Familie und Historie
SchwesternlandAntonia leidet immer noch an dem Verlust ihres Vaters. Zum 100. Geburtstag ihrer Großmutter trifft sie sich mit ihrer Familie im Haus im Havelland, genannt Schwesternland. Denn auch innerhalb der Familie ...
Antonia leidet immer noch an dem Verlust ihres Vaters. Zum 100. Geburtstag ihrer Großmutter trifft sie sich mit ihrer Familie im Haus im Havelland, genannt Schwesternland. Denn auch innerhalb der Familie ist seit dem Tod des Vaters die enge Verbindung wie zerbrochen. Durch ein Ahnengutachten entschließt sie sich, ihre Masterarbeit über die Flucht der Hugenotten aus Frankreich zu schreiben, denn in dem Gutachten findet sie eine Vorfahrin, eine Tochter eines Seidenhändlers aus Lyon. Jeanne verliert auf der Flucht nach Berlin fast alles und Antonia folgt ihren Spuren.
Die Geschichte ist zweigeteilt. In der Gegenwart geht es vor allem um Antonia und ihr Studium sowie ihr Leben. Mehr begeistert hat mich allerdings die Geschichte in der Vergangenheit. Es ist wunderbar beschrieben, wie die Hugenotten in Frankreich lebten, wie es zur Vertreibung kam und vor allem was sie auf der Flucht und auch später in ihrem Fluchtland Preußen erlebt haben. Anfangs springt es in den Zeiten stark hin und her. Ich meine damit nicht Gegenwart und Vergangenheit, sondern auch noch innerhalb der Vergangenheit. So gibt es Teile, die weit vorgreifen und vorwegnehmen. Und dann wiederum klaffen große Lücken, die erst viel später geschlossen werden. Etwa ab der Hälfte des Buches geht es dann mehr chronologisch vorwärts und das empfand ich als wesentlich besser. In der Gegenwart habe ich manche Entscheidung von Antonia einfach nicht nachvollziehen können. Trotzdem ist das Buch sehr gut lesbar und vermittelt unauffällig auch viel Wissen über das 17. Jahrhundert. Daher gibt es von mir eine Leseempfehlung.