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Veröffentlicht am 26.03.2026

Großartig geschrieben, intensiv und toll vertont

Gelbe Monster
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Oh mein Gott! Ich LIEBE diese Sprecherin! Was Lisa Hrdina da beim Vorlesen macht lässt einen absoluten Film in meinem Kopf entstehen und irgendwann verwischten beim Zuhören für mich die Grenzen zwischen ...

Oh mein Gott! Ich LIEBE diese Sprecherin! Was Lisa Hrdina da beim Vorlesen macht lässt einen absoluten Film in meinem Kopf entstehen und irgendwann verwischten beim Zuhören für mich die Grenzen zwischen „Kopfkino beim Lesen/Hören“ und „Ich höre da gerade wirklich die Gedanken von jemanden“ (im guten Sinne, das klingt sehr seltsam so gelesen. Ich hoffe ihr versteht).

Clara Leinemann hat mit Charlie eine Protagonistin erschaffen die so vielschichtig ist, so nahbar und liebenswert durch ihre teilweise echt abstrusen Gedankengänge und dabei so greifbar für mich als Leserin, dass ich sie gerne einmal kennenlernen würde und das Gefühl habe, dass ich nur die Venloer ein wenig rauf und runter schlendern müsste und dann treffe ich sie schon. Weil eine so echte literarische Figur kann man sich doch nicht ausdenken, oder? Leinemann offensichtlich schon.

Und somit begleiten wir Charlie in teilweise fragmentarischen Gedankenschnipseln durch ihren aktuellen Alltag bei den Anti-Aggressions-Treffen ohne zunächst genau zu wissen warum sie überhaupt da ist. Im Verlauf der Geschichte wird durch eine weitere Erzählebene in der Vergangenheit nach und nach aufgedeckt was dazu führte, dass Charlie nun so ist wie sie ist. Sie ist sicherlich keine strahlende Heldin und hat einiges falsch gemacht, jedoch zu lesen/hören wie sie durch die (wie ich finde) toxische Beziehung zu Valentin immer weiter in diesen Strudel aus Gedanken, Gefühlen und dann auch Taten getrieben wurde macht sie doch sehr nahbar. Am Ende wollte ich sie so gerne in den Arm nehmen und ihr sagen, dass alles wieder gut wird und sie dann schütteln, ihr ins Gewissen reden und sie dann wieder ganz fest drücken.
Stellenweise ist Charlies Innenleben schwer zu ertragen das muss ich zu geben, das aber auf eine unterhaltsame Art und Weise so dass das Buch nie langweilig wurde. Ich betrachte das ganze ja jetzt nun auch aus einer anderen Altersgruppe heraus als Charlie selbst und somit mit etwas Abstand, aber ich muss zugeben, dass ich mein altes Ich doch in dem ein oder anderen Gedanken ertappt und wiedererkannt habe.
Leinemanns Schreibstil lässt sich einfach so weg atmen, ist klar und gleichzeitig verspielt, wenn Charlie mal wieder Gedankenschleifen dreht. Jeder Satz wirkt präzise ausgewählt und doch wie ein zufälliger Gedanke. Einfach ein Fest beim Lesen oder Hören.

„Gelbe Monster“ ist ein Roman der den Puls der Zeit trifft. Der aufzeigt wie schwierig es sein kann zwischen unterschiedlichen Arten von Gewalt zu differenzieren. Ab wann ist Gewalt überhaupt Gewalt? Welche ist hinnehmbar und welche geht gar nicht? Gibt es da überhaupt eine unsichtbare Grenze?
Das Buch will nichts erklären oder klar benennen. Es will uns selbst zum Nachdenken bringen und die Lektüre fordert uns als Leser:innen heraus darüber nachzudenken.

Ein wenig musste ich übrigens bei dem Titel „Gelbe Monster“ schon an das sehr alte „die gelbe Tapete“ denken und als ich dann im Verlauf der Geschichte erfahren habe, dass sich die gelben Monster auf Charlies Tapete befinden halte ich das nicht mehr unbedingt für einen Zufall. Haben die Romane doch auch eine gewisse (entfernte) Ähnlichkeit im Geiste.

Fazit:
„Gelbe Monster“ ist ein intensives, sehr gut geschriebenes Erlebnis, allein wegen Protagonistin Charlie und der großartige Sprecherin Lisa Hrdina, wodurch die Hörbuchversion lebendig wird. Das Buch bewegt sich in den Grauzonen menschlicher Gefühle und zeigt, wie komplex das Innenleben eines Menschen sein kann, der Fehler macht, verletzt wird und leider auch selbst verletzt.
Zugleich stößt der Roman bei seinen Leser:innen selbst Gedanken und Fragen an wodurch Charlies Geschichte noch lange nach dem Zuklappen (oder Beenden des Hörbuchs) in einem mitschwingt und nachhallt.

„Gelbe Monster“ ist für alle, die den Mut haben tief in das Innenleben einer vielschichtigen Protagonistin tauchen zu wollen und bereit sind, sich mit toxischen Beziehungsmustern und den Facetten von Gewalt auseinanderzusetzen.

4,5 Sterne

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.03.2026

Ein Roman wie ein Druckkochtopf: Aufgeladen, spannend und am Ende entweicht die Anspannung in einem grandiosen Finale

Die Dinner Party
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Frankas Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt: Zum einen hat sie im Jetzt Sitzungen bei ihrer Therapeutin, die sie bittet alles in Briefen (die sie nicht abschicken muss) an eine von ihr festgelegte ...

Frankas Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt: Zum einen hat sie im Jetzt Sitzungen bei ihrer Therapeutin, die sie bittet alles in Briefen (die sie nicht abschicken muss) an eine von ihr festgelegte Person zu notieren.
In Form der Briefe springen wir dann in Frankas Vergangenheit. Dabei schwanken wir mit der Protagonistin zwischen ihrer Kindheit und Jugend, ihrer Studentenzeit und eben den Ereignissen die zu allem geführt haben: Dem Tag und Abend der Dinner Party.

Viola van der Sandt erzählt gekonnt von einer Frau deren Realität an den Rändern zu zerfasern droht, spielt dabei mit dem Leser/der Leserin indem sie Situationen beschreibt die nur bei näherer Betrachtung ihre tiefere Bedeutung erkennen lassen. Dabei wählt sie Frankas Worte sehr passend für eine Frau die nicht so richtig weiß wo im Leben sie steht.

Dass es sich hier nicht um einen Wohlfühl Roman handelt ist klar, allerdings war mir nicht klar, wie stark ich gerade gegen Ende der Dinner Party Szenen Frankas Druck durch die Seiten wahrnehmen würde. Ich klebte förmlich an ihnen, weil ich das Buch einfach nicht ohne ein lösendes Ereignis aus der Hand legen wollte. Ich konnte wortwörtlich nicht aufhören zu lesen.
Zwischendurch habe ich gedacht mir müsste gleich gemeinsam mit einem schrillen Pfeifton Dampf aus den Ohren kommen.
Auch die ein oder andere Wendung die ich absolut nicht kommen gesehen habe ist im Roman enthalten und macht mir große Lust alles noch einmal mit dem Wissen von jetzt zu lesen.

Die Triggerwarnungen am Ende des Buches sollte man sich, je nach mentaler Verfassung, durchaus zu Herzen nehmen.
Die ein oder andere Szene hat mich dann doch sehr schockiert und ging etwas über meine Schmerzgrenze (besonders eine, die dann aber schnell aufgelöst wurde)
Generell mutet „Die Dinner Party“ an einigen Stellen mehr wie ein Thriller, als ein Gesellschaftsktitischer Roman an.

Alles in allem hat der Pola Verlag für mich hier wieder einmal bewiesen, dass ihre Bücher am Puls der Zeit, Gesellschaftskritisch und für mich auf jeden Fall bereichernd sind.
Pola Bücher zeigen wie die Lebensrealitäten von Frauen aussehen können, wie schwierig es ist, auch noch (oder gerade) in unserer Zeit sich zu behaupten und seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Zudem stoßen sie immer wieder beim Lesen auch bei mir wichtige Fragen an. Danke dafür.

„Die Dinner Party“ ist ein intelligent aufgebauter Roman über Bewältigung und zwischenmenschliche Beziehungen. Er beleuchtet die Grenzen denen sich seine Protagonistin gegenüber sieht, sowohl die in ihrem Kopf, als auch solche die ihr von außen vorgegeben werden. Dabei balanciert der Roman gekonnt auf der Klippe von Unterhaltung und Spannung, reißt uns Leser:innen mal mehr auf die eine, mal mehr auf die andere Seite und lässt uns am Ende verdattert und mit einem Gefühl von „hier habe ich was richtig Gehaltvolles gelesen“ zurück.

Ein Roman für alle, die nicht nur unterhalten, sondern auch mitdenken wollen. Für alle deren Geschichten nicht nur angenehm sein müssen und für diejenigen unter uns die voller Spannung an den Seiten kleben wollen, ohne dass es direkt ein Thriller sein muss.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Atmosphäre
  • Cover
Veröffentlicht am 25.01.2026

Ein transformierender Kokon für die Figuren und Leser gleichermaßen

Schöne Scham
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In „Schöne Scham“ schreibt Bianca Nawrath gekonnt über eine 5-er Gruppe von Menschen die durch ein gemeinsames Wochenende Masken fallen sehen und lassen und sich unliebsamen Tatsachen stellen müssen.
Dabei ...

In „Schöne Scham“ schreibt Bianca Nawrath gekonnt über eine 5-er Gruppe von Menschen die durch ein gemeinsames Wochenende Masken fallen sehen und lassen und sich unliebsamen Tatsachen stellen müssen.
Dabei seziert Nawrath gekonnt die Zwischenmenschliche Beziehungsebene und gibt uns Leser:innen einen Einblick in die Gedanken der 3 Protagonistinnen: Ola, Amalia und Kata.

Ich muss zugeben, dass ich nicht viel vom Buch wusste als ich angefangen habe es zu lesen und somit auch von der Handlung zum Teil wirklich überrascht wurde und das im positiven Sinne.
Denn die Beziehungen sind hier nicht unbedingt das was sie zu sein scheinen. Durch feine, besonders zu Beginn, subtile Hinweise die Nawrath in die Gedanken und das Handeln ihrer Figuren streut eröffnet sich uns nach und nach was dahinter steckt.
Ich wünschte wirklich ich hätte dieses Buch in einer Leserunde lesen können, hier könnte man wunderbar diskutieren und auseinander nehmen, hinein interpretieren und neu zusammen fügen.

Nawraths Schreibstil hat mich beeindruckt, ihre klare Sprache ohne Schnörkel lässt sich nahezu einatmen, so schnell fliegt man durch die Seiten und schnell hatte mich die Geschichte damit in ihren Bann gezogen. Dazu kommt dass ich es liebe etwas über Wortbedeutungen zu erfahren, womit sie mich beim Schmetterling ja direkt zu beginn für sich gewonnen hat.
Und oh, wie genial ist dadurch bitte dieses Cover?!

Ich möchte wirklich nicht zu viel verraten, daher verzichte ich auf weitere Storydetails. Nur das noch: Die Geschichte spinnt sich immer dichter um uns Leser, gleichermaßen wie um die Figuren, so dass wir am Ende selbst mit ihnen in einem Kokon sitzen und hoffen dürfen als Schmetterling daraus hervor zu gehen.

Einzig das Ende war für mich dann doch etwas zu schnell, etwas zu hoppla, hop.
Dafür versöhnte mich dann aber wieder der Epilog, der, aus meiner Sicht, Realistisch und nicht zu „Friede, Freude, Eierkuchen“ zeigt wie es weitergegangen ist.

Etwas für jeden der sich nicht scheut einen ehrlichen Blick auf Beziehungs-- und Machtstrukturen innerhalb von Freundschaften zu werfen. Ein Buch dass auch meiner Meinung nach die Leser:innen in die Verantwortung bringt darüber nachzudenken: Was würde ich tun?
Somit ein Buch für Leute, die etwas aus Büchern mitnehmen möchten und sei es nur die Wortherkunft des Schmetterlings.

Von mir gibt es 4,5 Sterne. Eventuell mein Januar Highlight.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Originell, rasant und nimmt sich nicht zu ernst

Whispers of Destiny
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Justine Pust hat mit „Whispers of Destiny“ sicherlich eine der originellsten Ideen umgesetzt, die ich seit langem gelesen habe: Ein Call-Center für den Tod!

Unbedingt lesen wollte ich es ja schon bei ...

Justine Pust hat mit „Whispers of Destiny“ sicherlich eine der originellsten Ideen umgesetzt, die ich seit langem gelesen habe: Ein Call-Center für den Tod!

Unbedingt lesen wollte ich es ja schon bei der Ankündigung: „Säureregen statt Spice“ und ich finde das trifft das Lesevergnügen doch sehr gut (plus einige andere Dinge unter anderem ein Hund! Juchuh!)
Pusts Schreibstil ist dabei locker, flockig, gefühlt von der Hüfte Weg und passend zur Story nimmt sich das gesamte Buch auch nicht all zu ernst (Ja, Bonald Bump, ich schiele dabei auf dich!).
Dabei muss man schon einiges an Humor ab können um diese Geschichte zu feiern. Klar, hier und da war mir mancher Gag auch mal etwas zu konstruiert oder zu drüber und so kleinere Plotholes sind auch nicht wirklich Wasser... bzw Säureregen dicht. Aber ganz ehrlich: Der Tod hat sich hier den Menschen offenbart, möchte Mister genannt werden und hat ein Call Center eröffnet. Wie viel Ernsthaftigkeit habt ihr erwartet?
Die Charaktere haben mir gut gefallen, auch wenn so mancher nicht in die absolute Tiefe geht und hier und da auch mal die Klischee Kiste bemüht wird. Etwas flach waren da zb die „Magenta Moms“ oder auch die Bösen , aber irgendwie hat das hier nicht mein Lesevergnügen gestört.
Blue als Protagonistin war herrlich zynisch und ich konnte richtig nachvollziehen wie schwer ihr die Entscheidung über Leben und Tod jedes Mal gefallen ist.

Ich hoffe nur, dass Pusts Zukunftsvision mal nie Realität wird.

Ab und zu musste ich es dann doch mal aus Seite legen, weil ich dann doch durch die aktuelle Weltlage ein, zwei Tage nichts von Dystopie lesen wollte. Aber das geht absolut nicht zu Lasten des Buches.

Für mich hatte das Buch etwas davon eine wirklich gute Action Komödie zu sehen: Ich fühlte mich sehr, sehr gut unterhalten und wie Jason Statham den Wagen genau weiter fährt nachdem er dreimal durch die Luft Saltos gemacht hat interessiert dabei ja auch niemanden.

Wer ein schnelles, lustiges und sich selbst nicht zu ernst nehmendes Buch lesen möchte, dass einige schräge und sehr coole Ideen parat hat ist hier genau richtig.

Von mir gibts 4,5 Sterne

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Veröffentlicht am 25.01.2026

McCurdys erster Roman - Rohe erzählerische Kraft

Half His Age
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Mit „Half his Age“ haben wir das zweite Buch von Jennette McCurdy und ihren ersten Roman.
McCurdy erzählt dabei mit roher, teilweise brutaler Ehrlichkeit eine Geschichte über die Besessenheit zweier Menschen ...

Mit „Half his Age“ haben wir das zweite Buch von Jennette McCurdy und ihren ersten Roman.
McCurdy erzählt dabei mit roher, teilweise brutaler Ehrlichkeit eine Geschichte über die Besessenheit zweier Menschen voneinander die sie irgendwie mit Liebe verwechseln. Zeitgleich schwingt immer wieder die Moralfrage mit, denn, wie der Titel nun mal vermuten lässt, ist Waldo halb so alt wie ihr Love Interest. Und das ist noch nicht einmal das größte Problem, ist er auch noch ihr Lehrer und verheiratet mit Kind.
McCurdy lässt kein noch so unschönes Detail aus und schafft es genau mit dieser Art mich in Waldos Bann zu ziehen.
Waldo ist eine starke Protagonistin, auch wenn sie es selbst nicht immer so sieht. Dabei seziert McCurdy durch Waldos Ich-Perpektive gekonnt die Schwächen unserer Generation und der der jüngeren.
Die „Liebes“geschichte ziwschen Waldo und ihrem Lehrer (den sie im übrigen immer nur Mr Korgy und nicht beim Vornamen nennt) ist dabei für den/die Leser:in kein bisschen romantisch. Ganz im Gegenteil, es ist fast körperlich schmerzhaft die Szenen zu lesen. Und das ist hier nichts schlechtes. Teilweise fühlte ich mich angeekelt und ich denke genau so sollte es auch sein.
Dabei ist der gesamte Roman klug und durch seine Unverblümtheit fesselnd. Meine Gefühle gingen zwischen „hoffentlich schafft sie es endlich da raus“, „was zur Hölle bin ich lesend?“ und „Oh f*ck, ich verstehe genau was sie meint und fühle mit ihr“ hin und her.

Einzig am Ende hätte ich mir die ein oder andere moralische Einordnung gewünscht, andersrum kann ich nicht sagen, wie genau ich mir diese vorstelle.
Da wir den Roman ja, wie bereits erwähnt, aus Waldos Sicht erfahren, wüsste ich auch nicht wie genau das gemacht werden sollte. Eventuell über einen Epilog ein paar Jahre später?
Alles in allem enttäuscht aber auch das Ende nicht. Ich hätte gerne einfach nur noch ein bisschen mehr erfahren.

Das Buch ist für alle, die zeitgenössische Protagonistinnen und die harte Realität in Romanen lieben und sich nicht vor der genauen Beschreibung diverser Körperflüssigkeiten scheuen.

Von mir gibt es 4,5 Sterne

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