Profilbild von oneveganbooknerd

oneveganbooknerd

Lesejury Star
offline

oneveganbooknerd ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit oneveganbooknerd über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.04.2026

Ein heißer Sommer und Coming-of-age

Restsommer
0

Dominik ist 16 Jahre alt und wohnt in einer Kleinstadt namens Schönacker. Dort passiert für einen heranwachsenden Jungen wie Dominik nicht viel. Er vertreibt sich die Zeit mit seinen Freunden im Freibad ...

Dominik ist 16 Jahre alt und wohnt in einer Kleinstadt namens Schönacker. Dort passiert für einen heranwachsenden Jungen wie Dominik nicht viel. Er vertreibt sich die Zeit mit seinen Freunden im Freibad und bei der Bandprobe. Ab und an hilft er im Bestattungsunternehmen seines Vaters. Dieses soll er irgendwann einmal übernehmen, so der Wunsch von Dominiks Vater. Aber ist das auch sein eigener Wunsch? Als Biff, ein neuer Schüler, in Dominiks Klasse kommt, wird seine Welt, wie er sie kennt, auf den Kopf gestellt...
"Restsommer" ist ein Coming of Age Roman, der alles hat, was eine gute Sommerlektüre so brauchen könnte: Nostalgie (hier a la 2003), Freibadvibes, Abenteuer und die große Frage "Wer bin ich?". Dominik trägt die Geschichte als Protagonist hervorragend. Er ist unsicher, wohin es in seinem Leben gehen soll und freundet sich mit Biff an, der ihm zeigt, dass es auch noch andere Aspekte des Lebens gibt als regelkonform das Familienunternehmen zu erben. Trotz der vielen Reibungspunkte habe ich die Dynamik zwischen Dominik und seinem Vater geliebt! Kea von Garnier beschreibt die Beziehung der beiden so authentisch und vielschichtig, wie sie zwischen Eltern und Kinder eben sein kann. Dominiks Zerrissenheit und die Abwägung wie er nach der Schule sein Leben gestalten möchte, war so greifbar und manchmal auch frustrierend. Am liebsten hätte ich ihn in den Arm genommen und ihm gesagt, dass alles gut werden wird. 
Kea von Garnier hat hier ein starkes Debüt hingelegt und ich möchte noch gerne mehr von ihr lesen. 

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2026

Leise und eindrucksvoll

Moosland
0

Elsa beginnt nach dem Krieg auf einem isländischen Hof zu arbeiten. Sie spricht anfangs kein einziges Wort Isländisch und fühlt sich fremd und allein. Die Kommunikation mit der Bauernfamilie fällt ihr ...

Elsa beginnt nach dem Krieg auf einem isländischen Hof zu arbeiten. Sie spricht anfangs kein einziges Wort Isländisch und fühlt sich fremd und allein. Die Kommunikation mit der Bauernfamilie fällt ihr schwer, sodass sie sich eher als Außenstehende wahrnimmt, die das Geschehen beobachtet. Doch möchte sie wirklich dazugehören?
Mit der Zeit wandelt sich ihre Beziehung zu den Menschen und der Umgebung. Elsa entdeckt ein Familiengeheimnis, welches sie zunehmend beschäftigt.
In "Moosland" lernen die Lesenden gemeinsam mit der Protagonistin die wunderschöne und raue Natur Islands kennen. Mit Elsas wachsendem Sprachverständnis der isländischen Sprache und ihrer ausgeprägten Beobachtungsgabe kommt sie bald der Familie näher. Sie erkennt, dass auch andere manche Dinge unausgesprochen lassen.

Ein leiser und eindrucksvoller Roman, der eine Sogwirkung alleine durch die Beziehungskonstrukte und ungesagte Worte erzeugt. Die für mich interessantesten Aspekte des Buches waren der Umgang mit Trauma, Heilung und das Wiederfinden der eigenen Stimme.

Eine klare Leseempfehlung für dieses zarte und dennoch kraftvolle Buch!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2026

Roadtrip trifft auf Coming-Of-Age - eine große Leseempfehlung

Kekeli
0

Kekeli hat es geschafft. Sie hat ihr Abitur in der Tasche und alles, auf was sie sich noch konzentrieren müsste, wäre der Abschlussball. Aber es soll ganz anders kommen...
Ihr Klassenkamerad Kwame lädt ...

Kekeli hat es geschafft. Sie hat ihr Abitur in der Tasche und alles, auf was sie sich noch konzentrieren müsste, wäre der Abschlussball. Aber es soll ganz anders kommen...
Ihr Klassenkamerad Kwame lädt sie und ihre Cousine Afi, welche aus Togo zu Besuch ist, zu einem Roadtrip ein. Gemeinsam mit seinem Bruder dreht er eine Doku über das Leben Schwarzer Menschen in Deutschland. Kekeli wird auf ihrem Weg nicht nur auf die Spuren anderer stoßen, sondern auch auf die ihrer eigenen Familie.

"Kekeli" ist ein wunderbarer Mix aus Roadtrip und Coming-Of-Age Story. Die Dynamik zwischen Afi und Kekeli hat mir sehr gut gefallen.
Jessica Mawuena Lawson erzählt dieses zarte Annähern der Cousinen, die sich trotz großer Distanz gar nicht mal so sehr voneinander unterscheiden, so feinfühlig und empathisch.
Nicht nur ein Mal stellt sich die Frage, wie es wäre, wenn Kekeli anstelle von Afi in Togo groß geworden wäre. Dadurch wird die Tür geöffnet, über die Identität im Allgemeinen nachzudenken, aber auch darüber, welche Bedeutung Heimat haben kann. 
Ich konnte einiges aus dem Buch über das Leben Schwarzer Menschen in Deutschland lernen. (Gert Schramm!? - Wieso habe ich diesen Namen in der Schulzeit nie gehört?!) Neben den informativen Passagen konnte mich Jessica Mawuena Lawson aber auch mit ihrem bezaubernden Erzählstil begeistern. So viele Absätze habe ich mir markiert (siehe Slide).
Ich würde so gerne wissen, wie es mit Kekeli, Kwame, Kofi und (vor allem!) Afi weitergeht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.03.2026

Mütter und Töchter und das Erbe, Schönheitsidealen zu entsprechen

Das schönste aller Leben
0

Vio durchlebt in ihrer Jugend den Drang, so wie eigentlich jeder Teenie, sich anzupassen. Bloß nicht auffallen oder anders sein als die Klassenkamerad*innen. Extra schwierig gestaltet sich dies jedoch, ...

Vio durchlebt in ihrer Jugend den Drang, so wie eigentlich jeder Teenie, sich anzupassen. Bloß nicht auffallen oder anders sein als die Klassenkamerad*innen. Extra schwierig gestaltet sich dies jedoch, wenn man 23 Stunden am Tag ein Stützkorsett tragen muss, um dem sich langsam entwickelnden Buckel entgegenzuwirken. Als Vio erwachsen ist, sieht sie sich erneut gesellschaftlichen Schönheitsidealen ausgesetzt. Doch diesmal geht es nicht um sie. Sie fürchtet sich davor, was Menschen über ihre kleine Tochter denken könnten. Die Kleine trägt seit einem Unfall sichtbare Narben im Gesicht. Vio kann sich seit dem Unfall selbst nicht verzeihen. Die Schuldgefühle holen sie immer stärker ein, sie scheint an ihnen zu zerbrechen...

In "Das schönste aller Leben" geht es neben den gesellschaftlichen Schönheitsidealen und deren Bedeutung für die einzelnen Frauen einer Familie auch um Schuld, (Über-)Leben und Traumata. Im Fokus stehen hier vor allem die Mutter-Tochter-Beziehungen, die schonungslos und intensiv erzählt werden.
Betty Boras erzählt leise, aber kraftvoll vom Leben ihrer Protagonistinnen. Die Geschichte hat mich zutiefst berührt und ich wollte gar nicht, dass das Buch endet. Die Autorin lädt dazu ein, selbst noch einmal die eigenen Schönheitsideale zu hinterfragen und in sich selbst hineinzuhören, was Schönheit eigentlich ganz individuell bedeuten kann.

Für mich ist "Das schönste aller Leben" jetzt schon ein Jahreshighlight und eines der stärksten Debüts 2026.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.03.2026

Generationenroman über Ausgrenzung und die Stärke von Frauen

Parasiti
0

Von einem Tag auf den anderen spricht Rinas Oma nicht mehr. Sie wirkt plötzlich hart und reagiert nur noch auf wenige Impulse. Die Veränderung ihres Gemüts scheint durch das Eintreffen eines Briefes ausgelöst ...

Von einem Tag auf den anderen spricht Rinas Oma nicht mehr. Sie wirkt plötzlich hart und reagiert nur noch auf wenige Impulse. Die Veränderung ihres Gemüts scheint durch das Eintreffen eines Briefes ausgelöst worden zu sein. Valli, Rinas Tante, vernichtet diesen jedoch umgehend und ignoriert den unübersehbaren Schmerz der Großmutter. Zumindest versucht sie es. Rina kann das Verhalten ihrer Tante nicht begreifen. Sie beginnt nach Einzelheiten aus der Vergangenheit und der Familiengeschichte zu fragen. Nach und nach entsteht für sie ein immer klareres Bild vom Leben in Novosibirsk in den 1960er-Jahren und Rina erkennt, dass in ihrer Familie die Leben und Schicksale der Frauen unwiderruflich miteinander verwoben sind…

Ich habe „PARASITI“ von Alisha Gamisch so gerne gelesen und das, obwohl einige Passagen schwer auszuhalten sind. Der Druck, dem die einzelnen Frauen in Rinas Familie ausgesetzt sind, ist enorm. Sie erleben Ausgrenzung, Armut und Vertreibung, um nur ein paar Punkte zu nennen. Dennoch gelingt es Alisha Gamisch, die Frauen nicht in der Opferrolle erscheinen zu lassen. Sie gibt ihnen ihre eigene Stimme (zurück) und ermächtigt sie damit, ihre eigene Geschichte zu erzählen.

„PARASITI“ ist eine Ode an die Resilienz der Frauen. Eine absolute Herzensempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere