Ein Leben mit Schuld
Am helllichten TagInhalt: Als Tonis Vater stirbt, hinterlässt er mehr als nur Erinnerungen. In seinem Nachlass findet Toni einen unvollendeten Brief, in dem er von einer Schuld spricht, die ihn seit seiner Kindheit nicht ...
Inhalt: Als Tonis Vater stirbt, hinterlässt er mehr als nur Erinnerungen. In seinem Nachlass findet Toni einen unvollendeten Brief, in dem er von einer Schuld spricht, die ihn seit seiner Kindheit nicht mehr losgelassen hat. Auf der Suche nach Antworten stößt Toni auf drei am hellichten Tag in Pirmasens spurlos verschwundene Kinder in den 1960er Jahren. Welche Rolle spielte ihr Vater dabei?
Mein Leseeindruck: Mich hat an dem Buch vor allem das zentrale Thema der Schuld beeindruckt. Es geht darum, wie Menschen mit ihr umgehen. Trägt man sie still mit sich herum, bis sie einen innerlich zerfrisst? Findet man den Mut, sich ihr zu stellen? Oder versucht man, sie zu verdrängen? Klar wird dabei vor allem eines, ganz entkommen kann man ihr nicht.
Die Figur der Toni hat mir besonders gut gefallen. Einerseits hadert sie mit der schwierigen Beziehung zu ihrem Vater, von dem sie sich im Laufe der Jahre immer mehr entfremdet hat. Andererseits spürte ich ihren Wunsch, ihm im Nachhinein näherzukommen, sein Verhalten zu verstehen und vielleicht auch Frieden mit der Vergangenheit zu schließen. Diese innere Zerrissenheit wirkte auf mich sehr authentisch.
Auch die Darstellung von Pirmasens fand ich spannend. Die Stadt, einst geprägt von Wohlstand durch ihre Schuhindustrie, wird hier als Ort gezeigt, der im Laufe der Zeit an Glanz verloren hat. Eine Entwicklung, die die melancholische Grundstimmung des Buches gut unterstreicht.
Peter Probst verwebt die fiktive Handlung geschickt mit der realen Geschichte der drei verschwundenen Kinder aus den 60er Jahren. Gerade dieser Bezug zur Wirklichkeit macht die Geschichte besonders eindringlich, zumal der Fall bis heute nicht aufgeklärt ist.
Fazit: Ein eher ruhiger Krimi, der weniger von Action als von seinen moralischen Fragen lebt und gerade dadurch nachwirkt.