Profilbild von Alrik

Alrik

Lesejury Star
offline

Alrik ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Alrik über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2026

Miles Davis und das Leben im Jazzmodus

Miles Davis. Sound eines Lebens
0

Miles Davis war nie einfach nur ein Musiker. Der Mann war eher ein Naturereignis mit Trompete. So einer, der einmal tief Luft holt und danach klingt die Musikwelt plötzlich anders. Genau dieses Gefühl ...

Miles Davis war nie einfach nur ein Musiker. Der Mann war eher ein Naturereignis mit Trompete. So einer, der einmal tief Luft holt und danach klingt die Musikwelt plötzlich anders. Genau dieses Gefühl zieht sich auch durch Stefan Hentz’ Buch wie ein leiser, cooler Basslauf im Hintergrund.

Schon nach ein paar Seiten wird klar: Hier schreibt keiner, der nur Daten und Fakten runterbetet. Hentz kennt sich aus. Richtig aus. Man spürt förmlich, wie viel Respekt, Wissen und Begeisterung in dieser Biografie stecken. Gleichzeitig bleibt das Ganze angenehm lesbar. Kein trockenes Musiklexikon, sondern eher wie eine lange, spannende Jam Session über das Leben eines Mannes, der den Jazz immer wieder neu erfunden hat.

Besonders faszinierend ist, wie widersprüchlich Miles Davis hier erscheint. Sensibel und verletzlich, gleichzeitig arrogant, wütend und kompromisslos. Einer, der musikalische Grenzen eingerissen hat, aber privat oft genug an sich selbst gescheitert ist. Beim Lesen denkt man öfter: Was für ein genialer, komplizierter Typ. Und genau das macht ihn so spannend.

Natürlich geht es auch um die legendären Meilensteine. Kind of Blue. Birth of the Cool. Bitches Brew. Diese Momente, in denen Jazz plötzlich eine neue Richtung bekam. Aber das Buch bleibt nicht bei der Musik stehen. Rassismus, Ruhm, Drogen, Rückzüge, Comebacks. All das gehört zu diesem Leben dazu und wird hier klug und ehrlich eingeordnet.

Ein echtes Highlight ist das Kapitel über die Fotoserie A Day in the Life of Miles Davis von Glen Craig. Plötzlich sieht man diesen Mythos nicht nur als Musiker, sondern als Mensch in ganz alltäglichen Momenten. Irgendwie nahbar und trotzdem weiterhin geheimnisvoll.

Unterm Strich ist das eine Biografie, die sich anfühlt wie Miles Davis selbst. Mal ruhig und nachdenklich, dann wieder laut, kantig und überraschend. Wer Jazz liebt, kommt hier sowieso auf seine Kosten. Aber auch alle, die sich für starke Persönlichkeiten interessieren, werden ziemlich schnell merken, dass dieses Buch ordentlich Groove hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.03.2026

Wenn Jack the Ripper plötzlich Töchter hat

Ripper's Daughters Gesamtausgabe
0

Nebel über London, Kopfsteinpflaster, düstere Gassen und mittendrin ein Name, der sofort Gänsehaut verursacht. Jack the Ripper. Und dann kommt Markus Heitz um die Ecke und denkt sich einfach mal: Was wäre, ...

Nebel über London, Kopfsteinpflaster, düstere Gassen und mittendrin ein Name, der sofort Gänsehaut verursacht. Jack the Ripper. Und dann kommt Markus Heitz um die Ecke und denkt sich einfach mal: Was wäre, wenn dieser Mann Töchter hatte? Töchter mit Fähigkeiten, die alles andere als normal sind. Genau hier beginnt der wilde Ritt.

Die Geschichte springt zwischen dem London von 1904 und der Gegenwart hin und her. Reporterin Beth und Lady Cassandra entdecken Stück für Stück, dass sie mehr verbindet als nur ein schockierendes Familiengeheimnis. Währenddessen stolpert in Hamburg die junge Ella in eine Wahrheit hinein, die ihr Leben komplett auf links dreht. Familiengeschichte kann kompliziert sein. Aber wenn dein Vorfahre Jack the Ripper ist, wird es schnell… sagen wir mal… eskalierend.

Was Markus Heitz hier auffährt, fühlt sich an wie eine Mischung aus viktorianischem Mysterykrimi, düsterer Urban Fantasy und einer Prise Verschwörungsthriller. Die Atmosphäre ist herrlich finster. London wirkt lebendig, dreckig und geheimnisvoll, genau so wie man es sich wünscht. Man merkt schnell, dass hier jemand schreibt, der Spaß daran hat, mit historischen Mythen zu spielen.

Besonders stark fand ich die Idee mit den übersinnlichen Fähigkeiten der Schwestern. Jede Fähigkeit hat ihren Preis und genau das macht die Sache spannend. Keine Superhelden, sondern Figuren, die mit ihren Kräften genauso kämpfen wie mit ihrer Herkunft.

Und dann dieser Gedanke, der einem immer wieder im Kopf herumspukt: Vielleicht hat Jack the Ripper damals gar nicht aus purem Wahnsinn gemordet. Vielleicht steckte etwas viel Größeres dahinter.

Unterm Strich ist Ripper's Daughters eine herrlich düstere, kreative und manchmal ziemlich abgefahrene Reise durch Geschichte, Geheimnisse und eine verdammt ungewöhnliche Familie. Genau die Art von Buch, bei der man nach ein paar Seiten merkt, dass der Abend wohl länger wird als geplant.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.03.2026

Wenn aus Wolle kleine Leckereien entstehen

30 kleine Häkelträume aus der Küche
0

Zwischen bunten Wollknäueln, Häkelnadel und einer guten Portion Fantasie entfaltet dieses Buch eine kleine Welt voller liebevoller Küchenleckereien. Seite für Seite entstehen aus Garn täuschend echte Snacks, ...

Zwischen bunten Wollknäueln, Häkelnadel und einer guten Portion Fantasie entfaltet dieses Buch eine kleine Welt voller liebevoller Küchenleckereien. Seite für Seite entstehen aus Garn täuschend echte Snacks, Obst und Gemüse, die sofort Lust machen, selbst zur Nadel zu greifen. Die Modelle wirken erstaunlich realistisch und besitzen gleichzeitig diesen charmanten, handgemachten Charakter, der jedes Stück zu etwas Besonderem macht.

Die Anleitungen sind angenehm verständlich aufgebaut und führen Schritt für Schritt durch die Projekte. Selbst mit wenig Erfahrung fühlt man sich schnell sicher, während Fortgeschrittene genügend Raum finden, um sich kreativ auszuleben. Besonders schön ist die Vielfalt der Ideen. Von fruchtigen Melonenstücken über knusprige Pommes bis hin zu süßen Waffeln entsteht nach und nach eine komplette kleine Spielküche aus Garn.

Während des Häkelns stellt sich eine wunderbar ruhige, fast meditative Stimmung ein. Masche für Masche wächst etwas, das nicht nur hübsch aussieht, sondern auch zum Spielen, Dekorieren oder Verschenken einlädt. Gerade für Kinderküchen oder Kaufläden sind diese kleinen Häkelstücke ein echtes Highlight.

Am Ende bleibt vor allem eines zurück: das warme Gefühl, mit eigenen Händen etwas Niedliches geschaffen zu haben. Ein kreatives, liebevoll gestaltetes Buch, das Lust auf viele gemütliche Häkelstunden macht und mit seinen charmanten Projekten einfach gute Laune verbreitet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.03.2026

Wenn Drachen das Bücherregal übernehmen

Dungeons & Dragons Das Buch der Drachen
0

Manchmal reicht schon ein Blick auf ein Buchcover und der innere Nerd richtet sich kerzengerade auf. Drachenhautoptik, schimmernde Schuppenstruktur und dieses Gefühl, als würde gleich ein uralter Wyrm ...

Manchmal reicht schon ein Blick auf ein Buchcover und der innere Nerd richtet sich kerzengerade auf. Drachenhautoptik, schimmernde Schuppenstruktur und dieses Gefühl, als würde gleich ein uralter Wyrm aus dem Regal kriechen. Genau so beginnt die Reise durch Das Buch der Drachen aus dem Dungeons & Dragons Universum.

Seite aufgeschlagen und zack, kaum da gleich durchgesuchtet. Dieses Buch ist kein trockenes Nachschlagewerk, sondern eher wie ein ehrfürchtiger Spaziergang durch eine Drachenhöhle. Überall lauern Legenden, uralte Namen und Geschichten, die nach Abenteuer riechen. Ashardalon, Protanther, Miirym und viele andere wirken hier nicht wie bloße Monster aus einem Regelwerk, sondern wie echte Persönlichkeiten mit Geschichte, Macht und ordentlich Temperament.

Besonders stark ist die Perspektive der Drachengötter Bahamut und Tiamat. Dadurch fühlt sich das Ganze fast wie ein geheimes Archiv aus der Welt von Dungeons & Dragons an. Man liest, staunt und denkt sich ständig: Okay, mit dem Drachen würde ich lieber keinen Streit anfangen.

Und dann diese Illustrationen. Wirklich spektakulär. Jede Schuppe wirkt messerscharf, jede Flügelspannweite gigantisch. Mehr als einmal blieb ich einfach hängen, weil ich dachte: Moment mal, den würde ich sofort als Endgegner in meiner nächsten Kampagne einsetzen.

Natürlich ist das Ganze eher ein prachtvolles Lore und Artbook als ein reines Spielhandbuch. Wer konkrete Spielregeln erwartet, wird weniger finden. Wer aber Drachen liebt, Fantasy atmet oder bei Dungeons & Dragons sofort dieses Kribbeln im Kopf bekommt, der wird hier ziemlich glücklich.

Kurz gesagt: Ein Drachenbuch, das sich anfühlt, als hätte man ein Stück uralter Fantasygeschichte in der Hand. Und ganz ehrlich... ich hätte nichts dagegen, wenn mein Bücherregal jetzt von einem goldenen Großwyrm bewacht wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.03.2026

Wenn Mut plötzlich leise beginnt

Und wenn ich mir selbst vertraue
0

Zwischen Großstadtlärm und stillen Gedanken entfaltet sich eine Geschichte, die sich leise unter die Haut schiebt. Berlin pulsiert rund um den Alexanderplatz, Menschen kommen und gehen, Gespräche füllen ...

Zwischen Großstadtlärm und stillen Gedanken entfaltet sich eine Geschichte, die sich leise unter die Haut schiebt. Berlin pulsiert rund um den Alexanderplatz, Menschen kommen und gehen, Gespräche füllen den Friseursalon. Inmitten dieses bunten Alltags steht Nicky, mit roten Nägeln, einem Lächeln auf den Lippen und Kopfhörern ohne Musik. Ein Schutzschild, das nach außen funktioniert, während innen längst etwas bröckelt.

Ein einziger Moment genügt, um alte Wunden aufzureißen. Erinnerungen, die lange weggeschoben wurden, drängen plötzlich zurück ins Licht. Die Geschichte begleitet Nicky auf einem Weg durch Angst, Ohnmacht und Selbstzweifel, aber auch durch kleine, kostbare Momente der Erkenntnis. Besonders berührend ist, wie behutsam sich ihre innere Veränderung entfaltet. Keine lauten Heldentaten, sondern leise Schritte zurück zu sich selbst.

Die Autorin erzählt sensibel und nahbar von Verletzlichkeit und Stärke. Viele Szenen fühlen sich erschreckend real an, gerade weil sie nicht dramatisch überhöht wirken. Stattdessen entsteht eine intensive Atmosphäre aus Gefühlen, Gedanken und vorsichtigen Hoffnungen.

Manchmal hätte ich mir an einzelnen Stellen etwas mehr Tempo gewünscht, doch gerade die ruhige Erzählweise lässt Raum für Nickys Entwicklung. Am Ende bleibt ein warmes Gefühl von Mut, Selbstachtung und der wichtigen Erkenntnis, dass es nie zu spät ist, sich selbst wiederzufinden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere