Beeindruckendes Werk
Half His AgeTitel: Half his Age
Autorin: Jennette McCurdy
Verlag: Blumenbar
Preis: 24,00€
Seitenzahl: 331 Seiten
Übersetzerin: Olivia Kuderewski
Inhalt:
Waldo ist gierig. Notgeil. Direkt. Naiv. Weise. Impulsiv. ...
Titel: Half his Age
Autorin: Jennette McCurdy
Verlag: Blumenbar
Preis: 24,00€
Seitenzahl: 331 Seiten
Übersetzerin: Olivia Kuderewski
Inhalt:
Waldo ist gierig. Notgeil. Direkt. Naiv. Weise. Impulsiv. Einsam. Wütend. Stark. Verletzt. Clever. Sie will so unendlich viel, und das, was sie am meisten will, ist: Mr. Korgy, ihren Lehrer für kreatives Schreiben, mit Frau und Kind, mit der Hypothek und den Rechnungen, mit den toten Träumen, der verblassten Attraktivität und dem immer größer werdenden Bäuchlein. Sie weiß nicht, warum sie ihn will. Ist es seine Leidenschaft? Seine Lebenserfahrung? Die Tatsache, dass er Bücher und Filme und Dinge kennt, die sie nicht kennt? Oder ist es etwas noch Reineres, etwas, das in ihrer unwahrscheinlichen Verbindung liegt, in ihrer Seelenverwandtschaft, in dem ähnlichen Filter, durch den sie beide die Welt um sich herum betrachten? Oder vielleicht reicht schon die Tatsache, dass er sie sieht? Wo es doch sonst niemand tut?
Ein witziger, trauriger und fesselnder Roman über Sex, Konsum, Klassenunterschiede, Begehren, Einsamkeit, das Internet, Wut, Intimität, Macht und die (oft völlig fehlgeleiteten) Kraftakte, die wir auf uns nehmen, um das zu bekommen, was wir wollen.
Meine Meinung:
Nachdem ich bereits vor einigen Jahren “I’m glad my mom died” von Jennette McCurdy gelesen habe, war ich sehr gespannt auf ihr neuestes Werk, das dieses Mal eher in die literarische und nicht die autobiografische Richtung ging.
Das Cover finde ich spannend. Es ist nicht das wonach ich normalerweise direkt greifen würde, passt aber sehr gut zum Genre und spricht meiner Meinung nach auch gut die Zielgruppe an. Es wirkt zudem leicht provokant was auch sehr gut zu Waldo, unserer Hauptprotagonistin passt.
Waldo ist eine Protagonistin von der ich mir sicher bin das nicht jeder sie mögen wird. Sie sucht nach sehr viel Bestätigung, was sie selbst auch merkt, aber diese Bestätigung ist nicht unbedingt gesund. Trotzdem ist sie auch jemand, durch den viele aktuelle Themen aufgegriffen werden, wodurch sie eine spannende Repräsentationsfigur ist. Sie ist niemand mit dem man, oder zumindest ich mich gut identifizieren konnte, aber trotzdem ist sie eine Teenagerin, mit Problemen und Sorgen, die doch sehr greifbar waren und durch die man sie besser verstehen konnte.
Die Geschichte hat sich auf schonungslos ehrliche Weise entwickelt und konnte mich oftmals sehr überraschen. Hier wurde nichts zurückgehalten. Die Charaktere waren absolut unperfekt und haben mich von der ersten bis zur letzten Seite in ihrem Bann behalten. Für mich ist das Buch eine echte Coming-of-Age Geschichte, mit einer sehr komplexen Teenagerin, die in gewisser Weise auch auf der Suche nach sich selbst ist. Für mich hatte das Buch sehr viel Tiefe, hat sich aber auch extrem um Waldo gedreht, so dass man nicht zu viel Handlung erwarten sollte. Dennoch war es gerade die Tiefe des Buches, die mir sehr gefallen hat und die mich persönlich auch zum Nachdenken gebracht hat. Das Buch erzählt die Geschichte einer Teenagerin auf absolut ungeschönte Weise und ist dabei brutal, manchmal fast schon schmerzlich ehrlich. Es ist keine Liebesgeschichte, gerade weil man selbst auch weiß wie falsch die Affäre zwischen Waldo und ihrem Lehrer Mr. Korgy ist, will man auch gar nicht das es sich zu einer entwickelt. Umso spannender war es für mich aber auch zu verfolgen, wie Waldo vor allem versucht nicht allein zu sein, wie sie gewollt werden will und wie falsch es ist, wie sie von ihrem Lehrer behandelt wird. Es legt hier auf schonungslose Weise da, wie Machtmissbrauch passieren kann und wie abhängig gerade eine junge Teenagerin werden kann.
Für mich war "Half his Age" ein echtes Jahreshighlight, voller Emotionen, Themen, die unter die Haut gehen, gefüllt von aktuellen Debatten und mit einer Teenagerin, die keine Identifikationsfigur ist, aber an deren Beispiel gezeigt wird, wie Machtmissbrauch passiert. Es ist eine Geschichte, die unter die Haut geht mit Passagen, die ich nicht so schnell vergessen werden und auch Momenten, die mich zum nachdenken gebracht haben. Ich freue mich somit jetzt schon auf das nächste Werk der Autorin.
Jennette McCurdy schreibt hier auf absolut beeindruckende Weise und erzählt die Geschichte von einer jungen Frau, die in gewisser Weise auch auf der Suche nach sich selbst ist. Der Schreibstil ist greifbar, echt, geht teilweise unter die Haut, hat manchmal poetische Elemente und konnte mich einfach sehr begeistern. Ich denke dass dieser Roman nicht etwas für jeden sein wird, aber wenn man dem Buch eine Chance gibt und sich wirklich darauf einlässt, kann man hier ein wirklich großartiges und beeindruckendes Werk lesen.