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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.04.2026

Wahrnehmung, Überforderung und das Anderssein

Sie wollen uns erzählen
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Der Roman Sie wollen uns erzählen von Birgit Birnbacher erzählt die Geschichte von Oz und seiner Mutter Ann und rückt dabei das Erleben von ADHS in den Mittelpunkt. Besonders auffällig ist der sprunghafte, ...

Der Roman Sie wollen uns erzählen von Birgit Birnbacher erzählt die Geschichte von Oz und seiner Mutter Ann und rückt dabei das Erleben von ADHS in den Mittelpunkt. Besonders auffällig ist der sprunghafte, teils fordernde Stil, der die Gedankenwelt der Figuren direkt spürbar macht. Dadurch entsteht eine große Nähe, auch wenn der Einstieg etwas Zeit braucht.

Oz wird als sensibler und kluger Junge gezeichnet, der ständig zwischen eigenen Impulsen und äußeren Erwartungen steht. Ann kämpft gleichzeitig mit ihrem Alltag und dem Anspruch, ihrem Sohn gerecht zu werden. Gerade diese Beziehung wirkt glaubwürdig und berührend.

Im späteren Verlauf verliert der Roman durch zusätzliche Handlungsstränge etwas an Fokus, bleibt aber insgesamt eine eindringliche und ungewöhnliche Lektüre über Wahrnehmung, Überforderung und das Anderssein.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Wenn die Maske fällt – Eine leise Suche nach Wahrheit und Vergangenheit

Letzter Akt
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Letzter Akt“ ist kein Roman, der seine Leser mit Tempo oder großen Wendungen sofort in den Bann zieht, vielmehr entfaltet er seine Wirkung leise, beinahe unmerklich. Wer Spannung im klassischen Sinne erwartet, ...

Letzter Akt“ ist kein Roman, der seine Leser mit Tempo oder großen Wendungen sofort in den Bann zieht, vielmehr entfaltet er seine Wirkung leise, beinahe unmerklich. Wer Spannung im klassischen Sinne erwartet, wird hier zunächst enttäuscht, denn das Buch setzt bewusst auf Entschleunigung. Erst im letzten Abschnitt gewinnt die Handlung an dramatischer Wucht und verleiht dem zuvor Gelesenen eine neue Bedeutung.

Im Mittelpunkt steht Dora, eine erfolgreiche Schauspielerin in ihren Vierzigern, die sich ein Leben in London aufgebaut hat, fern von ihren deutschen Wurzeln. Als sie dem zurückgezogen lebenden Maler Victor begegnet, entsteht zwischen ihnen eine vorsichtige, aber intensive Verbindung. Besonders reizvoll ist dabei, dass Victor sie nicht aus der Öffentlichkeit kennt und ihr damit eine ungewohnte Form von Freiheit ermöglicht. Der Entschluss, sich von ihm porträtieren zu lassen, wird schließlich zum Ausgangspunkt einer inneren Reise, die Dora mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert.

Die Handlung ist in drei zeitlich voneinander getrennte Abschnitte gegliedert, die sich nach und nach zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Während der erste Teil Doras Gegenwart beleuchtet, führt ein späterer Abschnitt zurück in ihre Jugend in den 1980er-Jahren. Diese Rückblicke wirken weniger wie nostalgische Erinnerungen, sondern vielmehr wie das vorsichtige Freilegen lange verdrängter Erfahrungen. Gerade hier zeigt sich die eigentliche Stärke des Romans: Es geht nicht um äußere Ereignisse, sondern um innere Prozesse, um Identität, Schuld und die Frage, was von einem Menschen bleibt, wenn alle Rollen abgelegt sind.

Allerdings verlangt das Buch Geduld. Vor allem im Mittelteil zieht sich die Handlung spürbar, und es gibt Momente, in denen man sich bewusst zum Weiterlesen motivieren muss. Wer sich jedoch darauf einlässt, wird am Ende belohnt: Der Schluss verbindet die verschiedenen Erzählebenen auf eine eindringliche Weise und verleiht insbesondere Victors Gemälde eine symbolische Kraft, die über die reine Handlung hinausweist.

Sprachlich überzeugt der Roman durch eine präzise und feinfühlige Gestaltung. Die Figuren, allen voran Dora wirken glaubwürdig und vielschichtig, ihre Entscheidungen nachvollziehbar. Besonders gelungen ist das Spannungsfeld zwischen Schein und Sein: Während Dora als Schauspielerin gewohnt ist, in andere Identitäten zu schlüpfen, zwingt sie das Porträt dazu, sich mit ihrem unverstellten Selbst auseinanderzusetzen.

Insgesamt ist „Letzter Akt“ ein stilles, nachdenkliches Buch, das weniger durch Handlung als durch Atmosphäre und innere Entwicklung wirkt. Wer sich auf einen leisen, literarisch anspruchsvollen Roman einlassen möchte, wird hier eine berührende und tiefgründige Geschichte finden.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Zwischen Feuer, Freiheit und Drachen

Dragonborn (Band 1) - Das Erbe des Feuers
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Im Zentrum der Geschichte steht Alex Evans, ein zwölfjähriges Mädchen, das nicht nur mit dem Verlust ihres Vaters kämpft, sondern auch mit einer Mutter, die ihr Leben bis ins kleinste Detail kontrolliert. ...

Im Zentrum der Geschichte steht Alex Evans, ein zwölfjähriges Mädchen, das nicht nur mit dem Verlust ihres Vaters kämpft, sondern auch mit einer Mutter, die ihr Leben bis ins kleinste Detail kontrolliert. Diese ständige Überwachung hat mich beim Lesen fast genauso eingeengt wie Alex selbst. Besonders berührt hat mich, wie sehr sie sich danach sehnt, über ihren Vater zu sprechen und an die gemeinsamen Erinnerungen im Wald festzuhalten, ein Ort, der ihr gleichzeitig verboten ist.

Als ihre Gefühle schließlich überkochen, nimmt die Geschichte eine überraschende Wendung: Alex entdeckt, dass mehr in ihr steckt, als sie je geahnt hätte. Von da an überschlagen sich die Ereignisse, und ehe ich mich versehe, befindet sie sich auf einer geheimnisvollen Insel, auf der sie zusammen mit anderen ihresgleichen lernen muss, mit ihren Fähigkeiten umzugehen. Diese neue Welt wirkt gleichzeitig faszinierend und einschüchternd, was ich beim Lesen sehr gut nachempfinden konnte.

Die Figuren haben mich unterschiedlich stark überzeugt. Alex selbst fand ich vielschichtig und glaubwürdig, vor allem in ihrem Umgang mit Trauer und dem Gefühl, nirgends so richtig dazuzugehören. Einige Nebencharaktere bringen ebenfalls emotionale Tiefe mit, auch wenn ich mir bei manchen noch etwas mehr Entwicklung gewünscht hätte. Mit ihrer Mutter bin ich hingegen nicht ganz warm geworden, sie blieb für mich schwer greifbar, wobei ich mir vorstellen kann, dass das bewusst so angelegt ist.

Das Tempo der Geschichte ist ziemlich hoch, was dafür sorgt, dass beim Lesen kaum Langeweile aufkommt.

Insgesamt hatte ich richtig viel Spaß mit Dragonborn. Die Mischung aus Abenteuer, Drachenmythologie und dem Thema Selbstfindung funktioniert gut, ohne das Genre neu erfinden zu wollen. Gerade jüngere Leserinnen und Leser dürften hier voll auf ihre Kosten kommen, aber auch ich habe die Reise sehr genossen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich die Reihe weiterentwickelt.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Magie mit einem hohen Preis

House of Blight
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Der Einstieg gelingt leicht, vor allem durch die Nähe zur Protagonistin Edira, deren Mitgefühl und Stärke sofort überzeugen. Ihre Motivation, ihre Brüder zu retten, verleiht der Handlung von Beginn an ...

Der Einstieg gelingt leicht, vor allem durch die Nähe zur Protagonistin Edira, deren Mitgefühl und Stärke sofort überzeugen. Ihre Motivation, ihre Brüder zu retten, verleiht der Handlung von Beginn an Gewicht. Die Geschichte ist durchgehend düster gehalten.

Besonders gelungen ist das Magiesystem, bei dem Heilung immer einen persönlichen Preis fordert. Auch das Worldbuilding ist stimmig und wird verständlich aufgebaut. Einige Entwicklungen sind vorhersehbar, dennoch bleibt die Spannung bis zum Ende erhalten.

Insgesamt ein gelungener Auftakt mit einer starken Hauptfigur und viel Atmosphäre. Kleine Schwächen bei der Vorhersehbarkeit trüben das Gesamtbild nur leicht.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Eine süße Geschichte über erste Liebe

24 Sekunden ab jetzt
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Jason Reynolds “24 Sekunden ab jetzt” erzählt auf ungewöhnliche Weise vom Erwachsenwerden und vom ersten Mal eines Teenagers. Im Mittelpunkt steht Neon, der kurz davorsteht, mit seiner Freundin Aria einen ...

Jason Reynolds “24 Sekunden ab jetzt” erzählt auf ungewöhnliche Weise vom Erwachsenwerden und vom ersten Mal eines Teenagers. Im Mittelpunkt steht Neon, der kurz davorsteht, mit seiner Freundin Aria einen großen Schritt in ihrer Beziehung zu gehen. Die Geschichte wird dabei rückwärts erzählt: Ausgehend vom aktuellen Moment springt die Handlung immer weiter in die Vergangenheit – Minuten, Tage und Wochen zurück, bis sich schließlich ein vollständiges Bild ihrer Beziehung ergibt. Diese Struktur ist originell, kann aber manchmal etwas Orientierung verlangen.

Besonders gelungen ist die Figur Neon, dessen Gedanken und Unsicherheiten sehr authentisch wirken. Durch Gespräche mit seiner Familie und seinen Freunden, mal peinlich, mal lustig, versucht er herauszufinden, wie er mit dieser neuen Situation umgehen soll.

Gleichzeitig zeigt der Roman eine liebevolle und respektvolle Beziehung zwischen Neon und Aria. Reynolds schafft es, ein sensibles Thema warmherzig und zugänglich zu erzählen. Trotz kleiner Schwächen in der Struktur bleibt das Buch eine berührende und oft sehr witzige Geschichte über jugendliche Liebe und das Erwachsenwerden.

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