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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.03.2026

Meister der Selbstinzenierung

Prince. 100 Seiten
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Der amerikanische Musiker Prince (1958-2016) war eine Ausnahmeerscheinung. Die Journalistin Rebecca Spilker ist selbst Fan und berichtet in ihrem 100-Seiten-Werk vom Leben und Wirken des Künstlers.
Prince ...

Der amerikanische Musiker Prince (1958-2016) war eine Ausnahmeerscheinung. Die Journalistin Rebecca Spilker ist selbst Fan und berichtet in ihrem 100-Seiten-Werk vom Leben und Wirken des Künstlers.
Prince war bis zu seinem Tod ein Getriebener der Musik. Seine musikalische wie optische Wandlungsfähigkeit ist legendär und kann bis heute in Videos und Fotoaufnahmen bestaunt werden. Prince hat sich selbst verschiedene Instrumente beigebracht und war stets extravagant, gern auch weiblich, gekleidet. In seinem Wirken gab es keine Grenzen. Hier war er seiner Zeit voraus und umgab sich gern mit weiblichen Musikern. Spilker beschreibt Princes Aufstieg und gleichzeitig sein Zerbrechen an der Schnelllebigkeit der Musik- und Filmindustie. Prince hat nie Mainstreammusik produziert, sondern ist immer seinem Geschmack gefolgt. In Chanhassen hat er sich gar ein eigenes Tonstudio namens Paisley Park geschaffen. Im Buch kommt einer seiner ehemaligen Sound Engineers zu Wort und gibt exklusive Einblicke in den Arbeitsalltag mit Prince. Natürlich darf eine Albumschau nicht fehlen. Allerlei Fotos in Farbe und in Schwarz-Weiß ergänzen die Ausführungen der Autorin. Die Suche nach dem Menschen hinter dem übergroßen Künstler hat mich am meisten fasziniert. Hier trifft man nämlich auf einen stillen, fast schon menschenscheuen Mann mit Komplexen, der seinen Körper bei Konzerten bis aufs Äußerste forderte und gern in verschiedene Rollen schlüpfte. Das Tragische dabei ist, dass ein Cocktail aus verschiedenen Schmerzmitteln letztendlich zu seinem Tod führte. Dank Spilkers persönlicher Kurzbiografie durfte ich mein Wissen um Prince erweitern. Das Lesen ist mir leicht gefallen.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Zerrissen zwischen zwei Kulturen

Unser Haus mit Rutsche
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Die Schauspielerin Safia Al Bagdadi schreibt frisch und selbstironisch über Laylas unkonventionelles Leben. Die Hauptprotagonistin wächst als Kind eines Irakers und einer Französin in Saarbrücken auf. ...

Die Schauspielerin Safia Al Bagdadi schreibt frisch und selbstironisch über Laylas unkonventionelles Leben. Die Hauptprotagonistin wächst als Kind eines Irakers und einer Französin in Saarbrücken auf. Erst startet der Vater im Nahen Osten mit dem Verkauf von Computern durch, dann erfindet sich Laylas Mutter nach dem Golfkrieg neu und übt gleich drei Jobs aus, um die Familie über Wasser zu halten. Ihr kleiner Bruder Nouri spielt nur eine Nebenrolle, die französische Schwiegermutter agiert dafür umso mondäner als versnobtes Schwiegermonster. Die Eigenheiten der Familie blitzen während der Lektüre immer wieder durch. Man bekommt einen unterstellten Einblick in den familiären Mikrokosmos aus Anpassung und Kultur. Layla sucht lange nach ihren Platz im Leben. Nach Mobbing in der Schule, Träumen aus 1000 und 1 Nacht im Irak (vgl. Buchtitel) und der Leidenschaft für die Theater-AG scheitert sie als Schauspielerin und sucht bei Psychologen nach Antworten auf die großen Fragen. Die Erzählerin kann beides, mal ernst, mal urkomisch. Die Geschichte von Layla klingt irgendwie stark biografisch inspiriert. Wenn sie von Michael Jackson schwärmt, von den Gutenachtgeschichten ihres Vaters erzählt oder über die Geschichte Iraks philosophiert, ist sie ungemein sympathisch und einfach nur menschlich echt.

FAZIT
Eine authentisches Familiengeschichte, die mitreißt und zugleich für unterschiedliche Kulturen sensibilisiert.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Überraschend tiefgründiger Jugendfantasyroman

Die Jagd nach den magischen Münzen
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Jessie Burtons Roman “Die Jagd nach den magischen Münzen” hat mich staunend zurückgelassen. Denn was als fantasiereiches Abenteuerstück begann, entwickelte sich zu einem vielschichtigen Werk über Trauerbewältigung ...

Jessie Burtons Roman “Die Jagd nach den magischen Münzen” hat mich staunend zurückgelassen. Denn was als fantasiereiches Abenteuerstück begann, entwickelte sich zu einem vielschichtigen Werk über Trauerbewältigung und Neuanfang. Im Zentrum der Geschichte steht die 12-jährige Halbwaise Bo Delafort. Sie sucht gern im Schlamm der Themse nach Kostbarkeiten und findet dort 1918 eine mondförmige Münze. Letztere verfügt über magische Kräfte und lässt Bo mit dem Fluss sprechen sowie Rückschauen erleben. Doch Bos Entdeckung bleibt nicht unentdeckt, der gleichaltrige Billy River und der Altertumswissenschaftler Frederick Muncaster interessieren sich aus ganz unterschiedlichen Gründen für den “schwarzen Mond”.

Burtons Buch besitzt überraschend viel Tiefgang. Hinzu kommen zwei sympathische Hauptfiguren - Bo und Billy - sowie ein spannungsvoller Plot mit grandiosem Ende. Ich habe nicht einmal zwei Tage für die Lektüre gebraucht. Junge wie junggebliebene Leser werden das Buch mögen.
Auch optisch konnte mich Burtons erstes Kinderbuch überzeugen. Cover und Farbschnitt bilden eine symbiotische Einheit, die man einfach gern anschaut und in die Hand nimmt.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Fulminanter Reihenabschluss

Aliya und der Laden der Zweiten Chance 3
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INHALT
Im letzten und dritten Band kämpft die 12-jährige Aliya um die Ehre der Schlossergilde und natürlich gegen ihren manipulativen Erzfeind Dorian Drake. Letzterer träumt von der Unsterblichkeit und ...

INHALT
Im letzten und dritten Band kämpft die 12-jährige Aliya um die Ehre der Schlossergilde und natürlich gegen ihren manipulativen Erzfeind Dorian Drake. Letzterer träumt von der Unsterblichkeit und will sich durch Aliya Zugang zur Kairoer Schlosserschmiede verschaffen. Doch Aliya ist nicht allein. Ihre besten Schulfreunde und Nadim Simi stehen ihr bei. Denn auch das legendäre Teppichwettrennen muss noch absolviert werden.

MEINUNG
"Aliya und der Laden der Zweiten Chance" ist der fulminante Abschluss dieser spannenden Romanreihe. Im letzten Band wirkt Aliya nachdenklicher und emotional anfälliger. Die Leichtigkeit der Vorgängerbände fehlt, dafür steht plottechnisch mit dem Leben ihres Onkels sowie der Zeitreisewelt im Allgemeinen auch zu viel auf dem Spiel. Noch dazu scheint Aliyas magischer Gehilfe Simi mehr und mehr nach seinem eigenen Kopf zu agieren. Die Spannung baut sich stetig auf und kumuliert in einem ereignisreichen Schlussakkord. Der Kampf Gut gegen Böse sowie die menschliche Endlichkeit dominieren die Handlung. Mich haben wie jedes Mal das ägyptische Setting und die unterschiedlichen Charaktere begeistern können. Insofern verwundert es nicht, dass ich den 311-seitigen Roman in nicht einmal einen Tag verschlungen habe. Auch optisch hat mich Rifaats Pageturner mit seinem effektvollen Glitzer-Farbenspiel angesprochen. Die große Schrift erleichterte die Lektüre ungemein.

FAZIT
Leider der letzte Reihenband. Ich hätte gern noch mehr Abenteuer mit Aliya und ihrem Zeitreise-Team miterlebt. Rifaats märchenhafte Fantasiewelt ist eine gelungene Mischung aus 1001 Nacht sowie Alice im Wunderland. Für diese Buchreihe ist man nie zu alt. Ich wünsche "Der Schule der Zeitreisenden" den verdienten Erfolg.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Authentisch und gelassen altern

Alt genug
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"Alt genug" dominiert momentan die Spiegel-Bestsellerliste. Ich kann das gut verstehen. Ildikó von Kürthys persönliche Altersstudie changiert zwischen schonungslos offen und frappierend komisch. Die Erfolgsautorin ...

"Alt genug" dominiert momentan die Spiegel-Bestsellerliste. Ich kann das gut verstehen. Ildikó von Kürthys persönliche Altersstudie changiert zwischen schonungslos offen und frappierend komisch. Die Erfolgsautorin ist mit 58 endlich bei sich angekommen. Sie muss niemanden mehr gefallen und probiert aus, was sie durch ihre Angststörung immer aufgeschoben hat. So bewirbt sie sich bspw. bei Germanys Next Topmodel, reist nach Wacken oder fliegt nach New York. Von Kürthy altert gemeinsam mit ihren Freundinnen und bleibt sich treu. Lange Partys, Alkohol und zu enge Outfits waren gestern. Jetzt trägt sie bequeme Sachen, liebt Routinen und kämpft mit der Menopause. Indem sie nichts verschweigt und ihre Makel heiter begrüßt, ist sie ein Vorbild. Ich mag authentische und zugleich selbstironische Menschen wie sie unheimlich gern, weil ich auch so lebe. Ihr Sachbuch ist eine teils heitere, teils ernste Lebensschau und zugleich eine Einladung das Abenteuer Leben mit all seinen Facetten anzunehmen. Jede Leserin kann sich darin wiederfinden. Ich habe Kürthys Buch mit Gewinn gelesen und es mit einem Lächeln beendet. Das Buchcover wirkt in seiner Simplizität enigmatisch. Auf der Rückseite sieht man die Autorin in ihrem gestreiften Lieblingskleid, das schon Heidi Klum zu sehen bekam. Kürthys Unperfektheit ist ungeheuer sympathisch und einfach nur menschlich.

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