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Veröffentlicht am 07.04.2026

Das Leben einer türkischen Gastarbeiterin

Geliebte Mutter – Canım Annem
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Aynur wird als neunzehnjährige mit Alvin verheiratet. Sie lebt in Istanbul, kleidet sich freizügig, trinkt Alkohol, ist gebildet und der Glaube spielt für sie keine Rolle. Er kommt aus Ost-Anatolien, ist ...

Aynur wird als neunzehnjährige mit Alvin verheiratet. Sie lebt in Istanbul, kleidet sich freizügig, trinkt Alkohol, ist gebildet und der Glaube spielt für sie keine Rolle. Er kommt aus Ost-Anatolien, ist arm, ungebildet und streng gläubig. Die beiden ziehen nach Deutschland, um sich ein neues Leben aufzubauen, doch bald stellt sich heraus, dass nichts von dem, was Alvin ihr versprochen hat, eintritt, sie ist verzweifelt und möchte nur noch zurück.
Als Ada, ein Junge, geboren wird, ist sie glücklich, bei Meyrem, einem Mädchen, ist sie verzweifelt, weil sie arbeiten muss, da ihr Mann sich mehr dem Glücksspiel als dem Geld verdienen hingibt.
Cigdem Akyol hat eine eindrucksvolle Familiengeschichte geschrieben. Sie erzählt von einer arrangierten Ehe, dem Fremdsein in einem anderen Land, Gewalt innerhalb der Familie, Brechen von Traditionen, aufwachsen als Ausländerkind und wie sich so eine Kindheit auf das spätere Leben auswirkt.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Es hat mir eine fremde Kultur näher gebracht. Ich habe unglaublich viel über die Türkei gelernt und kann die Schwierigkeiten, die eine Immigration mit sich bringt, viel besser verstehen.

Ich empfehle das Buch sehr gerne allen weiter, die beim Lesen in eine andere Kultur eintauchen wollen.

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Veröffentlicht am 06.04.2026

Ein düsterer, emotional dichter Roman

Der Fährmann
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„Der Fährmann“ spielt zwischen 1900 und 1915 an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich.

Lisi und Annemarie waren als Kinder unzertrennlich, später gesellte sich Hannes zu ihnen, woraus eine lebenslange ...

„Der Fährmann“ spielt zwischen 1900 und 1915 an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich.

Lisi und Annemarie waren als Kinder unzertrennlich, später gesellte sich Hannes zu ihnen, woraus eine lebenslange Verbundenheit entstand.

Lisis sechzehntes Lebensjahr markiert das Ende ihrer unbeschwerten Kindheit, als sie aus wirtschaftlichen Gründen mit Josef verlobt wird. Die Hochzeit und der Einzug in seinen Hof bringen jedoch schnell die bittere Realität ans Licht: Josef ist ein gewalttätiger Mann, der seinen Frust an Lisi auslässt.

Auch Annemaries Leben ist von Widrigkeiten geprägt. Als Wirtstochter ist sie darauf trainiert, den Männern zu gefallen, was sie zunächst freiwillig, später gezwungenermaßen zur Geliebten eines verheirateten Mannes macht.

Hannes hingegen ist dazu bestimmt, Fährmann zu werden, ein Beruf, der ihm die Möglichkeit verwehrt, eine Familie zu gründen, da die Gefahr zu groß ist, sie zurückzulassen.

Mehr will ich Euch nicht verraten, wie es weitergeht, müsst Ihr selbst herausfinden.

Der Roman wird aus den Perspektiven der einzelnen Figuren erzählt, was der Geschichte eine bemerkenswerte Tiefe verleiht. Die Gewalt wird nicht beschönigt, sondern in ihrer ganzen Brutalität dargestellt, was dem Leser ein tiefes Verständnis für die Protagonisten und die damalige Zeit ermöglicht. Zwischen all dem Leid gibt es jedoch auch Momente des Zusammenhalts und der Freundschaft, die dem Leser Trost spenden.

Regina Denks Roman ist ein düsteres, emotional dichtes Werk, das die damalige Zeit lebendig werden lässt und den Leser tief in die Geschichte eintauchen und mitfühlen lässt.

Ich habe das Buch sehr gern gelesen und kann es allen empfehlen, die eine Mischung aus Heimatroman und Alpenkrimi, wie beispielsweise “Das finstere Tal”, schätzen.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Ein sehr berührendes Buch

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen
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Dieses Buch hat mich zutiefst berührt!

Der 89-jährige Bo erhält zu Hause mehrmals täglich Pflege, seine Frau ist schwer an Demenz erkrankt, erkennt ihn nicht mehr und lebt im Pflegeheim. Sein einziger ...

Dieses Buch hat mich zutiefst berührt!

Der 89-jährige Bo erhält zu Hause mehrmals täglich Pflege, seine Frau ist schwer an Demenz erkrankt, erkennt ihn nicht mehr und lebt im Pflegeheim. Sein einziger Halt ist sein Hund Sixten. Mit seinem Sohn hadert er, weil er ihm immer weniger zutraut und die Kontrolle über sein Leben übernimmt, was in vielen Bereichen verständlich ist, doch als er ihm seinen geliebten Sixten wegnehmen will, bricht in Bo Wut und unendliche Trauer aus.

Lisa Ridzen lässt Bo mit seiner eigenen, wunderbar authentischen Stimme sprechen. Immer wieder dämmert er weg und versinkt in Träume, die ihn in die Vergangenheit führen und seine Lebensgeschichte erzählen. So erfahren wir nicht nur von seinem letzten Sommer, sondern auch von seinem gesamten Leben.

Von der ersten Zeile an ist man gefesselt von diesem wunderschönen Roman, der trotz der Schwere nicht hoffnungslos ist. Ich habe ihn in zwei Tagen ausgelesen und konnte am Ende die Tränen nicht mehr halten.

Es ist ein warmherziger, ergreifender und zutiefst menschlicher Roman, den ich euch ans Herz lege. Lest dieses wunderbare Buch! Ein Lesehighlight!

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Marthas Leben, anschaulich und bildhaft erzählt

Stunden wie Tage
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Martha, eine fleißige junge Frau, findet Arbeit als Hausbesorgerin in einem Mietshaus der Familie Berkowitz im Berliner Stadtteil Schöneberg. Sie ist eine fürsorgliche Seele, die sich liebevoll um alles ...

Martha, eine fleißige junge Frau, findet Arbeit als Hausbesorgerin in einem Mietshaus der Familie Berkowitz im Berliner Stadtteil Schöneberg. Sie ist eine fürsorgliche Seele, die sich liebevoll um alles kümmert, was ihr lieb und teuer ist – Menschen, Dinge und Tiere.

Das Buch erzählt von ihrem Leben, dem der Bewohner des Hauses und der Familie Berkowitz: dem jüdischen Vater Henry, der russischen Mutter Katharina und ihrer Tochter Liane – zwischen 1930 und 1960.

Die Figuren sind fein gezeichnet und liebenswert, mit all ihren Ecken und Kanten. Es sind ganz normale Menschen, die zur falschen Zeit leben mussten. Während des Lesens lebt und leidet man mit ihnen.

Shelly Kupferberg hat ein wunderbares Buch geschrieben. Ihr anschaulicher und bildhafter Erzählstil versetzt den Leser direkt in die damalige Zeit. Die Nazizeit wird mit all ihren Schrecken sachlich dargestellt, ohne pathetisch zu werden, was den Blick auf das Geschehen lenkt, ohne dass dem Ganzen an Empathie fehlt. Ich habe dies sehr geschätzt, selten habe ich ein Buch über die Nazizeit gelesen, das mich so in die Geschichte hineingezogen hat.

Erschreckend, aber durchaus glaubwürdig, liest man im Abspann, dass das meiste auf Tatsachen beruht und diese Schicksale wirklich passiert sind.

Ich habe das hervorragende Buch mit großem Interesse gelesen und empfehle es jedem, der sich für deutsche Geschichte interessiert. Es ist sicherlich nicht das letzte Buch, das ich von Shelly Kupferberg lesen werde.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Ein großartiger Roman

Real Americans
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Diese fesselnde Familiengeschichte erstreckt sich über drei Generationen und führt uns von Amerika nach China.

Lily, derzeit unbezahlte Praktikantin, lernt auf einer Party Matthew kennen, einen wohlhabenden ...

Diese fesselnde Familiengeschichte erstreckt sich über drei Generationen und führt uns von Amerika nach China.

Lily, derzeit unbezahlte Praktikantin, lernt auf einer Party Matthew kennen, einen wohlhabenden Investmentbanker. Die sozialen Unterschiede stellen anfangs ein Hindernis für ihre Beziehung dar.

Mei Cheng wächst unter ärmlichsten Bedingungen als Tochter eines Reisbauern in China auf. Dank ihrer außergewöhnlichen schulischen Leistungen erhält sie die Möglichkeit, in Peking zu studieren. Anfangs gelingt es ihr als Tochter eines Bauern, sich unter Maos Herrschaft zurechtzufinden. Doch seine zunehmend radikale Politik führt zu unerträglichen Zuständen, sodass sie erst nach Hongkong flieht und schließlich nach Amerika auswandert. Dort finden sie und ihr Mann Arbeit in einem Genomforschungslabor.

Nick wächst mit seiner Mutter abgeschieden auf San Juan Island unter einfachen Verhältnissen auf. Als er als Teenager durch einen Gentest erfährt, dass er einen steinreichen Vater hat, verändert sich sein Leben schlagartig.

Rachel Khong verwebt diese drei Generationen meisterhaft. Anfangs wird jeder der drei Charaktere in einem eigenen Erzählstrang vorgestellt, doch schließlich treffen sie aufeinander und ihre Geschichten verschmelzen zu einer einzigen.

Ich habe dieses Buch gelesen und bin tief in die Welt chinesischer Einwanderer, wohlhabender Amerikaner, von Maos Herrschaft gebeutelter Chinesen und Genomforscher eingetaucht. Es ist ein Familien- und Gesellschaftsroman mit einer Prise Science-Fiction.
Dieses zurecht gehypten Buch hat mir sehr gut gefallen, besonders der historische Teil über China hat mich gefesselt. Fans von Min Jin Lee oder Amy Tan werden es lieben. Ich kann es nur wärmstens empfehlen.

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