Ich bin hin und hergerissen von diesem Buch. Christine Vescoli schreibt hier über die Beziehung einer Tochter zu ihrer Mutter sowie von der schwierigen Vergangenheit ihrer Mutter. Die Mutter hatte ein ...
Ich bin hin und hergerissen von diesem Buch. Christine Vescoli schreibt hier über die Beziehung einer Tochter zu ihrer Mutter sowie von der schwierigen Vergangenheit ihrer Mutter. Die Mutter hatte ein hartes Leben, eine Kindheit voller Entbehrungen und schwerer Schicksale. Vieles davon blieb jedoch ein Leben lang unausgesprochen. Nach dem Tod der Mutter macht sich die Tochter auf die Suche nach der Vergangenheit und Antworten auf die nie beantworteten Fragen.
Das Buch ist sehr leise und poetisch geschrieben, was mir einerseits sehr gut gefällt. Dennoch tat ich mir stellenweise etwas schwer damit.
Vieles an dem Buch gefiel mir sehr gut und ließ mich nachdenklich zurück.
Was wissen wir eigentlich über die Vergangenheit unserer Mütter und Vorfahren?
Wie viel bleibt für immer ungesagt?
Oft bleibt einfach nichts ...
Ein nicht ganz einfaches und auch trauriges Thema...
„Ultramarin“ von Ann-Christin Kumm erzählt die Geschichte von Lou und Raf. Seit der Schule sind die beiden unzertrennlich, doch neben der Freundschaft hat Lou tiefere Gefühle für Raf. Raf legt sich hier ...
„Ultramarin“ von Ann-Christin Kumm erzählt die Geschichte von Lou und Raf. Seit der Schule sind die beiden unzertrennlich, doch neben der Freundschaft hat Lou tiefere Gefühle für Raf. Raf legt sich hier nicht fest; zwar gibt es immer mal wieder körperliche Liebe zwischen Lou und ihm, aber Raf hat auch Affären mit Frauen. Oft sogar ganz offen vor Lou, den dies verletzt. Doch Lou ist ein sehr unterwürfiger, ruhiger Charakter, während Raf charismatisch und dominant ist, und sehr manipulativ.
Doch aus Liebe zu Raf erträgt Lou alles; folgt Raf blind und hofft immer, dass dieser ihm ganz gehören wird.
Als Lou und Raf im Sommer nach Dänemark ins Ferienhaus von Rafs Familie fahren und statt RAfs Schwester Sophie deren Freundin Nora mitkommt, wird die Lage kompliziert.
In Rückblicken erinnert sich Lou an die frühere Zeit mit Raf und Sophie, und an Jakob; besonders hier reißen alte Wunden auf.
Als Nora eines Tages ohne Abschied verschwindet, hofft Lou auf mehr Nähe mit Raf. Doch alles kommt anders ... Ich möchte hier nicht spoilern, sage nur, dass das Ende ziemlich krass ausfällt.
Gefallen hat es mir leider nicht, ebenso wie mir der sehr nüchterne Schreibstil von Ann-Christin Kumm nicht besonders zusagte.
Durch die fehlende wörtliche Rede und häufige Wiederholungen von „er sagte“, „sie sagte“ wurde der Lesefluss ziemlich gestört. Auch wurde vieles nur angedeutet und nicht gut auserzählt.
Zu den Protagonist*innen konnte ich keine wirkliche Nähe herstellen, sie blieben recht distanziert. Vor allem der sehr unterwürfige Lou blieb sehr farblos für mich.
So spannend die Grundidee einer queeren toxischen Beziehung auch ist, fiel die Umsetzung leider recht zäh und unemotional aus. Zum Thema dysfunktionale Beziehungen gibt es meiner Meinung nach deutlich stärkere Bücher. - Für diesen Debütroman kann ich leider keine Leseempfehlung aussprechen.
„Es war nicht anders möglich“ von Svenja Liesau hatte mich vorab durch die Leseprobe sehr neugierig gemacht; ich versprach mir davon einen tiefgründigen, Roman.
Erzählt wird aus der Ich-Perspektive die ...
„Es war nicht anders möglich“ von Svenja Liesau hatte mich vorab durch die Leseprobe sehr neugierig gemacht; ich versprach mir davon einen tiefgründigen, Roman.
Erzählt wird aus der Ich-Perspektive die Geschichte von Martina, Mitte dreißig, arbeitslos. Ihren Vater kannte sie nicht gut, doch als er stirbt, trifft sie das unerwartet heftig.
„Es ist 22 Uhr 37, als ich anfange, über dich zu schreiben. Ich schreibe dir nicht etwa, weil ich dich nicht mehr anrufen kann. Ich habe dich auch, als du noch nicht tot warst, nicht angerufen.
Ich schreibe über dich, um dich loszuwerden. Dich aus meiner Biografie rauszuschreiben. Oder dich für immer an mich zu pressen. Mich endlich in dich reinzutippen. Reinzuhacken.
Mir ist erst mal beides recht, wenn ich nur diese Unruhe nicht mehr verspüren muss. Es ist ein Versuch. Trial and error. Wenn es nicht klappt, versuche ich etwas anderes. Irgendwas Installatives mit alten Videoaufnahmen von dir, verschnitten mit Sondenaufzeichnungen der menschlichen Darmschleimhaut, so die Richtung. Unterlegt mit rückwarts abgespielten Kinderliedern von Rolf Zuckowski. Mir fallt da schon was ein.“
Den Anfang des Buches fand ich noch recht gelungen, ich konnte Martinas Schmerz gut nachfühlen. Svenja Liesaus Schreibstil fand ich gerade auf den ersten Seiten sehr originell und interessant. Doch leider ging es dann recht schnell abwärts.
Protagonistin Martina stürzt sich in einen schier endlosen Rausch, versinkt in Alkohol und Drogen. Dazwischen gibt es Briefe an ihren Vater. Am Ende landet sie in der Psychiatrie.
Ich muss leider sagen, dass die Geschichte dann mit jeder Seite immer ekliger wurde und auch immer wirrer. Teilweise konnte ich überhaupt keinen roten Faden mehr finden in der bruchstückhaften Aneinanderreihung rauschhafter Momente.
Ich bin wirklich offen für vieles, aber das hier war inhaltlich wirklich hart an der Schmerzgrenze.
2 Sterne vergebe ich für den anfangs originellen Schreibstil; inhaltlich konnte mich das Buch jedoch leider überhaupt nicht begeistern.
Vielen Dank an den Rowohlt Berlin Verlag und an den Thalia Book Circle für das Rezensionsexemplar! 📚💚
"Hirschtier" von Claire Oshetsky erzählt die Geschichte von Margaret Murphy. Als sie vier Jahre alt war, starb ihre beste Freundin Agnes auf tragische Weise. Seitdem verdrängt Margaret alle Erinnerungen ...
"Hirschtier" von Claire Oshetsky erzählt die Geschichte von Margaret Murphy. Als sie vier Jahre alt war, starb ihre beste Freundin Agnes auf tragische Weise. Seitdem verdrängt Margaret alle Erinnerungen an diesen Tag. Immerhin behauptete ihre Mutter allen gegenüber, sie sei am Unglückstag gar nicht aus dem Haus gegangen. Doch was ist die Wahrheit?
„.... noch bevor Hirschtier die Chance hat, mir zu sagen, was ich diesmal falsch gemacht habe – kommen mir Zweifel. Ich habe so lange erfundene Geschichten erzählt, dass die ungeschminkte Wahrheit sich hässlich und holperig anfühlt und die Fakten mir vorkommen wie geborgte Bruchstücke, aufs Geratewohl aus einem Wust von Hörensagen und altem Tratsch herausgepickt. Einmal versuchte ich, meiner Mutter die Wahrheit über den Tag der Flut auf dem Schulhof zu erzählen, und sie schlug mich und sagte: »MARGARETMURPHY, DUWIRSTDIESEABSCHEULICHELÜGENIEMEHRWIEDERHOLEN!«, und ich tat es nie mehr.
Und jetzt sprechen die altvertrauten Stimmen in meinem Kopf wieder auf mich ein, so wie immer. Sie versuchen, mir auszureden, was ich vom Tag der Schulhofüberschwemmung noch weiß. Du warst erst vier. Du warst zu klein, um dich dran erinnern zu können. So war es nicht. Deine Mutter sagt, du warst den ganzen Tag bei ihr und hast das Haus nicht verlassen. Sie sagt, du hast nie einen Fuß in diesen alten Schuppen gesetzt. Deine Erinnerung ist falsch. Was du Wahrheit nennst, ist nichts weiter als die Geschichte, die Ruby Bickford erfunden hat, ihre verleumderische Geschichte, die Lüge, zu der sie sich genötigt sah, weil sie nicht zugeben konnte, dass sie ihr Kind durch egoistische Vernachlässigung getötet hatte und dann ihr eigenes sträfliches Verhalten dem Nachbarskind in die Schuhe schieben wollte.
Ich bin unschuldig.
Vielleicht bin ich unschuldig.“
Jahre später erschein Margaret ein Fantasiewesen, ein Hirschtier, das sie zwingt, sich die Wahrheit über ihre Rolle bei Agnes’ Tod einzugestehen. Doch trotz ihrer Schuldgefühle scheitert Margaret daran, die Wahrheit auszusprechen.
„Bald wird sie erkennen, dass sie nicht zu retten ist. Bald wird sie wissen, dass das, was sie getan hat, unverzeihlich ist. Für den Rest ihres Lebens wird dieses Wissen immer da sein, wird sie in ein Geflecht von Schmerz und Schuldgefühl wickeln. O ja. Das Schuldgefühl ist das Schlimmste. Das Schuldgefühl ist das hohle Herz des Ganzen. Das Schuldgefühl hält die Schändlichkeit am Leben. Das Schuldgefühl folgt ihr überallhin, zwei Schritte hinter ihr.“
Margaret stiehlt ein Auto und geht weg; sie trifft auf Penny und Glo, die ebenfalls auf der Flucht sind.
„‘Ich fühle eine unheilvolle Wendung dieser Geschichte nahen. Sie dräut über meiner Zukunft. Mir geht die Zeit aus, mein Happy End zu finden. Hirschtier lenkt mich nicht. Es unterbricht mich nicht mit ätzenden Zwischenrufen oder höhnischen Bemerkungen.‘“
Anfangs fand ich die Erzählweise der Autorin sehr interessant; Margarets wiederholte Versuche, sich an die Wahrheit zu erinnern, immer wieder in Fantasien zu flüchten. Doch mit der Zeit wurde das Buch irgenwie sehr zäh und verstrickte sich in Wiederholungen und sehr vielen Fantasien.
Mir war das Buch, das zwar seine guten Momente hatte; insgesamt doch zu wirr und ausschweifend.
Wirklich überzeugen konnte es mich leider nicht.
Vielen Dank an den ecco Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar
Auf den Roman „Pizza Orlando“ von Clara Umbach war ich sehr gespannt, da der Klappentext so vielversprechend klang:
Clara und Nina, die sich schon seit ihrer Jugend kenne, treffen sich als Erwachsene ...
Auf den Roman „Pizza Orlando“ von Clara Umbach war ich sehr gespannt, da der Klappentext so vielversprechend klang:
Clara und Nina, die sich schon seit ihrer Jugend kenne, treffen sich als Erwachsene wieder. Da leidet Nina bereits unter den ersten Symptomen der unheilbaren Huntington-Krankheit, an der auch ihre Mutter starb, als Nina gerade 20 war. Nina und Clara verlieben sich und beginnen eine stürmische Liebesbeziehung, trotz der Diagnose und der Entfernung ihrer Wohnorte Berlin bzw. Hamburg. Mit Chatnachrichten halten sie die Beziehung aufrecht – oder versuchen es zumindest, denn Clara hat ihre eigenen Probleme als alleinerziehende Mutter mit Geldnöten, während Nina nicht ans Sterben denken will. Können die beiden eine gemeinsame Zukunft haben?
Leider fand ich gerade die Teile, die in Chatnachrichten-Form waren, sehr anstrengend zu lesen, und sie machten den größten Teil des Romans aus. Es ist so sehr schwer, der Geschichte zu folgen, es kommt kein wirklicher Lesefluss auf.
Die Abschnitte in Fließtext sind meiner Meinung nach deutlich gelungener und haben mir besser gefallen.
„Die Idee der Krankheit greift der Krankheit vor und wirft einen Schatten, lange bevor die eigentlichen Symptome einsetzen.
Nach dem Gentest, den du mit Anfang zwanzig durchführen ließest, entschiedest du dich jahrelang dagegen, das Ergebnis abzuholen. Du warst sechsundzwanzig, als du es schließlich doch wissen wolltest. »Ach du Scheiße«, sagte die Ärztin, als sie den Briefumschlag öffnete. Deine Notizen aus diesen Tagen gabst du mir in Form einer weiteren Liste:
[...]
In den folgenden Jahren bemühtest du dich, intensiver denn je, um die Aufrechterhaltung einer Identität. Weiter arbeiten, jetzt erst recht. Du begannst einen Masterstudiengang, gingst auf Veranstaltungen, knüpftest Kontakte. Rückblickend sagtest du, der Wunsch eines Klassenaufstiegs sei nie stärker gewesen als zu dieser Zeit. Der Literaturbetrieb schien dir das richtige Vehikel dafür zu sein, Professionalität ein Anker, den du ins Leben warfst. Etwas, das ich von dir übernommen habe, ist die positive Verwendung des Wortes professionell in allen möglichen Situationen, die eigentlich nichts mit einer Berufswelt zu tun haben. Professionalität als höchstes Kompliment.“
Doch auch insgesamt hatte ich an dieses emotionale und schwere Thema höhere (oder vielleicht einfach andere?) Erwartungen. Für mich las sich das alles sehr distanziert, mir fehlte hier die Tiefe, die Protagonistinnen blieben sehr distanziert für mich. Auch der Schreibstil war einfach so gar nicht mein Fall, leider.
Obwohl ich das Thema ansich sehr interessant fand, konnte mich dieses Buch leider nicht überzeugen und ich vergebe wohlwollende 2 von 5 Sternen, würde das Buch aber nicht weiterempfehlen.
Vielen Dank an den ecco Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!