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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.02.2026

Eine große Portion Frauenpower!

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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Das Buch ist so kurzweilig, humorvoll und gleichzeitig tief in der Realität moderner Frauen verankert. Wir werden Zeugen davon, was für einen Abstieg Nina nach ihrer Scheidung erlebt, wie die Männer-Netzwerke ...

Das Buch ist so kurzweilig, humorvoll und gleichzeitig tief in der Realität moderner Frauen verankert. Wir werden Zeugen davon, was für einen Abstieg Nina nach ihrer Scheidung erlebt, wie die Männer-Netzwerke unsere Wahrnehmung bestimmen wollen und im Verborgenen jedes Mittel nutzen, um an der Macht zu bleiben. Diese gesellschaftlichen Themen werden im Hintergrund der Geschichte um die 50-jährige Nina, ihre jüngere Schwester Lena und deren Mutter Karin gespannt. Was der Leser bekommt ist ein unterhaltsamer Roman über einige Powerfrauen, die sich gegen die Konventionen ihrer Zeit wenden und Seite an Seite gemeinsam ihren Weg gehen.
Besonders gefallen hat mir, dass Ninas Freundin Zeynep als eine so smarte und pfiffige Figur gezeichnet wurde, da ja sonst oft die "Menschen mit Migrationshintergrund" in anderen Kontexten erscheinen. Überhaupt waren alle Charaktere authentisch und hatten ihre Ecken und Kanten.
Auch die Tatsache, dass die Beziehung zu David nicht im Vordergrund der Geschichte stand, wie ich am Anfang vermutet habe, sondern einer der roten Fäden war, fand ich gut. Es wurden viele Themen aufgegriffen wie z.B. Age Gap, Metoo, aber auch zwischenmenschlich ging es in die Tiefe. Das Buch versprühte Optimismus und legte nahe, dass wir Offenheit und eine liebevolle Frauen-Bande um uns herum brauchen, um das Leben mit all seinen Problemen glücklich zu meistern.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Schmerz, Sehnsucht und Poesie

Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken
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Ein Buch voller Schmerz, Sehnsucht und Poesie, aber auch Hoffnung und Kraft. Schonungslos und berührend.

Elisa schaut mit 39 Jahren auf ihr Leben zurück und erzählt von schwierigen Phasen, von der Zeit ...

Ein Buch voller Schmerz, Sehnsucht und Poesie, aber auch Hoffnung und Kraft. Schonungslos und berührend.

Elisa schaut mit 39 Jahren auf ihr Leben zurück und erzählt von schwierigen Phasen, von der Zeit im Heim, Obdachlosigkeit, dem Leben unter Punkern, vom Missbrauch, Alkohol, Drogen und toxischen Beziehungen. Jedem Kapitel geht ein Gedicht von Mascha Kaleko voraus, da die Texte der Dichterin die Protagonistin durch ihr Leben tragen. Obwohl sie einiges im Gepäck trägt, findet Elisa Kraft und sucht weiterhin nach Liebe, Wärme und Geborgenheit.

„Mit dir…“ war keine leichte Kost, zeigte aber, dass man sich trotz schwieriger Zeiten Zartheit und den Blick für das Schöne im Leben bewahren kann und die Hoffnung auf eine Wendung zum Guten NIE aufgeben sollte.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Schonungslos, intensiv und berührend!

Im Leben nebenan
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"Im Leben nebenan" ist ein beeindruckendes Romandebüt, das ein schwieriges und zum Teil tabubehaftetes Thema ins Visier nimmt: die Zerrissenheit der Frauen, die sich in ihrer Mutterrolle nicht unbedingt ...

"Im Leben nebenan" ist ein beeindruckendes Romandebüt, das ein schwieriges und zum Teil tabubehaftetes Thema ins Visier nimmt: die Zerrissenheit der Frauen, die sich in ihrer Mutterrolle nicht unbedingt wiederfinden! Der Schmerz von Antonia, der fehlende emotionale Zugang zu ihrem Baby, das Unverständnis ihrer Umgebung - all das war eine große Portion Ehrlichkeit in der Darstellung der Mutterrolle, von der wir überwiegend nur die Sonnenseite präsentiert bekommen.
Das Konzept, das dem Roman zugrunde lag - der Vergleich zwischen zwei Lebensentwürfen derselben Frau - war unglaublich spannend und trug sicherlich bei vielen Lesern dazu bei, alles genauer zu betrachten und die herrschenden Vorurteile gegen bestimmte Entscheidungen zu überdenken.
Die Sprache war klar und wirkte neutral. Der Leser wurde nicht manipuliert, sich auf eine Seite zu stellen und für eins der Lebenskonzepte zu entscheiden. Kein Gegeneinander, kein Entweder - Oder, sondern ein Verständnis füreinander. Dies ist vor allem der sensiblen und emphatischen Erzählweise zu verdanken.
Das Buch ist keine leichte Lektüre, u.a. im Hinblick auf den unerfüllten Kinderwunsch von Toni und die Distanziertheit, die Antonia ihrem Baby gegenüber an den Tag legt. Nichtdestotrotzt brauchen wir Bücher wie diese, um ein ehrliches Bild der Mutterschaft zu zeichnen.
"Im Leben nebenan" ist schonungslos, intensiv, aber auch sehr berührend!

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Neuanfang

Das glückliche Leben
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„Das glückliche Leben“ war eins meiner Urlaubsbücher. Ich kannte bereits zwei Romane des Autors und hoffte auf eine große Dosis französischer Leichtigkeit in einem Unterhaltungsroman verpackt.

Die Geschichte ...

„Das glückliche Leben“ war eins meiner Urlaubsbücher. Ich kannte bereits zwei Romane des Autors und hoffte auf eine große Dosis französischer Leichtigkeit in einem Unterhaltungsroman verpackt.

Die Geschichte rund um die beiden Hauptfiguren Éric und Amélie hat mir auf jeden Fall vergnügliche und gleichzeitig nachdenkliche Lesestunden beschert. Vor allem im Hinblick auf die Neuausrichtung des Lebens und den Lebenssinn gab sie mir einige Denkanstöße.

Éric und Amélie, beide Anfang 40, ehemalige Schulfreunde, arbeiten eine Weile zusammen, bis Eric während einer Dienstreise nach Korea alles über den Haufen wirft und sein Leben von Grund auf umkrempelt. Schuld daran ist ein koreanisches Ritual, dem er sich unterzieht und bei dem er seine eigene Beerdigung durchlebt. Das lässt ihn plötzlich seine Prioritäten anders setzen, weil er spürt worauf es im Leben ankommt. Nach einer kurzen Auszeit importiert er die Idee nach Frankreich und wagt einen Neuanfang. Wir erleben auch Amélies Höhen und Tiefen, ihre Gefühlslage und den tiefen Schmerz der Desillusionierung.

Obwohl sich der Roman tiefgründigen und existenziellen Themen widmet, liest er sich leicht und wirkt nicht bedrückend. Die Beschäftigung mit der Endlichkeit des Lebens weckt bei Éric und Amélie die Lebensfreude, lässt sie proaktiv handeln und ihr Glück in die Hand nehmen. Der Optimismus der beiden Protagonisten ist ein großer Mehrwert für den Leser, der vielleicht auch sein Leben überdenkt und hier durchs Schlüsselloch zusehen kann, wie andere ihre Probleme meistern.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Ehekrise

Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?
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„Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?“ von Wencke Mühleisen erzählt die Geschichte von Jan und Erika, beide 65 Jahre alt und vor der Frage stehend, wie es nun mit ihrer Ehe weitergeht.

Jan hat ...

„Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?“ von Wencke Mühleisen erzählt die Geschichte von Jan und Erika, beide 65 Jahre alt und vor der Frage stehend, wie es nun mit ihrer Ehe weitergeht.

Jan hat nämlich seiner Frau im Italien-Urlaub eröffnet, dass er eine Affäre mit der 15 Jahre jüngeren Marie hat. Obwohl die Beziehung der beiden in den letzten Jahren eher lieblos und eintönig war und das Paar resigniert Seite an Seite lebte, löst dieses Eingeständnis ein großes Gefühlchaos bei Erika aus. Sie verliert sich in Gedankenspiralen rund um ihren Betrug vor 20 Jahren, wirkt verzweifelt, hat Rachegedanken, spürt aber gleichzeig Sehnsucht nach Liebe. Ihre ganze Welt kreist um ihren Mann, sie lässt kaum den Gedanken an einen Neuanfang ohne ihn zu.

Leider fehlt der Geschichte aus meiner Sicht der Perspektivwechsel, trotzt nachvollziehbarer innerer Kämpfe der Protagonistin. Sie dreht sich im Kreis, die Handlung schreit kaum voran. Mich deprimierte diese Stagnation, da das farbenfrohe, optimistisch wirkende Cover das Gegenteil versprach. Erikas Figur wirkte einseitig und unzugänglich. Stellenweise fühlte man auch eine große Distanz zu der Figur, z.B. bei den immer wieder ausufernden und abwertenden Beschreibungen von Marie. Auch das vage, offene Ende war für mich enttäuschend.

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