Profilbild von skymichaelis

skymichaelis

Lesejury Star
offline

skymichaelis ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit skymichaelis über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.03.2026

Verliebt in Yacana, das Sternen-Lama

Astrologica
0

Im Wohnzimmer sitzen und sich ins Weltall träumen: Genau dieses Gefühl vermittelt das Buch. Es liest sich wie eine fantastische Reise voller Mythen und Legenden und ist dabei traumhaft bebildert.

Bei ...

Im Wohnzimmer sitzen und sich ins Weltall träumen: Genau dieses Gefühl vermittelt das Buch. Es liest sich wie eine fantastische Reise voller Mythen und Legenden und ist dabei traumhaft bebildert.

Bei Erscheinen der Leseprobe bemängelten einige die Vermischung von Astrologie und Astronomie. Dazu passt für mich folgendes Zitat: „Trotzdem haben Astronomie und Astrologie denselben Ursprung: die Faszination für den Nachthimmel. Sie sind wie Geschwister, manchmal streiten sie sich, aber gehören zusammen.“ Tatsächlich ist die klare Trennung beider Bereiche, wie wir sie heute kennen, ein vergleichsweise modernes Phänomen, und warum das so ist, wird im Buch anschaulich und einleuchtend erklärt.

Insgesamt liegt der Schwerpunkt jedoch deutlich auf der Mythologie. Fantasievoll und farbenprächtig werden die Mythen hinter den einzelnen Tierkreiszeichen erzählt. Es folgt eine Reise durch die Legenden unseres Sonnensystems, weiter zu interkulturellen Sternensagen bis hin zu verschiedenen Entstehungsgeschichten rund um die Astrologie. Im Zentrum stehen dabei vor allem die römische Mythologie, die Inka- und Maya-Kultur, aber auch viele weitere finden ihren Platz.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist hochwertig verarbeitet, liegt angenehm in der Hand und begeistert mit intensiven Farben und wundervollen Illustrationen. Der Text ist flüssig, kurz und prägnant geschrieben, genau richtig für ältere Kinder. Ich glaube, ich hätte dieses Buch als Kind geliebt. Und auch als Erwachsene bereitet es mir große Freude. Ganz besonders ins Herz geschlossen habe ich die Legende von Yacana, dem Sternen-Lama. Ich liebe alles daran.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.04.2026

Starker Aufbau, etwas zu erklärendes Ende

Guilty Pleasure
0

Willkommen im Hotel Guilty Pleasure. Wir wünschen Ihnen einen unangenehmen Aufenthalt.

Ich lese selten Thriller, doch dieser hat sofort meine Neugier geweckt und mich nicht enttäuscht. Wir begleiten fünf ...

Willkommen im Hotel Guilty Pleasure. Wir wünschen Ihnen einen unangenehmen Aufenthalt.

Ich lese selten Thriller, doch dieser hat sofort meine Neugier geweckt und mich nicht enttäuscht. Wir begleiten fünf Fremde bei ihrer Ankunft in einem geheimen Luxusresort, von dem niemand genau weiß, wo es sich befindet. Jeder von ihnen folgt seinen eigenen Regeln und hat ganz eigene Probleme zu bewältigen. Mit der Zeit verwebt sich alles immer stärker miteinander, und auch die Intensität steigt von Seite zu Seite.

Das Buch ist deutlich düsterer, als das Cover oder der Beginn der Geschichte vermuten lassen. Es enthält einige explizite Beschreibungen. Daher würde ich empfehlen, zumindest die Content Note am Ende des Buches zu überfliegen. Wer möchte, kann sich auf die fettgedruckten Begriffe beschränken. Um sich jedoch wirklich auf die emotionalen Herausforderungen vorzubereiten, sollte man sie vollständig lesen. Viele der angesprochenen Themen treten erst in der zweiten Hälfte des Thrillers stärker in den Vordergrund.

Der Schreibstil ist flüssig, und mir gefiel das fast kammerartige Setting, in dem sich die Intensität immer weiter steigert und die Handlungsstränge zunehmend miteinander verschmelzen. Eine große Wendung habe ich zwar früh vorhergesehen, dennoch hat es Spaß gemacht zu verfolgen, wie sie sich entfaltet. Das Ende wirkte auf mich etwas zu erklärend und hat die zuvor aufgebaute Spannung leicht abgeschwächt.

Insgesamt fühlte ich mich gut unterhalten, würde jedoch dazu raten, das Buch nicht unbedacht zu lesen. Es behandelt einige harte Themen und enthält eindringliche Beschreibungen. Für Leser*innen unter 18 Jahren ist es nicht geeignet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.03.2026

Leise Eskalation mit eindringlichen Ende

Happy Head
0

Welch Fiebertraum. Im allerbesten Sinne eines intensiven Leseerlebnisses.

Als ich den Klappentext gelesen habe, dachte ich zunächst, die Geschichte würde in Richtung sektenähnlicher Behaviour Modification ...

Welch Fiebertraum. Im allerbesten Sinne eines intensiven Leseerlebnisses.

Als ich den Klappentext gelesen habe, dachte ich zunächst, die Geschichte würde in Richtung sektenähnlicher Behaviour Modification Schools gehen. Da ich die Netflix-Dokumentation „Das Programm – Hinter den Kulissen der Disziplinierungsindustrie“ gesehen habe, bin ich vermutlich mit der Erwartung an deutlich krassere Szenen herangegangen. „Happy Head“ ist jedoch subtiler.

Man merkt von Anfang an, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Dennoch dauert es eine Weile, bis sich die Ereignisse wirklich zuspitzen. Die Verbindung zur Dokumentation war dabei nur mein eigener Gedanke, denn die Inspiration des Autors liegt woanders. Der aktuelle Mental Health Trend hat ihn dazu bewegt, ein Setting zu erschaffen, in dem mit einem besseren, glücklicheren Leben geworben wird, während sich dahinter etwas Düsteres verbirgt. Das macht die Geschichte erschreckend aktuell.

Im Kern geht es um Manipulation und Gaslighting. Ich musste dabei auch an das Euthanasieprogramm des Zweiten Weltkriegs denken. Alles beginnt vergleichsweise harmlos und steigert sich zunehmend. Die Challenges werden immer intensiver. Teilweise fühlte ich mich auch an den Film „Das Experiment“ erinnert, der auf einem realen Fall basiert. Insgesamt bleibt es etwas abgeschwächt, da es sich um ein Jugendbuch handelt, dennoch ist es eindringlich und vor allem auf den letzten Seiten sehr fesselnd.

Zwischendurch empfand ich die Handlung jedoch als etwas schleppend. Möglicherweise lag das auch an meiner Erwartungshaltung. Die Charaktere sind sehr unterschiedlich angelegt, was ich grundsätzlich positiv sehe. Im Hinblick auf das Thema schwierige Jugendliche hätte ich mir jedoch stellenweise mehr Rebellion gewünscht. Bis auf wenige Ausnahmen bleiben die Teilnehmer des Happy Head Programms erstaunlich ruhig. Selbst Finn, der als schwierig beschrieben wird, wirkt weniger widerspenstig als erwartet. Natürlich ist mir bewusst, dass dies Teil der Inszenierung des Programms ist und um ihn bewusst ein bestimmtes Image aufgebaut wird. Trotzdem hätte ich mir hier etwas mehr Mut im Character Building gewünscht. Gerade im Mittelteil hätte das der Geschichte mehr Tiefe und Eigenständigkeit verleihen können.

Damit bleibt „Happy Head“ für mich ein sehr gutes Buch, das sein volles Potenzial nicht ganz ausschöpft. Am Ende konnte es mich jedoch überzeugen. Zwischenzeitlich war ich kurz davor, nur drei Sterne zu vergeben. Letztlich sind es starke vier Sterne geworden und ich würde am liebsten direkt mit Band zwei weitermachen.

Mein Fazit lautet daher: Dranbleiben lohnt sich. Die Spannung steigt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.03.2026

Die Wahrheit hinter dem Glanz

Letzter Akt
0

Langsam und poetisch erzählt. Wenig Spannung, dafür viel Entschleunigung bis hin zu einem dramatischen letzten Akt, der alles umstürzt.

Obwohl das Buch mit rund 200 Seiten recht kurz ist, habe ich lange ...

Langsam und poetisch erzählt. Wenig Spannung, dafür viel Entschleunigung bis hin zu einem dramatischen letzten Akt, der alles umstürzt.

Obwohl das Buch mit rund 200 Seiten recht kurz ist, habe ich lange dafür gebraucht. Ich hatte etwas anderes erwartet: mehr schillernde Theater- und Künstlerszene und weniger ruhige Momente hinter den Kulissen. Tatsächlich geht es vielmehr um die Stille zwischen dem Glanz, um wahre Identität und das, was vom Leben bleibt, wenn die Maske fällt. Das funktioniert durchaus, ist aber ein anderer Ansatz, als ich zunächst vermutet hatte.

Der Roman ist in drei Teile beziehungsweise Akte gegliedert. Wir lernen die Schauspielerin Dora kennen, die sich von dem Künstler Victor angezogen fühlt. Er lebt eher zurückgezogen und getrennt von seiner Familie, mit gelegentlichen Besuchen seiner neunjährigen Tochter. Dora hingegen, in Deutschland geboren, führt ihr Leben in London, weit entfernt von ihren Wurzeln. Auch ihre Schauspielkarriere hat sie immer weiter von ihrer Herkunft entfernt. Wurde sie anfangs noch als „die Deutsche“ besetzt, änderte sich das mit wachsendem Bekanntheitsgrad.

Abschnitt für Abschnitt nähern wir uns Doras Jugend in den 1980er-Jahren. Eine Zeit, in der sie vieles verdrängt hat. Eine Zeit, die sie selbst als Ursprung ihrer Liebe zur Schauspielerei bezeichnet. Doch eigentlich geht es mehr um das Freilegen alter Wunden. Victor hilft ihr dabei, wenn auch auf ungewöhnliche Weise. Ein Porträt, das er von ihr malt, erweist sich als Spiegel ihrer Seele und führt sie zu der Begegnung mit einer Person, über die sie lange nicht mehr nachgedacht hat.

Der Titel „Letzter Akt“ bleibt auch nach dem Lesen mehrdimensional in seiner Bedeutung. Zwischendurch musste ich mich ein wenig zwingen weiterzulesen, da die Erzählung sehr ruhig ist und wenig passiert. Vor allem der Mittelteil wirkt etwas zäh. Gegen Ende jedoch fühlt sich der Rückblick in die 80er beinahe wie ein Schnitt an. Innerhalb der Geschichte verschmilzt dieser Abschnitt jedoch mit Victors Gemälde. Sein Bild wird zu einem Manifest jener Vergangenheit.

Damit ist es kein Buch, das durch Spannung oder Humor fesselt. Vielmehr ist es ein ruhiger, nachdenklicher Roman mit Mut zu leisen Tönen. Ein Roman, der seinen vollständigen Sinn erst zum Ende hin entfaltet und noch lange nachklingt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.02.2026

Gutes Debüt mit deutlichen Schwächen

Nightweaver
0

Am Anfang war ich begeistert: düster, atmosphärisch, abenteuerlich, mysteriös. Dieses Gefühl hielt auch eine ganze Weile an. Bis zu einem für mich zentralen Logikproblem bei der Entwicklung der ...

Am Anfang war ich begeistert: düster, atmosphärisch, abenteuerlich, mysteriös. Dieses Gefühl hielt auch eine ganze Weile an. Bis zu einem für mich zentralen Logikproblem bei der Entwicklung der gesamten Piratenfamilie zu Dienern. Für derart rebellische Figuren gab es mir schlicht zu wenig Widerstand. Da ich das Leben am Hof der Nightweaver jedoch zunächst sehr spannend fand, sah ich darüber hinweg.

Die Welt dieses Fantasy-Spektakels ist insgesamt extrem düster und brutal. Die Gewalt wird sehr explizit geschildert, ohne Umschreibungen oder Andeutungen. Das sollte man wissen, für empfindlichere Gemüter ist das definitiv nichts.


Problematisch wurde für mich vor allem der Mittelteil, der stellenweise fast soapig wirkte. Vermutlich der erwähnte "Downton-Abbey-Anteil". Da ich die Serie selbst nie gesehen habe, kann ich hier nur mutmaßen. Der erhoffte "Fluch-der-Karibik-Vibe" war leider nur am Anfang und zum Ende hin wirklich präsent. Das eigentliche Piratenleben wurde mir insgesamt zu wenig beleuchtet.

Aster als Hauptfigur gefiel mir nur durchschnittlich gut, was vor allem am Schreibstil lag. Statt ihre Gefährlichkeit und ihren Ruf über Handlungen und Szenen zu zeigen („show, don’t tell“), wird sehr häufig wiederholt, dass sie eine Piratin ist und eine Neigung zur Gewalt hat. Das wirkte auf mich eher behauptet als erlebbar. Allgemein fehlte mir Tiefe bei den Charakteren und ihren Entwicklungen. Es wirkte häufig eher konstruiert, als organisch durch die Handlung angetrieben.

Grundsätzlich ist das Buch stark erzählerisch angelegt. Das Worldbuilding gefiel mir dabei durchaus, auch wenn ich verstehen kann, dass genau das viele Leser:innen abschreckt. Es wird viel zur Lore der verschiedenen Wesen erklärt, ebenso wie zum politischen Aufbau der Welt. Von der Grausamkeit her fast ein Game of Thrones. Die Wesen in ihrer Vielfalt ein bunter Mix aus vampirähnlichen Kreaturen und einer Angels vs. Demons-Atmosphäre. Das System an sich fand ich spannend genug, um mich darauf einzulassen, allerdings erfordert es konzentriertes Lesen. Hinzu kommt eine große Anzahl an Figuren, von denen ich einige beim Lesen eher „ausgeblendet“ habe, was später zu kleineren Verständnisproblemen führte.

Insgesamt haben mir vor allem Anfang und Ende sehr gut gefallen. Auf den erzählerischen Stil, die explizite Gewalt und den soapigen Mittelteil muss man sich einlassen können. Als Neuinterpretation mythologischer Motive ist das Buch für mich durchaus gelungen. Wegen des sehr langatmigen Mittelteils (insbesondere der vielen oberflächlichen Beziehungsdynamiken, die mich persönlich eher langweilen) vergebe ich 3,5 Sterne. Aufgerundet auf 4.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere