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Veröffentlicht am 11.03.2026

Pageturner, der nachdenklich macht

Lieblingsleichen
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In Hamburg wird ein Obdachloser tot an seinem Schlafplatz aufgefunden - getötet mit einem Bolzenschußgerät. Es bleibt nicht bei diesem einen Mord. Kommissar Knudsen und sein Team sehen sich mit einem makaberen ...

In Hamburg wird ein Obdachloser tot an seinem Schlafplatz aufgefunden - getötet mit einem Bolzenschußgerät. Es bleibt nicht bei diesem einen Mord. Kommissar Knudsen und sein Team sehen sich mit einem makaberen Zusatz konfrontiert, denn die Morde werden durch Figuren im Wunderland an den entsprechenden Auffindeorten angekündigt. Auch Knudsens Freund La Lotse ist von dieser Mordserie tief betroffen und will helfen - dabei ahnt er nicht, wie die Gefahr durch seine Tochter Maria und derer obdachlosen Freundin Leonie bereits in sein Haus Einlaß gefunden hat!

Das Autorenduo Kester Schlenz und Jan Jepsen haben mich mit "Lieblingsleichen" extrem gut unterhalten. Dieses Buch entwickelt eine Dynamik, die seinesgleichen sucht. Kaum hat man den ersten Satz gelesen, ist man schon mittendrin in einer Handlung, die fesselt und nachdenklich macht. Denn leider ist die Thematik gar nicht so weit weg, daß man sie als Geschichte abtun könnte. Es geht um Gewalt und Mord gegen Obdachlose und Hamburg ist die Hauptstadt der Obdachlosen. Dies ist das Hamburg hinter der Touristenfassade, die durch Elphie und Co. so schön verklärt gezeigt wird. Die Autoren zeigen hier die schonungslose Wahrheit genauso bildhaft auf, wie sie auch die schönen Seiten Hamburgs mit Elbe und Övelgönne zeigen. Beide Welten prallen hier aufeinander. Dies gefällt mir ausgesprochen gut, denn nichts wird einseitig dargestellt. Man trifft hier auf die Charaktere, die man schon ins Leserherz geschlossen hat. Knudsen, Eichhorn, La Lotse, Maria und Morf - ich möchte auf keinen von ihnen verzichten müssen. Die Handlung ist wieder extrem spannend - in welche Richtung es geht, verrate ich hier nicht. Das Lesen des Buches klingt allerdings noch lange nach.... Trotz der Brutalität der Mordfälle macht dieses Buch Spaß zu lesen. Durch den lockeren Schreibstil wird es nicht schwermütig und man reist wieder durch Hamburg, entdeckt bekannte Sehenswürdigkeiten wie das Wunderland und entdeckt kleinere Örtlichkeiten wie das "Grünspan", was jetzt nicht unbedingt Touristenmagnet ist, ich mich aber trotzdem gefreut habe, ihm hier zu begegnen. Ich kann dieses Buch wirklich jedem sehr ans Herz legen!

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Ein beinahe sprachloses Buch

Moosland
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Im Jahr 1949 wirbt die isländische Regierung junge Frauen aus Norddeutschland an, die in Island für ein Jahr dort auf den Bauernhöfen arbeiten sollen. So kommt auch Elsa auf einen einsam gelegenen Hof. ...

Im Jahr 1949 wirbt die isländische Regierung junge Frauen aus Norddeutschland an, die in Island für ein Jahr dort auf den Bauernhöfen arbeiten sollen. So kommt auch Elsa auf einen einsam gelegenen Hof. Sie kann die Sprache nicht, aber das macht ihr nichts aus, denn sie spricht sowieso nicht. Sie lebt in der Vergangenheit, weil sie um ihre Freundin trauert, die sie in Deutschland so tragisch verloren hat. Ganz langsam nur wird sie ein Teil der Bauernfamilie. Sie bemerkt, daß in dieser Familie eine Tochter fehlt, weiß aber nicht, was mit ihr geschehen ist. Das Verhältnis der Söhne zueinander verändert sich durch Elsas Anwesenheit dramatisch. Erst als Elsa bereit ist zu sprechen und mit dem Knecht die isländische Sprache erlernt, kann sie sich in die Menschen hineinversetzen und ihre Abhängigkeit von der Natur besser verstehen.

Katrin Zipses Roman "Moosland" beinhaltet eine sehr außergewöhnliche Geschichte. Da die Hauptperson Elsa sich weigert zu sprechen, lebt dieses Buch anfangs nur von den Beschreibungen der Situationen. Daran muß man sich erst gewöhnen. Aber das lohnt sich total, denn daraus entwickelt sich eine faszinierende Geschichte, die ein Leben in einer ganz fremden Welt beschreibt. Erst nach und nach kristallisiert sich heraus, warum Elsa so traumatisiert ist und ihre Sprache verloren hat. Umso bewegender ist es zu erleben, wie sie in ihrem neuen Leben ankommt. Dieses Buch ist vom Format her nicht sehr groß, aber die Geschichte, die es erzählt, gehört zu den ganz großen.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Perfekte Unterhaltung

Lüge Macht Tod
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Cord Kiesewetter wird tot auf der Mädchentoilette des Hamburger Kloppstock-Gymnasiums aufgefunden. Der Lehrer hatte es auf den Posten des Schulleiters abgesehen und so manche weibliche Lehrerin hatte alle ...

Cord Kiesewetter wird tot auf der Mädchentoilette des Hamburger Kloppstock-Gymnasiums aufgefunden. Der Lehrer hatte es auf den Posten des Schulleiters abgesehen und so manche weibliche Lehrerin hatte alle Gründe, ihm den Tod zu wünschen. Als noch eine zweite Leiche gefunden wird, die mit Cord eigentlich nichts zu tun hat, gibt es einige Rätsel zu lösen. Kommissarin Mara Abels und ihr Kollege Askan Winter haben folglich alle Hände voll zu tun, um den Mörder zu überführen!

"Lüge Macht Tod" von Sabine Hirschfeld ist der dritte Band um die smarte Kommissarin Mara Abels. Für mich war es der erste Band und ich hatte keinerlei Probleme, mit Mara und Askan bekannt zu werden. Man kann also prima mit diesem Band in die Serie einsteigen - wobei man sehr schnell süchtig nach mehr wird! Denn Mara ist ein Charakter, von dem man mehr erfahren möchte. Sie zeigt viele Facetten auf, zeigt nicht ihr ganzes Gesicht. Schon dies macht neugierig. Die Handlung ist durchweg spannend, wenn auch eine ruhigere Spannung vorliegt, die ohne brutale Szenen und Blutvergießen auskommt. Sabine Hirschfeld nimmt ihre Leser mit nach Hamburg und beschreibt diese herrliche Stadt sehr bildhaft. Man ist gefühlt selbst vor Ort und schnuppert hanseatische Luft. Perfekt fängt sie die Atmosphäre einer Schule ein - mit allen guten und schlechten Erinnerungen. Mich hat dieser Krimi vollends überzeugt und ich war sehr gern mit Mara und Askan unterwegs in Hamburg- Altona!

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Ein starker achter Teil

Fräulein Gold: Der Preis der Freiheit
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Auch für die Hebamme Hulda Gold mehren sich die Anzeichen, daß ihr Leben in Berlin im Jahr 1932 nicht mehr sicher ist. Ihr Ehemann liebäugelt mit einer Anstellung in Schweden, ihr Vater redet offen über ...

Auch für die Hebamme Hulda Gold mehren sich die Anzeichen, daß ihr Leben in Berlin im Jahr 1932 nicht mehr sicher ist. Ihr Ehemann liebäugelt mit einer Anstellung in Schweden, ihr Vater redet offen über eine Ausreise nach Palästina und ihre Tochter Meta wird in der Schule von der neuen Lehrerin drangsaliert. Dann wird auch noch ihr Freund Bert auf offener Straße verprügelt. Aber Hulda verdrängt eine Entscheidung immer wieder in den Hintergrund. Sie will in Berlin bleiben, obwohl sie weiß, daß ihre Stelle im Frauengefängnis am seidenen Faden hängt. Erst einmal muß sie sich um die schwangere Giftmörderin Anna Marwitz kümmern. Hulda glaubt nämlich nicht, daß diese schüchterne Frau eine Mörderin ist. Sie kann Kommissarin Irma Siegel davon überzeugen, den Fall wieder aufzurollen. Hat Huldas Spürsinn wieder einmal recht?

Mit dem Titel "Der Preis der Freiheit" liegt bereits der achte Fall um die Hebamme "Fräulein Gold", geschrieben von Anne Stern, in den Bücherregalen, und auch dieses Buch hat mich wieder begeistert. Wenn man die Bücher von Anfang an verfolgt hat, merkt man genau den Wandel der Zeit. Anne Stern bringt den Lesern diesen Wandel sehr genau nahe, indem sie Einzelschicksale, wie das von Bert, in den Vordergrund stellt. Sie beschreibt einfühlsam, wie die Menschen um den Winterfeldtplatz in dieser Zeit zusammenrücken. Aber der Gegenwind bläst ihnen immer stärker ins Gesicht. Anne Sterns Buchreihe ist ein gutes Beispiel dafür, wie Menschen fehlgeleitet werden können. Obwohl es in diesem Roman ein wenig nach Abschied riecht, hoffe ich, daß diese Serie noch lange nicht beendet sein wird. Mir würde sie fehlen.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Ein schwieriger Fall für Lady Hardcastle

Lady Hardcastle und der malerische Mord
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Im Mai 1912 freuen sich Lady Hardcastle und ihre Zofe Florence Armstrong auf eine Kunstaustellung in Littleton Cotterell. Das Prunkstück dieser Ausstellung soll ein prachtvolles Buch sein. Auch die Freunde ...

Im Mai 1912 freuen sich Lady Hardcastle und ihre Zofe Florence Armstrong auf eine Kunstaustellung in Littleton Cotterell. Das Prunkstück dieser Ausstellung soll ein prachtvolles Buch sein. Auch die Freunde von Lady Hardcastle, Sir Hector und Lady Farley-Stroud, haben ein kostbares Gemälde und eine Büste des Vorbesitzers ihres Hauses dazu beigesteuert. Zur gleichen Zeit planen die Mitglieder des Fahrradclubs im Ort ein Radrennen. Als bei der Ausstellung ein Feueralarm ausgelöst wird, herrscht allgemeines Chaos. Danach stellt man fest, daß das wertvolle Buch und die Stücke der Farley-Strouds gestohlen wurden. Das bedeutet, daß die Familie vor dem Bankrott steht. Selbstverständlich wollen Lady Hardcastle und Flo ihren Freunden helfen. Da geschieht ein Mord während des Radrennens und es taucht plötzlich ein junges Paar auf, das behauptet, im Haus der Farley-Strouds sei ein Schatz versteckt. Da ist selbst die durch nichts aus der Ruhe zu bringende Lady Hardcastle ratlos.

Wer einen garantiert guten Krimi aus dem alten England lesen will, ist mit der Serie von T E Kinsey um die taffe Lady Hardcastle und ihrer Zofe Florence genau richtig. So ist auch der 10. Fall "Lady Hardcastle und der malerische Mord" eine gelungene Mischung aus Spannung, Humor und Landleben. Der Leser wird nicht außen vor gelassen, man ist immer mit dabei - egal, ob es die Krönung der Maikönigin ist oder ein Fahrradrennen. Alles wird so real beschrieben, daß man mit ein wenig Phantasie die Szenen vor Augen hat. Die Spannung wird hoch gehalten, denn auch Lady Hardcastle tut sich zunächst mit der Lösung des Falles etwas schwer. Erst zum Schluß geht ihr das sprichwörtliche Licht auf und es wird dann ein turbulentes Ende. Da es sich um einen alten englischen Wohlfühlkrimi handelt, kann man ruhig verraten, daß alles gut wird. Natürlich nicht für die Leiche. Man kann eben nicht alles haben.

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