Zwischen Verschwörung, Vergangenheit und Überleben – ein Thriller mit Gänsehautmomenten
Untergang - Jensen und Sander ermittelnMit Untergang legt Steffen Jacobsen einen Thriller vor, der ein reales historisches Trauma als Ausgangspunkt nutzt: den Untergang der MS Estonia. Schon dieser Hintergrund sorgt dafür, dass die Geschichte ...
Mit Untergang legt Steffen Jacobsen einen Thriller vor, der ein reales historisches Trauma als Ausgangspunkt nutzt: den Untergang der MS Estonia. Schon dieser Hintergrund sorgt dafür, dass die Geschichte eine besondere Schwere und gleichzeitig eine große Faszination ausstrahlt. Das Thema rund um die Estonia und die vielen offenen Fragen, die sich bis heute um das Unglück ranken, fand ich grundsätzlich sehr spannend – im Buch war dieser Aspekt für meinen Geschmack jedoch manchmal etwas zu stark in den Hintergrund gerückt.
Der Roman beginnt mit einer interessanten und komplexen Ausgangssituation. Verschiedene Figuren, politische Verstrickungen und alte Geheimnisse werden nach und nach miteinander verknüpft. Gerade am Anfang muss man sich etwas orientieren, weil viele Perspektiven zusammenlaufen. Sobald man jedoch in der Geschichte angekommen ist, entwickelt der Thriller einen starken Sog.
Typisch für Jacobsen ist der schnelle Rhythmus: kurze Kapitel, häufige Szenenwechsel und immer wieder neue Wendungen treiben die Handlung voran. Manchmal wirkt das fast wie ein filmischer Schnitt – rasant, spannend und sehr dynamisch. Gleichzeitig hatte ich stellenweise das Gefühl, dass das Buch etwas kürzer hätte sein können, weil sich einige Passagen ein wenig in die Länge ziehen.
Besonders gelungen fand ich die Mischung aus Spannung und einer gewissen ironischen Note. Immer wieder tauchen kleine humorvolle oder leicht absurde Momente auf, die die düstere Stimmung kurz auflockern. Dieser Kontrast funktioniert überraschend gut und sorgt dafür, dass die Geschichte trotz der ernsten Thematik lebendig bleibt.
Atmosphärisch gelingt dem Autor einiges: Verfolgungsjagden, Geheimoperationen und abgelegene Schauplätze erzeugen echtes Thriller-Feeling. Vor allem gegen Ende wird das Tempo noch einmal deutlich erhöht und es entsteht echtes Gänsehaut-Feeling.
Auch wenn das Estonia-Thema für mich etwas mehr Raum hätte bekommen dürfen und der Roman insgesamt etwas straffer hätte sein können, bleibt Untergang ein sehr spannender Thriller. Wer Geschichten über politische Geheimnisse, Verschwörungen und dunkle Kapitel der Vergangenheit mag, bekommt hier eine packende und teilweise beklemmende Lektüre, die noch eine Weile nachwirkt.