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JuliaRiccarda

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.02.2025

gesellschaftskritischer Thriller zu modernem Thema

Die Influencerin
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Die Karriere der Influencerin Sarah nimmt ein jähes Ende als sich eine ihrer Followerinnen umbringt und die Community Sarah dafür die Schuld gibt. Doch es bleibt nicht nur bei Hasskommentaren im Netz. ...

Die Karriere der Influencerin Sarah nimmt ein jähes Ende als sich eine ihrer Followerinnen umbringt und die Community Sarah dafür die Schuld gibt. Doch es bleibt nicht nur bei Hasskommentaren im Netz. Auch in ihrem realen Leben wird Sarah bald bedroht und verfolgt.
Das erste, was mir an dem Buch ins Auge gestochen ist, war sein wirklich schönes, besonderes Cover. Vom Thema her hat mich das Buch ja erst nicht so interessiert, weil Influencer und das „Leben“ im Internet nicht so meine Welt sind. Dann hat die Story mich aber schnell gefesselt. Eine Frage jagt die nächste. Man muss unbedingt weiterlesen, verdächtigt alle möglichen Personen und wird von einigen unerwarteten Wendungen überrascht. Genauso wie ich es liebe. Der angenehme Schreibstil sorgt zusätzlich dafür, dass man immer noch ein paar Seiten liest; und schwupps ist man am Ende angelangt. Schade!
Das Buch ist aus der Ich-Perspektive von Sarah geschrieben. Zwischendurch gibt es immer wieder Kapitel aus der Sicht des Stalkers, die sich durch die kursive Schrift gut vom Rest der Geschichte abheben.
Sarah wird authentisch und menschlich geschildert mit Ecken, Kanten und Zweifeln, was sie mir sympathisch macht. Sie hat wie viele Influencer jahrelang an ihrem perfekten Image gearbeitet. Aber natürlich ist sie in Wirklichkeit alles andere als perfekt. Die Autorin schafft es super diese Diskrepanz zwischen Realität und Scheinwelt und die Probleme, die damit sowohl für den Influencer selbst als auch für die Fans einhergehen können, zu beschreiben.
Die Autorin fängt ein super aktuelles Thema ein und regt zum Nachdenken an: Sagt eine große Zahl an Internetfreunde etwas über die Anzahl der echten Freunde aus, die in der Not für einen da sind? Ist es wirklich so gut, sein ganzes Leben in den Sozialen Netzwerken zu teilen?

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Veröffentlicht am 15.03.2026

starke Geschichte mit Gesellschaftskritik und bewegenden Schicksalen

Giftiger Grund
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Cover und Titel:
Der Titel „Giftiger Grund“ passt einerseits gut zu dem Setting an der verlassenen Tankstelle, wo durch das im Laufe der Jahre versickerte Benzin der Boden verseucht ist, wie auch mal im ...

Cover und Titel:
Der Titel „Giftiger Grund“ passt einerseits gut zu dem Setting an der verlassenen Tankstelle, wo durch das im Laufe der Jahre versickerte Benzin der Boden verseucht ist, wie auch mal im Roman erwähnt wird. Andererseits passt er aber auch im übertragenen Sinne prima: Die Protagonisten haben alle einen quasi vergifteten Hintergrund, der es ihnen schwer macht. Das Cover in giftgrün passt wiederum perfekt zum Titel und hat einen hohen Wiedererkennungswert.
Inhalt:
Der frisch aus dem Gefängnis entlassenen Joran, die junge Instagram-Fotografin Charu und Edda, ein Mädchen in Schlafanzug und Gummistiefeln treffen mitten in der Nacht an einem sogenannten Lost Place, einer verlassenen Tankstelle, aufeinander. Und dann ist da noch eine Leiche.
Meine Meinung:
Die Story wird zunächst abwechselnd aus Jorans und Charus Perspektive und später auch aus der von Edda erzählt. Dabei wählt der Autor vor allem am Anfang für jeden Charakter eine eigene Sprache, so dass der Leser gleich weiß, wessen Perspektive jetzt an der Reihe ist. In Charus Teil wimmelt es nur so von „Reels“, „Contents“, „Frames“ etc. Ich habe mich teilweise echt uralt gefühlt, weil ich immer wieder dachte: Hilfe, wovon spricht sie? 😉 Joran dagegen bekommt die typische coole Jugendsprache. Gegen Mitte des Buches wird dieses super-tolle Stilmittel leider aufgeweicht. Ich musste dann ein paarmal nachsehen, wer jetzt eigentlich gerade erzählt.
Die Charaktere sind so richtig gut getroffen. Ich konnte mich vor allem in Joran gut hineinversetzen. Er hat mich echt leidgetan. Da kommt man aus dem Gefängnis frei, ist ganz auf sich allein gestellt und alles und jeder hat sich offenbar gegen einen verschworen. Der Autor schildert sehr anschaulich wie schwer es ist trotz wirklich guter Absichten und einem guten Charakter nicht in die typische Abwärtsspirale zu geraten und wieder rückfällig oder erneut verhaftet zu werden.
Auch Charu und Edda haben jeder ihre eigenen Geschichten, wobei es anfangs nicht klar ist, welche Edda mitbringt. Der Leser findet das quasi gemeinsam mit Joran und Charu raus. Die Schicksale aller drei sind auf jeden Fall hart und liegen leider vermutlich nicht so weit von der Realität entfernt.
Das besondere Setting am Lost Place ist echt gut getroffen und vermittelt vor allem am Anfang einen Touch von Schatzsucheratmosphäre.
Gegen Ende gibt es dann sehr viel Action, die Ereignisse überschlagen sich. Der Schluss hat mich wie ein Schlag in den Magen getroffen. Damit hätte ich nicht gerechnet und der Leser fragt sich, wie es denn nun weitergeht. Das enthält uns der Autor nämlich vor. Im Prinzip könnte er damit direkt seinen nächsten Krimi starten.
Mein Fazit: Kein typischer Krimi, aber ein absolut lesenswertes Buch mit viel Gesellschaftskritik, starken Charakteren und tiefen Schicksalen. Und jeder Menge Spannung!

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Veröffentlicht am 14.04.2026

eine verfluchte Insel?

Das Retreat
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Cover: Das Cover ziert das titelgebende Retreat auf der einsam gelegenen Insel vor dunklem Himmel. Das sieht recht schön aus. Doch das wirklich unfassbar Schöne ist der besondere Farbschnitt.
Inhalt: ...

Cover: Das Cover ziert das titelgebende Retreat auf der einsam gelegenen Insel vor dunklem Himmel. Das sieht recht schön aus. Doch das wirklich unfassbar Schöne ist der besondere Farbschnitt.
Inhalt: Schon zweimal in ihrer Geschichte wurde die Insel von Verbrechen heimgesucht. Und es soll nicht das letzte Mal bleiben. Hana will mit ihrer Familie eine kleine Auszeit in dem Retreat verbringen. Doch dann gibt es eine Leiche. Und der Mörder ist mitten unter ihnen.
Meine Meinung: Das Buch ist das zweite aus der Reihe um die Kommissarin Elin Warner. Der erste Fall wird immer wieder mal erwähnt. Allerdings kann man „Das Retreat“ problemlos lesen ohne den Vorgängerband zu kennen. Vielmehr machen die Anspielungen Lust darauf den ersten Thriller auch zu lesen.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Hana und Elin erzählt. Hierbei erfährt der Leser sowohl einiges über die Sorgen und Nöte, mit denen die Kommissarin zu kämpfen hat, als auch über Hanas Vergangenheit und der Beziehung zu ihrer Familie. Am Anfang wird für meinen Geschmack allerdings etwas viel über die Gedanken und Gefühle der beiden erzählt. Es passiert nicht wirklich viel. Bei Seite hundert gibt es dann die erste überraschende Wendung. Für meinen Geschmack hätte das gern etwas früher sein können. Ab da nimmt der Thriller an Fahrt auf und es folgen noch einige weitere Twists.
Ich liebe es immer an Stories, wenn sie eine Verbindung zur Vergangenheit haben. Und das ist hier gleich in zweifacher Form gegeben. Denn schon zweimal in der Vergangenheit fanden hier mysteriöse Ereignisse statt. Hängen diese zusammen? Wurde der wahre Mörder damals wirklich verhaftet? Oder er ist er nach wie vor auf freiem Fuß und mordet jetzt wieder? Wie Elin die damaligen Ereignisse nach und nach aufdeckt und die Verbindung zu den heutigen Taten herstellt hat mich gefesselt. Der Zusammenhang zwischen den damaligen und heutigen Taten ist von der Autorin einleuchtend gewählt. Allerdings konnte ich Elins zwar durchaus zielführende Gedankengänge nicht immer nachvollziehen. Mehr als einmal dachte ich „Was für ein Zufall, dass die Kommissarin so um die Ecke denkt und somit der Lösung näher kommt.“ Das wirkt mitunter schon arg konstruiert auf mich.
Das Setting auf der einsam gelegenen Insel ist zwar nicht Neues, aber immer wieder spannend. Die zum Teil ungewöhnlichen Ermittlungsorte sorgen für das richtige Maß an Abenteuer und Abwechslung.

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Eine Frau sucht ihren Mörder

Noch fünf Tage
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Titel und Cover: Titel und Cover passen auf jeden Fall gut zu der Geschichte. Das Cover mit dem chicen Haus inmitten der Schweizer Berge liefert außerdem schon mal einen Vorgeschmack auf das Setting der ...

Titel und Cover: Titel und Cover passen auf jeden Fall gut zu der Geschichte. Das Cover mit dem chicen Haus inmitten der Schweizer Berge liefert außerdem schon mal einen Vorgeschmack auf das Setting der Schönen und Reichen.
Inhalt: Die Spitzenköchin Lis Castorp arbeitet für die superreiche Familie Harman. In der Silvesternacht stirbt die ganze Famile, vergiftet von dem Essen das Lis zubereitete. Auch Lis hat etwas von dem Gift in sich, allerdings weniger. So hat sie noch fünf Tage zu leben. Tage, die sie nutzt um herauszufinden, wer der Mörder ist und um für die Zukunft ihrer zwölfjährigen Tochter Cosima zu sorgen.
Meine Meinung: Der Thriller ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Er ist ein gutes Stück anders als die meisten anderen. Der Erzählstrang wechselt zwischen Lis´ jetziger Situation im Krankenhaus und Szenen aus der Vergangenheit. Die Krankenhausszenen sind zwar gut und emotional geschrieben, aber ich mochte sie nicht so sehr. Lis bleibt trotz ihres bevorstehenden Todes eine starke Persönlichkeit, die vor allem eines will: Ihre Tochter auch in Zukunft in Sicherheit zu wissen. Das ist absolut nachvollziehbar. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen. Alles in allem war mir das Thema Tod hier jedoch zu präsent. Natürlich ist das bei jedem Krimi so, aber für gewöhnlich identifiziert der Leser sich nicht mit dem zukünftigen Mordopfer. Die Kapitel aus der Vergangenheit haben mir viel besser gefallen. Hier geht die Autorin nach einem klaren Schema vor: Lis handelt ein Familienmitglied nach dem anderen ab und überlegt, wer der Harmans das eigentliche Ziel des Mords gewesen sein könnte. Tatsächlich liefert sie für jeden Harman einen möglichen Mörder nebst Motiv. Am Ende kommt es wie ich es gern mag zu einer überraschenden Wendung.
Das Setting in der Welt der Superreichen bringt sein ganz eigenens Flair mit. Es werden auch immer wieder köstliche Gerichte erwähnt, die die Spitzenköchin zubereitet. Dabei ist mir das Wasser im Mund zusammen gelaufen.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

absolut köstlicher Schreibstil

39 Grad Mord
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Titel und Cover: Sowohl der Titel „Neundundreißig Grad Mord“ als auch das wunderschöne Cover mit einer sizilianischen Landschaft im Sonnenuntergang versprechen eine spannende Urlaubslektüre.
Inhalt: Die ...

Titel und Cover: Sowohl der Titel „Neundundreißig Grad Mord“ als auch das wunderschöne Cover mit einer sizilianischen Landschaft im Sonnenuntergang versprechen eine spannende Urlaubslektüre.
Inhalt: Die dänische Schriftstellerin Hannah wird von ihrem Lektor in einer chicen Villa auf Sizilien einquartiert um endlich den versprochenen Krimi zu schreiben. Doch der Plan geht nicht auf. Anstatt sich auf das Schreiben zu konzentrieren, stolpert Hannah bereits an ihrem zweiten Tag über die Leiche einer Frau, die sie tags zuvor kennenlernte.
Meine Meinung: Es wird durchgängig aus der Sicht von Hannah erzählt. Der Schreibstil ist angenehm. Hannahs ironische, fast schon sarkastische Denkweise über ihre Mitmenschen ist herrlich erfrischend und verleiht dem Buch etwas Einzigartiges. Ständig betitelt sie die Personen in ihrem Umfeld mit neuen, leicht abfälligen Wortschöpfungen. Da gibt es beispielsweise die „Fingernagelfrau“ oder die „Kinderpolizistin“. Während der gesamten Lektüre musste ich eigentlich ständig schmunzeln.
Vor allem zu Anfang des Buches wird das Setting auf Sizilien besonders herausgearbeitet und es wird eine super Atmosphäre geschaffen. Auch Island und Kopenhagen spielen eine Rolle. Ich war an beiden Orten schon und fühlte mich direkt dorthin zurück katapultiert. Die Orte werden nicht einfach nur genannt, sondern anschaulich beschrieben ohne dass es zu viel Raum einnimmt.
Die Story an sich ist grundsolide. Gegen Ende gibt es immer mal wieder ein paar rasante Szenen, die mich richtig gefesselt haben. Ich liebe es bei einem Krimi mitzurätseln. In diesem sind mir dafür zu wenige Fragen, die man als Leser beantwortet haben möchte und die einen zum Weiterlesen animieren. Insgesamt fehlt es mir vor allem im Mittelteil etwas an Spannung. Das hat die witzige Schreibweise dann aber immer wettgemacht.
Mein Fazit: Ein unterhaltsamer, witziger Krimi ohne all zuviel kriminellen Tiefgang

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