnet Oz heute einer Welt, die benennt, einordnet und reagiert, im Guten wie im Schwierigen.
Gerade dieser Kontrast ist spannend, bleibt für mein Empfinden jedoch stellenweise an der Oberfläche. Ich hätte mir hier tiefere Einblicke gewünscht, ein noch intensiveres Eintauchen in den Alltag und die Innenwelten von Mutter und Sohn.

Auch der Einstieg fiel mir zunächst etwas schwer. Die Geschichte braucht Zeit, um sich zu entfalten, wirkt zu Beginn beinahe zäh. Doch dann verändert es sich. Die Handlung gewinnt an Tempo, nimmt Fahrt auf und plötzlich ist man ganz dabei. So konnte ich das Buch ab diesem Zeitpunkt kaum noch aus der Hand legen. Ich bin durch die Seiten geflogen, mit echtem Herzklopfen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie sich alles auflöst. Dieses Finale hat für mich vieles aufgefangen und die Geschichte stimmig zusammengeführt.
Birgit Birnbachers Schreibstil ist dabei durchgehend einnehmend und mit klarem Wiedererkennungswert.

Fazit:
Das Leben ist ein Abenteuer!

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Veröffentlicht am 01.04.2026

alles anders

Mittelalte Frauen
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Mit „Mittelalte Frauen“ versammelt Curtis Sittenfeld zwölf Kurzgeschichten, in deren Zentrum Frauen Ende vierzig, Anfang fünfzig stehen – Frauen, die mitten im Leben stehen und doch immer wieder an Punkte ...

Mit „Mittelalte Frauen“ versammelt Curtis Sittenfeld zwölf Kurzgeschichten, in deren Zentrum Frauen Ende vierzig, Anfang fünfzig stehen – Frauen, die mitten im Leben stehen und doch immer wieder an Punkte geraten, die sie innehalten lassen.

Die Geschichten greifen scheinbar alltägliche Situationen auf, sowohl im Privaten als auch im Berufsleben. Und genau darin liegt ihre Stärke: Es sind diese leisen, oft unscheinbaren Momente, in denen etwas kippt, sich verschiebt, hinterfragt wird. Sittenfeld schreibt dabei so nah an ihren Protagonistinnen, dass man sich nicht nur in ihre Gedanken und Gefühle hineinversetzen kann – man erkennt sich selbst darin wieder. In kleinen Gesten, in Zweifeln, in unausgesprochenen Fragen.

Gerade dieses Wiedererkennen macht die Lektüre so eindringlich. Es entsteht das Gefühl, nicht allein zu sein mit eigenen Unsicherheiten oder Erfahrungen – als würde jemand von außen einen Spiegel vorhalten und gleichzeitig leise sagen: Du bist damit nicht allein.

Besonders gelungen ist auch, dass Sittenfeld nicht jede Geschichte auflöst. Einige enden offen, verweilen bewusst im Ungewissen. Dadurch entsteht Raum – für eigene Gedanken, eigene Deutungen, für das gedankliche Weiterspinnen der Situationen. Man beginnt unweigerlich, sich selbst zu fragen: Habe ich so etwas schon erlebt? Wie habe ich damals gehandelt? Und wie würde ich es heute tun?

Diese Offenheit ist es, die die Geschichten über das Lesen hinaus wirken lässt.

Fazit:
Eine Sammlung kluger, fein beobachteter Kurzgeschichten, die leise daherkommen und doch nachhallen. Geschichten, die berühren, zum Nachdenken anregen und unter die Haut gehen – auf ganz unterschiedliche Weise.

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