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jules_jude

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2026

Kurzweiliger Familienroman ohne Tiefe

Das letzte Kind hat Fell
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Mit Das letzte Kind hat Fell erzählt Tessa Hennig die Geschichte von Angelika und Hans, die sich eigentlich auf ihren wohlverdienten Ruhestand in Portugal freuen – Sonne, Meer und endlich Ruhe. Doch statt ...

Mit Das letzte Kind hat Fell erzählt Tessa Hennig die Geschichte von Angelika und Hans, die sich eigentlich auf ihren wohlverdienten Ruhestand in Portugal freuen – Sonne, Meer und endlich Ruhe. Doch statt entspannter Tage am Strand warten ein neuer Mitbewohner auf vier Pfoten und die familiären Sorgen der Tochter Sandra auf sie. So wird aus dem erträumten Neuanfang schnell ein turbulenter Alltag, in dem von Erholung kaum die Rede sein kann.

Der Roman liest sich leicht und kurzweilig, eine typische Feel-Good-Geschichte, die vor allem auf unterhaltsame Weise den Familienalltag im Alter beleuchtet. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass Hennig hier eher an der Oberfläche bleibt. Es passiert zwar viel, sodass keine Langeweile aufkommt, doch echte Tiefe sucht man vergeblich. Auch sprachlich weiß der Roman nur bedingt zu überzeugen – der Stil wirkt streckenweise zu ausschmückend und überladen mit Adjektiven. Besonders die Darstellung von Finn und seiner Homosexualität wirkt stellenweise klischeehaft und unausgewogen.

Insgesamt bietet Das letzte Kind hat Fell angenehme, aber schnell vergessene Unterhaltung – ein seichter Familienroman nach bekannter Formel, ohne Überraschungen oder nachhaltigen Eindruck.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Kurzweiliger Roman über Mütter und Töchter

Niemands Töchter
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In ihrem Roman „Niemands Töchter“ widmet sich Judith Hoersch einem zeitlosen und komplexen Thema: dem Geflecht aus Müttern, Töchtern und der lebenslangen Suche nach Antworten, die über Generationen hinweg ...

In ihrem Roman „Niemands Töchter“ widmet sich Judith Hoersch einem zeitlosen und komplexen Thema: dem Geflecht aus Müttern, Töchtern und der lebenslangen Suche nach Antworten, die über Generationen hinweg verborgen blieben.

Der Roman beleuchtet die Schicksale von Gabriele, Alma, Isabell und Marie. Über verschiedene Zeitebenen hinweg entspinnt sich eine Geschichte über Familiengeheimnisse und die Frage, wie die Erfahrungen der Mütter das Leben der Töchter prägen. Es ist eine Suche nach Identität und den Wurzeln, die tief in der Vergangenheit vergraben liegen.

Mein Eindruck von diesem eingängig und durchaus bewegend erzählten Roman ist gemischt. Die Geschichte hat zweifellos das Potenzial, ein tiefgründiges und berührendes Werk zu sein, schöpft dieses jedoch leider nicht voll aus.

Zu Beginn braucht die Geschichte zu viel Zeit, um sich zu entwickeln. Die Einführung der vier Protagonistinnen zieht sich in die Länge und wirkt stellenweise langatmig. Im Gegensatz dazu steht das Ende der Erzählung: Hier geht alles ziemlich schnell, wodurch der Schluss gehetzt und wenig ausgereift wirkt.

Die Erzählung erfolgt aus unterschiedlichen Perspektiven und zu verschiedenen Zeitpunkten. Dieser Aufbau hält zwar das Interesse an der Auflösung hoch, schadet jedoch dem Erzählfluss erheblich. Das sprunghafte Wechseln zwischen den Charakteren und Epochen verhindert, dass eine echte emotionale Nähe zu den Figuren entstehen kann – eine Verbindung, die man bei einem so persönlichen Thema eigentlich voraussetzt.

Die Figuren bleiben in ihrer Charakterisierung leider zudem etwas blass und formelhaft. Man hat das Gefühl, sie eher zu beobachten, als mit ihnen zu fühlen. Zudem wirkt das Ende des Romans zu konstruiert und lässt für meinen Geschmack zu viele Fragen offen, was den Gesamteindruck trübt.

„Niemands Töchter“ ist ein stimmungsvoller und kurzweiliger Roman über die komplizierten Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern. Trotz des bewegenden Ansatzes fehlt es der Geschichte letztlich an der erhofften emotionalen Wucht. Mehr Fokus auf einzelne Handlungsstränge und eine tiefere Ausarbeitung der Personen hätte dem Buch gutgetan. Ein interessanter Denkanstoß, hinter dessen Möglichkeiten die Umsetzung jedoch zurückbleibt.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Kurzweilig und amüsant, mehr aber auch nicht

Prince of Germany
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Jordan Prince verschlägt es der Liebe wegen nach Deutschland und landet in Bayern. Der ein oder andere Kulturschock ist somit vorprogrammiert. Einige davon finden Eingang in sein amüsant geschriebenes ...

Jordan Prince verschlägt es der Liebe wegen nach Deutschland und landet in Bayern. Der ein oder andere Kulturschock ist somit vorprogrammiert. Einige davon finden Eingang in sein amüsant geschriebenes und zweisprachiges Buch "Prince of Germany".
Auf Deutsch und Englisch berichtet er von ein paar Anekdoten und Erfahrungen aus seiner Kindheit und seinem Erwachsenwerden in den USA. Später kommen dann seine Eindrücke und Erlebnisse aus Deutschland dazu. Manche seiner Erlebnisse und seiner Wahrnehmungen über das Leben in Deutschland und seiner Bewohner bringt einem beim Lesen zum Schmunzeln. Zudem ist es ein liebevoller und nie verletzender Blick von außen.

Keine Frage, "Prince of Germany" ist kurzweilig und unterhaltsam geschrieben. Es liest sich aufgrund der geringen Seitenanzahl von etwas mehr als 100 Seiten locker innerhalb eines Tages. Jedoch einen bleibenden Eindruck hinterlässt es nicht wirklich, dafür habe ich mir einfach irgendwie mehr erwartet, wie z. B. mehr Anekdoten bzw. Erlebnisse und persönliche Eindrücke von seinem Leben in Deutschland und beobachtete Gegensätze dazu zum Leben in den USA.
Mit Voranschreiten der Seitenzahl wiederholen sich zudem auch einige Witze, wodurch der Text etwas an Spritzigkeit verliert.
Ebenso merkt man stellenweise, dass seine Bekanntheit ausgehend von einem anderen Medium stammt. Manches wirkt in kurzen Instagram- oder TikTok-Videos eben lustiger als niedergebracht auf dem Papier.

Für Fans von Jordan Prince sicherlich interessant.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Unterhaltung auf Sparflamme

Born to perform – Sei das Rad, nicht der Hamster
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"Born to perform - Sei das Rad, nicht der Hamster" von Caspar Bendix lässt allein schon vom Titel auf eine Geschichte voller Wortwitz und lustiger Momente hoffen.
Doch ganz so unterhaltsam, wie erhofft, ...

"Born to perform - Sei das Rad, nicht der Hamster" von Caspar Bendix lässt allein schon vom Titel auf eine Geschichte voller Wortwitz und lustiger Momente hoffen.
Doch ganz so unterhaltsam, wie erhofft, ist der Roman leider nicht.

Der Anfang ist noch vielversprechend.
Mit viel Schwung und sprachlichem Witz lernt man Bo Martens kennen, der nach seinem Studium gleich voll ins Berufsleben startet und dabei den Top-Manager Dr. Thomas Meermann kennenlernt. Meermann sprudelt nur so von leeren Business- und Lebensweisheiten, an denen er Bo teilhaben lässt. Als Bo sich in seine Zahnärztin Laura verliebt, nutzen er und sein Freund Jan Meermanns Ratschläge für das perfekte Date mit Laura.

Fliegt man noch durch die ersten Seiten der kurzweilig und lebhaft erzählten Geschichte, so lässt der anfängliche Schwung schnell nach.
Pointiert formulierte Abschnitte wechseln sich mit faden und zähen Teilen ab und sorgen so eher für Langeweile als gute Unterhaltung.

Auch die Personenbeschreibung kann nicht wirklich überzeugen.
Zwar werden Kapitel aus Sicht von Laura erzählt, wirklich kennenlernen als Mensch tut man sie jedoch nicht. Sie bleibt blass und wirkt mehr als Handlungswerkzeug.
Insgesamt fehlt allen handelnden Personen eine wirklich tiefgründige Charakterisierung, was auch an deren teilweisen Überzeichnung und schablonenhafter Darstellung liegt.

Ein lebendiger und vorwitziger Schreibstil allein reicht nicht aus, um eine humorvolle und fesselnde Geschichte zu erzählen. Auch die Handlung und deren Figuren müssen überzeugen können.
So ist "Born to perform" ein Roman, der leider seinen Ansprüchen nicht gerecht wird, was schade ist, denn man hätte mehr aus ihm herausholen können.

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Veröffentlicht am 08.06.2025

Gefühlvoller Wohlfühlroman

Merci Agneta
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"Merci Agneta" ist ein warmes und herzliches Buch, das zu berühren weiß. Es hat lustige und traurige Momente und sprüht trotzdem vor Lebensfreude, was vor allem an Agneta der Protagonistin des Buches, ...

"Merci Agneta" ist ein warmes und herzliches Buch, das zu berühren weiß. Es hat lustige und traurige Momente und sprüht trotzdem vor Lebensfreude, was vor allem an Agneta der Protagonistin des Buches, liegt.

Agneta weiß jetzt, wo sie ihr Leben verbringen will und mit wem, nämlich im französischen Saint Carelle, mit Einar, Bonnibelle und Fabien. Alles könnte so sein, wenn nicht die Realität an ihrer Tür klopfen würde und Agneta anfangen muss zu kämpfen, für das, was sie will und die Menschen, die sie liebt.

Man folgt Agneta auf ihrem Weg zu sich, aber auch wie sie anderen hilft, sich selbst besser zu verstehen. Ihre Reise zu sich selbst und ihr neues Leben in Frankreich wird schon wie im ersten Band kurzweilig und unterhaltsam beschrieben. Dank des bildhaften und gefühlvollen Schreibstils der Autorin fühlt man sich so direkt nach Saint Carelle versetzt und ist ganz nah an den Charakteren dran.

Es ist ein Wohlfühlbuch, deswegen überrascht es auch nicht, dass manche Handlungsentwicklungen vorhersehbar sind und dass malerische Landschaftsbeschreibungen und kulinarische Momente häufig Erwähnung finden. Man sollte also nicht zu viel erwarten.

"Merci Agneta" ist dennoch ein lebendig geschriebener Roman über das Altern, die Demenz, vergangene Erinnerungen, französische und schwedische Sprachverwirrungen und neue Abenteuer.
Auf jeden Fall eine gut gelungene Fortsetzung des ersten Bandes.
Zum besseren Verständnis der Handlung sollte man jedoch den ersten Band der Reihe im Vorfeld gelesen haben.

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