aufwühlend
Das gute BenehmenWorum geht es?
In den 1920ern versucht Aroon, eine Tochter aus gutem Hause, ihren Platz in der Welt zu finden. Doch sie ist zu laut, zu dick, zu viel und wird oft im Unklaren gelassen. Trotzdem sucht sie ...
Worum geht es?
In den 1920ern versucht Aroon, eine Tochter aus gutem Hause, ihren Platz in der Welt zu finden. Doch sie ist zu laut, zu dick, zu viel und wird oft im Unklaren gelassen. Trotzdem sucht sie sich ihren Weg.
Worum geht es wirklich?
Familiengeschichte, Unaussprechliches und den eigenen Platz.
Lesenswert?
Ja. Die ersten Seiten und Kapitel sind mir eher schwer gefallen, aber als ich einmal in der Geschichte drin war, konnte ich mich kaum davon losreißen und wollte unbedingt wissen, wie es weiter geht.
Molly Keane wurde 1904 geboren und starb in den 1990er Jahren. Sie begann früh unter Pseudonym zu schreiben, verfasste dann Jahrzehnte nichts mehr und kam 1981 mit dem vorliegenden Buch zurück.
Sprachlich (Übersetzung Bettina Abarbanell) ist die Lektüre nicht immer einfach, aber dran bleiben lohnt sich.
Aroon konnte ich als Protagonistin manchmal nur schwer ertragen, weil ich sie schütteln und rütteln wollte. Einerseits glaubt sie, dass sie stets zu viel von allem ist und zeitgleich möchte man sie anschubsen und sagen „GUCK HIN! SIEHST DU DAS NICHT?“. Da ist zum Beispiel der Vater, der ständig von Affäre zu Affäre treibt und Aroon zwar wohlwollend behandelt, sie aber auch nicht schützt. Da ist die stets abwesende und abweisende Mutter, die Aroon niedermacht und klein hält. Und da sind der Bruder und sein Freund, die Aroon ausnutzen während sie eigentlich aneinander interessiert sind.
Dinge werden nicht angesprochen, da das gute Benehmen über allem schwebt. Diese Heimlichkeit besteht auch gegenüber der lesenden Person, denn die Affären etc. sind nur durch den Subtext erkennbar und werden als solches eher nicht benannt.
Die unglaubliche Naivität, in der Aroon aufwächst, macht so wütend. Nicht auf Aroon, sondern auf die Zeit und die Situation und dass man dieser Protagonistin nicht einfach Platz und Ehrlichkeit entgegenbringen kann.
Ich würde dieses Buch definitiv empfehlen und hoffe, dass viele Leser*innen trotz Startschwierigkeiten dran bleiben!