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Veröffentlicht am 30.03.2026

Ein sehr berührendes Buch

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen
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Dieses Buch hat mich zutiefst berührt!

Der 89-jährige Bo erhält zu Hause mehrmals täglich Pflege, seine Frau ist schwer an Demenz erkrankt, erkennt ihn nicht mehr und lebt im Pflegeheim. Sein einziger ...

Dieses Buch hat mich zutiefst berührt!

Der 89-jährige Bo erhält zu Hause mehrmals täglich Pflege, seine Frau ist schwer an Demenz erkrankt, erkennt ihn nicht mehr und lebt im Pflegeheim. Sein einziger Halt ist sein Hund Sixten. Mit seinem Sohn hadert er, weil er ihm immer weniger zutraut und die Kontrolle über sein Leben übernimmt, was in vielen Bereichen verständlich ist, doch als er ihm seinen geliebten Sixten wegnehmen will, bricht in Bo Wut und unendliche Trauer aus.

Lisa Ridzen lässt Bo mit seiner eigenen, wunderbar authentischen Stimme sprechen. Immer wieder dämmert er weg und versinkt in Träume, die ihn in die Vergangenheit führen und seine Lebensgeschichte erzählen. So erfahren wir nicht nur von seinem letzten Sommer, sondern auch von seinem gesamten Leben.

Von der ersten Zeile an ist man gefesselt von diesem wunderschönen Roman, der trotz der Schwere nicht hoffnungslos ist. Ich habe ihn in zwei Tagen ausgelesen und konnte am Ende die Tränen nicht mehr halten.

Es ist ein warmherziger, ergreifender und zutiefst menschlicher Roman, den ich euch ans Herz lege. Lest dieses wunderbare Buch! Ein Lesehighlight!

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Marthas Leben, anschaulich und bildhaft erzählt

Stunden wie Tage
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Martha, eine fleißige junge Frau, findet Arbeit als Hausbesorgerin in einem Mietshaus der Familie Berkowitz im Berliner Stadtteil Schöneberg. Sie ist eine fürsorgliche Seele, die sich liebevoll um alles ...

Martha, eine fleißige junge Frau, findet Arbeit als Hausbesorgerin in einem Mietshaus der Familie Berkowitz im Berliner Stadtteil Schöneberg. Sie ist eine fürsorgliche Seele, die sich liebevoll um alles kümmert, was ihr lieb und teuer ist – Menschen, Dinge und Tiere.

Das Buch erzählt von ihrem Leben, dem der Bewohner des Hauses und der Familie Berkowitz: dem jüdischen Vater Henry, der russischen Mutter Katharina und ihrer Tochter Liane – zwischen 1930 und 1960.

Die Figuren sind fein gezeichnet und liebenswert, mit all ihren Ecken und Kanten. Es sind ganz normale Menschen, die zur falschen Zeit leben mussten. Während des Lesens lebt und leidet man mit ihnen.

Shelly Kupferberg hat ein wunderbares Buch geschrieben. Ihr anschaulicher und bildhafter Erzählstil versetzt den Leser direkt in die damalige Zeit. Die Nazizeit wird mit all ihren Schrecken sachlich dargestellt, ohne pathetisch zu werden, was den Blick auf das Geschehen lenkt, ohne dass dem Ganzen an Empathie fehlt. Ich habe dies sehr geschätzt, selten habe ich ein Buch über die Nazizeit gelesen, das mich so in die Geschichte hineingezogen hat.

Erschreckend, aber durchaus glaubwürdig, liest man im Abspann, dass das meiste auf Tatsachen beruht und diese Schicksale wirklich passiert sind.

Ich habe das hervorragende Buch mit großem Interesse gelesen und empfehle es jedem, der sich für deutsche Geschichte interessiert. Es ist sicherlich nicht das letzte Buch, das ich von Shelly Kupferberg lesen werde.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Ein großartiger Roman

Real Americans
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Diese fesselnde Familiengeschichte erstreckt sich über drei Generationen und führt uns von Amerika nach China.

Lily, derzeit unbezahlte Praktikantin, lernt auf einer Party Matthew kennen, einen wohlhabenden ...

Diese fesselnde Familiengeschichte erstreckt sich über drei Generationen und führt uns von Amerika nach China.

Lily, derzeit unbezahlte Praktikantin, lernt auf einer Party Matthew kennen, einen wohlhabenden Investmentbanker. Die sozialen Unterschiede stellen anfangs ein Hindernis für ihre Beziehung dar.

Mei Cheng wächst unter ärmlichsten Bedingungen als Tochter eines Reisbauern in China auf. Dank ihrer außergewöhnlichen schulischen Leistungen erhält sie die Möglichkeit, in Peking zu studieren. Anfangs gelingt es ihr als Tochter eines Bauern, sich unter Maos Herrschaft zurechtzufinden. Doch seine zunehmend radikale Politik führt zu unerträglichen Zuständen, sodass sie erst nach Hongkong flieht und schließlich nach Amerika auswandert. Dort finden sie und ihr Mann Arbeit in einem Genomforschungslabor.

Nick wächst mit seiner Mutter abgeschieden auf San Juan Island unter einfachen Verhältnissen auf. Als er als Teenager durch einen Gentest erfährt, dass er einen steinreichen Vater hat, verändert sich sein Leben schlagartig.

Rachel Khong verwebt diese drei Generationen meisterhaft. Anfangs wird jeder der drei Charaktere in einem eigenen Erzählstrang vorgestellt, doch schließlich treffen sie aufeinander und ihre Geschichten verschmelzen zu einer einzigen.

Ich habe dieses Buch gelesen und bin tief in die Welt chinesischer Einwanderer, wohlhabender Amerikaner, von Maos Herrschaft gebeutelter Chinesen und Genomforscher eingetaucht. Es ist ein Familien- und Gesellschaftsroman mit einer Prise Science-Fiction.
Dieses zurecht gehypten Buch hat mir sehr gut gefallen, besonders der historische Teil über China hat mich gefesselt. Fans von Min Jin Lee oder Amy Tan werden es lieben. Ich kann es nur wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Ein Buch über Die Vertreibung aus dem Elbland

Elbland
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Claudia Rikls Roman ist ein berührendes Werk, das sich mit der verlorenen Heimat am Ufer der Elbe und den Auswirkungen der Vertreibung auf die Betroffenen und ihre Nachkommen auseinandersetzt.

Nach dem ...

Claudia Rikls Roman ist ein berührendes Werk, das sich mit der verlorenen Heimat am Ufer der Elbe und den Auswirkungen der Vertreibung auf die Betroffenen und ihre Nachkommen auseinandersetzt.

Nach dem Tod ihrer Mutter verliert Nina ihre Stimme. Ein Besuch bei der HNO-Ärztin zeigt, dass die Ursache nicht körperlich, sondern psychischer Natur ist. Über der Familie lastet ein Schleier des Schweigens. Nina weiß nichts über die Vergangenheit ihrer Mutter und damit auch über ihre eigene. Sie fühlt sich als einzige verantwortlich für die Pflege ihrer Mutter und fragt sich, warum ihre Schwester nicht geholfen hat und warum diese immer Muttis Lieblingskind war, während sie selbst nur zweitrangig war.

Auf der Suche nach Antworten reist Nina ins tschechische Riesengebirge, in der Hoffnung, mehr über ihre Familie zu erfahren.

Die Familiengeschichte, die von Claudia Rikls eigener inspiriert ist, wird auf mehreren Zeitebenen erzählt.

Mit großer Empathie gelingt es der Autorin, einen emotionalen, aber nie kitschigen Roman zu schreiben. Von der ersten Seite an ist man gefesselt und möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Das Buch ist flüssig geschrieben und man liest es in einem Rutsch durch. Immer wieder ist es spannend, wenn ein Teil der deutschen Geschichte mit einer Familiengeschichte verknüpft wird.

Dieses äußerst interessante und berührende Buch kann ich allen wärmstens empfehlen, die sich für geschichtliche Familienromane interessieren.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Ein jüdisches Leben

Isidor
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Isidor, geboren in ärmlichen Verhältnissen in Galizien, erkennt schon früh seinen Wunsch nach mehr. Durch Fleiß, Ausdauer und später auch Glück erkämpft er sich einen Platz in der Wiener Gesellschaft und ...

Isidor, geboren in ärmlichen Verhältnissen in Galizien, erkennt schon früh seinen Wunsch nach mehr. Durch Fleiß, Ausdauer und später auch Glück erkämpft er sich einen Platz in der Wiener Gesellschaft und wird Kommerzialrat. Anerkannt, in den richtigen Kreisen verkehrend und wohlhabend, glaubt er sich unangreifbar und unantastbar für die Nazis.

Shelly Kupferberg, Isidors Großnichte, zeichnet in diesem wunderbaren Porträt ein lebendiges Bild eines erfolgreichen Juden in der Zeit von 1900 bis 1945. Neben Isidors Geschichte erzählt sie auch die seiner Geschwister und ihrer Kinder, was das Gesamtbild ergänzt und abrundet. Ihr bildhafter und anschaulicher Erzählstil versetzt den Leser direkt in die damalige Zeit. Gemeinsam mit Isidor wächst man in Galizien auf, besucht die Schule in Lemberg und erlebt Wien am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Man meint, bei einem der Banketts mit am Tisch zu sitzen. Dieser besondere Stil, der beschreibt, aber nicht urteilt, ermöglicht es, Isidors Handlungen nachzuvollziehen und zu verstehen, so tragisch die Konsequenzen am Ende auch sind.

Das Buch verdeutlicht auch, was passieren kann, wenn man der rechtsradikalen Bewegung Raum gewährt. Es zeigt, wie schnell aus Nachbarn und Bekannten Feinde werden können.

Ich habe dieses hervorragende Buch mit großem Interesse gelesen und empfehle es jedem, der sich für deutsche und österreichische Geschichte interessiert. Es ist sicherlich nicht das letzte Buch, das ich von Shelly Kupferberg lesen werde.

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