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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.03.2026

Zufallsfund mit großer Wirkung

Ostseedämmerung
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Auch der bereits 20. Teil der Ostseekrimi-Serie mit Pia und ihrem Ermittlungsteam überzeugt wieder mit einem komplexen, verstrickten Ermittlungsfall und bietet zusätzlich Einblick in die wunderschöne Natur ...

Auch der bereits 20. Teil der Ostseekrimi-Serie mit Pia und ihrem Ermittlungsteam überzeugt wieder mit einem komplexen, verstrickten Ermittlungsfall und bietet zusätzlich Einblick in die wunderschöne Natur und die örtlichen Gegebenheiten. Der Cold Case um die damals verschwundene Archäologiestudentin wird wieder aufgerollt, nachdem Kinder beim Spielen einen archäologischen Fund machen. Es kommen viele mögliche Verdächtige vor, zwischenzeitlich wird das gesamte Dorf in Betracht gezogen, irgendwie mit dem Verschwinden zu tun zu haben, gleichfalls wie das archäologische Team. Da der Fall noch nicht so lange zurückliegt, können sich die Dorfbewohnerinnen noch ziemlich gut erinnern, aber vieles wird bewusst verschwiegen und vertuscht, sodass sich die Ermittlungen zwischenzeitlich im Kreis drehen und in die Länge ziehen. Etwa ab der Hälfte war mich schon klar, in welche Richtung die Geschichte sich entwickeln wird und wer mitbeteiligt sein könnte, somit hätte man den Mittelteil etwas straffen und kürzen können. Die Auflösung war wiederum spannend und umfangreich, sodass alle offenen Fragen geklärt werden konnten. Gut gefallen hat mir, dass neben dem Ermittlungsfall auch ausreichend Platz für die persönlichen Befindlichkeiten der Ermittlerinnen bleibt und Einblicke in die Privatleben gegeben werden, das macht die Personen für mich nahbarer und menschlicher. Vor allem in Pias Privatleben tut sich einiges, ihr Sohn Felix wird größer und sie genießt die Zeit mit ihm und kann sich gleichzeitig gut in ihre Arbeit einbringen. Gelungen finde ich auch, dass diesmal zwei Kinder wichtige Zeugen im Fall waren, denn es ist erstaunlich, was Kinder unbewusst beobachten, wahrnehmen und zusammenfügen können.

Veröffentlicht am 24.03.2026

spannende Geschichte - unpassender Schluss

Die Schwester des Serienkillers
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Der Abschluss der Serienkiller-Trilogie ist spannend geschrieben, umfasst in der Gegenwart nur vier Tage, die als Countdown bis zum markanten Datum angelegt sind und er gibt auch kurze Rückblenden in die ...

Der Abschluss der Serienkiller-Trilogie ist spannend geschrieben, umfasst in der Gegenwart nur vier Tage, die als Countdown bis zum markanten Datum angelegt sind und er gibt auch kurze Rückblenden in die Zeit, die die Jugendlichen im Kinderheim verbracht haben. Den Hauptpart nimmt Anna ein und es stellt sich auch die Frage, ob sie in die Taten verwickelt ist oder davon gewusst hat oder ob sie das nächste potenzielle Opfer darstellen könnte. Annas Art ist einerseits unüberlegt und spontan, auf der anderen Seite ist sie sehr bedacht und gibt keine Familiengeheimnisse preis. Zusätzlich belasten Anna einerseits berufliche Schwierigkeiten und auch ihre Beziehung zu ihrem Ehemann ist am Auseinanderdriften, daher steht sie unter enormem Druck. Den zweiten großen Part nimmt DI Walker ein, der die laufenden Ermittlungen leitet und in engem Austausch mit Anna ist. Es gibt immer wieder falsche Fährten und Bedrohungen sowie zahlreiche Wendungen, wobei ich diese zumeist nachvollziehbar finde und auch nicht allzu überraschend. Am besten haben mir die Einblicke in die Zeit im Heim gefallen, wie sich Anna und Kirsty miteinander angefreundet haben und auch ihre Beziehung zu ihren beiden kleineren Brüdern. Daher sind der Schluss und die Aufklärung am Ende für mich unverständlich und nicht plausibel. Ich kann hier nicht näher ins Detail gehen, da ich nicht spoilern möchte, aber unter Berücksichtigung der letzten Kapitel, ist der restliche Aufbau unpassend. Rückblickend betrachtet, sind die Personen nicht die, die sie vorgeben zu sein, aber hätte das nicht die eine oder andere Person bemerken müssen?

Veröffentlicht am 21.03.2026

das Beste aus beiden Welten

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Der Roman ist ein ehrlicher und ungeschönter Coming-of-Age-Roman, der die aktuelle Lebensgeschichte von Sophie, Mitte 20, erzählt, die sich momentan eine spontane Auszeit vom hektischen Leben ohne Sinn ...

Der Roman ist ein ehrlicher und ungeschönter Coming-of-Age-Roman, der die aktuelle Lebensgeschichte von Sophie, Mitte 20, erzählt, die sich momentan eine spontane Auszeit vom hektischen Leben ohne Sinn nimmt. Was zuerst als eine unüberlegte Handlung beginnt, indem Sophie spontan ein Haus um 3.000 Euro mitten im Nirgendwo kauft, das sehr baufällig ist, entwickelt sich immer mehr zur Sinnfindung. Abseits von Uni, Leistungsdruck, Praktikum und der Meinung von anderen, renoviert Sophie das Haus in kleinen Schritten und in mühevoller Handarbeit selbst, züchtet Hühner und legt einen eigenen Garten an. Zuerst haben sie Aussagen wie „Die Sophie, aus der wird was.“ unter Druck gesetzt, aber das Landleben lernt sie, kleine Schritte zu planen, alles in einem anderen Kontext zu betrachten und auch ihre romantische Vorstellung von Natur abzulegen. Die Einsiedlerin Mone macht ihr klar, dass man auch ein bisschen Vertrauen haben muss. Mit der Zeit wird Sophie immer selbstbewusster, nachdem sie sieht, was sie alles schaffen kann, ganz ohne Druck, in ihrem eigenen Tempo, nach ihren eigenen Vorstellungen. Trotzdem ist das Landleben oft hart, Dauerregen, Einsamkeit, ein Fuchs, der eines ihrer Hühner tötet, bringt sie fast an ihrer Entscheidung zu zweifeln. Kontakt aus ihrem alten Umfeld hat sie nur noch zu Moritz, der sie gelegentlich besucht und zu ihrer langjährigen besten Freundin Pauline. Nach einem Vortrag, zu dem sie Moritz in die Stadt begleitet, werden ihr Fragen gestellt, wie „Was machst du so?“ – Auszeit – „Und danach?“ – als würde das jetzt nicht zählen, als müsste man immer ein Ziel vor Augen haben und verfolgen, immer ein Besser, ein Vorwärts, ein Höher, ein Schneller – das ist nicht mehr Sophies Lebenseinstellung. Kann man in einer Welt, in der es schon zu viel gibt, Neues schaffen?
Auf Dauer ist das Einsiedlerleben auch nicht gedacht, aber als Auszeit vom stressigen Alltag, kann es heilende Wirkung erzielen. Kann Sophie dieses Gefühl von Freiheit wieder ganz aufgeben? – Diese und noch viele weitere Fragen stellt sie sich und am Ende findet sie, wie ich finde, für sich und auch für ihre Freunde einen zufriedenstellenden und erfüllenden Kompromiss.

Veröffentlicht am 16.03.2026

Tiefe und Dunkelheit

Ultramarin
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Zuerst fallen das wunderschöne, ästhetische Cover und der ausdrucksstarke Titel auf, danach besonders die Atmosphäre des Romanes. Obwohl der Einstieg mit Alltagssituationen gewählt ist, verspürt man als ...

Zuerst fallen das wunderschöne, ästhetische Cover und der ausdrucksstarke Titel auf, danach besonders die Atmosphäre des Romanes. Obwohl der Einstieg mit Alltagssituationen gewählt ist, verspürt man als Leserin keine Wohlfühl-Atmosphäre, im Gegenteil, das Buch hat eine düstere, angespannte Grundstimmung, mit der Angst, dass jederzeit etwas passieren könnte. Der Schreibstil ist einfach gehalten und beschreibt hauptsächlich die Situationen, lässt bewusst das Unausgesprochene zwischen den Zeilen mitwirken, sodass es beklemmend wirkt.
Ultramarin ist als Titel sehr treffend ausgewählt, ein Farbton, der nicht nur Tiefe, sondern auch Dunkelheit bedeutet und genau darum geht es in der Beziehung zwischen Raf und Lou. Raf gibt immer den Ton an, ist dominant und herrschsüchtig, er akzeptiert es nicht, eine weitere starke Persönlichkeit neben sich zu haben. Lou ist ihm gehörig und bettelt um Rafs Aufmerksamkeit, er kann sich selbst und seine Gefühle kaum wahrnehmen und einschätzen, sondern definiert sich ausschließlich über Raf. Diese ungesunde Symbiose schafft es über viele Jahre zu funktionieren, doch in dem einen Sommer, in dem Nora mit ihnen den Urlaub verbringt, gerät sie aus dem Takt.
Die Kapitel wechseln sich ab, mit Situationen aus dem derzeitigen Urlaub und Rückblenden in die Jugendzeit von Raf, Lou und teilweise auch Rafs Schwester Sophie, die in den aktuellen Situationen leider nicht vorkommt. Sie hat schon immer ein feines Gespür für Spannungen und für Situationen und eine gute Intuition bewiesen. Die Situationen, die einst harmlos wirkten, entwickeln im Nachhinein perfekte Machtspiele und lassen Aggressionen in verschiedenen Formen und Ausprägungen erkennen. Ist man als Leser
in erst mal in diesem Sog gefangen, kann man das Buch kaum weglegen und muss erfahren, wie der Sommerurlaub sein Ende findet. Obwohl ich zugeben muss, dass mich der Schluss nicht komplett überzeugen konnte. Er war mir zu schnell, im Vergleich zu den unendlich langen Tagen, in denen wenig passierte, zu offen, zu verstörend, aber es beschäftigt weiterhin.

Veröffentlicht am 13.03.2026

Veränderungen

Der Gesang der See
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Der historische Roman beschreibt einerseits die norwegische Westküste und deren Natur sowie das raue Überleben auf den Fischerinseln und er erzählt auf der anderen Seite auch die Geschichte einer selbstbewussten, ...

Der historische Roman beschreibt einerseits die norwegische Westküste und deren Natur sowie das raue Überleben auf den Fischerinseln und er erzählt auf der anderen Seite auch die Geschichte einer selbstbewussten, starken Frau, die für das Recht der Frauen nach Selbstbestimmung und persönlicher Entfaltung kämpft. Kristiane ist nach dem Tod ihres Mannes auf sich selbst gestellt und zusätzlich verantwortlich für ein Baby, ihre alleinstehende Schwester und kranke Mutter. Mit ihren unkonventionellen Ideen und mit ihrem Geschäftssinn entspricht sie nicht der damaligen Norm und wird von der Gesellschaft kritisch betrachtet.
Besonders gelungen finde ich das Zusammenspiel der Beschreibung der rauen Küstenlandschaft und das harte Leben, dies wird bildhaft beschrieben, sodass man sich als Leser*in gut hineinversetzen kann. Gleichzeitig spiegelt dies auch die inneren Konflikte von Kristiane wider, sie ist hin- und hergerissen zwischen ihren wirtschaftlichen Verpflichtungen, dem Erhalt ihres Hofes und der Fischereikarte und gleichzeitig kämpft sie mit ihren Gefühlen, indem sie sich für ihr Herz oder für die Vernunft entscheiden muss. Die Lebensgeschichte voll Leid und auch voll Freude und Veränderung wirkt authentisch beschrieben, sodass man nach einem ruhigen Einstieg, danach sofort in einen Sog hineingezogen wird und den Roman nicht mehr aus der Hand legen kann. Mit der Zeit merkt man, dass es auch anderen Frauen ähnlich ging oder geht wie Kristiane, starke und schlaue Frauen, die sich in einer Männerdomäne behaupten müssen und dadurch wenig Anerkennung für ihren Erfolg erfahren, sondern eher Verachtung und Neid. Manchmal ist Kristiane hart zu sich selbst und auch hart und ungerecht gegenüber ihren Mitmenschen. Was man im Laufe der Jahre erkennt, dass Veränderungen nur sehr langsam und mühevoll erkämpft stattfinden, in kleinen Schritten, von einer Generation zur nächsten.