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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.04.2026

Berührend

Solange ein Streichholz brennt
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Der Roman „Solange ein Streichholz brennt“ hat mich von der ersten Seite an emotional erreicht. Im Mittelpunkt steht Bohm, der seit Jahren auf der Straße lebt und sich gemeinsam mit seinem Hund Fox durch ...

Der Roman „Solange ein Streichholz brennt“ hat mich von der ersten Seite an emotional erreicht. Im Mittelpunkt steht Bohm, der seit Jahren auf der Straße lebt und sich gemeinsam mit seinem Hund Fox durch den Alltag kämpft.
Dem gegenüber steht Alina, eine Journalistin, deren Karriere ins Stocken geraten ist und die in einer Reportage über Obdachlosigkeit ihre letzte Chance sieht. Schnell merken sie beide, dass mehr zwischen ihnen ist als eine Zweckbeziehung.

Besonders gelungen finde ich, wie der Roman das Thema Obdachlosigkeit behandelt. Es wird weder beschönigt noch sensationsheischend dargestellt, sondern mit viel Empathie und Feingefühl erzählt. Man bekommt einen Einblick in eine Lebensrealität, die im Alltag oft übersehen wird, obwohl sie in allen Städten ein wachsendes Problem ist. Gerade diese Perspektive macht das Buch so wichtig. Auch die Beziehung zwischen Bohm und Alina wird überzeugend entwickelt. Sie entwickelt sich vorsichtig, ohne kitschig zu werden.

Sprachlich hat mich das Buch ebenfalls überzeugt. Der Stil ist flüssig, zugänglich und gleichzeitig emotional treffend, ohne dabei überladen zu wirken. Man merkt, dass der Autor, wie schon in seinem Debütroman, ein gutes Gespür für Figuren und Stimmungen hat.

Für mich ist „Solange ein Streichholz brennt“** ein berührender und wichtiger Roman, der nicht nur unterhält, sondern auch den Blick für ein oft verdrängtes Thema richtet. Ich hoffe, dass viele Leserinnen und Leser nach dieser Lektüre anders auf obdachlose Menschen schauen.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Wie immer

Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
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Das Hörbuch „Die Känguru-Rebellion“ von Marc-Uwe Kling ist wie immer politisch, pointiert und vor allem sehr witzig und kurzweilig.

Diesmal hat das Känguru endgültig genug von der Weltlage, von Merz und ...

Das Hörbuch „Die Känguru-Rebellion“ von Marc-Uwe Kling ist wie immer politisch, pointiert und vor allem sehr witzig und kurzweilig.

Diesmal hat das Känguru endgültig genug von der Weltlage, von Merz und von Spahn und ruft zur Rebellion auf, natürlich nicht ohne die gewohnt absurden Dialoge mit dem Kleinkünstler. Inhaltlich bleibt das Konzept vertraut: viele kleine Anekdoten statt einer durchgehenden Handlung. Besonders gut funktioniert das für mich wie immer das Hörbuchformat, weil Marc-Uwe Kling selbst liest. Wie schon bei den vorherigen Teilen bringt er das Timing, die Betonung und die kleinen Nuancen perfekt rüber. Etwas irritierend könnte zwischendurch für manche das Lachen des Live-Publikums sein, mich hat das aber nicht gestört.

Ich habe mich beim Hören durchgehend gut unterhalten gefühlt. Das Hörbuch ist witzig, kurzweilig und trifft oft genau den richtigen Ton zwischen Humor und Gesellschaftskritik. „Die Känguru-Rebellion“ ist damit genau das, was man erwartet und genau das, was man in dieser Reihe auch haben möchte.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Bittersüß

Little Hollywood
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Der Roman „Little Hollywood“ von Inga Hanka ist ein klassischer Coming-of-Age-Roman, was mein Lieblingsgenre ist. Im Mittelpunkt steht Leonie, die gerade Abi gemacht hat. Sie hat Streit mit ihrer psychisch ...

Der Roman „Little Hollywood“ von Inga Hanka ist ein klassischer Coming-of-Age-Roman, was mein Lieblingsgenre ist. Im Mittelpunkt steht Leonie, die gerade Abi gemacht hat. Sie hat Streit mit ihrer psychisch kranken Mutter, Probleme mit dem abwesenden Vater und muss dienVerantwortung für ihren kleinen Bruder Ben tragen. Die Videothek „Little Hollywood“ und ihr Mitarbeiter Jo werden für sie zu einem Rückzugsort.

Besonders gut gefallen hat mir die Stimmung des Romans. Diese letzten Wochen vor dem Erwachsenwerden sind sehr treffend eingefangen. Der Sommer fühlt sich beim Lesen richtig greifbar an: die Hitze, das Herumtreiben, das Gefühl von Übergang. Auch die vielen popkulturellen Details und Anspielungen auf die späten 90er (CDs, fehlende Handys etc.) tragen viel zur Atmosphäre bei.

Inhaltlich erfindet der Roman das Genre nicht neu, aber das ist hier auch gar nicht nötig. Mich hat die Mischung aus Leichtigkeit und Melancholie sehr angesprochen. Teilweise hat mich das Buch an Caroline Wahl erinnert - vor allem durch die Dynamik zwischen Leo und ihrem kleinen Bruder und die schwierige Familiensituation - und gleichzeitig an Benedict Wells durch die ruhige, leicht melancholische Grundstimmung und die popkulturellen Bezüge. Mir hat es ausgezeichnet gefallen!

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Erschütternd

Der Fährmann
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Der Roman „Der Fährmann“ hat mich von Anfang an begeistert. Das historische Setting an der Salzach, zwischen Österreich und Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ist atmosphärisch dicht und wird ...

Der Roman „Der Fährmann“ hat mich von Anfang an begeistert. Das historische Setting an der Salzach, zwischen Österreich und Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ist atmosphärisch dicht und wird mit einer fast märchenhaften Erzählweise verbunden, die mich sofort in die Geschichte hineingezogen hat.

Im Mittelpunkt steht die Dreiecksgeschichte zwischen Hannes, der als Fährmann nicht heiraten darf, Elisabeth, der Bauerntochter, die Josef heiraten muss, aber in Hannes verliebt ist, und Annemarie, die ebenfalls in Hannes verliebt ist. Damit entsteht ein Geflecht aus unerfüllten Hoffnungen, Loyalitäten und Verletzungen, die sich im Laufe des Romans immer weiter zuspitzen. Neben den individuellen Lebensgeschichten wird zusätzlich die gesellschaftliche Geschichte des Patriarchats, von Gewalt und dem Ersten Weltkrieg erzählt. Die politische und gesellschaftliche Zerrissenheit spiegelt sich auch in ihren persönlichen Beziehungen wider. Was zunächst wie eine Liebes- und Dorfgeschichte beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer düsteren, spannungsgeladenen Erzählung, in der Gewalt, Schuld und moralische Konflikte eine große Rolle spielen.

Ich fand den Roman stellenweise wirklich hart zu lesen, gerade wegen der drastischen Ereignisse und der emotionalen Intensität. Gleichzeitig konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen, so sehr hat mich die Geschichte gepackt. Besonders berührt hat mich das Ende.Und auch die letzten Seiten und sogar die Danksagung haben bei mir noch einmal Gänsehaut ausgelöst. Wenn ein Buch so erschüttern und gleichzeitig berühren kann, bleibt es definitiv im Gedächtnis, für mich war es ein echtes Highlight.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Hanni und Nanni für Erwachsene

Prep
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Der Roman „Prep“ von Curtis Sittenfeld hat mich super unterhalten. Als großer Fan von Coming-of-Age-Geschichten bin ich voll auf meine Kosten gekommen und das Internatssetting mit Einblicken in die Welt ...

Der Roman „Prep“ von Curtis Sittenfeld hat mich super unterhalten. Als großer Fan von Coming-of-Age-Geschichten bin ich voll auf meine Kosten gekommen und das Internatssetting mit Einblicken in die Welt der Reichen und Privilegierten hat mir zusätzlich sehr gut gefallen.

Erzählt wird aus Sicht von Lee Fiora, die mit vierzehn dank eines Stipendiums an die renommierte Eliteschule Ault bei Boston kommt. Was zunächst wie der Eintritt in eine glamouröse, verheißungsvolle Welt wirkt, stellt sich schnell als emotionale Herausforderung heraus. Zuhause war Lee selbstbewusst und schlagfertig, in Ault fühlt sie sich zwischen den Reichen und Schönen plötzlich unscheinbar und fehl am Platz. Der Roman begleitet sie über mehrere Schuljahre hinweg durch Freundschaften, erste Lieben, Unsicherheiten und Fehlentscheidungen. Das Lesen fühlte sich ein wenig an wie das Verfolgen einer Serie: Man erlebt die Jahreszeiten, Entwicklungen und kleinen Dramen intensiv mit. Dabei bleibt die Geschichte leicht und gut lesbar, ohne oberflächlich zu sein. Gerade diese Mischung aus Unterhaltung und Tiefgang hat mir sehr gefallen. Ich war deshalb sehr froh, dass der Roman so viele Seiten hat!

Für mich war „Prep“ ein sehr gelungener Coming-of-Age-Roman: unterhaltsam, klug beobachtet und mit genau der richtigen Portion Sozialkritik. Wer das Genre mag, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.

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