Platzhalter für Profilbild

theblackswan

Lesejury Profi
offline

theblackswan ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit theblackswan über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.12.2021

Hygge im Schnee

Das kleine Chalet in der Schweiz
0

In "Das kleine Chalet in der Schweiz" steht Mina vor den Trümmern ihres Lebens und beschließt, ihre Tante in der Schweiz zu besuchen. Dort will sie ihre Gedanken ordnen und ihre Liebe für gutes Essen ausleben. ...

In "Das kleine Chalet in der Schweiz" steht Mina vor den Trümmern ihres Lebens und beschließt, ihre Tante in der Schweiz zu besuchen. Dort will sie ihre Gedanken ordnen und ihre Liebe für gutes Essen ausleben. Dort stellt sie sich die Frage, ob eine neue Liebe in ihr neues Ich passen kann.

Schon alleine der Titel und die Haptik des Buches versprechen gemütliche Lesestunden und Entschleunigung. Teile des Covers sind wie mit Glitzer überzogen und während des Lesens müsste ich immer wieder meditativ darüber streichen.

Aber auch der Inhalt ist die reinste Definition von Cozy und Hygge. Die bildhafte Sprache trägt dazu bei, dass man die wunderschönen Landschaften und das Chalet förmlich vor sich sieht und sich wünscht, selbst dort zu sein. Man schmeckt die Kuchen und Schokolade. Das hat das Buch wirklich sehr gut gemacht.

Einen Punkt Abzug gibt es, weil gerade am Anfang Minas selbstauferlegte Regeln etwas zu oft wiederholt werden, das nervt irgendwann schon fast aber dann schwenkt die Autorin um und man kann sich wieder auf ihre Reise einlassen.

Das Buch ist einsehr gemütlicher Lesespaß für kalte Tage, an denen man voll in eine Geschichte abtauchen will und träumen will.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.03.2026

Frühlingsgefühle Pur

The Iced Caramel Coffee Agreement
0

Wenn Frühling in einem Kyra Groh Buch ist, dann aber so richtig. Der zweite Teil der Lower Whilby Reihe verpackt den Frühling super erfrischend in ein Buch - nicht zu aufdringlich und wie von einer Checkliste ...

Wenn Frühling in einem Kyra Groh Buch ist, dann aber so richtig. Der zweite Teil der Lower Whilby Reihe verpackt den Frühling super erfrischend in ein Buch - nicht zu aufdringlich und wie von einer Checkliste abgearbeitet, aber subtil und fühlbar über Frühlingsgefühle und kleine Details.

Die Details sind es auch für mich, die Bücher von Kyra Groh ausmachen. Sie schafft es einfach, Charaktere zu schreiben die brutal ehrlich sind. Hier wird ausgesprochen, was andere nur denken und sich nicht trauen, zu sagen oder bei dem man einfach nicht zugeben will, dass dieser Glaubenssatz einen beeinflusst. Gerade wenn es dabei um das Eigenbild bzw. Schönheitsideale geht, die an Frauen gerichtet sind, macht das die Lovestory für mich sehr modern, ohne dabei preachy zu sein. Und auch wenn ich mich vielleicht nicht mit dem Rockstar-Leben identifizieren kann, fühle ich doch mit den Charakteren mit, verstehe warum sie handeln wie sie es tun und habe das Gefühl, ihnen so auf der Straße begegnen zu können. Ich habe als jemand aus der Werbe- und Kommunikationsbranche vor allem den Comedic Relief und den Humor in den Werbekampagnen und Farah geliebt.

Im ersten Drittel hatte ich etwas Probleme mit dem Pacing - da war es für mich eine komische Mischung aus: Der Plot plätschert aber die Verbindung zwischen den Love Interests rast. Gleichzeitig war mir das Geheimnis um Dex etwas zu offensiv platziert. Das hat sich aber dann gut aufgelöst und ab dann fand ich das Pacing perfekt und die Connection sehr glaubwürdig.

An sich ein perfektes Romance-Buch für alle, die ein bisschen Frühlingsgefühle brauchen, die sich in ein Rockstar-Kleinstadt-Leben träumen wollen und die einfach mal wieder an ihre Jugendliebe denken wollen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.02.2026

Viel kognitive Dissonanz

Gelbe Monster
0

Dieses Buch tut für mich vor allem eins: es wirft extrem viele moralische Fragen auf - an die eigenen Grundsätze, an Ethik und Moral ganz allgemein. Die Protagonistin Charlie hat mich teilweise extrem ...

Dieses Buch tut für mich vor allem eins: es wirft extrem viele moralische Fragen auf - an die eigenen Grundsätze, an Ethik und Moral ganz allgemein. Die Protagonistin Charlie hat mich teilweise extrem getestet. Vor allem am Anfang verargumentiert sie was passiert ist, sie relativiert das objektiv Falsche und sie versucht uns Leser:innen subtil durch ihre Gedankenwelt auf ihre Seite zu sehen. Sie baut ihre eigene Kleine Welt und konstruiert eine Geschichte, mit der sie und und sich uberzeugen will. Die Gedankengänge sind dabei meiner Meinung nach schon realistisch gehalten, wenn auch unangenehm zu lesen - wie sie sich von den anderen Frauen abgrenzt, wie sie Valentin romantisiert, wie sie ihre Freundinnen und andere Frauen sieht. Deshalb ist es zwar nervig aber auch so wichtig, dass wir uns quasi in ihrem Kopf befinden, das ist Absicht um unsere eigenen moralischen Grenzen zu testen.

Was dazu noch interessant ist: das Buch zeichnet kein schwarz-weiß Täterinnenbild, durch die Perspektive wird nicht scharf verurteilt sondern es wird Nuance gezeigt, die es in diesen Themen leider gibt. Das war für mich sehr schmerzhaft zu lesen, zeigt aber auch wie wichtig diese Sichtweise ist. Die Beziehung zwischen Charlie und Valentin ist von Anfang an beidseitig sehr toxisch - das entschuldigt nichts, setzt es aber in einen nötigen Kontext. Hier wird nicht ausgeklammert was es heißt, eine Frau in der aktuellen Gesellschaft zu sein, auch wenn sie sich falsch verhält und das ist ein absolut interessanrer Punkt.

Ein Buch, auf das man gefasst sein muss, das für mich schmeezhaft, nervig und augenöffnend war und vor allem ganz anders, als man es erwartet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.01.2026

Ehrlich und ungeschönt

Half His Age
0

Jennette McCurdy hat ein Buch geschaffen, das Ekel vor einer verwerflichen Situation - nämlich unangemessene sexuelle Beziehung mit Machtgefällt - hervorzurufen und den eigenen moralischen Kompass nochmal ...

Jennette McCurdy hat ein Buch geschaffen, das Ekel vor einer verwerflichen Situation - nämlich unangemessene sexuelle Beziehung mit Machtgefällt - hervorzurufen und den eigenen moralischen Kompass nochmal einzunorden. Ihre unterschwelligen und teilweise sehr expliziten Kommentare zum Feminismus, Frau sein, zu Machtverhältnissen und Konsum sind super interessant. Manche stellen waren so gut, so ehrlich und roh, als würde sie aussprechen, was viele nur denken bzw. was das Denken von vielen unbewusst bestimmt. An anderen Stellen fand ich die Ansätze gut, vor allem beim Konsum zeigt sie ihre Meinung sehr klar auf. Aber da fängt auch mein Problem mit dem Buch an:

Waldo, aus deren Sicht wir lesen, sieht sich selbst und trifft Entscheidungen immer durch die Linse anderer und ihrer eigenen Umstände. Manchmal (wie beim Thema Konsum und ihrer Mutter) sieht sie die Dinge sehr klar. Vielleicht schon etwas zu klar für ihr Alter. An anderen Stellen (Mr Corgy, dessen Name übrigens Programm ist) überlässt sie es uns als Leser, das alles zu hinterfragen und reizt die Moral gefühlt aus. Ich mochte, wie hier über vererbtes Trauma und immer gleiche Verhaltensweisen geredet wird. Dennoch fand ich das Buch auch stellenweise etwas zu nah an Jennettes eigenen Erfahrungen in I'm Glad my Mom died, ich bin gespannt ob ihr nächstes Buch eine andere Richtung einschlägt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.07.2025

Gedankenexperiment

Gesellschaftsspiel
0

Eine neu gedachte Demokratie und drei Frauen im Zentrum? Klingt nach einem super Konzept für ein aktuelles und relevantes Buch. Die Umsetzung war für mich allerdings nicht immer ganz stimmig.

Das lag ...

Eine neu gedachte Demokratie und drei Frauen im Zentrum? Klingt nach einem super Konzept für ein aktuelles und relevantes Buch. Die Umsetzung war für mich allerdings nicht immer ganz stimmig.

Das lag vor allem daran, dass ich es anfangs sehr kühl und emotionslos fand. Gerade bei den behandelten Themen wie Tod eines Elternteils, aufgestaute Familiengefühle und Demokratie fand ich das verwirrend und nicht ganz passend. Dementsprechend hat es für mich auch bis zur Hälfte des Buches gedauert bis die zwei Erzählsträge sich wirklich zusammengefügt haben. Anfangs hatte ich eher das Gefühl, dass das Set Up mit der Mutter sehr unnötig war, am Ende fand ich es auch nicht wirklich voll ausgeschöpft. Die Mutter selbst hatte eine sehr krasse politische Meinung, die Prägung, die das auf ihre Töchter hatte war mir hier zu wenig erforscht.

Was Dora Zwickau allerdings sehr gut gemacht hat in meinen Augen ist es, die aktuelle Diskussionskultur widerzuspiegeln. Die Zwischenkapitel, die die Diskussionen in der Gesellschaft, Medien und Socials widergeben fand ich sehr passend, weil sie so universal lesbar waren. An sich war das Gedankenexperiment extrem interessant und hat ein Buch geschaffen, dass man nicht einfach so wegliest. Man muss sich mit den eigenen Meinungen beschäftigen, mit dem eigenen Verständnis von Demokratie und Teilhabe und damit hat das Buch ein wichtiges Denkmal gesetzt.

An sich ein super spannendes Buch, das man mit anderen Menschen zusammen lesen sollte. Im Großen und Ganzen hat es für mich das Potential nicht ganz ausgeschöpft. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass es Fans von "Views" von Marc-Uwe Kling gut gefallen könnte, es hat sich für mich sehr ähnlich angefühlt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere