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JohannaMaus

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.03.2026

Zwischen Schicksal und Selbstbestimmung

Zweimal Karma und zurück
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In „Zweimal Karma und zurück“ entführt Christiane Köhn-Ladenburger die Leserschaft in eine Geschichte, die auf sehr zugängliche Weise Spiritualität und persönliche Entwicklung miteinander verbindet. Schon ...

In „Zweimal Karma und zurück“ entführt Christiane Köhn-Ladenburger die Leserschaft in eine Geschichte, die auf sehr zugängliche Weise Spiritualität und persönliche Entwicklung miteinander verbindet. Schon der Einstieg in Indien mit der geheimnisvollen Palmblatt-Bibliothek sorgt für eine besondere Atmosphäre und macht neugierig auf das, was die beiden Protagonistinnen erwartet.

Im Mittelpunkt stehen Anne und Cathy, die unterschiedlicher kaum mit der Prophezeiung umgehen könnten. Während Anne lange an Ängsten und alten Mustern festhält, wagt Cathy einen mutigeren Blick nach vorn und versucht aktiv, ihr Leben zu verändern. Gerade dieser Kontrast hat mir beim Lesen besonders gut gefallen, da er zeigt, wie unterschiedlich Menschen mit Herausforderungen umgehen.

Die Kapitel wechseln zwischen den beiden Perspektiven, was die Geschichte lebendig hält und einen guten Einblick in ihre Gedanken und Entwicklungen gibt. Dabei gelingt es der Autorin, spirituelle Themen wie Karma, Schicksal und Selbstverantwortung so einzubinden, dass sie zum Nachdenken anregen, ohne belehrend zu wirken.

Besonders berührt hat mich die Botschaft des Buches, dass wir unserem Schicksal nicht einfach ausgeliefert sind, sondern immer auch die Möglichkeit haben, Entscheidungen zu treffen und neue Wege einzuschlagen. Diese Mischung aus Geschichte und Impulsen zur Selbstreflexion macht das Buch zu mehr als nur einer unterhaltsamen Lektüre.

Insgesamt ist „Zweimal Karma und zurück“ ein inspirierender Roman, der zeigt, wie wichtig Mut, Veränderung und der Glaube an sich selbst sind. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und noch eine Weile nachklingt.

Veröffentlicht am 24.02.2026

Dunkle Rituale, brüchige Realität und ein zutiefst menschlicher Jordan

Professor Jordan und das Rauschen des Waldes im Spätwinter
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Mit Professor Jordan und das Rauschen des Waldes im Spätwinter legt Matthias Besier den zweiten Band seiner Reihe um den ebenso brillanten wie eigenwilligen Mythologie-Professor vor – und dieser Fall geht ...

Mit Professor Jordan und das Rauschen des Waldes im Spätwinter legt Matthias Besier den zweiten Band seiner Reihe um den ebenso brillanten wie eigenwilligen Mythologie-Professor vor – und dieser Fall geht spürbar tiefer unter die Haut als sein Vorgänger.

Professor Thomas Jordan ist kein klassischer Ermittler. Er ist misanthropisch, whiskeyliebend, technikfeindlich und geistig stets ein paar Schritte voraus. Als er seinen Dekan tot in dessen Büro auffindet – inszeniert wie Teil eines grausamen Rituals –, beginnt ein Fall, der weit über einen gewöhnlichen Mord hinausgeht. Schnell wird klar: Hier wirken Kräfte, die älter sind als jede Universität und dunkler als jede rationale Erklärung. Während die Polizei seine Theorien belächelt, folgt Jordan unbeirrt den mythologischen Spuren – und gerät dabei nicht nur an die Grenzen des Erklärbaren, sondern auch an die seiner eigenen Psyche.

Besier ist ein überzeugender Genre-Mix aus Krimi, Mystery und Thriller gelungen. Besonders stark ist die Atmosphäre: winterlich, düster, stellenweise fast halluzinatorisch. Die Grenzen zwischen Realität, Mythos und Wahn verschwimmen zunehmend, was dem Roman eine intensive, leicht beklemmende Tiefe verleiht. Gerade dieser psychologische Aspekt hebt den zweiten Band hervor: Jordan wirkt verletzlicher, innerlich zerrissener und dadurch greifbarer als zuvor.

Der Schreibstil ist anspruchsvoll, poetisch und durchzogen von trockenem Humor. Philosophische Exkurse und mythologische Verweise fordern die Aufmerksamkeit der Lesenden, belohnen diese jedoch mit einem vielschichtigen Leseerlebnis. Die wechselnden Perspektiven – darunter Einblicke in polizeiliche Ermittlungen und rätselhafte Intermezzi – sorgen für zusätzliche Spannung.

Im letzten Drittel verliert die Geschichte allerdings etwas an Tempo. Einige Passagen wirken ausufernd und berauben die Handlung zeitweise ihrer zuvor aufgebaute Dynamik. Das Finale ist dennoch schlüssig und rundet Jordans inneren wie äußeren Konflikt gelungen ab.

Fazit: Eine atmosphärisch dichte, intellektuell reizvolle Fortsetzung mit einem außergewöhnlichen Protagonisten. Wer Krimis mit mythologischer Tiefe, dunkler Symbolik und einem Hauch Melancholie mag, wird auch diesen zweiten Fall mit großem Interesse verfolgen und vermutlich auf Band drei warten.

Veröffentlicht am 29.01.2026

Cosy Crime mit britischem Charme

Agatha Raisin und die tote Therapeutin
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Mit „Agatha Raisin und die tote Therapeutin” legt M. C. Beaton bereits den sechsundzwanzigsten Band ihrer beliebten Krimireihe vor. Das Cover vermittelt den typischen, idyllischen Charme des Dorfes Carsely ...

Mit „Agatha Raisin und die tote Therapeutin” legt M. C. Beaton bereits den sechsundzwanzigsten Band ihrer beliebten Krimireihe vor. Das Cover vermittelt den typischen, idyllischen Charme des Dorfes Carsely in den malerischen Cotswolds. Doch hinter dieser Idylle verbirgt sich ein mörderisches Geheimnis.

Diesmal sieht sich die clevere, aber oft impulsive Privatdetektivin Agatha Raisin selbst unter Mordverdacht, als die neu ins Dorf gezogene Therapeutin Jill Davent ermordet wird. Jill hatte sich nicht nur an Agathas Ex-Mann herangemacht, sondern auch pikante Details aus Agathas Vergangenheit aufgedeckt. Agatha begibt sich auf Spurensuche und muss schnell erkennen, dass mindestens die Hälfte des Dorfes ein Motiv gehabt hätte. Unterstützt wird sie dabei von ihrem bewährten Team, ihrem Freund Sir Charles Fraith und anderen Vertrauten – doch Gefahr droht von allen Seiten.

Die Handlung ist temporeich und bietet viele überraschende Wendungen, falsche Spuren und unerwartete Enthüllungen. Besonders gelungen ist der typische britische Humor, der die Dorfgemeinschaft, den Tratsch und die zwischenmenschlichen Spannungen auf humorvolle Weise auf die Schippe nimmt. Agatha selbst ist wieder einmal eine facettenreiche Figur: Sie ist clever und scharfsinnig, aber auch eifersüchtig, impulsiv und charmant schrullig. Ihre Marotten, ihre On-Off-Beziehung zu Sir Charles und ihr Faible für gutaussehende Männer sorgen immer wieder für amüsante Momente.

Einziger kleiner Kritikpunkt: Die hohe Anzahl an Todesfällen in relativ kurzer Abfolge macht es stellenweise etwas schwer, den Überblick zu behalten, wodurch einige Entwicklungen gehetzt wirken. Dennoch bleibt die Geschichte durchgehend unterhaltsam, kurzweilig und spannend bis zum Schluss.

Insgesamt ist „Agatha Raisin und die tote Therapeutin” ein solider Cosy-Crime-Roman, der Fans der Reihe bestens unterhält und auch Einsteiger:innen einen humorvollen Einstieg in die schrullige Welt von Agatha Raisin bietet.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Zwischen Zwischenwelten und Nebenrollen – menschliche Schicksale in Momentaufnahmen

Der Tod der Löwenbändigerin
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Der Tod der Löwenbändigerin ist eine Sammlung von Kurzgeschichten und Erzählungen aus den Jahren 2005 bis 2013 von Bernd Richard Knospe. Sie beschäftigen sich intensiv mit Menschen in Grenzsituationen. ...

Der Tod der Löwenbändigerin ist eine Sammlung von Kurzgeschichten und Erzählungen aus den Jahren 2005 bis 2013 von Bernd Richard Knospe. Sie beschäftigen sich intensiv mit Menschen in Grenzsituationen. Es geht um Figuren, die selten im Rampenlicht stehen, die eher Nebenrollen im eigenen Leben einnehmen und doch nach Bedeutung, Nähe und einem Platz in der Welt suchen.

Die Texte greifen oft nur kurze Ausschnitte aus dem Leben ihrer Protagonist:innen auf. Vieles bleibt bewusst offen. Vorgeschichten werden angedeutet, Zukünftiges bleibt offen. Genau darin liegt eine Stärke des Buches: Es fordert die Lesenden dazu auf, mitzudenken, Lücken selbst zu füllen und eigene Deutungen zuzulassen. Dabei verschränken sich Realität und Fiktion immer wieder so eng, dass die Ebenen ineinander übergehen und eine gewisse gewollte Irritation entsteht.

Thematisch ist die Sammlung vielfältig: Tod, Einsamkeit, Scheitern, Liebe, skurrile Begegnungen und leise Alltagsdramen wechseln sich ab. Viele Geschichten sind melancholisch, manchmal sogar düster, nur selten leicht oder humorvoll. Wer Fröhlichkeit oder Flucht aus dem Alltag sucht, wird hier eher nicht fündig. Stattdessen dominieren nachdenkliche, oft ernste Töne, die noch lange nachwirken können.

Sprachlich überzeugt Knospe mit einer klaren, bildreichen Ausdrucksweise. Charaktere, Stimmungen und Emotionen werden präzise gezeichnet, oft mit nur wenigen, aber treffenden Sätzen. Besonders in den realitätsnahen Szenarien entfalten die Geschichten eine starke Wirkung. Gleichzeitig verlangt das Buch Aufmerksamkeit: Diese Texte eignen sich weniger zum beiläufigen Lesen, sondern wollen konzentriert und am besten dosiert genossen werden.

Nicht jede Geschichte trifft gleichermaßen den eigenen Geschmack, was bei Kurzgeschichtenbänden kaum ausbleibt. Manche Perspektiven und Darstellungen mögen polarisieren, doch das erzählerische Können ist stets deutlich spürbar. Knospe versteht es, mit kurzen Momentaufnahmen lebendige Bilder zu erzeugen und existenzielle Fragen aufzuwerfen.

„Der Tod der Löwenbändigerin” ist somit kein Buch für zwischendurch, sondern eine Sammlung, die man langsam liest, auf sich wirken lässt und gedanklich mitnimmt. Empfehlenswert für Leser:innen, die literarische Kurzformen schätzen, offen sind und bereit sind, sich auf menschliche Zwischenwelten einzulassen.

Veröffentlicht am 23.12.2025

Kurz, ehrlich und mitten ins Gefühl!

Ich bin dann mal schwanger
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„Ich bin dann mal schwanger“ von Jasmin Müller ist ein ehrlicher und sehr persönlicher Blick auf das Schwangersein – fernab von Hochglanzbildern und perfekter Instagram-Idylle. Die Autorin beschreibt diese ...

„Ich bin dann mal schwanger“ von Jasmin Müller ist ein ehrlicher und sehr persönlicher Blick auf das Schwangersein – fernab von Hochglanzbildern und perfekter Instagram-Idylle. Die Autorin beschreibt diese besondere Lebensphase so, wie sie sich für viele wirklich anfühlt: chaotisch, emotional, manchmal überfordernd, dann wieder überraschend schön.

Mit ihrem einfachen, leicht zugänglichen Schreibstil nimmt Jasmin Müller die Leserinnen mit durch das Hormonchaos, die körperlichen Beschwerden, die inneren Zweifel und die kleinen, stillen Glücksmomente, die oft zwischen all dem Trubel liegen. Gerade diese Mischung aus Humor und leisen, nachdenklichen Passagen macht das Buch so authentisch und nahbar. Es liest sich weniger wie ein Roman, sondern eher wie ein ehrliches Gespräch mit einer guten Freundin.

Die Kürze des Buches ist dabei ein zweischneidiges Schwert. Einerseits passt sie gut zum lockeren, schnellen Lesefluss und macht das Buch ideal für zwischendurch. Andererseits bleibt stellenweise ein leicht wehmütiges Gefühl zurück, weil man gerne noch tiefer in manche Gedanken und Situationen eingetaucht wäre. Einige Emotionen hätten ruhig noch etwas mehr Raum bekommen dürfen.

Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – überzeugt das Buch durch seine Echtheit. Es ist schlicht gehalten, aber voller Gefühl, Offenheit und Wiedererkennungswert. „Ich bin dann mal schwanger” ist kein Ratgeber und will es auch nicht sein, sondern ein ehrlicher Begleiter, der zeigt: Es ist okay, wenn nicht alles perfekt ist.

Ein lesenswertes Buch für werdende Mütter und alle, die Schwangerschaft einmal ohne Filter, dafür mit Herz und Humor erleben möchten.