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Veröffentlicht am 26.04.2026

Ein Portrait über eine dysfunktionale Familie

Verlorene Schäfchen
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Ein Familienportrait über eine dysfunktionale Familie und dem Wunsch in einem solchen Konstrukt als Individuum wahrgenommen und anerkannt zu werden.

Bei den Flynns wird es nie langweilig. Catherine hat ...

Ein Familienportrait über eine dysfunktionale Familie und dem Wunsch in einem solchen Konstrukt als Individuum wahrgenommen und anerkannt zu werden.

Bei den Flynns wird es nie langweilig. Catherine hat beschlossen ihr Ehe nun offen zu führen und beginnt mit den Nachbarn zu flirten. Bud, ihr Ehemann, der mit diesem Arrangement nicht sehr zufrieden ist, verbringt die Nächte im gemeinsamen Familienvan und findet auf der Arbeit Ungereimtheiten bei gewissen Transaktionen. Er ermittelt auf eigene Faust und entdeckt dabei Missstände, die eine Nummer zu groß für ihn sind…

Währenddessen schleicht sich die älteste Tochter Abigail auf die Party eines zwielichtigen Millionärs und lernt dort einen Mann namens Kriegsverbrecher-Wes lernen und lieben. Louise, die Zweitgeborene, fühlt sich von allen übersehen und sucht in christlichen Internetforen nach Anerkennung. Das dort auch Menschen lauern, die nichts Gutes im Schilde führen ist erstmal zweitrangig. Und dann wäre da noch Harper. Die Jüngste der Flynn-Töchter scheint die häusliche Situation damit zu kompensieren, dass sie ihr überdurchschnittlich intelligentes Gehirn dafür nutzt, semi-illegalen Tätigkeiten nachzugehen. 

"Verlorene Schäfchen" war ein Fiebertraum von einem Buch, welches mich sehr unterhalten und zum Lachen gebracht hat. Madeline Cash hat eine besondere humorvolle Art, wenn es darum geht, triviale aber auch komplexe Beziehungen darzustellen. Die Übersetzung von Sophie Zeitz greift diesen Ton haargenau auf und macht ihn nun auch für die deutschsprachigen Leser*innen zugänglich.

Die Flynns wirken auf den ersten Blick wie eine ganz außergewöhnliche Familie, aber auf den zweiten stehen sie für so viele Familien(-konstrukte), wenn auch etwas überzeichnet. Es hat so viel Spaß gemacht, jedes einzelne Familienmitglied kennen zu lernen. Mein Favorit ist Harper. Ein hochintelligentes Kind, welches sich durch seine differenzierte Art zu denken und die Welt wahrzunehmen oft selbst im Weg steht und für so einigen Ärger sorgt.

Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 18.04.2026

Eine Geschichte über eine besondere Freundschaft und die Liebe zur Natur

Unter Wasser
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Marissa und ihr Vater, ein Meeresbiologe, ziehen nach Phuket. Dort fühlt sie sich unter den Erwachsenen der Forschungsstation ziemlich einsam. Bis sie eines Tages auf ein gleichaltriges Mädchen, namens ...

Marissa und ihr Vater, ein Meeresbiologe, ziehen nach Phuket. Dort fühlt sie sich unter den Erwachsenen der Forschungsstation ziemlich einsam. Bis sie eines Tages auf ein gleichaltriges Mädchen, namens Arielle, trifft und beide beste Freundinnen werden. Ihre gemeinsame Zeit verbringen die beiden am liebsten am Strand oder im Wasser. Die Liebe zur Natur hat Marissa von ihrem Vater geerbt und so erkundet sie mit Arielle die atemberaubende Natur und die Tiere der Insel.  Den beiden fällt eines Tages als Erste das plötzlich merkwürdige Verhalten der Tiere auf. Doch dann ist es bereits zu spät und die Naturkatastrophe nimmt ihren Lauf...

Tara Menons Roman "Unter Wasser" hat mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht losgelassen. Durch den historischen Bezug zum Tsunami in Thailand 2004 schwingt das ganze Buch über eine Bedrohlichkeit mit, über die selbst die schönsten Landschaften und Naturschauspiele nicht hinwegtäuschen können. Zwei weitere Aspekte die meiner Meinung nach sehr gut aufgearbeitet wurden, sind zum einen Trauma und die Legitimation von Trauer. Beide Themen werden hier vielschichtig und greifbar dargestellt. In einem Abschnitt beschreibt Marissa den Druck der Gesellschaft im Hinblick auf die individuelle Trauerphase. Dieser so simple und doch starke Absatz hat sich mir besonders eingebrannt. Und so verhält es sich auch mit dem Rest des Buchs.
Für mich bot sich hier von Anfang bis Ende ein intensives Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Ein heißer Sommer und Coming-of-age

Restsommer
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Dominik ist 16 Jahre alt und wohnt in einer Kleinstadt namens Schönacker. Dort passiert für einen heranwachsenden Jungen wie Dominik nicht viel. Er vertreibt sich die Zeit mit seinen Freunden im Freibad ...

Dominik ist 16 Jahre alt und wohnt in einer Kleinstadt namens Schönacker. Dort passiert für einen heranwachsenden Jungen wie Dominik nicht viel. Er vertreibt sich die Zeit mit seinen Freunden im Freibad und bei der Bandprobe. Ab und an hilft er im Bestattungsunternehmen seines Vaters. Dieses soll er irgendwann einmal übernehmen, so der Wunsch von Dominiks Vater. Aber ist das auch sein eigener Wunsch? Als Biff, ein neuer Schüler, in Dominiks Klasse kommt, wird seine Welt, wie er sie kennt, auf den Kopf gestellt...
"Restsommer" ist ein Coming of Age Roman, der alles hat, was eine gute Sommerlektüre so brauchen könnte: Nostalgie (hier a la 2003), Freibadvibes, Abenteuer und die große Frage "Wer bin ich?". Dominik trägt die Geschichte als Protagonist hervorragend. Er ist unsicher, wohin es in seinem Leben gehen soll und freundet sich mit Biff an, der ihm zeigt, dass es auch noch andere Aspekte des Lebens gibt als regelkonform das Familienunternehmen zu erben. Trotz der vielen Reibungspunkte habe ich die Dynamik zwischen Dominik und seinem Vater geliebt! Kea von Garnier beschreibt die Beziehung der beiden so authentisch und vielschichtig, wie sie zwischen Eltern und Kinder eben sein kann. Dominiks Zerrissenheit und die Abwägung wie er nach der Schule sein Leben gestalten möchte, war so greifbar und manchmal auch frustrierend. Am liebsten hätte ich ihn in den Arm genommen und ihm gesagt, dass alles gut werden wird. 
Kea von Garnier hat hier ein starkes Debüt hingelegt und ich möchte noch gerne mehr von ihr lesen. 

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Leise und eindrucksvoll

Moosland
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Elsa beginnt nach dem Krieg auf einem isländischen Hof zu arbeiten. Sie spricht anfangs kein einziges Wort Isländisch und fühlt sich fremd und allein. Die Kommunikation mit der Bauernfamilie fällt ihr ...

Elsa beginnt nach dem Krieg auf einem isländischen Hof zu arbeiten. Sie spricht anfangs kein einziges Wort Isländisch und fühlt sich fremd und allein. Die Kommunikation mit der Bauernfamilie fällt ihr schwer, sodass sie sich eher als Außenstehende wahrnimmt, die das Geschehen beobachtet. Doch möchte sie wirklich dazugehören?
Mit der Zeit wandelt sich ihre Beziehung zu den Menschen und der Umgebung. Elsa entdeckt ein Familiengeheimnis, welches sie zunehmend beschäftigt.
In "Moosland" lernen die Lesenden gemeinsam mit der Protagonistin die wunderschöne und raue Natur Islands kennen. Mit Elsas wachsendem Sprachverständnis der isländischen Sprache und ihrer ausgeprägten Beobachtungsgabe kommt sie bald der Familie näher. Sie erkennt, dass auch andere manche Dinge unausgesprochen lassen.

Ein leiser und eindrucksvoller Roman, der eine Sogwirkung alleine durch die Beziehungskonstrukte und ungesagte Worte erzeugt. Die für mich interessantesten Aspekte des Buches waren der Umgang mit Trauma, Heilung und das Wiederfinden der eigenen Stimme.

Eine klare Leseempfehlung für dieses zarte und dennoch kraftvolle Buch!

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Roadtrip trifft auf Coming-Of-Age - eine große Leseempfehlung

Kekeli
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Kekeli hat es geschafft. Sie hat ihr Abitur in der Tasche und alles, auf was sie sich noch konzentrieren müsste, wäre der Abschlussball. Aber es soll ganz anders kommen...
Ihr Klassenkamerad Kwame lädt ...

Kekeli hat es geschafft. Sie hat ihr Abitur in der Tasche und alles, auf was sie sich noch konzentrieren müsste, wäre der Abschlussball. Aber es soll ganz anders kommen...
Ihr Klassenkamerad Kwame lädt sie und ihre Cousine Afi, welche aus Togo zu Besuch ist, zu einem Roadtrip ein. Gemeinsam mit seinem Bruder dreht er eine Doku über das Leben Schwarzer Menschen in Deutschland. Kekeli wird auf ihrem Weg nicht nur auf die Spuren anderer stoßen, sondern auch auf die ihrer eigenen Familie.

"Kekeli" ist ein wunderbarer Mix aus Roadtrip und Coming-Of-Age Story. Die Dynamik zwischen Afi und Kekeli hat mir sehr gut gefallen.
Jessica Mawuena Lawson erzählt dieses zarte Annähern der Cousinen, die sich trotz großer Distanz gar nicht mal so sehr voneinander unterscheiden, so feinfühlig und empathisch.
Nicht nur ein Mal stellt sich die Frage, wie es wäre, wenn Kekeli anstelle von Afi in Togo groß geworden wäre. Dadurch wird die Tür geöffnet, über die Identität im Allgemeinen nachzudenken, aber auch darüber, welche Bedeutung Heimat haben kann. 
Ich konnte einiges aus dem Buch über das Leben Schwarzer Menschen in Deutschland lernen. (Gert Schramm!? - Wieso habe ich diesen Namen in der Schulzeit nie gehört?!) Neben den informativen Passagen konnte mich Jessica Mawuena Lawson aber auch mit ihrem bezaubernden Erzählstil begeistern. So viele Absätze habe ich mir markiert (siehe Slide).
Ich würde so gerne wissen, wie es mit Kekeli, Kwame, Kofi und (vor allem!) Afi weitergeht.

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