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Veröffentlicht am 28.03.2021

Fischbrötchen und Salzkaramell

Fischbrötchen und Salzkaramell
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Katharina steht kurz vor ihrem 30. Geburtstag und hat nur ein Ziel: Ihre Karriere auf die nächsthöhere Ebene zu befördern und Teamleiterin in ihrem Betrieb zu werden. Dafür lebt sie bereits seit mehreren ...

Katharina steht kurz vor ihrem 30. Geburtstag und hat nur ein Ziel: Ihre Karriere auf die nächsthöhere Ebene zu befördern und Teamleiterin in ihrem Betrieb zu werden. Dafür lebt sie bereits seit mehreren Jahren sehr entbehrungsreich – neben der Arbeit hat sie kaum Zeit für ein Privatleben und oft fällt auch das Essen aus. Als sie vor Erschöpfung zusammenbricht, steht alles auf dem Spiel. Um sich abzuhärten und ihrem Chef (und sich selbst) zu beweisen, wie stark und dominant sie ist, bucht sie kurzerhand ein Survivaltraining in Eckernförde. Mit Trainer und Lebenskünstler Hannes läuft dieses jedoch ganz anders als geplant und Katharina fängt nach Jahren erstmals an, die Sinnhaftigkeit ihres Tuns infrage zu stellen.

„Fischbrötchen und Salzkaramell – Fördeliebe 2“ ist der zweite in Eckernförde spielende Roman von Jane Hell. Die Romane können grundsätzlich unabhängig voneinander gelesen werden, allerdings haben die Figuren aus Teil 1 in diesem einen Gastauftritt, die Details vorwegnehmen.

Auch in ihrem zweiten Roman bleibt Jane Hell ihrem unterhaltsamen, charmanten und witzigen Stil treu. Obwohl die Geschichte zum Nachdenken und Hinterfragen des eigenen Lebensstils anregt, verbleibt sie stets mit einer Leichtigkeit und unglaublich kurzweilig, dass die Seiten nur so dahinfliegen. Im Vergleich zu Fördeliebe 1 hat sich bei diesem Teil das „große Urlaubsgefühl“ mit Unbeschwertheit bei mir jedoch nicht eingestellt, was vermutlich mit dem Grundthema, das mir auch persönlich sehr nahe geht, zusammenhängt. Dies hat für mich der Geschichte jedoch keinen Abbruch getan. Im Gegenteil hat mir dies gut gefallen, da der Roman sich so von anderen seiner Art absetzt.

Die Charaktere sind individuell gestaltet und von Beginn an sympathisch. Insbesondere in die Hauptfigur Katharina konnte ich mich – erschreckend – gut hineinversetzen. Im Verlauf des Romans macht sie eine glaubhafte und realistische Wandlung durch, die mir sehr gut gefallen hat. Besonders gefreut habe ich mich auch über den Gastauftritt von Hellen&Co, die man aus Fördeliebe 1 kennt und ebenfalls liebgewonnen hat. Mit angenehmen Lebensweisheiten und ulkigen Szenen gespickt, präsentiert sich der Roman wie aus einem Guss. Darüber hinaus kommt die Romantik nicht zu kurz. Anhand des flüssigen und bildhaften Schreibstils ist das Knistern zwischen den Hauptfiguren mit den Fingern zu greifen und man kann sich stets in die Charaktere hineinversetzen und mitfühlen.

Ich bin begeistert von der zum Nachdenken anregenden Geschichte mit ernstem Thema, die aber mit einer vergnüglichen Leichtigkeit gepaart wird, sodass die Romanseiten wie von selbst dahinfliegen. Ich freue mich schon auf Fördeliebe 3 und hoffe auf erneute Gastauftritte der lieb gewonnenen Charaktere!

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Veröffentlicht am 15.02.2021

Kommissar Grauner gegen die Mafia

Das dunkle Dorf
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Im idyllischen Skiort St. Christina in Südtirol wird Kommissar Grauner zu einem Mordfall gerufen, der schon bald vermuten lässt, dass die Mafia ihre Finger im Spiel hat. Doch trotz der Brisanz des Falles ...

Im idyllischen Skiort St. Christina in Südtirol wird Kommissar Grauner zu einem Mordfall gerufen, der schon bald vermuten lässt, dass die Mafia ihre Finger im Spiel hat. Doch trotz der Brisanz des Falles liegt Kommissar Grauners Fokus bei seiner seit ein paar Tagen spurlos verschwundenen Tochter Sara. Zu allem Übel taucht auch noch Kommissar Grauners Kollege Saltapepe unter, der mit Mafiaboss Garebani noch eine offene Rechnung hat und nun scheinbar von dessen Tochter gejagt wird. Kommissar Grauner bricht daher alle Vorschriften und ermittelt gemeinsam mit seiner Ehefrau Alba im Verborgenen. Doch kann man zu zweit gegen die Mafia gewinnen?

„Das dunkle Dorf“ ist Band 6 der Reihe um Kommissar Grauner. Ich kannte die Krimireihe vorab noch nicht und hatte zu keinem Zeitpunkt Schwierigkeiten, der Handlung oder den Figuren zu folgen, da der Autor den Leser stets sehr gut führt. Die Handlung ist unglaublich spannend und fesselnd. Sobald ich das Buch in den Händen hatte, konnte ich es kaum aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht.

Die Seiten fliegen nur so dahin und die Figuren sind einwandfrei ausgearbeitet. Sie sind alle sehr verschieden, sodass einem die einzelnen Charaktere nicht nur gut in Erinnerung bleiben, sondern auch direkt ans Herz wachsen. Ausschließlich die Handlungen von Kommissar Grauners naiver Tochter Sara konnte ich nicht immer vollends nachvollziehen. Saltapepe und Tappeiner hingegen sind meine Favoriten und es war spannend die Entwicklung der beiden mitzuverfolgen. Als Leser wünscht man sich daher direkt eine Fortsetzung.

Das Mafia-Thema, das einem sonst schon überholt vorkommt, wurde vom Autor interessant und packend aufgearbeitet z.B. mittels eindrücklicher Darstellung der Kommunikation des Mafiabosses Garebani und seiner stummen Tochter. Die Geschichte enthält viele Details, zudem erhält der Leser einen Einblick in die Strukturen und Begebenheiten der italienischen Polizei(-arbeit), die für Außenstehende sonst nicht immer klar nachvollziehbar ist. Nichtsdestotrotz bleibt die Geschichte leichtfüßig und flüssig, da der Leser nicht mit Informationen überfordert wird. Allerdings war ich vom Ende des Romans etwas enttäuscht, da es mir zum Teil etwas realitätsfern erschien und ich es im Vergleich zur bis dahin extrem spannenden Geschichte etwas gemächlich und harmlos empfand. So kann ich – ohne zu viel zu verraten - mir nicht vorstellen, dass einzelne Figuren von der Mafia „in real life“ tatsächlich am Leben gelassen werden würden. Nichtsdestotrotz habe ich die Geschichte insgesamt als sehr gelungen und abwechslungsreich empfunden – nicht zuletzt bin ich doch sehr froh, dass eine meiner Lieblingsfiguren überlebt hat!

Der Sprachstil hat mir grundsätzlich sehr gut gefallen. Dank der bildhaften Beschreibungen habe ich direkt Bergluft geatmet und die Szenerie vor Augen gehabt. Die Beschreibung des Alltags und der fade Beigeschmack der Touristen in einem Sehnsuchtsort werden wie auch das Dorfleben und das Verhältnis und die Dynamik unter den Dörflen von Beginn an einprägend dargestellt. Die Geschichte wirkt dadurch von Seite eins an atmosphärisch. Allein die Neigung zum Telegrammstil am Ende von Absätzen, der die rasante Entwicklung darstellt, ist nicht immer mein Fall gewesen. Auch wenn sie das Tempo der Abschnitte erhöht, was den Kriminalcharakter des Romans unterstreicht. Besonders gut hat mir zudem der sich durch den Krimi ziehende Perspektivenwechsel gefallen – so wurde der Krimi nicht nur extrem schnell rasant und fesselnd, sondern man konnte von jeder Hauptfigur Stimmungslage und Gedanken erfassen.

Insgesamt handelt es sich bei „Das dunkle Dorf“ um einen unterhaltsamen, ideenreichen und mitreißenden Krimi, den ich gerne weiterempfehle. Als Leser wollte man im Laufe der Geschichte nicht nur den Ausgang/die Auflösung der Kriminalgeschichte erfahren, sondern auch wie es mit den einzelnen Figuren weitergeht. Dies ist für mich ein Hauptkriterium für eine gelungene Kriminalreihe, die man gerne weiterverfolgt. Ich freue mich daher schon jetzt auf eine Fortsetzung. Bis dahin habe ich nun Zeit, die Kriminalreihe um Kommissar Grauner und insbesondere die verschiedenen Figuren von Beginn an zu verfolgen.

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Veröffentlicht am 30.10.2020

Hobbydetektivin Bea von Maarstein fühlt der vermeintlichen Dorfidylle auf den Zahn

Hummelstich - Folge 01
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Die exzentrische Bea von Maarstein reist mit ihrem Bücherbus nach Hummelstich, einem kleinen, beschaulichen Dorf in Deutschland, um der Beerdigung ihrer kürzlich verstorbenen Freundin Hetty beizuwohnen. ...

Die exzentrische Bea von Maarstein reist mit ihrem Bücherbus nach Hummelstich, einem kleinen, beschaulichen Dorf in Deutschland, um der Beerdigung ihrer kürzlich verstorbenen Freundin Hetty beizuwohnen. Mit im Schlepptau dabei hat sie ihren Papagei Dr. Jekyll und eckt mit ihrer ungewöhnlichen und schonungslos offenen Art bereits zu Beginn bei den Dorfbewohnern an, die im Geheimen schon auf ihre baldige Abreise hoffen. Doch kurz nach der Beerdigung erfährt Bea, dass sie nicht nur das in Hummelstich angesiedelte wunderschöne Haus ihrer Freundin, sondern ihr gesamtes Hab und Gut erben wird.
Bei der Durchsicht des Hauses stößt Bea schon bald auf Ungereimtheiten rund um das Ableben der Verstorbenen, die nur einen Schluss zulassen: ihre Freundin muss ermordet worden sein. Steckt hinter der heimeligen Fassade des Dorfes doch ein tiefschwarzer Abgrund? Um dies herauszufinden, macht sich Bea kurzum mit ihrem Papagei und dem etwas unbedarften Teilzeit-Dorf-Polizisten Sven auf die Suche nach weiteren Hinweisen für einen Mord an ihrer Freundin und bringt unwillkommene Unruhe in das sonst so gesittete und geordnete Dorfleben der Hummelstichler. Dabei deckt sie nicht nur Lügen und Intrigen auf, sondern kommt einem kaltblütigen Mörder immer näher …

Bei diesem Hörbuch handelt es sich um einen charmanten, humorvollen und unterhaltsamen Kriminalroman, der vor allem von einem wunderbaren Sprachstil lebt. Außergewöhnlich detailreich, mitreißend und bunt werden die Personen und Handlungen beschrieben, dass es eine reinste Freude ist. Die Figuren, insbesondere Bea mit ihrer etwas schrulligen, aber freundlichen Art, sind liebevoll ausgearbeitet und wachsen einem sehr schnell ans Herz. Es hat mich begeistert, wie einem Dank des umfassenden Sprachstils ununterbrochen lebhafte Bilder im Kopf entstehen. Das ist unter den unterhaltsamen, nicht zu blutrünstigen Kriminalromanen keine Selbstverständlichkeit! Darüber hinaus gibt es immer wieder ulkige Situationen, in die Bea und Sven geraten, die einen zum Schmunzeln bringen.

Gesprochen wird das Hörbuch von Gabriele Blum und ich kann jedem nur zur Version dieser Geschichte als Hörbuch raten, da sie den Figuren Leben einhaucht und facettenreich alle Emotionen vermittelt. Ich muss allerdings gestehen, dass ich schon vorab Fan von Frau Blum war und bereits einige Hörbücher mit ihr als Sprecherin gehört habe.

In die Handlung der Geschichte rund um den Kriminalfall möchte ich an dieser Stelle nicht zu tief eintauchen, um nicht zu viel zu verraten – allerdings habe ich die Mordermittlungen selbst als etwas simpel gestrickt und zu offensichtlich empfunden, sodass der Krimi für mich weniger Spannung als erhofft und zuletzt kein allzu überraschendes Ende genommen hat. Auch die Überzeugung der Protagonistin Bea, dass es sich überhaupt um einen Mordfall handele, entwickelte sich mir zu schnell. Nichtsdestotrotz hat mich der bilderhafte, mitreißende Sprachstil von Anfang an in seinen Bann gezogen, sodass der vielleicht etwas einfach konstruierte Krimi für mich in den Hintergrund rückte.

Zusammenfassend handelt es sich um einen witzigen, warmherzigen Wohlfühl-Krimi für gemütliche Stunden auf der Couch, den ich trotz verhaltener Spannung gerne weiterempfehle. Seitdem ich entdeckt habe, dass es sich hierbei um eine (Hör-)Buchreihe handelt, freue ich mich schon auf die weiteren Folgen – denn ich möchte nun unbedingt wissen, wie es mit den lieb gewonnen Charakteren weiter geht.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Miträtseln garantiert!

Missing Page - Tödliche Worte
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Die angehende Schriftstellerin Toni möchte am Workshop eines bekannten Autors teilnehmen und endlich ihre Schreibblockade überwinden. Hierfür reist sie in dessen Herrenhaus nach Schottland. Als der Schriftsteller ...

Die angehende Schriftstellerin Toni möchte am Workshop eines bekannten Autors teilnehmen und endlich ihre Schreibblockade überwinden. Hierfür reist sie in dessen Herrenhaus nach Schottland. Als der Schriftsteller ihr und den 5 weiteren Kandidaten dort offenbart, dass sie nicht nur um seine Gunst miteinander konkurrieren, sondern auch um dessen Vermächtnis, sind alle gleichermaßen verwundert wie begierig. Doch schon bald kommt es zu merkwürdigen Ereignissen, Diebstählen und auch das misstrauische Personal des Schriftstellers verhält sich äußerst ungewöhnlich. Als nachfolgend auch noch jemand zu Tode kommt, wird Toni schnell klar, dass sie ermitteln muss - denn sie selbst steht als Verursacherin im Verdacht...

Der Roman "Missing Page" von Katie Kento hat mich vor allem durch seinen Schreibstil und die vielen Anspielungen auf klassische Krimis begeistert. Fans von Cluedo, Inspector Barnaby oder Agatha Christie kommen hier definitiv auf ihre Kosten!

Besonders gut gefallen haben mir auch die Figuren: Sie sind klar voneinander abgegrenzt und ließen sich sehr gut auseinanderhalten, was bei der Vielzahl an Charakteren wirklich wichtig ist. Neben der Hauptfigur Toni war mein persönlicher Favorit definitiv George. Er ist einfach eine Figur, die ich wider besseren Wissens (, denn es war ja schließlich jeder verdächtig, ) sofort ins Herz geschlossen habe. Andere Charaktere wiederum sind bewusst unsympathisch gezeichnet, was die Dynamik wirklich spannend machte. Zugleich konnte ich beim Lesen gefühlt niemandem wirklich vertrauen, was den Rätselfaktor in die Höhe trieb. Als Agatha Christie Fan liebe ich ja den "Jede/r könnte es gewesen sein"-Aspekt.

Das Setting empfand ich als atmosphärisch dicht und sie sorgte für genau die richtige Spannung. Auch die kleinen gestalterischen Elemente im Buch, wie z.B. eingestreute Grundrisse oder auch Schreibwettbewerbs-Beiträge, fand ich richtig gelungen und passend zur Geschichte.

Was mir ebenfalls sehr gefallen hat: Man wurde als LeserIn ständig zum Miträtseln angeregt. Es gab viele offene Fragen und unterschiedliche Spuren, sodass man immer wieder eigene Theorien entwickeln konnte. Genau das macht für mich den Reiz eines solchen Buches aus!

Allerdings hatte die Geschichte für mich auch kleinere Schwächen. Einige Elemente hätten für meinen Geschmack etwas straffer erzählt werden können. So hat mich zum Beispiel das Schlafwandeln der Protagonistin Toni auf Dauer eher genervt als begeistert. Außerdem wirkte die Handlung stellenweise etwas überladen, da sehr viele Entwicklungen und Enthüllungen gleichzeitig passierten. Das hat es mir manchmal schwer gemacht, komplett dranzubleiben und mir fehlte bei den vielen Ideen und Richtungen manchmal etwas Klarheit und ein roter Faden.

Das Ende fand ich sehr stimmig und rund, obwohl mir die Auflösung zuvor insgesamt zu konstruiert vorkam.

Fazit: Ein spannender YA-Thriller mit tollen Figuren, vielen cleveren Ideen und großem Miträtsel-Faktor. Auch wenn die Handlung zwischendurch für meinen Geschmack etwas zu viel auf einmal wollte, konnte mich das Buch insgesamt wirklich gut unterhalten. Die Autorin hat wahnsinnig viel Fantasie und Ideen und ich freue mich schon jetzt auf weitere Bücher von Katie Kento!

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Zwischen Kamelien, Kulturen und Gefühlen

Wiedersehen im Kamelienhaus
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"Wiedersehen im Kamelienhaus" ist Band 2 der Kamelienhaus-Reihe von Tabea Bach und setzt nahtlos an den vorhergehenden Band an. Die Geschichte wird wieder überwiegend aus Lucys Perspektive erzählt, die ...

"Wiedersehen im Kamelienhaus" ist Band 2 der Kamelienhaus-Reihe von Tabea Bach und setzt nahtlos an den vorhergehenden Band an. Die Geschichte wird wieder überwiegend aus Lucys Perspektive erzählt, die nun als Geschäftsführerin die Kamelienölmanufaktur auf der Insel Soshima nahe Tokio übernommen hat und sich dort bewähren muss. Ergänzt wird das Ganze – wie schon im ersten Band – durch Tagebucheinträge ihrer Mutter Sylvia, die in der Bretagne lebt und dort eine Kosmetikfirma führt, die ebenfalls turbulenten Zeiten entgegenblickt.

Auch Band 2 hat mir insgesamt wirklich gut gefallen. Die Geschichte war über weite Strecken sehr spannend - teilweise so sehr, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Gleichzeitig gab es zwischendurch ein paar kleinere Längen, vor allem rund um Lucys Arbeit, einige die Arbeit betreffende sehr ausführliche Dialoge und detaillierte Beschreibungen dieser. Auch die Vielzahl an Namen empfand ich stellenweise als etwas herausfordernd. Zum Glück befand sich ein Personenregister im Einband, auf das ich trotz frisch gelesenen ersten Bandes öfter zurückgreifen musste.

Besonders begeistert hat mich erneut, wie die Autorin die Traditionen und Lebensweisen zweier Kulturen miteinander verwebt – die Bretagne in Frankreich und die fiktive Insel Soshima in Japan. Vor allem die japanischen Gepflogenheiten, Sagen und Lebensweisheiten als auch die Kulinarik waren wieder unglaublich faszinierend bzw. bildlich dargestellt. Sehr gelungen fand ich auch die inneren Konflikte der Hauptfigur Lucy: Dieses Spannungsfeld zwischen europäischem Denken und dem bewussten Einhalten japanischer Konventionen wurde richtig feinfühlig und nachvollziehbar ausgearbeitet. Auch emotional sehr gefesselt hat mich Lucys Verbindung zu Finn. Hier habe ich richtig mitgefiebert, dass die beiden endlich die Kurve kriegen. Und auch Lucys beste Freundin Lilli sorgte in Liebesdingen für Furore.

Der Schreibstil ist melodisch und schön, manchmal vielleicht etwas betulich, wobei mir das im zweiten Band deutlich weniger aufgefallen ist als im ersten. Insgesamt erzeugt das Buch eine angenehme Wohlfühlatmosphäre, ohne dabei an Spannung zu verlieren. Gerade gegen Ende, als sich ein Taifun der Insel Soshima näherte, wurde die Handlung richtig fesselnd und teilweise sogar dramatisch.

Auch wenn einige Entwicklungen vorhersehbar waren, hat mich die Umsetzung dennoch in den Bann gezogen. Die Autorin zeigt ein feines Gespür für zwischenmenschliche Beziehungen und schafft es, Emotionen und Stimmungen sehr atmosphärisch einzufangen. Auch die Naturbeschreibungen haben mir ebenfalls sehr gut gefallen.

Ein kleiner Wermutstropfen war für mich, dass Finns Vater, der bereits in Band 1 "der Feind" war, nie direkt auftrat, sondern nur indirekt erwähnt wurde. Hier hätte ich mir mehr gewünscht, da diese Figur durchaus Potenzial gehabt hätte.

Überrascht hat mich zudem, dass die Hauptgeschichte bereits mit diesem zweiten Band endet, obwohl ein dritter angekündigt ist. Offenbar handelt es sich dabei eher um ein kürzeres Sequel. Das Ende von Band 2 fühlt sich aber stimmig und versöhnlich an, auch wenn ich damit so nicht gerechnet hatte.

Insgesamt ist "Wiedersehen im Kamelienhaus" ein gefühlvoller, spannender Feelgood-Roman mit angenehmer Tiefe, der vor allem durch seine kulturellen Einblicke und seine atmosphärische Erzählweise überzeugt.

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