Ausgezeichneter Politthriller
Die Stockholm-ProtokolleWer in einem Thriller mindestens 10 Tote erwartet und eine Heldin bzw. einen Helden, die jede aberwitzige gefährliche Situation mit ein paar Schrammen lebend überstehen, während die bösen Gegner reihenweise ...
Wer in einem Thriller mindestens 10 Tote erwartet und eine Heldin bzw. einen Helden, die jede aberwitzige gefährliche Situation mit ein paar Schrammen lebend überstehen, während die bösen Gegner reihenweise ums Leben kommen, muss mit diesem Buch viel Geduld haben. Denn „Die Stockholmprotokolle“ ist ein intelligent konstruierter gut geschriebener Politthriller, in dem vorrangig die Schattenseiten des Politikbetriebs mit seinen eitlen, machtbesessenen egoistischen Mitgliedern unter die Lupe genommen werden. Die Autoren wissen, worüber sie schreiben, denn Moa Berglöf hat jahrelang für die konservative Partei Moderaterna und den Ministerpräsidenten Fredrik Reinfeldt gearbeitet, während Joakim Zander in Brüssel und Helsinki für das Europäische Parlament und die Europäische Kommission aktiv war. So ist eine natürlich überzeichnete, aber in großen Teilen realistisch erscheinende Geschichte entstanden, in deren Mittelpunkt das Ehepaar Julia Popovic/Alfred Svärd mit seinen beiden Kindern steht. Sie ist linksliberale Investigativjournalistin, die einem Skandal bei der schwedischen Regierung auf der Spur ist, aber von ihren Chefs wegen des starken Einflusses rechtskonservativer Kreise zurück gepfiffen wird. Er ist neuer Regierungssprecher eben dieser Regierung und hat neben anderen Dingen die Aufgabe, Skandale unter den Tisch zu kehren. Damit ist für reichlich Konfliktpotenzial gesorgt, zumal es auch privat wegen der Doppelbelastung Beruf/Familie nicht optimal läuft.
Wie die Mitglieder der schwedischen Regierung und ihr Stab von der Praktikantin bis zum Ministerpräsidentin, den im Hintergrund arbeitenden Lobbyisten, die Journalisten, die Familiensituation beschrieben werden, ist einfach nur gut. Erschreckend, wie jeder Einzelne versucht, mit psychischer und selbst physischer Gewalt andere auszustechen und nach oben zu kommen, wobei sie viele Scherben (verharmlosend für Schicksale) zurücklassen. Die dezent eingestreute Situationskomik kommt dem Buch zugute.
Mein Fazit: Sehr zu empfehlen. Ich freue mich schon auf die angekündigte Fortsetzung.