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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.03.2026

Obstbäume im Bauch, Spaghetti aus den Ohren und weitere Familienmärchen

Körperquatsch mit Soße
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„Schrei nicht so, mir platzt gleich das Trommelfell!“
„Wenn du Kirschkerne schluckst, wächst dir ein Baum im Bauch!“

Solche Sätze halten sich erstaunlich zäh über viele Generationen hinweg. Man hört sie ...

„Schrei nicht so, mir platzt gleich das Trommelfell!“
„Wenn du Kirschkerne schluckst, wächst dir ein Baum im Bauch!“

Solche Sätze halten sich erstaunlich zäh über viele Generationen hinweg. Man hört sie selbst als Kind, nimmt sie mal mehr mal weniger ernst und irgendwann trägt man sie selbst an die eigenen Kinder weiter. Meistens meint man es doch nur gut oder sogar nur im Scherz. Manchmal bedient man sich ihrer auch, weil es gerade der bequemste Weg ist. Nur dumm, wenn sie im Kopf des Kindes hängen bleiben und sich plötzlich gar nicht mehr so lustig anfühlen oder sogar Angst erzeugen.

Körperquatsch mit Soße greift genau diese Sprüche auf, um sie gründlich zu überprüfen. Das Buch wendet sich dabei direkt an die Kinder, stellt Fragen, spricht mögliche Zweifel an und zeigt dann, was tatsächlich im Körper passiert. Dabei geht es nicht nur um ein schnelles Stimmt! oder Stimmt nicht!, sondern auch darum, warum sich solche Weisheiten so hartnäckig halten.

Die Reise führt vom Kopf bis zu den Füßen. Jede Behauptung bekommt ihren eigenen Auftritt, meist auf einer Doppelseite, übersichtlich und gut portioniert. Man kann vorne anfangen oder gezielt zu dem Mythos springen, der gerade für Diskussionen gesorgt hat.

Was dem Buch besonders gut gelingt, ist die Balance zwischen Humor und Sachlichkeit. Die Illustrationen übertreiben genüsslich. Wenn ein Kirschkern im Bauch tatsächlich zum Baum würde, dann sieht man hier sehr deutlich, wie absurd das wäre. Gleichzeitig bleiben die Erklärungen klar und nachvollziehbar. Man merkt, dass medizinisches Wissen dahintersteht, das den eigentlichen Hintergrund solcher Sprüche erklärt.

Schön ist auch, dass Kinder nicht nur Antworten bekommen, sondern ermutigt werden, Aussagen zu hinterfragen. Warum sagen Erwachsene so etwas? Glauben sie selbst daran? Und wie findet man heraus, was wirklich stimmt? Dieser Gedanke zieht sich durch das Buch und macht es mehr als nur zu einer Sammlung lustiger Irrtümer. Natürlich ist es kein umfassendes Anatomiebuch. Die Mythen werden kompakt erklärt, ohne tief in wissenschaftliche Details einzusteigen. Für die Zielgruppe ab etwa acht Jahren ist das aber genau richtig so.

Körperquatsch mit Soße räumt mit alten Körperweisheiten auf. Es zeigt, was an ihnen dran ist und was einfach nur eine lächerliche Übertreibung darstellt. Es nimmt Kinder ernst, ihre Fragen auch und liefert Argumente, die man beim nächsten Körperquatsch gut gebrauchen kann.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Für kleine Unruhestifter

Dieses Buch ist gefährlich
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In diesem Buch geht es um eine kleine Qualle, die eigentlich nur eines möchte: sicher und unauffällig bis zur letzten Seite kommen. Leider hat sie Pech, denn sie steckt ausgerechnet in einem Buch, das ...

In diesem Buch geht es um eine kleine Qualle, die eigentlich nur eines möchte: sicher und unauffällig bis zur letzten Seite kommen. Leider hat sie Pech, denn sie steckt ausgerechnet in einem Buch, das voller Warnschilder, und Gefahren steckt. Schlafende Seeschlangen, Kanonen, spitze Dinge und hungrige Haie. Alles, was man lieber meiden sollte, taucht hier auf. Und während die Qualle verzweifelt versucht, Schaden abzuwenden, sitzen auf der anderen Seite die Kinder, die entscheiden können, ob sie leise sind, die Kanone anfassen, weiterblättern oder das Buch schütteln.

Der Reiz dieses Buches liegt im Miteinander zwischen der Qualle und den kleinen Leser:innen. Die Qualle kommentiert, protestiert, bittet, schimpft und gerät zunehmend aus der Fassung. Sie weiß genau, was schiefgehen kann, und kündigt das Unheil meist schon im Voraus an. Gerade dadurch wird jede Seite spannend, denn natürlich will man ausprobieren, was passiert, wenn man sich nicht an die Regeln hält.

Der Text arbeitet viel mit direkter Ansprache und kurzen, klaren Aufforderungen. Kinder werden nicht belehrt, sondern angesprochen. Sie dürfen Entscheidungen treffen, auch wenn diese Entscheidungen für die Qualle ausgesprochen unangenehm sind. Das sorgt für allerhand Gelächter (auch bei uns Vorlesenden).

Die Illustrationen unterstützen die Handlung hervorragend. Sie sind grafisch stark, mit kontrastreichen Farben und sehr deutlichen Ausdrücken. Die Qualle ist in ihrer Körpersprache extrem gut lesbar: Angst, Wut, Panik, Hoffnung. Alle Emotionen sind deutlich erkennbar. Dazu kommen die vielen Schilder, Pfeile und Warnhinweise, die fast schon überfordern und genau dieses Gefühl von „Hier läuft alles schief“ visuell verstärken. Man bleibt automatisch hängen und sucht Details.

Was mir besonders gefallen hat, ist, dass das Buch keine Spielereien braucht, keine Klappen, keine Pop-ups, keine Extras. Alles passiert über Sprache, Bild und das aktive Mitmachen der Kinder. Das fördert das aktive Zuhören, das Wahrnehmen und zeigt erste Reaktionsketten: Wenn ich dies tue, dann passiert das.

„Dieses Buch ist gefährlich“ eignet sich hervorragend für Kinder ab etwa drei Jahren, die Spaß daran haben, Dinge auszuprobieren, Regeln zu ‘hinterfragen’ und Reaktionen auszulösen. Und die kleine Qualle muss das irgendwie aushalten.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Fußballrekorde zwischen Staunen und Reizüberflutung

Guinness World Records Fußball Edition
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Die Guinness World Records – Fußball Edition ist für fußballbegeisterte Kinder und Jugendliche ein absolutes Muss. Inhaltlich geht es um die 100 bedeutendsten Fußballrekorde aller Zeiten, quer durch Epochen, ...

Die Guinness World Records – Fußball Edition ist für fußballbegeisterte Kinder und Jugendliche ein absolutes Muss. Inhaltlich geht es um die 100 bedeutendsten Fußballrekorde aller Zeiten, quer durch Epochen, Ligen und Geschlechter. Große Namen wie Pelé, Maradona, Messi oder Marta stehen neben aktuellen Stars und außergewöhnlichen Einzelleistungen, ergänzt durch Rekorde zu Vereinen, Spielen, Turnieren und besonderen Momenten. Der Fokus liegt erfreulicherweise auch auf Vielfalt: Männer- und Frauenfußball werden selbstverständlich gemeinsam behandelt, ebenso klassische Profiwettbewerbe und modernere Formen wie Freestyle oder eSport.

Der Aufbau folgt einem Countdown von Platz 100 bis Platz 1. Jeder Rekord bekommt in der Regel eine Doppelseite oder eine volle Seite. Das sorgt für etwas Übersicht auf der einzelnen Seite, auch wenn das Buch insgesamt sehr dicht gestaltet ist. Fotos, Infokästen, Zahlen, Grafiken und kurze Textblöcke konkurrieren teilweise stark um Aufmerksamkeit. Für Kinder, die visuelle Reize mögen und schnell zwischen Informationen springen, funktioniert das gut. Ruhige Leser:innen oder Kinder mit Konzentrationsschwierigkeiten könnten sich davon allerdings auch erschlagen fühlen.

Inhaltlich sind die Texte knapp und verständlich gehalten. Man braucht kein tiefes Vorwissen, um den Rekorden folgen zu können. Fachbegriffe werden meist durch Kontext oder Bildmaterial erklärt. Besonders für Kinder ab etwa 8 Jahren ist das dann gut zugänglich. Ab 8 aufwärts gibt es keine Altersgrenze. Ich denke, jeder, der sich für Fußball begeistert, kann sich über das Buch freuen und wird es mit viel Begeisterung durchblättern.

Viele Rekorde erzählen auch kleine Geschichten, zum Beispiel über außergewöhnliche Karrieren, überraschende Wendungen oder Leistungen, die unter besonderen Umständen entstanden sind. Dadurch bekommt das Buch mehr Tiefe, als man auf den ersten Blick erwarten würde. Auch die Mischung aus historischen und aktuellen Rekorden sorgt für zusätzlichen Informationsgehalt. In der Zielgruppe kommt das Buch sehr gut an, vor allem bei Kindern, die Fußball ohnehin lieben, aber nicht unbedingt gern längere Texte lesen.

Unterm Strich ist die Guinness World Records Fußball Edition ein inhaltlich starkes, visuell sehr präsentes Buch, das Wissen, Staunen und Begeisterung verbindet. Sehr effektiv darin, Neugier zu wecken und Fußballgeschichte greifbar zu machen. Für junge Fußballfans ein echtes Highlight und buntes Nachschlagewerk.

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Veröffentlicht am 13.01.2026

Von Hunger, Freundschaft und einem Moor in Gefahr

Die Grummelhummel
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Die Grummelhummel hat einen dieser Tage, an denen einfach alles nervt. Vor allem der leere Magen. Ihre geliebten Glockenblumen sind verschwunden! Wenn das kein Grund für schlechte Laune ist. Aus diesem ...

Die Grummelhummel hat einen dieser Tage, an denen einfach alles nervt. Vor allem der leere Magen. Ihre geliebten Glockenblumen sind verschwunden! Wenn das kein Grund für schlechte Laune ist. Aus diesem sehr nachvollziehbaren Ausgangspunkt entwickelt sich in Die Grummelhummel: Mission Moor eine Geschichte, die überraschend viel Tiefe mitbringt.

Mir ist direkt aufgefallen, dass die Grummelhummel hier genau das sein darf, was ihr Name verspricht: mürrisch, grummelig und ziemlich genervt. Das wirkt angenehm ehrlich. Sie wird nicht sofort gebremst, belehrt oder ausgegrenzt, sondern bekommt den Raum, um ihre Gefühle herauszulassen. Das ist doch mal eine schöne Einstellung. Nicht jede Geschichte muss mit guter Laune beginnen.

Auf der Suche nach Futter macht sich die Grummelhummel gemeinsam mit ihren Freunden auf den Weg ins Moor. Regenwurm, Feuerwanze, Spinne und Ameise begleiten sie, jede Figur mit eigenen Stärken und Eigenheiten. Niemand drängt sich in den Vordergrund, niemand ist nur Beiwerk. Das Zusammenspiel fühlt sich natürlich an, wie eine Gruppe, die sich ergänzt.

Im Moor wird schnell klar, dass dort etwas nicht stimmt. Pflanzen verschwinden, Lebensräume verändern sich und die kleinen Tiere merken, dass sie nicht die Einzigen sind, die Probleme haben. Das Thema Naturschutz wird hier schön gezeigt. Kinder erleben, dass sich etwas verändert hat und dass das Folgen hat – für alle.

Die Geschichte bleibt dabei ruhig erzählt. Sie setzt nicht auf große Dramatik, sondern auf Beobachtungen, Gespräche und gemeinsames Nachdenken. Lösungen entstehen nach und nach und oft gemeinsam. Das vermittelt ein gutes Gefühl von Zusammenhalt, ohne erhobenen Zeigefinger.

Die Sprache ist gut vorlesbar und klar strukturiert. Reime und rhythmische Passagen sorgen für Abwechslung. Die Illustrationen unterstützen die Stimmung sehr schön. Sie sind detailreich, aber nicht überladen, und fangen das Moor als besonderen Ort gut ein: ein bisschen geheimnisvoll, lebendig und stellenweise auch unheimlich, natürlich ohne Angst zu verbreiten. Text und Bild greifen gut ineinander.

Am Ende bleibt ein Bilderbuch, das Themen wie Umwelt, Veränderung und Zusammenarbeit kindgerecht vermittelt. Die Grummelhummel: Mission Moor erzählt davon, dass auch kleine Wesen etwas bewegen können und dass man Probleme nicht allein lösen muss. Eine Geschichte mit Herz, Humor und einer Botschaft, die nicht erklärt, sondern erlebt wird.

Vielen lieben Dank an Cyndia und den Alibri Verlag, die mir dieses wundervolle Buch zugesandt haben!

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Ein kauziger Kauz, der dazugehören will

Der Weihnachtskauz
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Im Wald herrscht Weihnachtsstimmung. Es wird gebastelt, gesungen und geschmückt. Nur einer macht nicht mit: der Kauz. Er flattert missmutig umher, motzt über alles und zieht sich schließlich in sein Baumloch ...

Im Wald herrscht Weihnachtsstimmung. Es wird gebastelt, gesungen und geschmückt. Nur einer macht nicht mit: der Kauz. Er flattert missmutig umher, motzt über alles und zieht sich schließlich in sein Baumloch zurück. Denn auch die Tiere verspüren wenig Lust, mit so einem übellaunigen Kauz zusammen sein zu wollen. Aber dort oben, allein in seinem Baum fühlt er sich einsam und ausgeschlossen.

Die Figur des Kauzes finde ich herrlich. Er ist ja kein klassischer „Bösewicht“, sondern eher ein Tier, das mit seiner eigenen Stimmung kämpft. Dass er sich fragt, ob es an den anderen oder an ihm selbst liegt, ist eine kleine, aber wichtige Botschaft. Der Kauz reflektiert sich selbst. Er möchte dazugehören, aber er weiß nicht, wie er das anstellen soll. Dass er am Ende nicht plötzlich zum Strahlemann mutiert, sondern seine kauzige Art behält, macht ihn glaubwürdig. Er überwindet sich, geht auf die anderen Tiere zu, feiert mit ihnen, lacht und genießt das Fest, bleibt aber der Typ, der am nächsten Morgen wieder nörgelt. Gerade das macht die Botschaft stark: Man darf sein, wie man ist, und trotzdem Teil der Gemeinschaft sein.

Britta Sabbag erzählt diese Entwicklung in Reimen, die beim Vorlesen leicht über die Zunge gehen und einen schönen Rhythmus haben. Die Illustrationen von Anika Voigt passen wunderbar dazu. Der Kauz mit seiner verschobenen Weihnachtsmütze und den giesgrämigen Augen ist herrlich ausdrucksstark. Man sieht ihm sein Grummeln sofort an, was sehr viel Komik in die Geschichte bringt. Gleichzeitig sind die Szenen im Wald bunt, aber nicht überladen. Es gibt viel Tannengrün, Lichterketten, kleine Tiere, die basteln und tanzen, und man spürt die Vorfreude.

Die Moral der Geschichte ist vielleicht nicht unbedingt neu: Gemeinsam ist schöner als allein. Aber die Verpackung mit dem motzenden Kauz macht sie herrlich frisch und witzig. Und beim Vorlesen spürt man, dass die Geschichte Kinder anspricht, weil sie so nah an ihren eigenen Gefühlen ist: manchmal will man eben mitmachen, manchmal lieber nicht.

Insgesamt ist Der Weihnachtskauz kein zuckersüßes Weihnachtsbuch, sondern eine Geschichte mit Witz, Herz und einem Helden, der gerade durch sein Motzen sympathisch wird. Zum Vorlesen ab vier Jahren sehr empfehlenswert und ein Titel, der sicher mehr als einmal in der Adventszeit aus dem Regal geholt wird.

Vielen lieben Dank an den Verlag für dieses weihnachtliche Buch!

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