Pageturner, der nachdenklich macht
LieblingsleichenIn Hamburg wird ein Obdachloser tot an seinem Schlafplatz aufgefunden - getötet mit einem Bolzenschußgerät. Es bleibt nicht bei diesem einen Mord. Kommissar Knudsen und sein Team sehen sich mit einem makaberen ...
In Hamburg wird ein Obdachloser tot an seinem Schlafplatz aufgefunden - getötet mit einem Bolzenschußgerät. Es bleibt nicht bei diesem einen Mord. Kommissar Knudsen und sein Team sehen sich mit einem makaberen Zusatz konfrontiert, denn die Morde werden durch Figuren im Wunderland an den entsprechenden Auffindeorten angekündigt. Auch Knudsens Freund La Lotse ist von dieser Mordserie tief betroffen und will helfen - dabei ahnt er nicht, wie die Gefahr durch seine Tochter Maria und derer obdachlosen Freundin Leonie bereits in sein Haus Einlaß gefunden hat!
Das Autorenduo Kester Schlenz und Jan Jepsen haben mich mit "Lieblingsleichen" extrem gut unterhalten. Dieses Buch entwickelt eine Dynamik, die seinesgleichen sucht. Kaum hat man den ersten Satz gelesen, ist man schon mittendrin in einer Handlung, die fesselt und nachdenklich macht. Denn leider ist die Thematik gar nicht so weit weg, daß man sie als Geschichte abtun könnte. Es geht um Gewalt und Mord gegen Obdachlose und Hamburg ist die Hauptstadt der Obdachlosen. Dies ist das Hamburg hinter der Touristenfassade, die durch Elphie und Co. so schön verklärt gezeigt wird. Die Autoren zeigen hier die schonungslose Wahrheit genauso bildhaft auf, wie sie auch die schönen Seiten Hamburgs mit Elbe und Övelgönne zeigen. Beide Welten prallen hier aufeinander. Dies gefällt mir ausgesprochen gut, denn nichts wird einseitig dargestellt. Man trifft hier auf die Charaktere, die man schon ins Leserherz geschlossen hat. Knudsen, Eichhorn, La Lotse, Maria und Morf - ich möchte auf keinen von ihnen verzichten müssen. Die Handlung ist wieder extrem spannend - in welche Richtung es geht, verrate ich hier nicht. Das Lesen des Buches klingt allerdings noch lange nach.... Trotz der Brutalität der Mordfälle macht dieses Buch Spaß zu lesen. Durch den lockeren Schreibstil wird es nicht schwermütig und man reist wieder durch Hamburg, entdeckt bekannte Sehenswürdigkeiten wie das Wunderland und entdeckt kleinere Örtlichkeiten wie das "Grünspan", was jetzt nicht unbedingt Touristenmagnet ist, ich mich aber trotzdem gefreut habe, ihm hier zu begegnen. Ich kann dieses Buch wirklich jedem sehr ans Herz legen!