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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.03.2026

Rasant

Doppelspiel
6

„Doppelspiel“ ist der erste Band einer Trilogie der beiden schwedischen Autoren Arne Dahl und Jonas Moström.

Nach einem fesselnden und rasanten Einstieg, der überraschend endet, lernen wir Tom Borg kennen. ...

„Doppelspiel“ ist der erste Band einer Trilogie der beiden schwedischen Autoren Arne Dahl und Jonas Moström.

Nach einem fesselnden und rasanten Einstieg, der überraschend endet, lernen wir Tom Borg kennen. Er ist Krimiautor und eine Schreibblockade hindert ihn daran an seine bisherigen Erfolge anzuknüpfen. Auf der Suche nach Inspiration lernt er die rothaarige Literaturstudentin Nicole kennen, die kurz darauf bei einem gemeinsamen Besuch in einem zwielichtigen Club erschossen wird. Vor seinem Verschwinden drückt der Täter Tom die Waffe in die Hand. Vollkommen panisch, da nun seine Fingerabdrücke an der Waffe sind, flieht Tom.

Die Handlung beginnt rasant und es bleibt kaum Zeit zum Luft holen. Während Tom versucht einen neuen Kriminalfall zu schreiben, steckt er inzwischen selbst mitten in einem Krimi und es gibt Überschneidungen mit seinem neuen Buch. Realität und Fiktion beginnen immer mehr zu verschwimmen.

Die Ereignisse überschlagen sich und ich kam mir zeitweise vor wie in einem Actionfilm. Dadurch war ich zunächst total gefesselt. Nicht nur die Polizei ist hinter Tom her, auch andere unbekannte Mächte spielen hier eine undurchsichtige Rolle.
Da es sich um den ersten Band einer Trilogie handelt, war es nicht überraschend, dass das Buch mit einem Cliffhanger endet. Dennoch war ich darüber enttäuscht., da ich einige Erklärungen für die Ereignisse als ein wenig konstruiert empfunden habe.

Insgesamt ist es ein spannender, aber auch brutaler Krimi mit einigen
Schwachstellen, der mich beim Lesen gefesselt, aber mit seinem Ende enttäuscht hat.

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charatere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 28.03.2026

Auf der Suche nach sich selbst

Wassermann
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„Wassermann“ ist der Debütroman des Autors Lukas Hoffmann.

Luks Mutter ist unheilbar an Krebs erkrankt und für ihn ist die Situation unerträglich. Er beschließt Deutschland zu verlassen und ein Auslandssemester ...

„Wassermann“ ist der Debütroman des Autors Lukas Hoffmann.

Luks Mutter ist unheilbar an Krebs erkrankt und für ihn ist die Situation unerträglich. Er beschließt Deutschland zu verlassen und ein Auslandssemester in Barcelona zu verbringen. Die Erleichterung darüber seine Mutter die nächsten Monate nicht im Krankenhaus besuchen zu müssen, ist ebenso groß wie das schlechte Gewissen. In Barcelona erwarten ihn die katalanischen Unabhängigkeitskämpfe und er verliebt sich in Olive. Während Olive in Barcelona auf die Straße geht, ergreift Luk wieder die Flucht, dieses Mal an den Strand nach Portugal. Aber auch dort hält er es nicht lange aus.

Der Schreibstil von Lukas Hoffmann ist sehr intensiv und dicht. Seine Sätze sind kurz und klar. Es gelingt ihm gut den Schmerz von Luk, sein schlechtes Gewissen und die innere Zerrissenheit spürbar werden zu lassen. Luk setzt sich für andere ein, ist gleichzeitig auf der Suche nach Halt und Zugehörigkeit und steht sich dabei nur allzu oft selbst im Weg.
Die Handlung dreht sich um das Leben von Luk und die Charaktere um ihn herum, von denen jeder sein Päckchen zu tragen hat.

Das Buch ist keine leichte Lektüre, es geht unter die Haut und fordert. Wie so oft im Leben gibt es kein Happy End, aber das hätte hier auch nicht gepasst.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Hinter den Kulissen

The Dirty Version
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„The Dirty Version“ ist eine unterhaltsame Romcom der zwischen zwischen Singapur und Washington State lebenden Autorin Turner Gable Kahn.

Tash hat einen feministischen, dystopischen Zukunftsroman - „The ...

„The Dirty Version“ ist eine unterhaltsame Romcom der zwischen zwischen Singapur und Washington State lebenden Autorin Turner Gable Kahn.

Tash hat einen feministischen, dystopischen Zukunftsroman - „The Colony“ - geschrieben, der Dank einiger bekannter Frauenrechtsaktivistinnen direkt in der Bestsellerliste landete. Dieser soll nun von Ram Braverman verfilmt werden. Fans des Buches kommen direkt Zweifel, ob er der richtige Regisseur für diesen Stoff ist. Auch für Tash wird schnell klar, dass Ram Braverman keineswegs vor hat, die Botschaft des Romans nach ihren Vorstellungen umzusetzen, stattdessen will er sexy Szenen. Um diese umzusetzen wird Tash der Sexdesigner Caleb zu Seite gestellt, der ihr zuvor als Übersetzer vorgestellt wurde. Tashs Entsetzen wird von Moment zu Moment größer.

Das Buch liest sich leicht und die Ereignisse werden lebendig geschildert.
Tash habe ich als äußerst anstrengende Protagonistin empfunden. Dass sie bei der Verfilmung ihres Buches mitreden möchte und nicht alles abnickt, kann ich voll und ganz nachvollziehen. Aber zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, dass sie einfach gegen alles und jeden ist. Die Dynamik zwischen Tash und Caleb hat mir wiederum sehr gut gefallen.

Grundsätzlich gefiel mir der Ansatz des Buches. Es unterhält, hat mich zum Lachen gebracht und setzt sich gleichzeitig mit wichtigen zeitgemäßen Themen, der Frauenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft, auseinander. Gerade deshalb hatte ich auf ein wenig mehr Tiefgang gehofft, den habe ich hier leider nicht finden können.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Abgedreht und sehr intensiv

Es war nicht anders möglich
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„Es war nicht anders möglich“ ist das Debüt der Autorin und Schauspielern Svenja Liesau.

Martina ist Mitte 30, lebt in Berlin, ist arbeitslos und finanziell am Ende. Obwohl sie ihren Vater nicht gut kannte, ...

„Es war nicht anders möglich“ ist das Debüt der Autorin und Schauspielern Svenja Liesau.

Martina ist Mitte 30, lebt in Berlin, ist arbeitslos und finanziell am Ende. Obwohl sie ihren Vater nicht gut kannte, war sein unerwarteter Tod für sie ein Schock. Ihren Tag verbringt sie gerne in Kneipen, trinkt, unterhält sich und beobachtet dort die Menschen. Zwischendurch schweifen ihre Gedanken immer wieder zu ihrem verstorbenen Vater.

Die Handlung beginnt mit zwei umfangreichen Playlists der Protagonistin. Diese sowie die Gedanken dazu haben mich direkt in die Handlung hineingezogen.
Der Schreibstil von Svenja Liesau ist zunächst klar, präzise und sehr intensiv. Sie beschreibt das Leben und die Gedanken ihrer Protagonistin. Martina driftet immer mehr ab. Irgendwann war für mich nicht mehr klar was real ist und was nur Martinas Gedanken sind. Ihre Darstellung ist der Autorin sehr gut gelungen. Ich konnte ihre Haltlosigkeit, ihren Schmerz, die Erschöpfung und die Müdigkeit förmlich spüren. Sie ist einfach mit den Nerven völlig am Ende und das spiegelt sich in ihren wirren Gedanken wider.

Das Buch ist allerdings keine leichte Kost, hier braucht man starke Nerven. Die Schilderungen sind zum Teil grausam und eklig.Das auszuhalten fiel mir nicht leicht und werde es wohl so schnell nicht vergessen.
Gleichzeitig muss ich vor der Autorin meinen Hut ziehen, dass sie Martinas wirre Gedankenwelt so gelungen eingefangen hat, auch wenn dadurch für mich einiges unklar bzw. Raum für eigene Gedanken blieb.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Vielschichtig - komplex - eindrucksvoll

Die Stimmen der Nacht
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„Die Stimmen der Nacht“ ist das eindrucksvolle Debüt der nigerianischen Autorin und Juristin Tochi Eze.

In den 1960er Jahren lernt die Nigerianerin Margaret Okolo den in Großbritannien geborenen Benjamin ...

„Die Stimmen der Nacht“ ist das eindrucksvolle Debüt der nigerianischen Autorin und Juristin Tochi Eze.

In den 1960er Jahren lernt die Nigerianerin Margaret Okolo den in Großbritannien geborenen Benjamin Fletcher kennen. Benjamin hat sich nach Lagos begeben, da er eine nigerianische Großmutter hatte und auf der Suche nach seinen Wurzeln ist. Die beiden verlieben sich ineinander, heiraten und bekommen ein Kind, obwohl ihre Beziehung von der Gesellschaft abgelehnt wird. Durch Ereignisse der Vergangenheit verschlechtert sich Margarets psychische Gesundheit und die beiden entfremden sich. Nach mehr als 40 Jahren Funkstille kreuzen sich die Wege von Margaret und Benjamin im Jahr 2005 erneut.

Die Ereignisse werden im Wechsel in der Vergangenheit im Jahr 1905 und der Gegenwart im Jahr 2005 geschildert. Zu den Zeitwechseln kommen Ortswechsel und es tauchen viele verschiedene Charaktere auf. Das und die vielen afrikanischen Begriffe machen das Lesen nicht leicht. Dennoch lohnt es sich sehr, da Tochi Eze anhand von Margaret und Benjamin ein bewegendes Gesellschaftsportrait geschrieben hat und zeigt, welchen Einfluss die Vergangenheit auf die Gegenwart hat. Zwei Menschen leiden unter der Last der Familiengeheimnisse, die seit Generationen weitergegeben wurden.

Die Autorin hat hier ein Stück Zeitgeschichte und deren historische Hintergründe gekonnt mit der Familiengeschichte der Protagonisten verwoben und lebendig werden lassen. Der Roman ist fesselnd und sehr intensiv.

Die Zeitsprünge, die hohe Anzahl der Charaktere und die zahlreichen afrikanischen Begriffe machen das Lesen nicht leicht und es ist einiges an Konzentration erforderlich. Ein Personenverzeichnis sowie ein Glossar wären hier für mich sehr hilfreich gewesen. Dennoch ist es eine fesselnde Geschichte über Familiengeheimnisse, Entwurzelung und den Einfluss vergangener Generationen auf die Gegenwart, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird und mir Nigeria ein wenig näher gebracht hat.

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